Sohn (20 Monate) haut jeden

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von sun678 14.04.10 - 14:47 Uhr

Hallo zusammen.

Der Betreff klingt zwar härter, als es in Wirklichkeit ist, aber dennoch weiß ich nicht genau, wie ich damit umgehen soll:

Hendrik "haut" im Moment jeden (gibt quasi jedem eine Backpfeife), der ihm zu nahe kommt. Es hat nichts mit Wut oder dergleichen zu tun, und er hat immer ein Grinsen dabei auf dem Gesicht. Hier mal ein paar Beispiele:

1. Er sitzt auf der untersten Treppenstufe und ich hocke vor ihm und binde ihm die Schuhe zu: ich bekomme eine Backpfeife

2. Ich habe ihm auf dem Arm, weil wir los wollen. Mein Mann will ihm ein Küsschen geben: er bekommt eine Backpfeife

3. Beim Turnen gestern: ein etwa gleichaltriges Kind stehen neben ihm: er sieht es an und dibt ihm eine Backpfeife.

Und das ist eigentlich IMMER so!

Was macht man da???

Beitrag von hoernchen123 14.04.10 - 17:09 Uhr

Ganz klar sagen, dass man das nicht macht und ihn, sofern es die Situation zulässt, aus eben der Situation rausnehmen (Turnen ist halt vorbei, wenn er trotz eindeutiger Ansage wieder eine Backpfeife verteilt oder Küsschen gibt es eben nicht, wenn man haut...etc.). Ansonsten dieses Verhalten ignorieren, nicht diskutieren und keine große Sache draus machen. Meine Tochter hatte diese Phase auch und fand Backpfeifen (und wahlweise kneifen) wahnsinnig lustig...Aber so haben wir es relativ schnell in den Griff bekommen.

Beitrag von marathoni 14.04.10 - 18:46 Uhr

...Ich weiß jetzt zwar nicht ob ich das hier darf....aber vor einigen Tagen hatte ein Herr einen sehr guten Beitrag hier abgeliefert. Ich kopiere ihn dir rein. Passt auch auf deine Situation.
Tochter 1,5 Jahre beißt Mama und Papa und...
von jazzbassist - 11.04.10 - 14:22h
Das menschliche Gehirn lernt leider nur durch Wiederholungen. Das können Sie ganz leicht im Selbstexperiment feststellen: Kaufen Sie sich ein Musikinstrument, dass Sie nicht spielen können und versuchen Sie darauf ihr Lieblingslied darauf zu spielen. Es klappt nicht; völlig unabhängig davon, ob ihr Musiklehrer schimpft, sie auf den Boden setzt, ins Zimmer setzt, ins Bett legt oder einen klapps auf den Po gibt. Die einzige Möglichkeit, es zu lernen, ist, es immer und immer wieder zu wiederholen - bis es irgendwann besser wird.

Auch Ihre Tochter wird so ihr ganzes Leben lang lernen. Sei es das Fahrradfahrer, das Schwimmen, Lesen, Rechnen und Schreiben oder das Autofahren. Sie muss es immer und immer wieder wiederholen, bis es irgendwann funktioniert. Auch Sozialverhalten ist etwas, womit ein Kind nicht auf die Welt kommt sondern erst mühselig erlernen muss. Die Evolution hat Jahrtausende gebraucht, diese Regeln zu manifestieren - so normal, logisch und einfach sie für uns Erwachsene auch erscheinen mögen. Für ein 19 Monate altes Kind ist das nichts anderes, als Sonaten von Haydn am Klavier zu spielen, Lesen, Rechnen, Schreiben, Schwimmen oder Radfahren zu lernen.

Es sind eigentlich unlösbare Aufgaben, die mit viel Liebe, viel Übung und viel Zeit und sehr viel Geduld aber jedes Kind wird erlernen können. Bei einem beißenden Kleinkind (was wirklich normal ist, dass es das tut), wäre eine Lösung hier, klar und bestimmt „nein, dass tut weh“ zu sagen und sie für 1-2 Minuten auf den Boden zu setzen und vor allem - Ruhe zu bewahren; nichts macht Kleinkinder unsicherer als unruhige Eltern. So entwickelt es sich für das Kind zu einer Grenze, die es assoziieren kann: „Wenn ich Mama beiße, setzt Mama mich auf den Boden.“ Da Kinder aber bei Mama bleiben wollen, fangen die dann schnell an, Mama nicht mehr zu beißen. Hier ist also wichtig, dass Sie immer und immer wieder gleich reagieren. Sonst kann ein Kind diesen ganz bedeutenden Schluss nicht machen, wenn Sie jedes mal anders reagieren. Und dann heißt es eigentlich nur, es wieder und wieder zu probieren, bis sie es gelernt hat.

Es gibt diesen ultimativen „Jetzt ist mein Kind für immer Artig“-Schalter nicht; sie finden diesen auch bei Hobbys, Schule und Ko. nicht. Es hilft also nicht, danach zu suchen, in dem Sie immer und immer wieder versuchen, die Erziehung zu ändern (mal auf den Boden, mal ins Zimmer, mal ins Bett). Das einzige, was sie dadurch erreichen, ist, dem Kind die Möglichkeit zu nehmen, etwas falsches zu erkennen. Denn es braucht dafür nur eines - die Sicherheit zu haben: „Wenn ich Mama beiße, setzt Mama mich auf den Boden und das ist doof“. Dieser Schluss kommt halt nicht beim ersten mal. Es bedarf oftmals mehrere Wiederholung, bis ein Kind diese Sicherheit erlangt hat - wir nennen diesen Prozess „lernen“. Sie können ihn nicht beschleunigen, nur durch unterschiedliches Handeln immens verlangsamen.

Beitrag von bine3002 14.04.10 - 20:24 Uhr

"Was macht man da???"

Zuerstmal verstehen, warum er das tut.

In dem Alter gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Kontaktaufnahme:
Ich kenne einen Jungen, der in diesem Alter immer gebissen hat und zwar aus heiterem Himmel. Schimpfen, ignorieren, wegsetzen, selbst zurückbeissen und Klaps auf die Hand... hat alles nichts geholfen, die Mama war wirklich verzweifelt und es war ihr unendlich peinlich. Dieser Junge hörte ganz von alleine damit auf und ist heute ein ganz süßer "Küsser" geworden, der es mit der Knutscherei schon fast ein wenig übertreibt. Scheinbar hat er irgendwie Küssen und Beissen verwechselt.

2. Austesten:
Ich meine dabei weniger das berühmte Grenzen austesten. Vielmehr testet er das Verhalten seiner Mitmenschen. Kinder in dem Alter sind gerade dabei menschliches Verhalten genau zu studieren. Und dabei ist jeder Gesichtsausdruck total interessant. Am Interessantesten sind natürliche solche Gesichtsausdrücke, die irgendwie "besonders" sind wie Lachen, Wut, Trauer. Da "passiert" etwas und das findet das Kind so spannend, dass es das immer wieder sehen möchte. Es ist also eine Art Spiel.

Und erst, wenn das zur Genüge erforscht wurde, geht das Kind zu Schritt 2 über und setzt das Gelernte dann auch ganz bewusst ein, um Menschen zu "manipulieren". Z. B. haut es dann zu, weil es bemerkt hat, dass das andere Kind dann weint und zu Mami läuft. Das Spielzeug ist frei und es kann selbst damit spielen... schönes Ding.

Dagegen tun kann man eigentlich nicht so viel. Du könntest versuchen, das Hauen weitgehend zu ignorieren, zumindest was die Mimik angeht. Sag laut und deutlich NEIN und verzieh dabei keine Mine. So ist es zumindest total unspannend, dich zu hauen. Andere Kinder bleiben dadurch aber immer noch interessant und folglich wird dein Sohn erst dann aufhören, wenn es ihm reicht. Man könnte jetzt mit Konsequenzen kommen wie "Turnen beendet". Erfahrungsgemäß bringt das aber nicht viel.

Beitrag von sun678 14.04.10 - 22:11 Uhr

Ich danke euch für eure Meinungen! Das hat mir schon sehr geholfen!

Vielen lieben Dank.