Ich brauche neutrale Meinungen

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von was würdet ihr tun? 15.04.10 - 21:32 Uhr

Hallo ihr Lieben

heute sehe ich keine andere Möglichkeit als mich an euch zu wenden weil ich einfach neutrale Meinungen brauche und nicht Meinungen, die man mir sagt weil man mich mag oder nicht verletzen will.

Hintergrundinfo:
Ich bin verheiratet, habe 2 Kinder.
Seit der Geburt unseres 2. Kindes leide ich an Depressionen. Wir hatten eine schlimme Geburt und die gesundheitlichen Folgen dauern bei mir immer noch an. Das hat mich in eine tiefe Krise gestürzt.
Mein Mann arbeitet viel, manchmal ist er 36 Stunden am Stück weg.
Ich bekomme Panikattacken sobald ich mit den Kindern so lange alleine sein muss und habe ihn nun gebeten, seine Arbeitszeiten vorübergehend umzustellen so dass er nicht mehr über nacht weg sein muss.

Nun, er MöCHTE das aber nicht. Er ist wirklich nicht bereit mir diesen Gefallen zu tun und ich weiss genau es WàRE möglich...Er liebt seinen Job, das ist mir klar, aber ich brauche ihn jetzt daheim. Brauche seine Hilfe, denn ich klappe sonst bald zusammen.

Zu allem überfluss leben wir auch noch weit weg von meiner Familie, ich habe hier keine Freunde und besitze auch kein Auto um mal wegzufahren oder so.
Ich bin so einsam, dass ich schon manchmal glaube ich werde verrückt :-(
Er erzählt mir täglich "Ja Schatzi, wirst sehen, es wird alles wieder gut."
Leute, nichts wird gut. Es wird immer schlimmer. Dieses Alleinsein ist Gift für mich und ich weiss nicht was ich noch tun soll um ihm klarzumachen, wie ernst die Lage ist.

Ich liebe ihn und er liebt mich und ich will ihn nicht verlieren.

Was soll ich tun?

Beitrag von mamantje 15.04.10 - 21:55 Uhr

Hallo,

#liebdrueck

Wenn ich das so lese, dann hab ich das Gefühl, dass dein Mann leider (noch) nicht den Ernst der Lage erkannt hat. Schade, aber es scheint, dass ihm das Licht auch nicht aufgehen wird, wenn "nur" du mit ihm redest.

Schwierig, denn ich finde deine Situation schon sehr bedenklich... Leute mit solchen "Problemen" wie du brauchen in meinen Augen Unterstützung bzw. Hilfe... damit nicht Schlimmeres passiert.

Nun ja, was würde ich tun? Ich glaube ich würde an deiner Stelle mal eine liebe Psychologin aufsuchen, mit der du mal in Ruhe und neutral reden kannst. Da hast du dann die Möglichkeit mal Dinge loszuwerden... vielleicht hilft das allein schon weiter.

UND DANN würde ich meinem Mann (ohne Druck) erzählen, dass ich bei einer psychologischen Beratungsstelle war und die mir dringend Hilfe empfohlen haben .... #aha

So in der Art. Denk mal drüber nach.

Alles Gute für dich, auf dass es bald besser wird #blume

Liebe Grüße
Antje

Beitrag von witch71 15.04.10 - 21:56 Uhr

Zuerst mal: Dein Mann kann Dir nicht helfen, auch wenn er wollte. Eine Depression ist eine Erkrankung, die behandelt werden muss. Er könnte Dir auch nicht den Arm gipsen, wenn er gebrochen wäre, da müsste ein Fachmann ran. Und genauso muss Dir jetzt ein Fachmann (oder eben eine Fachfrau) mit der Depression helfen.
Selbst wenn Dein Mann eine Weile zuhause wäre, würde das das Problem nur verschieben. Du musst die schwere Geburt verarbeiten und das geht natürlich einerseits mit der Zeit, andererseits aber auch mit Gesprächen. Und die sind momentan viel wichtiger, als alles andere.

Auch wenn es schon eine Weile her sein sollte, dass Du sie zuletzt kontaktiert hast: Ruf Deine Hebamme an, die Dich nach der Geburt betreut hat. Die wissen, wohin man sich in solchen Fällen wendet.
Sollte das aus irgendwelchen Gründen nicht gehen, fragst Du Deinen Frauenarzt/-ärztin.
Ist auch das nicht möglich, gehst Du zum Hausarzt.

Dein Mann sollte wenigstens in der Lage sein, Dich bei diesem Schritt zu unterstützen. Sollte er sich wieder sperren, dann überleg Dir bitte, ob Du nicht zu Deiner Familie und den Freunden in Deiner alten Heimatstadt gehen kannst, bis Du Dich wieder gefangen hast. Mit den Kindern natürlich..

Beitrag von mrs.steffi 15.04.10 - 21:57 Uhr

Ich finde das nicht gut von ihm wenn er da sein könnte es aber nicht macht weil er nicht will, es sind auch seine Kinder und du seine Frau die seine Hilfe braucht.

Ich denke du würdest das auch für ihn tun wenn du könntest sag ihm das so.

Beitrag von nick71 15.04.10 - 22:01 Uhr

Wie lange leidest du schon an Depressionen bzw. Panikattacken? Und bist du deswegen in ärztlicher/therapeutischer Behandlung?

Ich frage aus dem Grund, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie belastend das für eine Beziehung sein kann...gerade, wenn die Krankheit schon länger anhält.

Oft ist der nichtbetroffene Partner irgendwann damit überfordert...das würde die Weigerung deines Mannes, seine Arbeitszeiten umzustellen, zumindest erklären (nicht aber entschuldigen).

Hinzu kommt, dass für jemanden, der nie psychische Probleme hatte, die Tragweite einer solchen Erkrankung gar nicht zu erfassen ist, weil sie halt so wenig "greifbar" ist.

Beitrag von was würdet ihr tun? 15.04.10 - 22:01 Uhr

Danke euch für eure Antworten.

Ich habe den Ernst der Lage schon lange erkannt und mich bereits vor Wochen in psychologische Behandlung begeben, die übrigens auch mit Medikamenten einhergeht.
Die Sache mit meinem Mann rückt so in ein ganz anderes Licht oder?

Beitrag von mrs.steffi 15.04.10 - 22:11 Uhr

Ich finde wenn man seinen Partner liebt dann versucht man auch für ihn da zu sein, ob es ihn jetzt gut oder schlecht geht. Männer stecken selten für ihre Frau zurück außer man erwischt ein echt seltenes exemplar Mann.

Beitrag von mamantje 15.04.10 - 22:23 Uhr

Ja, das rückt das Ganze in ein anderes Licht.

Ich würde an deiner Stelle zur Wahl stellen: entweder du schnappst dir die Kinder und bist auf unbestimmte Zeit bei deinen Freunden / Verwandtschaft um Unterstützung zu haben und alles wieder in den Griff zu bekommen ... oder er organisiert sich DER FAMILIE ZULIEBE anders. er soll es ja nicht nur für dich tun. Auch die Kinder kriegen ne Menge von so einer Situation ab.

#blume

Beitrag von witch71 16.04.10 - 09:56 Uhr

Der Punkt ist, dass ich aus Deinem Eingangsposting nicht herauslesen kann, warum er sich weigert.

Was sagt er denn, wenn Du ihn direkt fragst, warum er seine Arbeit nicht mal für eine Weile zurückstellen kann?

Beitrag von was würdet ihr tun? 16.04.10 - 16:50 Uhr

Er sagt, er MöCHTE nicht anders arbeiten oder seinen Job zurückstellen.
Er arbeitet seit 10 Jahren so und das macht ihm Spass.
Schön, danke fürs Gespräch :-(

Beitrag von ug2712 16.04.10 - 12:12 Uhr

Ich war bereits in einer solchen Situation.
Mein Mann hat damals auch nicht auf Anhieb alles richtig gemacht und mich verstanden.

Mein Therapeut hatte dann eine gemeinsame Sitzung vorgeschlagen. Dabei wurde mein Mann in die Situation eingewiesen und der Umgang mit meiner Erkrankung wurde besprochen. Das hat uns sehr geholfen.
Mein Mann hat dann auch oft selbst noch einmal mit dem Therapeuten gesprochen, wenn er unsicher war.

Vielleicht wäre das für euch auch eine Möglichkeit.
Mal ganz unabhängig davon, kannst du aus meiner Sicht nicht allein mit den Kindern und Panickattacken zu Hause sein. Das Wohl eurer Kinder sollte deinem Mann wohl schon wichtig sein.

Beitrag von diana1101 15.04.10 - 22:28 Uhr

Hi,

pack deine Sachen und besuche deine Eltern..

Das war mein erster Gedanke.

Mein Mann kommt zwar jeden Abend nach Hause, aber er ist auch 2-3x/Woche Abends weg.. Musikverein/Fussball!
Und ich sitze hier den ganzen Tag alleine zuhause, mit einem kleinen Kind welches im Mai 1 Jahr alt wird.
Ich vermissen den Umgang mit Erwachsenen.
Ok, meine Schwiegereltern wohnen gegenüber, aber was soll ich da den ganzen Tag.
Meine Eltern wohnen auch weit weg. Freunde habe ich hier auch nicht wirklich.
Habe zu meinem Mann gesagt, das ich wenn es so weitergeht, als Alleinerziehende besser dran wäre..
Natürlich will ich das nicht, ich liebe meinen Mann, aber ich musste es ihm sagen.


Naja, ich hoffe jetzt einfach auf den Frühling/Sommer.. dann wird bestimmt alles gut.

LG Diana

Beitrag von nachvollziehbar 16.04.10 - 11:37 Uhr

Hallo,

mein erster Eindruck: Er ist überfordert und möchte sich das `Elend`zu Hause nicht ansehen müssen...
Ich kenne das zu gut von mir, denn meine Mutter ist ebenfalls depressiv und ich ertrage das auch nur ganz schlecht, vor allem weil`s nicht besser wird. Ich bin nicht gewillt mich übermässig zu involvieren um mich selbst zu schützen weil sonst brauche ich am Ende einen Therapeuten, das klingt jetzt egoistisch, ist aber aus 8-jähriger Erfahrung erwachsen.

Also, ich kann es nachvollziehen, wie dein Mann wahrscheinlich denkt, nichtsdestotrotz ist der der entscheidende Unterschied, dass er sich bewusst für die Gründung einer Familie mit dir entschieden hat und da jetzt mit durch muss! Vielleicht sollte er auch mal mit deinem Therapeuten sprechen um zu erfahren, wie er mit der Situation umgehen soll... ein Wort von aussen mit entsprechender fachlicher Qualifikation ist ja manchmal überzeugender wie ein Häuflein Elend das einen um Hilfe `anbettelt`....

VG