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Beitrag von nebula 15.04.10 - 22:00 Uhr

Schönen guten Abend,

ich hoffe ich finde hier ein paar die sich ggf. sogar sehr gut auskennen.

Meine Freund hat eine Arbeitstelle bei DPD angeboten bekommen. Er hat ein Monat Praktikum dort gemacht und die Anstellung zum 1.4 auch bekommen.

Zu Anfang hieß es er solle 1500 Euro Netto rausbekommen, als das Praktikum war, kam dann das der DPD-Chef einen Auftrag nicht mehr hat und es wohl auf 1300 hinaus laufen würde. Dabei stand im Raum ob Netto oder Brutto. Irgendwann wurde dann auch nur noch von 1200 Euro geredet.

Mein Partner ist nun nicht der der sofort iwie seinen Mund aufmacht und ließ natürlich alles auf sich zukommen. Job ablehnen ging sowieso nicht, wegen Kürzungen und Co. Das können wir uns nicht leisten.

Heute bekam er den Arbeitsvertrag.

Ich bin erst schon überrascht gewesen, aber am Ende bin ich eigentl. nur noch geschockt!

Der Arbeitgeber hat keinen festgehalt angegeben, sondern 8,50€ Brutto pro Stunde - auf im vertrag festgelegt 40 Std/Woche.

Er kommt aber locker fast auf das doppelte der Stunden.

Er fängt morgens um 5 an, macht im Depot seine Pakete fertig und fährt dann zum Einsatzort (ca. 25km). Dort angekommen liefert er aus. Er hat um 17:30 seinen letzten Abholer (wo er Pakete mit ins Depot nimmt) und fährt dann im frühesten Fall ins Depot zurück, meistens aber etwas später. Im Depot zurück, muss er eben Rückpakete dort zurück sotieren und halt das Zeug fertig machen. Nachhause kommt er im normalfall zwischen 20/20:30 Uhr mit rund 30km Heimweg vom Depot aus.

Er arbeitet also von 5 Uhr bis rund 19:30/20:00 Uhr, das macht locker mehr als 8 Std am Tag. Er ist jedesmal total fertig, sitzt im höchstfall nach einer eventuellen Mahlzeit, da er sonst ja nicht wirklich zum Essen kommt, da er keine Pausen hat, noch 10 Minuten hier und schläft dann schon im sitzen ein. Natürlich ist es auch übel, dass er seine Tochter quasi nicht mehr aufwachsen sieht.

Im Arbeitsvertrag steht nun:

§3 Arbeitszeit

Die regelmäßige Arbeitszeit richtet sich nach der betribsüblichen Zeit. Sie beträgt zurzeit 40 Stunden in der Woche ohne Berücksichtung von Puasen. Die Firma ist berechtigt, aus dringenden betrieblichen Erfordernissen eine Änderung der Arbeitszeiteinteilung vorzunehmen. Der Arbeitnehmer erklärt sich bereit, im Falle betrieblicher Notwendigkeit Überstunden zu leisten.

So, wenn die jetzt um 22 Uhr im Depot stehen und die Paketregale umkippten und sein Chef in Anruft, muss er quasi dahin und helfen? (Überstunden). Wenn sein Arbeitgeber nun 2-3 weitere Aufträge annimmt, wo um 19 Uhr Pakete abgeholt werden sollen, darf er als AN dann nochmal um 19 Uhr täglich dahin (und kommt dann noch später zurück ins Depot) ohne wenn und aber?

8,50€ Brutto die Std sind ja okey, jedenfalls empfinde ich das so. Was man generell in diesem Gewerbe verdient weiß ich nicht. Aber das dies nicht auf die tatsächlichen Std gezahlt wird, halte ich für weniger OK. Er arbeitet ja, bei unterschreiben quasi fast 50% umsonst....

Ebenso macht es mich stuzig, dass während der Probezeit sowohl nach der Probezeit immer 4 Wochen Kündigungsfrist eingehalten werden sollen. Ist es nicht so, das während der Probezeit fristlos gekündigt werden kann?



Kann das sein? Ich bin absolut schockiert. Ich finde das Abzocke pur und ich würde das so definitv auch nicht unterschreiben. Was kann und sollte man nun tun?


Vielen Dank für Eure Hilfe.
Liebe Grüße

Beitrag von arkti 15.04.10 - 22:48 Uhr

Also ich hab Angst vor DPD Fahrern. #schein
Geschwindigkeitsbegrenzungen kennen die nicht ;-), liegt wohl am Zeitdruck aber ich finde die extrem gefährlich.

Hmm zu deinem anliegen, also wenn man den Stundenlohn hochrechnet, sind es 1360 Euro, also das was der Chef ungefähr gesagt hat.

Sowie ich mal gehört habe ziehen die aber auch gerne Strafgelder vom Lohn ab, wenn mal ein Expresspaket zu spät zugestellt wird oder so.


Beitrag von nebula 16.04.10 - 07:29 Uhr

Ja richtig, 250 Euro, wenn ers zuspät abgibt. Davon hat er gott sei dank nur eins.

PS: Nicht alle Fahrer sind gleich.

Beitrag von sassi31 16.04.10 - 01:14 Uhr

Hallo,

also dein Mann muss natürlich Überstunden leisten, wenn diese angeordnet werden. Aber nicht zuhause alles fallen lassen und zur Arbeit eilen, weil dem Chef "das Regal umgefallen ist". Die Formulierung zur Arbeitszeit ist absolut normal und gebräuchlich.

Hat er mal gefragt, wie die Überstunden vergütet werden, die er täglich leistet? Das wäre etwas, was mich persönlich interessieren würde, wenn ich an seiner Stelle wäre.

Kündigungsfristen kann man frei vereinbaren. Es ist normal, wenn man auch während der Probezeit eine Kündigungsfrist einhalten muss. Die gesetzliche Kündigungsfrist innerhalb der Probezeit beträgt übrigens 2 Wochen (nur mal zur Info).

Ich kenne zwei Leute, die bei DPD arbeiten. Beide erzählen immer wieder, dass sie sehr lange Arbeitstage haben und dafür recht wenig Gehalt bekommen. Und beide sehen sich nach neuen Jobs um, weil sie den Streß dort nicht dauerhaft mitmachen möchten. Wenn sie abends heim kommen, sind sie fix und fertig. Da ist der Tag komplett gelaufen. Zeit für Privatleben bleibt da garnicht.

Gruß
Sassi

Beitrag von nebula 16.04.10 - 07:32 Uhr

__Hat er mal gefragt, wie die Überstunden vergütet werden, die er täglich leistet? Das wäre etwas, was mich persönlich interessieren würde, wenn ich an seiner Stelle wäre.__

Ah okey, also kann man das, was er nun schon über die 40 Std hinaus arbeitet, erstatten lassen? Ich gehe aber eher davon aus, dass das eher failed. Da er ja grundsätzlich mehr arbeitet.



___Ich kenne zwei Leute, die bei DPD arbeiten. Beide erzählen immer wieder, dass sie sehr lange Arbeitstage haben und dafür recht wenig Gehalt bekommen. Und beide sehen sich nach neuen Jobs um, weil sie den Streß dort nicht dauerhaft mitmachen möchten. Wenn sie abends heim kommen, sind sie fix und fertig. Da ist der Tag komplett gelaufen. Zeit für Privatleben bleibt da garnicht. ___

Er will es nun erstmal machen, Sommer soll es weniger sein. Umschauen möchte ich mich für ihn dann trotzdem weiterhin, da ich das schon krass finde.

Beitrag von sassi31 16.04.10 - 13:58 Uhr

Man kann nicht einfach so verlangen, dass die Überstunden bezahlt werden. Es ist auch möglich, diese abzufeiern. Aber so ganz ohne Gegenleistung braucht man keine Überstunden machen. Sowas ist eigentlich nur üblich, wenn man in leitender Tätigkeit mit sehr gutem Gehalt arbeitet. Manche Firmen setzen Zusätze in die Verträge wie "Alle anfallenden Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten.". Aber das ist auch nicht so einfach, denn auch dann kann ein Unternehmen nicht Überstunden ohne Ende verlangen.

Eigentlich sollte es dazu eine vertragliche Regelung geben.

Wichtig ist, dass dein Mann alle geleisteten Stunden aufschreibt und abzeichnen lässt.

Beitrag von sabuscha 16.04.10 - 01:37 Uhr

Hallo,

bei Transportunternehmen ist Stundenlohn üblich, Festlohn gibt es praktisch nie. Auch üblich sind Mehrarbeitsvergütung, Verpflegungsmehraufwendungen (bei Arbeit über 8 Stunden), Sonntags-, Nachtzuschläge...

Zur Überstunden muss auch eine (extra) Regelung im Arbeitsvertrag stehen. Überstunden müssen entweder zusätzlich vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden. Überstunden sind Ausnahmefall!!, also wenn´s häufig vorkommt mit dem Chef sprechen. Wenn man seine vertraglich geregelten 8 Stunden gearbeitet hat muss man auch nicht mehr in die Arbeit, wenn man keine Rufbereitschaft (hier gilt auch gesonderte Vergütung) hat.

Zur Kündigung. "Fristlos" kann auch nach der Probezeit gekündigt werden. Allerdings ist fristlose Kündigung eine Ausnahme, man muss schon was schlimmes angestellt haben (Chef verprügelt, geklaut, ohne Führerschein gefahren ect.)

Ach, Pausen stehen jedem zu. Bei 8 Stunden Arbeit mindestens 1 Stunde, allerdings ist diese Stunde (meistens) unbezahlt.

Zum Lohnvergleich: www.lohnspiegel.de

Beitrag von nebula 16.04.10 - 07:35 Uhr

___bei Transportunternehmen ist Stundenlohn üblich, Festlohn gibt es praktisch nie. Auch üblich sind Mehrarbeitsvergütung, Verpflegungsmehraufwendungen (bei Arbeit über 8 Stunden), Sonntags-, Nachtzuschläge...___


EWas heißt das? Mehrarbeitsvergütung, Verpflegungsmehraufwendungen

___ Zur Überstunden muss auch eine (extra) Regelung im Arbeitsvertrag stehen. Überstunden müssen entweder zusätzlich vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden. Überstunden sind Ausnahmefall!!, also wenn´s häufig vorkommt mit dem Chef sprechen. Wenn man seine vertraglich geregelten 8 Stunden gearbeitet hat muss man auch nicht mehr in die Arbeit, wenn man keine Rufbereitschaft (hier gilt auch gesonderte Vergütung) hat.___

Er hat ja Grundsätzlich tägl. indem fall überstunden. Im Vertrag steht zur Vergütung derer nichts. Mit Freizeit ausgleichen wird glaube schwer *g*

Wenn er um 13/14 uhr gehen würde, weil seine 8 Std rum wären, dann wär glaub was los....

Beitrag von sabuscha 16.04.10 - 14:01 Uhr

__Was heißt das? Mehrarbeitsvergütung, Verpflegungsmehraufwendungen___

Es könnte sein, dass die Überstunden mit z.B. 30 % v. Stundenlohn zusätzlich vergütet werden ="Mehrarbeitsvergütung". Verpflegungsmehraufwand umfasst die zusätzlichen Kosten, auch „Spesen“ oder „Auslöse“ genannt, die eine Person deswegen zu tragen hat, weil sie sich aus beruflichen Gründen außerhalb der eigenen Wohnung oder außerhalb der regelmäßigen Arbeitsstätte aufhält und sich daher nicht so günstig wie zu Hause verpflegen kann.

___Er hat ja Grundsätzlich tägl. indem fall überstunden. Im Vertrag steht zur Vergütung derer nichts. Mit Freizeit ausgleichen wird glaube schwer *g*___

Deswegen würde ich ja mal mit dem Chef sprechen, da Überstunden nur im Ausnahmefall anfallen dürfen. Der Arbeitgeber kann vom Arbeitnehmer nicht einfach verlangen, dass er 12 Stunden täglich arbeitet wenn er lt. Vertrag zur lediglich 8 Stunden verpflichtet ist. Das ist "vertragswidriges" Verhalten des Arbeitgebers... Also reden, vielleicht kriegt der Chef das einfach nicht so mit, oder kann eine Lösung anbieten. Einfach so vom Arbeitsplatz verschwinden würde ich jetzt auch nicht ;-), aber reden, reden, reden...

Beitrag von manavgat 16.04.10 - 12:37 Uhr

Die regelmäßige Arbeitszeit richtet sich nach der betribsüblichen Zeit. Sie beträgt zurzeit 40 Stunden in der Woche ohne Berücksichtung von Puasen. Die Firma ist berechtigt, aus dringenden betrieblichen Erfordernissen eine Änderung der Arbeitszeiteinteilung vorzunehmen. Der Arbeitnehmer erklärt sich bereit, im Falle betrieblicher Notwendigkeit Überstunden zu leisten.

Das bedeutet, dass Überstunden nicht abgelehnt werden können, man kann also nicht einfach den Hammer fallen lassen. Die Stunden müssen jedoch (Arbeitsgesetz gilt auch hier) vergütet werden.

Dein Mann ist 28, da kann er den Stress noch ertragen. Ich würde allerdings telefonisch gar nicht erreichbar sein. D. h. Handynr. dem AG nicht mitteilen und zuhause AB dazwischenschalten. Wenn er aus diesem Grund gekündigt würde, dann wäre das kein Sperrgrund.

Gruß

Manavgat