Wieso ist er nur so?

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Forum: Kleinkind

Das Leben mit kleinen Kindern ist wunderschön, nie langweilig aber auch ziemlich anstrengend. Da können Tipps von anderen Müttern oder Vätern viel Erleichterung und Hilfe in den Alltag bringen. Viele Infos rund um euer Kleinkind  (z.B. Kinderkrankheiten) findet ihr auch in unserem Magazin.

Beitrag von lora74 17.04.10 - 21:07 Uhr

Hallo.

Ich muss mich mal ausheulen. Habe schon lange nicht mehr hier gepostet, aber jetzt brauch ich etwas Hilfe.

Mein Sohn ist 22 Mon. alt und steckt in einer schlimmen Trotzphase. Von morgens bis abends ist nur Kampf angesagt. Ich bin schon wirklich mit den Nerven am Ende. Deshalb bin ich froh, wenn mein Mann abends oder am WE ihn einwenig übernimmt. Aber es ist im Moment so, dass mein Kleiner nur bei mir sein möchte. Ich weiss manchmal gar nicht, wie ich mal zu Ruhe kommen kann.

Eigentlich geht es mir konkret um den heutigen Tag. Wir waren eingeladen bei meinem Bruder zum Geburtstag. Ich habe mich gefreut, etwas Zeit mit meinen Geschwistern zu verbringen und hatte auch meinen Mann gebeten, dass er soviel wie möglich mir den Kleinen abnimmt. Er war einverstanden. Sobald da angekommen, wollte mein Sohn keinen anschauen, hat mich gezogen am Arm und gebrüllt. Es ging nur die ganze Zeit: "Auto" (ich glaub, er wollte nach Hause). Mein Mann konnte mit ihm nicht anfangen, weil er so schlimm geweint hat und die andere haben nur die ganze Zeit gesagt, wie schlimm mein Sohn doch sei. Es haben viele versucht mit ihm mal zu spielen oder was anderes zu machen, aber nein, es wurde nur gebrüllt. Ich bin dann zum Spielplatz gegangen (war einer in der Gegend) und wir haben da gespielt. Irgendwann habe ich gedacht, dass es reichen muss und bin mit ihm zurückgegangen. Aber als wir nur zurückwaren, hat er mich wieder gezogen und wollte auf den Spielplatz oder zum Auto. Wenn ich ihm gesagt haben: "Nein! ich möchte auch hier bleiben, bei den Erwachsenen", hat er geschrien, sich auf den Boden geworfen, mit den Fäusten geschlagen usw.

Alle andere haben sich prächtig unterhalten, das Wetter genossen. Meine Schwester hat eine Tochter, die 7 Wochen jünger ist, als mein Sohn. Die waren auch da. Und die Kleine war so brav. Die ist mit den Kindern mitgelaufen und gespielt, hat sich alleine beschäftigt und war sehr zufrieden. Ich frage mich, wieso habe ich so ein Kind? Was habe ich falsch gemacht? Weil es meistens überall so ist, habe ich keine Lust mehr irgendwas zu unternehmen und bleibe lieber zuhause.

Ich war richtig traurig und auch sehr müde. Vor allem, jetzt sind wir zuhause, aber er musste wieder nur schreien, bocken, nur BEI MIR auf dem Arm sein usw.

Ich bin richtig am Ende. Kennt das jemand? Was kann ich machen? Oder übertreibe ich und es ist gar nicht so schlimm?

Bin etwas ratlos....
Wäre wirklich froh, wenn jemand was schreiben könnte.

Lora

Beitrag von nuckelspucker 17.04.10 - 21:30 Uhr

hey,

klar stellt man sich bei einem familientreffen was anderes vor, als bei euch abgelaufen ist. aber vielleicht war dein sohn nur schlecht drauf, mit der situation überfordert, müde...?

das geht uns doch allen mal so.

er hat sich dort nicht wohl gefühlt und deine nähe gesucht, da er unsicher und ängstlich war.

zum trotz ansich kann ich nur sagen, versuche, ruhig zu bleiben, verlange nichts von deinem sohn in dem sinne von "du musst jetzt dies oder das machen".

wenn du möchtest, dass er was macht, dann stell vielleicht ne "oder"-frage. also möchtest du die helle oder die dunkle hose anziehen, falls du verstehst, wie ich das meine.

die kinder wollen die welt erforschen und ihren kopf durchsetzen, da stößt man mit aufforderungen auf taube ohren und die kinder machen das gegenteil von dem, was sie tun sollen.

versuche, aufgaben spielerisch zu verpacken, aufräumen zum beispiel kann man gemeinsam in einem wettbewerb ( ich nehm die roten steine, du die blauen, mal sehen, wer zuerst fertig ist).

setze ihn nicht unter (zeit-)druck. wenn etwas schnell gehen soll, reagieren die kinder meist mit bummelei, weil sie das gehetze nicht leiden können.

stelle nicht zu viele regeln auf und setze sie konsequent um, aber mach auch viel blödsinn oder spaß mit deinem sohn, und sie nicht alles so ernst.

im sommer beispielsweise kann man auch mal ne wasserschlacht im garten machen, was meinst du, wie verblüfft kinder sind, wenn man sie plötzlich mit wasser bespritzt...ein super spaß.

verstehst du, was ich damit sagen möchte?

dein kind möchte dich nicht ärgern, es möchte eigentständig sein, da es längst begriffen hat, dass es ohne die mama auch was kann. gleichzeitig aber hat es oft angst genau vor dieser eigenständigkeit, wie man an eurem erlebnis sieht.

lass dich nicht reizen, sonst schaukelt ihr euch gegenseitig hoch. gibts streit, gib ihm die möglichkeit, sich abzureagieren.

lg claudia

Beitrag von lora74 18.04.10 - 11:57 Uhr

Hallo Claudia!

danke für Deine Antwort!
Ich verstehe, was Du meinst und finde auch die Ratschläge sehr gut. Aber das Problem bei uns ist, dass ich schon sehr viel erlaube und auch viel spielerisch mache, aber er versucht immer mehr rauszuholen. Dinge, die unmöglich sind. Wie z. B. heute morgen, beim Frühstück. Er wollte vom ein großes Stück Käse mit dem Käsemesser was abschneiden. Natürlich kann ich ihm sowas nicht erlauben. Ich habe immer sogar ein kleines Stückchen Käse gegeben und ein Kindermesser. Aber NEIN, es wurde wieder geschrien, was das Zeug hält.

Und so ist es ständig. Ich hätte 1000 Beispiele.

Beitrag von manu2607 18.04.10 - 14:20 Uhr

hallo
warum kannst du ihm das nicht erlauben ?

schneidet gemeinsam , das machen wir hier auch so :-) un schon fühlen sie sich wie grosse ;-)

pauline darf nicht alleine (unbeaufsichtigt) mit messer arbeiten , aber es gibt " kinderbesteck" damit darf sie am tisch unter aufsicht , seit ein paar tagen ihr brot selber schmieren ... dauert ewig , aber wir haben ja zeit ;-)

überdenk einfach mal die " verbote" ob alles noch altersgerecht ist, das war hier unser problem...

jetzt läuft es auch bei uns wieder sehr entspannt, klar hat sie auch ihre phasen ....

lg manu

Beitrag von schwarzesetwas 17.04.10 - 21:47 Uhr

Ich denke mal, Dein Kind spürt Deine Unsicherheit und Deinen Stress.
Entsprechend ist es auch gestresst.

Was die Trotzmomente angeht: Versuch sie einfach mal anders zu betrachten.
Dein Kind entwickelt einen Willen - sei froh!
Dass er es einfach noch nicht anders mitteilen kann und meist selbst noch nicht aus der Situation rauskann, ist total normal.

Um die Phasen im Rahmen zu halten: Gib ihm auchmal etwas, wo er mit 'durchkommt'.
Block nicht immer nur alles ab oder ignorier es.
Auch zwischendurch mal Hilfe anbieten kann Wunder bewirken.

Ich wünsche Dir gute Nerven. :-)
Mein erster ist mittlerweile einigermaßen raus aus der Phase (drei geworden), dafür geht die Kleine in großen Schritten wieder darauf zu. #schwitz

Lg,
SE

Beitrag von spurv 17.04.10 - 23:58 Uhr

Hallo Lora!

Bei uns ist es z.Z. genauso,mein kleiner ist 2,5.
Bei uns hilft ablenken meist ganz gut,er kriegt sich schnell wieder ein.
Und wenn ich mal genervt und frustriert bin,denke ich an die Eltern mit kranken und behinderten Kids,die sich wünschen würden,wenn ihr Kind sowas machen könnte.Das hilft mir immer,da wieder runterzukommen.
So langsam versteht er auch,was er soll und was er nicht darf,aber das Temperament( oder der Dickkopf ;-)) gehen dann mit ihm durch. Wie gesagt,bei uns hilft am besten ablenken und schon vorher versuchen,daß er sich nicht so reinsteigert.Vor allem darf er damit nicht durchkommen.
Ein bißchen starke Nerven brauchen wir noch,aber auch das geht vorbei und ist völlig normal.

Lg Danie

Beitrag von schnee-weisschen 18.04.10 - 08:37 Uhr

Hallo Lora,

wieviel Kontakt hattetihr denn zu anderen Leuten, als er noch (viel) kleiner war?
Ist öfter Besuch zu Euch nach Hause gekommen, war er auch bei anderen Leuten, hat veschiedene Umgebungen kennengelernt?

Unsere Tochter war immer nur bei uns, wir haben sie keine Minute "hergegeben", und dadurch bedingt (und durch ne KH als Baby) hat sie heute große Angst vor anderen Leuten.
Sobald sie von jemandem angesprochen oder fixiert wird, springt sie uns regelrecht auf den Arm, krallt sich fest, versteckt sich und ruft "geh`n".
Auch bei Familienangehörigen.
Familienfeiern wären bei uns ebenfalls nicht drin, es sei denn, man würde sie halt die ganze Zeit mit herumtragen (was wir in der Tat tun, wenn wir irgendwohin gehen).

LG

sw

Beitrag von breeze86 18.04.10 - 11:10 Uhr

Ich habe dazu das gegenteilige Beispiel. :-)
Mein Kleiner war ständig mit mir unterwegs. An anderen Orten, bei anderen Leuten (in der Regel in meiner Begleitung). Ich war mit ihm studieren, seit er drei Wochen alt ist. Er war immer mit. 3x die Woche von ca. 8-17 Uhr. Die anderen Tage waren wir Einkaufen, Familie besuchen, bei Freunden oder Arztbesuche machen. Er ist total ausgeglichen gewesen. Hatte nie Angst vor irgendwas.
Tja als er mobil wurde fing es an, dass er immer bei mir auf dem Arm sein wollte, wenn wir wo hingekommen sind, oder jemand auf Besuch war. Das hält sich bis heute. Er braucht mind. 10 Min. bis er von mir runterkraxelt und "spielen" geht, meist länger. Aber auch da darf ich dann den Raum nicht verlassen (Wc oder so), sonst ist er in Tränen aufgelöst, wenn er mich sucht und nicht gleich findet.
Sind wir im Indoorspielplatz, am Spielplatz oder wo, wo es viel zu entdecken gibt, geht er auch problemlos von mir weg und beschäftigt sich alleine, aber wehe ich mache einen Schritt in die andere Richtung. Das merkt er sofort und kommt angelaufen. ;-)

Sein gleichaltriger Freund, der ebenalls von Anfang an immer unter Leuten war (seine Mama hat mit mir studiert) ist einer, der mit jedem mitgeht und den es nicht stört, wenn Mama mal kürzer oder länger weg ist. Ist aber auch nicht so toll, wenn man am Spielplatz ständig schauen muss, ob sein Kind sich nicht eine andere Familie zum nach Hause gehen ausgesucht hat. ;-)

Also ich denke, es kommt auf das Temperament und den Charakter des Kindes an, in der Regel ist dass das einfach vollkommen normal, dass die Zwerge bei Mama Schutz suchen. Bei einigen Kindern mehr ausgeprägt, bei anderen weniger. Und da müssen wir einfach durch. Die Tips der Vorrednerinnen sind toll und ich bin auch der Meinung das legt sich wieder. Mit Spaß, Witz, Energie und Konsequenz kommt man glaube ich am Besten zu recht. Es darf nicht alles durchgehen, aber man sollte auch nicht alles verbieten. Ein gesundes Mittelmaß ist sicher die angebrachte Umgangsweise. Kinder brauchen Regeln und Grenzen und fühlen sich auch wohl damit, aber genauso wollen sie die Welt entdecken und ausprobieren. Da muss man halt dann als Erwachsener die Luft anhalten, bis 10 zählen und immer wieder das selbe machen und sagen. Dann klappts schon!
Und wenn das jetzt bitte noch jemand meinem Dickkopf von Sohn erklären würde, wär mir geholfen! :-p

Glg, Breeze

Beitrag von lora74 18.04.10 - 11:37 Uhr

Ich danke Dir!

LG Lora

Beitrag von nakiki 18.04.10 - 11:07 Uhr

Hallo!

"Aber als wir nur zurückwaren, hat er mich wieder gezogen und wollte auf den Spielplatz oder zum Auto. Wenn ich ihm gesagt haben: "Nein! ich möchte auch hier bleiben, bei den Erwachsenen", hat er geschrien, sich auf den Boden geworfen, mit den Fäusten geschlagen usw."

Was habt ihr dann gemacht?

Ich denke es fehlt an Konsequenz.

Gruß nakiki

Beitrag von lora74 18.04.10 - 11:46 Uhr

Ich glaub, da hast Du Recht. Ich lass zuviel durchgehen.

aber wie wird man konsequenter?

Beitrag von liurin 18.04.10 - 14:39 Uhr

huhu, alles nicht so einfach... ich weiß :-) unser großer (bald 5) war schon als kleinkind "seh anstrengend"... im sinne von "ein haudegen", "wirbelwind", "dickkopf"... hat halt sehr temperament... und ich glaube genau darum geht es: temperament.

die kids machen das alles nicht, um uns zu ärgern oder so. du kannst hoffen: es wird besser :-)

unser kleiner (jetzt 21 monate) erscheint mir in diesem alter sogar noch einen zacken schärfer als sein großer bruder damals in dem alter. er ist noch aufgeweckter, noch bockiger manchmal usw. hat halt noch mehr temperament :-) (frage mich von wem *hihi*)

was da wirklich nur hilft, ist konsequent bleiben oder werden. die kleinen brauchen klare grenzen und ansagen. in dem alter sind sie aber für viele sachen einfach noch zu klein, um diese zu verstehen. da muss man aufpassen, dass man nicht in endlosdiskussionen gerät. also entweder von vornherein die situation versuchen zu umgehen, vorzubeugen oder geschickt ablenken. das ist das einzigste was bei uns dann immer geholfen hat und noch weiterhin hilft. ablenken wo es nur geht. heißt nicht, dass du seinen bock immer ignorieren sollst. er muss auch lernen, dass er nicht bocken und wüten kann wie er will. aber die klassische situation mit einem schreienden kind im supermarkt würde ich auch so durchziehen: kind liegen lassen und ja nicht nachgeben wenn es was will. das machen sie einmal und nie wieder, kannste glauben.

beim großen hilft nun schon erklären, aber letztendlich brauch er immer ne klare eindeutige ansage. klare grenzen setzen. er versteht nun viel mehr und ist viiiel einsichtiger.

beim kleinen funktioniert das logischer weise noch nicht so. da hilft meistens nur ablenken oder eben mal bocken lassen. ein klares NEIN und dann ist auch NEIN. und ja nicht erweichen lassen. natürlich abwägen und sich vorher überlegen, ob man einem kleinen wunsch (je nachdem was es ist) nicht auch mal nachgehen kann.

in deinem fall bei der feier hätte ich ihn halt zicken lassen. entweder er bleibt dann bei dir, weil er deine nähe halt momentan braucht, dann muss er aber auch verstehen, dass du dich nicht die ganze zeit um ihn kümmern kannst bzw. möchtest (muss er eben auch mal ruhig sein können, buch anschauen, ein spiel spielen oder so). oder dein mann hätte einfach mit ihm auf dem spielplatz gehen sollen. sicher hätte er "dich im spiel schnell vergessen", wenn du weißt, was ich meine :-)

halte durch, es vergeht... und es wird viiiiel einfacher und so schööön wenn die kleinen würmer einen erstmal richtig verstehen :-)

alles gute,

LIU

Beitrag von lora74 18.04.10 - 15:30 Uhr

Vielen Dank für Deine Antwort!

LG

Beitrag von christianeundhorst 18.04.10 - 19:17 Uhr

Hallo Lora,
ich kann nur ganz kurz, sorry! Aber ich möchte Dir ein tolles Buch empfehlen: "Das glücklichste Kleinkind der Welt. Wie man sein Kind liebevoll durch die Trotzphase begleitet".
Ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen! Es ist superspitze und die praktischen Tipps sind super Hilfen! Ich wünschte ich hätte es eher gelesen.

Liebe Grüße,
Chris mit Frieda Lina 21 Monate