Würdet ihr noch eins bekommen nach so einer Geburt? (lang)

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Forum: Geburt & Wochenbett

Die Geburt deines Kindes rückt näher und es tauchen immer noch neue Fragen auf? Du hast gerade entbunden und ganz spezielle Fragen in dieser besonderen Situation? Hier ist der Ort für alle Fragen rund um Geburt und Wochenbett.

Beitrag von honolulumieze 15.04.10 - 22:18 Uhr

Ich verstehe mich selbst nicht mehr. Ich wollte direkt nach der Geburt meiner Tochter unbedingt noch ein 2. Kind.

Heute war ich im Krankenhaus und da lief in der Eingangshalle eine Frau mit Wehen rum. Und ich dachte: "Das will ich nie wieder erleben." Und habe mich im gleichen Moment gewundert über meinen plötzlichen Gedanken.

Meine Geburt war schrecklich. Nach einer traumhaften Schwangerschaft ein entsetzlicher Entbindungstag. Die FÄ hat mir morgens gesagt, dass sich noch nichts tut, also verbrachte ich den Nachmittag im Bett mit Wehen alle 5-6 Minuten. Und auch die Hebamme und eine Ärztin im Krankenhaus schickten mich nach Hause bzw. spazieren. Ich hätte mein Kind in einem Kaufhaus in der Stadt bekommen können wegen denen.

Ich dachte: wenn 2 Ärztinnen und eine Hebamme sagen, dass sich da noch nix tut, dann ist das normal und wird noch Tage dauern. Pustekuchen.

Abends waren wir wieder im Krankenhaus, nachdem ich es in der Stadt nicht mehr aushielt und die Hebamme verfrachtete uns in ein Zimmer auf der Station. Auch dort wartete ich wieder brav bis (fast) zur von der Hebamme genannten Zeit, zu der ich wieder am Kreissaal sein sollte. Dann wurden wir in ein CTG Zimmer gebracht und wieder allein gelassen.

Ich lag dort eine Stunde und dachte, dass ich sterbe. Aber ich dachte, dass es normal ist und dass die Hebamme schon weiß, was sie tut.

Nach einer Stunde forderte man mich auf, jetzt in den Kreissaal zu kommen. Dort waren eine Hebamme und eine Ärztin und nach ca. einer halben Stunde wurde es hektischer. Ich bekam einen Wehentropf und das Kind sollte wohl nun raus. Kam sie aber nicht. Plötzlich hing eine Hebamme auf meinem Bauch und unten wuselte die Ärztin rum, während die andere Hebamme mir den Kopf auf die Bruste drückte wie eine Wahnsinnige.

Ich hörte nur "kristellern" und auf einmal kam eine Ärztin (ohne Kittel, die hatte es wohl eilig) reingerannt, gefolgt von einer weiteren Ärztin. Ich bekam nur mit, dass es eine Oberärztin wäre und dann hörte ich "Saugglocke". Ich wurde von vorn bis hiten aufgeschnitten und meine Tochter wurde sofort weg gebracht.

Nachdem ich eine Stunde lang zusammengeflickt wurde, wurde ich für 2 Stunden auf einen Gang geschoben. Es war Nacht, es war dunkel und ich wusste nicht, ob mein Kind noch lebt.

Irgendwann schoben sie mich in ein Zimmer auf der Station. Dort lag ich allein. Irgendwann schlief ich ein. Bis plötzlich die Kinder- und die Assistenzärztin an meinem Bett standen und mir sagten, dass es meiner Tochter sehr schlecht ginge. Sie hätte intubiert werden müssen, ihre Lunge wurde nicht richtig funktionieren und sie hätte Blut gespuckt. Man hätte den Oberarzt kommen lassen. Ich fragte, ob sie sterben müsste und die Ärztin sagte nur, sie wisse es nicht.

Noch nie in meinem Leben hatte ich solche Angst. Am 3. Tag ging es der Kleinen besser und am 10. Tag durfte ich sie mit nach Hause nehmen, nachdem ich selbst eine ganze Woche im Krankenhaus lag. Zusammengeflickt. Ich konnte kaum laufen. Monatelang tat alles weh.

Meine Tochter ist putzmunter. Aber mittlerweile habe ich Angst, das Schicksal irgendwann noch einmal heraus zu fordern. Man liest so viel. Frühgeburten, Todgeburten, Komplikationen, verpfuschte Kaiserschnitte etc. etc. Ich habe Angst, dass mir sowas auch passieren könnte und denke mir, dass ich lieber dankbar für mein eines gesundes Kind sein sollte.

Vielleicht geht es ja jemandem ähnlich.

Oder sagt ihr einfach: egal. Ist blöd gelaufen, beim nächsten wird es besser?!

Beitrag von minnie85 15.04.10 - 22:59 Uhr

Hallo,

du hattest ja wirklich keine schöne Geburt...ich hatte zwar eine ganz andere, aber auch unschöne erste Geburt und leide darunter immernoch.
Aber: ich habe mich bewusst entschieden, ein zweites Kind zu bekommen, um dieses Trauma zu überwinden. Ich hatte eine Beleghebamme, habe mich bewusst im GVK für Zweitgebärende vorbereitet und ganz viel getan, damit einfach alles normal ist in der SS und mich mental sehr auf eine normale Geburt eingestellt. Ich habe auch viel gelesen, kann dir zB sehr Lektüre von Ina May Gaskin ans Herz legen.
Ich habe eine wunderbare, selbstbestimmte zweite Geburt gehabt...dieses Erlebnis hat mir die Möglichkeit gegeben, das was beim ersten Mal geschah, zu verarbeiten.

Ich würde dir auch dringend raten, den Geburtsverlauf mit deiner jetzigen Hebamme aufzuarbeiten.

Beitrag von tykat 15.04.10 - 23:01 Uhr

Hallo Du,

ich habe Gänsehaut beim Lesen gehabt, denn es hätte die Geburt von meinem Tom sein können!Der Anfang war anders, denn da lief alles relativ normal..bis zu dem Zeitpunkt, an dem er stecken geblieben ist.Der Rest dieses Horrorszenarios ist ähnlich wie bei Dir#heul

Tom wurde mir auch sofort weggenommen und auf die Intensiv gebracht.Mein Mann ist mit dem Kleinen gegangen, bzw hat vor der Tür der Intensiv gewartet während ich völlig allein im Kreißsaal versorgt wurde und mich immer gefragt habe, ob mein Kind noch lebt.
Diese Sorge um sein Kind ist so furchtbar, das möchte ich nie, nie wieder erleben!

Im Moment bin ich noch auf dem Stand, dass ich ein 2.Kind möchte, aber nicht nochmal spontan entbinden werde.Momentan käme für mich nur ein KS in Frage.Ich weiß, ist auch kein Spaziergang.war beruflich schon bei unzähligen Kaiserschnitten dabei und weiß durchaus auf was ich mich einlassen würde.
Ein KS hat für mich den Vorteil, dass es planbarer ist, dass immer ein Arzt vor Ort ist und die Risiken fürs Kind geringer sind.Ich glaube auch einfach, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu in der Lage wäre, ungehemmt und normal eine Spontangeburt anzugehen.

Ich möchte einfach nie mehr erleben, wie ich versuche mein Kind raus zu pressen, mit 2 Ärzten und einer Hebamme auf meinem Bauch und dabei zu denken, dass mein Baby tot zur Welt kommt.

Habe lange gebraucht um damit klar zu kommen.Jetzt bin ich auf einem guten Weg es so zu akzeptieren wie ist war und mich zu freuen, dass es meinem kleinen Schatz gut geht!(Bin auf ein paar Haltungschäden, die wir bis diese Woche mit KG behandelt haben hatte er keinen Spätfolgen)

Vielleicht müssen wir noch etwas Zeit ins Land ziehen lassen.Die Zeit verarbeitet so einiges.

Und ansonsten wird es halt bei mir ein WKS.Obwohl ich das in meinem Fall nicht als klassischen WUNSCH-KS sehe...Liebend gerne würde ich eine schöne, natürliche Geburt erleben...naja, wer weiß was in ein paar Jahren ist.

So, ganz schön lang geworden;-)

Alles Liebe,

Tykat+Tom(*09.09.09)

Beitrag von minnie85 16.04.10 - 10:57 Uhr

Nur zur Aufklärung: die Risiken beim KS sind für ein gesundes, reifes Kind etwa 6-mal höher als bei Spontangeburt. Da für mich zB immer das Kind vorgeht, käme für mich das nicht mehr in Frage.
Mein Geburtstrauma war übrigens ein echter WKS...also alles hat zwei Seiten und ich würde heute immer wieder zugunsten des Kindes entscheiden und mich zurück stellen.

Beitrag von tykat 16.04.10 - 15:16 Uhr

Ich weiß, dass es bei KS öfter zu Anpassungsstörungen kommt.Aber das ist nichts akut lebensbedrohliches.Ein Kind, das fest steckt und einfach nicht raus kommt, das ist allerdings lebensbedrohlich.und so war es nunmal bei mir.
Und da Dein letzter Satz ein wenig so rüber kommt, als würde ich einen WKS in Betracht ziehen, da es mir um meine Belange geht:Glaub mir, dass es mir total egal ist, wie es mir dabei geht!Ich würde alle Schmerzen noch einmal durchmachen, darum geht es gar nicht.Mir geht es um nix anderes als um mein Kind.Wenn Du einmal Angst hattest, dass Dein Kind die Geburt nicht überlebt, dann relativiert sich so einiges.

Beitrag von tykat 16.04.10 - 15:19 Uhr

PS:und scheinbar hast Du das ja auch mal anders gesehen, denn Deine erste Entbindung war ja ein WKS.Und ich denke, von WKS kann man nur sprechen, wenn es keine Gründe gegen eine Spontangeburt gibt.Traumatische Erlebnisse bei der ersten Entbindung sind aber ein Grund.Und somit ist es kein WKS mehr, sondern ein KS.

Beitrag von minnie85 16.04.10 - 18:35 Uhr

Ja, da hast du recht, ich habe es sogar mal sehr viel anders gesehen und es bitter, bitter bereut, jetzt wo ich weiß, dass die Kinder sogar Spätschäden davon tragen (Darm- und Mundflora, erhöhte Autismus und ADHS-Rate) habe ich regeölmäßig ein schlechtes Gewissen meinem Sohn gegenüber. Und Anpassungsstörungen können sehr wohl intensivpflichtig werden...bis hin zur Intubation und Hochfrequenzbeatmung.

Ich kann es wohl ansatzweise nachvollziehen, dass du einen KS willst...aber eine schöne, weitere Spontangeburt würde dir sicher mehr helfen, dein Trauma zu überwinden. Sprich doch mal mit einer Beleghebamme...einfach mal informieren kann doch nicht schaden.

Beitrag von minnie85 16.04.10 - 18:37 Uhr

PS: Ich meine das ja nicht böse...ich will nur vermeiden, dass Leute mit WKS das Gleiche durchmachen wie ich...ich sage ja nur, dass man sich mal in alle Richtungen informieren und die Sache sehr gut beleuchten muss.

Lies doch mal:
- Ina May Gaskin "Die selbstbestimmte Geburt"
- Dr. M. Odent "Risiko Kaiserschnitt"


Und dann wünsche ich dir eine schöne, zweite Geburt oder OP, je nachdem, wie du dich entscheidest #liebdrueck!

Beitrag von tykat 16.04.10 - 22:07 Uhr

Danke Dir#liebdrueck

Noch bin ich ja gar nicht schwanger...aber ich überlege trotzdem schon, wie ich es bei einer zweiten Geburt machen würde...einerseits möchte ich mir gerne die Chance geben eine schöne Spontangeburt zu erleben, andererseits habe ich zu viel Angst.Aber ich weiß ja auch wie ein Kaiserschnitt abläuft, habe es ja oft genug gesehen.Und das ist ja auch nicht wirklich leicht.

Naja, man wird sehen.

Alles Liebe!

Beitrag von lieke 16.04.10 - 23:00 Uhr

Hallo Tykat,

also, wenn du "liebend gerne eine schöne natürliche Geburt" erleben möchtest kann ich dir echt ans Herz legen zu gegebener Zeit evtl Nachgespräche zu führen und/oder die nächste Geburt an einem anderen Ort zu planen, so daß du nicht mit den schlimmen Erlebnissen konfrontiert wirst und blockierst. Auf jeden Fall vorher offen über dine Erlebnisse sprechen, dann merkst du ja, ob und wie man darauf eingeht und ob du das Gefühl hast, dass es diesmal besser gehen könnte.

Mir hat das super geholfen, ich hatte aber Glück, dass der FA der "verpatzten" Geburt, die im KS endete nach 3 Jahren (dann war ich wieder ss und alles kam wieder hoch) noch bereit war, sich die Unterlagen zu beschaffen und alles mit mir durchzusprechen.

Kann sicher nicht schaden, auch, wenn du dich trotzdem danach für den KS entscheidest.

LG,
Lieke

Beitrag von glueckskleechen 16.04.10 - 08:03 Uhr

Guten morgen!

Ich habe drei Kinder. Meine erste Geburt, war deiner nicht unähnlich.

ein KS käme für mich trotzdem nicht in Frage und die anderen beiden Geburten waren sowas von traumhaft schön :-) trotz der Schmerzen...

da hatte ich auch keinerlei Geburtsverletzungen mehr.

LG #klee

PS.: Das KH in dem du warst ist aber auch nicht grade patientenfreundlich...

Beitrag von qrupa 16.04.10 - 08:26 Uhr

hallo


da hast du wirklich einiges Mitgemacht. mich persönlich würde das aber nichtr davon abhalten nochmal ein kind zu bekommen. Allerdings würde ich das ganze ganz anders und vor allem besser informiert und selbstbestimmt angehen, ohne dieses ganze "die werden schon wissen was sie tun"

Auch die Geburt meiner Tochter lief bei weitem nicht so, wie ich mir das erhofft hatte und endete letztendlich im KS. Meine Konzequenz daraus: das nächste kommt zu Hause! Und sollte die SS komplikationslos verlaufen, wovon ich erstmal ausgehe, werde ich maximal 3 Mal einen Arzt sehen und den Rest bei der Hebamme machen lassen.

LG
qrupa


Beitrag von sillysilly 16.04.10 - 09:53 Uhr

Hallo

meine erste Geburt war schrecklich, endete in einem Notkaiserschnitt aufgrund Fährlassigkeit der Hebamme.
Bei mir sah es nicht gut aus, und meine erste Tochter hat einen Sauerstoffmangel.
Danach ist mein ganzer Bauchraum vereitert, weil "sie keine Zeit mehr hatten zu desinfizieren".
Ich hatte dann vom Schock her über eine Woche Dauerschluckauf und war echt am Ende.
Mind. ein halbes Jahr war ich schwer traumatisiert.

Wollte aber unbedingt noch Kinder - habe mich so für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden.
Obwohl ich dazu überhaupt keine gute Einstellung hatte.
War davor auch sehr panisch, aber es ist alles gut gelaufen.
Hätte nie wieder normal gebären wollen, da ich das Vertrauen in die Hebammen total verloren hatte. Denn der ganze Mist wäre absolut vermeidbar gewesen.

Mittlerweile ist mein drittes Kind auch mit geplantem Kaiserschnitt da.

Grüße Silly

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Beitrag von strahleface 16.04.10 - 10:06 Uhr

Hey,

also ich würde sagen, daß der Beginn nicht wirklich was mit dem Ende zu tun hatte. Ein Kind kann immer stecken bleiben und dann ist eben der Ausweg die Saugglocke. Die Tatsache daß die Lunge Deiner Kleinen nicht richtig funktionierte hatte wohl nichts mit der Geburt zu tun - sondern dadurch daß die Lunge nicht funktionierte hat sie eben unter der Geburt schlapp gemacht und somit war der einzige Ausweg die Saugglocke. Ich würde es positiv sehen, Deiner Kleinen geht es gut - das ist das Wichtigste.
Meine Geburt verlief übrigens auch nicht nach meinen Vorstellungen und unsere kleine Maus hatte die Nabelschnur um den Hals, sodaß ich das Gefühl kenne zu pressen und es tut sich nichts und dann den Arzt auf meinem Bauch zu haben. Einen Dammschnitt hatte ich auch. Trotzdem würde ich immer wieder eine spontane Geburt einem KS vorziehen und daß ich noch weitere Kinder möche ist sicher.

Sprich mal mit jemandem darüber - der sich auskennt - wie Deine Geburt verlaufen ist. Wäre doch schade deswegen keine Kinder mehr zu bekommen.

LG Strahleface

Beitrag von katy1210 16.04.10 - 11:01 Uhr

Hi,

die Geburt von Niklas war auch alles andere als schön. Sie endete unter KS-Bereitschaft im OP und es wurde auch eine Saugglockengeburt.
Sicher war es echt schrecklich, aber der Kleine entschädigt wirklich für alles und ich möchte mir ein weiteres kleines Wunder auf keinen Fall entgehen lassen!

LG Katja

Beitrag von matsel 16.04.10 - 11:12 Uhr

deswegen finde ich eine 1:1 betreuung so wichtig. wenn frau sich allein nicht mehr wohlfühlt und um hilfe bittet, sollte sie diese auch bekommen. und irgendwelche pathologischen befunde werden schneller entdeckt u nicht erst wenn <alles schon zu spät ist. such dir für die 2.geburt doch eine beleghebamme. sie wird die anfangszeit mit dir zu hause verbringen, dich ins kh begleiten u nicvht v deiner seite weichen. angst vor komplikationen haben wir frauen doch eigentl. alle, da müßten wir uns gegen kinder entscheiden um dies auszuschließen. willst du das wirkl.? und ein ks ist meines erachtens auch keine lösung.
lg