klügster Weg aus dem Job auszusteigen?

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von minimind 18.04.10 - 13:05 Uhr

hi,
folgende Situation:
Ich bin Vollzeit berufstätig in einem sehr stressigen und verantwortungsvollen Beruf. ( Überstunden selbstverständlich )
Ich habe 3 Kinder, 2 davon behindert, eine von den behinderten schwer nierenkrank. (Dialyse)
Mein Job ernährt uns.

Bis vor ca einem Jahr konnte ich all das- an meine Substanz gehend- halbwegs noch schaffen. Aber ich bin seit langem über den Punkt.

Seit einem Jahr geht es meiner Tochter schlechter, Freitag nacht kam sie in die Notaufnahme weil mein FREUND sie ins KH brachte denn ich habe geschlafen und war nicht zu wecken..... (!) Fast wäre sie ins Koma gefallen wenn er nicht reagiert hätte.

Ich habe beschlossen das es so nicht weitergehen kann. Ich mache mir riesen Vorwürfe.

Ich werde daher morgen mit meinem Chef sprechen und brauche euren Rat.

Was NICHT geht:
Teilzeit: Dafür haben wir zu viel zu tun.
Zusatzkraft einstellen: Müsste hochqualifiziert sein, zus. Gehalt betriebswirtschaftlich nicht tragbar.

Ich würde ihm anbieten, jemanden einzustellen den ich einarbeite und der einen befristeten Vertrag bekäme. Um kein zusätzliches Gehalt zu zahlen würde ich mich für die Einarbeitungszeit krank schreiben lassen. Also im Sinne der Fa. denken und handeln damit ich in einem Jahr vielleicht wieder kommen kann.

Ist das klug? Ich werde 50. Vielleicht ist der Neue jung, frisch, gut? Was ist, wenn ich nichts anderes finde?

Hartz 4 werde ich nicht werden dürfen denn ich habe vor 2 Jahren ein Haus gekauft und spare was das Zeug hält um die Kredite ablösen zu können ( also alles da: Erspartes, Bausparvertrag, Lebensversicherungen..... )

Ich habe Angst all das aufs Spiel zu setzen, ich habe so hart dafür gearbeitet. Andersherum aber werde ich die Belastung nicht mehr lange durchhalten können.

vielen Dank für euren Rat.

Petra

Beitrag von elsa345 18.04.10 - 14:12 Uhr

Hallo,
ich würde nicht den Job aufgeben, sondern mir Hilfe suchen und zwar bezahlte. Du verdienst gut und Dein Freund sicher auch, also nimm Dir eine Haushälterin oder Pflegerin für die Kinder. Ausserdem machst Du Dich strafbar, wenn Du Dich krankschreiben lässt und trotzdem arbeiten gehst. Das nennt man Betrug.

Beitrag von minimind 18.04.10 - 15:27 Uhr

woher schliesst du auf mein/ unser Einkommen? Weil ich klares deutsch schreibe oder weil ich von qualifiziertem Job spreche? Weil ich ein Haus gekauft habe?

Wenn ich eine Haushaltshilfe bezahlen könnte oder eine Pflegerin (!) hätte ich weniger Probleme. Tatsächlich.

Vielen Dank also für den tollen Hinweis!

Betrug? Ich erspare diesem Staat seit 10 Jahren das finanzielle und soziale Komplettprogramm für 4 Personen und ja- ich hätte jederzeit Anspruch darauf bis heute. Ich versuche, betriebswirtschaftlich fair zu denken und zu handeln.

ich brauche ein Jahr "Auszeit" um meine Kräfte zu regenerieren und um meine Kinder/ Töchter/ Tochter zu begleiten. Danach will ich wieder arbeiten.

Ich kenne mich sozialrechtlich nicht aus. Wenn ICH kündige habe ich 3 Mon. Sperrzeit? Wenn er kündigt: darf er das überhaupt? Ist es einfacher wenn ich mich krankschreiben lasse? Welche Konsequenzen hätte das?
DAS wären die Fragen gewesen.

Petra

Beitrag von elsa345 18.04.10 - 18:15 Uhr

Hallo,
jetzt bleibe mal ganz unruhig. Wenn Du mir von einer hochqualifizierten Arbeit und verantwortungsvoller Stellung erzählst, gehe ich mal davon aus, daß diese auch gut bezahlt wird. Meist ist es jedenfalls so und erst recht, wenn dann die Firma auch noch gut läuft. Das schließe ich aus Deiner Aussage, daß Du Überstunden machen mußt und nicht daraus, daß Du die deutsche Rechtschreibung und Grammatik beherrscht. :-p

Allerdings zweifel ich jetzt, wenn ich Deine Argumente lese. Weil Du seit 10Jahren arbeiten gehst und nicht Sozialleistungen in Anspruch nimmst meinst Du, könntest Du Dir jetzt auch mal auf unlautere Art und Weise eine Auszeit nehmen? Hähhhhhh???? Wenn Du ein Jahr Auszeit möchtest, nimm es Dir, aber auf ehrliche Art und Weise. Und wie schon andere schrieben, es gibt Möglichkeiten.

Beitrag von windsbraut69 19.04.10 - 09:49 Uhr

Eine Krankschreibung wäre Betrug, den die Krankenkasse zu tragen hätte.

Dich zwingt niemand, "dem Staat das Komplettprogramm für Euch 4" zu sparen aber krumme Touren sind keine Lösung.

Beitrag von bi_di 18.04.10 - 16:08 Uhr

Ich verstehe das richtig?
Du willst, das Dein Chef Dir eine befristete Kündigung ausspricht. Parallel lässt Du Dich ein paar Wochen krank schreiben, um Deinen Ersatz einzuarbeiten? Und wenn Du genug Kraft getankt hast, bzw. ALG1 ausläufst fängst Du wieder an?

Sorry, aber das ist eine beknackte Idee.
Punkt a) Wie lange wird die Einarbeitung dauern? Bedenke: In den ersten 6 Wochen Deiner 'Krankheit' muss Dein Chef Dir Dein Gehalt weiter zahlen, erst danach setzen die Lohnersatzleistungen der Krankenkassen ein.
Punkt b) Für die Zeit musst Du einen Arzt finden, der Dich krank schreibt. Und Du musst verhindern, das Du Dich einem Amtsarzt vorstellen musst. Schwierig.
Mal ganz abgesehen davon, das Dein Chef ziemlich fahrlässig wäre, wenn er sich wissentlich auf so einen Betrug einlässt.
Punkt c) Wie soll das mit der Kündigung laufen? So ohne weiteres darf Dein Chef Dich nicht kündigen. Das Arbeitsamt kann sogar verlangen, das Du gegen eine ungerechtfertigte Kündigung vor's Arbeitsgericht ziehst. Du kannst natürlich jederzeit kündigen, hast dann aber 3 Monate Sperre.
Punkt d) Was machst Du, wenn das Arbeitsamt Dir schon nach kurzer Zeit potentielle neue Arbeitsstellen präsentiert?
Punkt e) Es gibt keine befristeten Kündigungen. Wenn Du raus bist, bist Du raus. Dich wieder zu nehmen, hängt einzig und alleine von Deinem AG ab. Und wenn sich Dein Ersatz wirklich als Held erweist, wäre Dein AG schön blöd, Dich zurückzunehmen. Und dann?

Wieso redest Du nicht mit Deinem Chef, das Du es so nicht mehr packst? Wieso versucht ihr nicht zusammen, eine 'saubere' Lösung zu finden? Vielleicht hilft schon eine Umstrukturierung Deiner Arbeit um Dich in Teilzeit gehen zu lassen. Lässt sich natürlich schwer sagen, ohne zu wissen was Du machst.

Du sagst, 2 Deiner Kinder sind behindert. Hast Du mal versucht, für sie eine Pflegestufe und damit Entlastung zu bekommen?
Wie ist die Betreuung denn momentan geregelt?

Grüsse
BiDi


Beitrag von minimind 18.04.10 - 18:40 Uhr

yepp- so ungefähr hatte ich das gedacht und yepp- wahrscheinlich völlig beknackte Idee.

Deine Einwände sind gut. Genau an diesen Fragen doktore ich gerade rum.
Weder kann ICH kündigen noch ER mich ( ich bin fast 10 Jahre da, war die erste Angestellte und nein- wir haben keinen Arbeitsmangel.... eher im Gegenteil. ich bin quasi unkündbar....)

Für meine Kinder bekomme ich keine Pflegestufe denn sie sind geistig behindert. Pflegestufe heisst PFLEGEN im Sinne von rein KÖRPERLICHER Pflegearbeit. Pflegestufe I = 45min Körperpflege täglich. "Helfen", kümmern, Verantwortung übernehmen gilt hierbei leider nicht.

Betreut werden sie indem sie auf eine Ganztagsschule gehen ( Körperbehinderten) und erst 16.30 wieder zu Hause sind. Danach ist für alle Fälle mein Sohn da. Der macht aber nächste Woche ABI und geht am 1.7. zum Bund.
Mein Freund ist Koch- kommt also erst abends spät nach Hause. An seinen freien Tagen macht er natürlich Haushalt und Betreuung/ Termine.

Firmeninterne Umstrukturierung wird nicht gehen. Wir bauen Häuser. Mein Chef hat als Bauleiter 10 Baustellen am Fuß, ich hab als Angestellte Bauleiterin 10 Baustellen am Fuß. Wir haben Sekretariat, Buchhaltung, Zeichner. Da gibt es nichts umzustrukturieren- die Projekte müssen laufen.

Ich LIEBE meinen Job. ( nein- manchmal hasse ich ihn ;-) ) Ich bin, glaub ich, sogar gut.
Es funktioniert alles "gerade so", wenn alles nach Plan läuft.
Seit einem Jahr gibt es wg meiner Tochter keinen Plan mehr.

Ich hätte meine Tochter dieses WE verlieren können weil ich überlastet war, zu wenig Aufmerksamkeit für sie hatte, einfach geschlafen habe.....

Vielleicht scheiss ich auch einfach auf all die Bedenken und wirtschaftlichen Ängste.

du hast recht- ich werde ihm morgen garnichts anbieten sondern ihm einfach "schildern" was los ist ( er weiss es ja eigentlich )

danke für deine Gedankenanstöße

lg

Petra






Beitrag von mariella70 18.04.10 - 16:12 Uhr

Hallo,
hast du schon mal an ein Sabbatical gedacht? Das läuft so: Du arbeitest Vollzeit zum Teilzeitgehalt und bekommst so 50 % der AZ gutgeschrieben, nach einem halben Jahr kannst du ein halbes Jahr Paus machen.
Vielleicht lässt sich dein AG ja auf eine Lösung ein, die sofort greift: Jetzt 6 Mon. Pause, bei halbem Gehalt. Danach 6 Monate Vollzeit bei halbem Gehalt?
Google mal Sabbatical, da findest du viele Infos.
Als Mutter von kranken Kindern könnte dir auch die KK helfen, bzw, Stiftungsgelder könnten für dich auch fließen.
Eine Mutter-Kind Kur könntest du sicher auch gebrauchen.
LG
Mariella

Beitrag von minimind 18.04.10 - 19:08 Uhr

Hallo Mariella,

auch eine gute Idee für das Gespräch für morgen.

Wie das in Praxis funktionieren kann weiss ich noch nicht denn ich habe meine Projekte abzuwickeln- im Grunde genommen ist es auch jetzt völlig wurscht wie ich mir meine Arbeitszeit einteile- Hauptsache es läuft.....

Arzt und Krankenkasse stehen völlig hinter mir. Beide wollten mich schon in der Vergangenheit aus dem Verkehr ziehen. Jederzeit bekäme ich z.B. Kuren. Allerdings: dafür müsste ich einfach "weg". Das wäre privat zu organisieren aber beruflich nicht. (= siehe posting)

Weitere Hilfe oder Unterstützung gibt es leider nicht da ich bislang keine Sozialleistungen in Anspruch nehme ( dann z.B. wäre es völlig anders ). Weder beim Jugend- noch Sozialamt bin ich da weiter gekommen was kurzfristige Unterstützung einer berufstätigen Person im privaten Haushalt angeht bevor sie alle Viere von sich streckt. Tja. So ist das in diesem Land.

liebe Grüße

Petra

Beitrag von mariella70 18.04.10 - 19:21 Uhr

Hi Petra,
ich arbeite schon lange fest angestellt, aber auf 2/3 Stelle mit flexiblen Arbeitszeiten, bzw, projektbezogen in einer durchaus sehr ansruchsvollen Tätigkeit. Falls du Tipps und Erfahrungen austauschen möchtest, mail mich ruhig an.
LG
Mariella

Beitrag von manavgat 18.04.10 - 17:32 Uhr

Auch mit Haus hast Du Anspruch auf ALG2!!!!!

Ich würde an Deiner Stelle überprüfen, ob Du dich unbezahlt freistellen lassen kannst, da gibt es wohl ein Gesetz, wenn man Angehörige pflegen muss ...

... oder ist das noch in der Diskussion?

Vielleicht hast Du aber einen AG, der Dich auch so freistellt. Allerdings müsstest Du auf jeden Fall ALG2 beantragen, schon allein wegen der Krankenversicherung.

Dein Argument Teilzeit geht nicht, weil zuviel zu tun, trägt nicht. 2 Teilzeitkräfte schaffen mehr als eine Vollzeitkraft und kosten den AG auch nicht mehr Geld!

Gruß und alles Gute

Manavgat

Beitrag von minimind 18.04.10 - 19:15 Uhr

hi
schön, dich mal wieder zu lesen. Du weisst, ich halte viel von deinen Beiträgen.

Unbezahlt freistellen ist die Frage wie ich das finanzieren soll- die Kosten laufen ja weiter.
#kratz

TOP- an zwei Teilzeitkräfte hatte ich noch garnicht gedacht! Danke für die Idee

liebe Grüße

Petra

Beitrag von manavgat 19.04.10 - 09:12 Uhr

Hallo Petra,

wenn Du Dich freistellen lassen musst, weil sonst niemand Deine behinderten Kinder betreuen kann, dann hast Du keine Verpflichtung arbeiten zu gehen, die ARGE muss leisten. Zumindest ist das meine Info.

Wende Dich zur Klärung dieser Fragen doch bitte an

www.tacheles-sozialhilfe.de

oder frag Liegestuhlkönigin, wenn es eine hier genau weiß, dann sie.

Alles Gute

Manavgat

Beitrag von jeannylie 18.04.10 - 20:07 Uhr

Also ich denke auch die Sabbatical Variante wäre eine gute Idee.
Oder Du machst 50 % und bekommst eine zweitkraft (eine Art Sekretärin) die befristet ebenfalls 50 % arbeitet und Dir zuarbeiten kann.
Eine feste Arbeitstelle kündigen, unter diesen Bedingungen. Auf gar keinen Fall.
Versuch es nur irgendwie auszusetzen aber dass Deine rechte erhalten bleiben.

LG
Jeannylie

Beitrag von minimind 21.04.10 - 00:54 Uhr

Vielen lieben Dank für die guten Tipps.

Als ich den Thread eröffnete war ich völlig unter Schock über das Geschehene.
Eure Antworten haben mir ALLE geholfen.

Folgendes hat sich ergeben:

1. mein Arzt ( der unsere/ meine Situation seit vielen Jahren kennt hat mir versichert das er mich JEDERZEIT mit gutem Gewissen krankschreiben würde für bis zu 1 1/2 Jahren wenn mir das hilft. Das hat mich sehr beruhigt.

2. das Amt für Arbeit sagte mir das ich jederzeit meinen Job kündigen kann OHNE gesperrt zu werden wenn dieses medizinisch notwendig wäre. Auch das beruhigt.

3. Meine Krankenkasse, die mich und meine Situation schon viele Jahre kennt und begleitet sagte mir Unterstützung zu egal wie ich mich entscheide ( jau- auch mit einarbeiten während der Krankschreibung ! ) Ist das dann legal? ;-)
( nein ich würde NIEMALS dort weggehen- diese KK war und ist Top. )

4. Mit meinem Chef hatte ich ein sehr gutes Gespräch.
Wir haben überlegt, was machbar ist. Wegweisend waren aber folgenden Aussagen: wenn ich entscheiden würde den Job zu schmeissen und selbst wenn ich einen Nachfolger einarbeiten würde- was wäre DANACH mein PERSÖNLICHER PLAN? Der blödste Plan ist kein Plan. Akzeptiert.

Und: wenn ich jeden Tag beruflich/finanziell/privat meinen "Mann" stehen muss kann ich in diesem Fall nicht gleichzeitig auch 100% "die Mutter" stehen . Ich kann nicht ALLES verantworten müssen. Das schafft auch kein Vater. ( Denke wie ein Mann ;-) )
Gut getan hat mir an dem Gespräch auch das ihm daran liegt das ich -trotz meiner vielen Privattermine und eingeschränkten Leistungsfähigkeit- bleibe.

5. Am Abend mit meinem geschiedenen Mann gesprochen. Er war am Wochenende da um mich im KH abzulösen. Hat sich bisher nie wirklich gekümmert.

Ich hatte zum ersten Mal in und nach 10 Jahren das Durchstehvermögen und das dicke Fell um alle seine Ausflüchte wegzuwischen so, das er es sogar akzeptiert. Er ist seit gestern verantwortlich für die medizinische Versorgung UNSERER Tochter incl. aller Arztgespräche.
( tsss- denke wie ein Mann, argumentiere wie ein Mann - es ist emanzipatorisch völlig inkorrekt, es ist unglaublich, aber es hilft. )

die Kuh ist noch nicht vom Eis- keinesfalls.

Aber ich habe heute das Gefühl, es -einmal wieder-, (vielleicht), reissen zu können
(als Mann (! lach) , als Frau, als Mutter... )

geht heute schon fast viel besser
chakka

liebe Grüße an euch alle und nochmals Danke #blume

Petra