Was kann ich noch tun?

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Forum: Trennung

Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltszahlung ... ? Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jedes Elternteil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung.

Beitrag von dodeesanders 18.04.10 - 22:29 Uhr

Hallo
ich bin heute neu hier angekommen und habe aber schon länger dieses Forum im Auge- ich lese hier sehr oft mit, sagen wir´s so.
Ich will mich trennen, deswegen ja auch diese Abteilung:-)

Ich bin jetzt fast 10 Jahre verheiratet und eigentlich harmonierten mein Mann und ich wunderbar miteinander.
Im Laufe der Zeit und durch relativ viele Schicksalsschläge ist es aber irgendwie passiert, das mein Mann an Depressionen erkrankte und immer aufbrausender bzw. cholerisch wurde.
Zunächst mal habe ich das noch ganz gut ertrage können,doch irgendwann wurde das so heftig,dass ich ihm dazu riet eine Therapie zu machen.
Das tat er, 12 Wochen Teilstationär.Es wurde von der Klinik angeleiert das wir eine Familientherapie machen sollten - auch das machen wir.
Auch das schien erstmal ganz gut zu sein für uns alle,denn wir waren alle schon relativ angefressen von seinen ewigen Wutanfällen (er war nie gewalttätig )

Naja, vor einiger Zeit gab es hier wieder schlimmes Theater,das die Kinder und mich furchtbar erschrocken hat und er ist eben immernoch so aufgebracht von allem,das es mich echt ankotzt.Er schreit ständig alle an,knallt Türen, pfeffert irgendwelche Gegenstände rum und so weiter...Die ganze Welt ist schlecht,alle wollen ihm was ,er ist der Arsch....alles O-Ton mein Mann.Ich kann das nicht mehr hören.
Ich bin immer sooo hoffnungsvoll und positiv und geduldig, und er kommt und erzählt mir dauernd wie scheiße alles ist.
Und ich weiß nicht einmal wieso er das so denkt.Wenn ich ihn frage, ist es eben einfach nur so.Super!!!!#schrei

Naja ich frage mich seitdem, was ich eigentlich von meinem Leben erwarte und ich will nicht immer dazu da sein ihm den Rücken freizuhalten und zu sehen,dass es bloß keinen Grund gibt das er wieder austickt,ich bin 32 Jahre alt und ich will nicht mein Leben,das ich nur einmal habe dafür hergeben.(Auch wenn es jetzt Leute gibt ,die das für egoistisch halten)

Die Kinder leiden unter seinen Launen,verstehen das nicht.

Und ich würde gerne ´ne Ausszeit nehmen,von der ganzen Sache und von ihm.Er ist nicht mehr der Mann den ich so geliebt habe,er ist ein griesgrämiger Mann,den ich überhaupt nicht mehr einschätzen kann,doch seine Krankheit hält ich davon ab ihm das alles zu sagen.
Ich weiß dass es für ihn unerträglich wäre seine Kinder und mich zu verlieren,doch was soll ich machen?Soll ich ernsthaft jetzt mit ihm zusammenbleiben,ihm zuliebe?

In meinem Freundeskreis sagen sie ich wäre bescheuert-keiner würde das Theater länger mitmachen,aber ich kann es nicht.
Bin ich gestört?Wäre er ebenso umsichtig mit mir in dieser Situation , würde irgendjemand das alles mitmachen?Diese Fragen kreisen in meinem Kopf herum und ich werde wahnsinnig-zumal ich ihn auch kaum noch respektieren kann.
Weiß irgendjemand hier einen Rat,oder eine Anlaufstelle?

D.



Beitrag von cat-kiwi51 19.04.10 - 09:36 Uhr

Hallo,

Deine Situation kommt mir bekannt vor, nur sind wir erst knapp ein Jahr verheiratet und seit der Geburt unseres Kindes ist die Krankheit bei meinem Mann richtig heftig geworden - mir war das vorher nicht so bewusst. Beim kleinsten bisschen wird er wütend, bezieht jede Bemerkung als Kritik auf sich und ist tagelang unendlich beleidigt, obwohl er eindeutig im Unrecht ist (Bsp.: Liege mit fast 39 Fieber im Bett und bekomme zu hören, ich sollte mich nicht so hängen lassen und die Situation ausnutzen, in dem ich gar nichts mehr tue). Ich muss mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass er krank ist.
Er beschreibt seine Situation immer so, dass das Fass fast immer randvoll ist und der kleinste Tropfen es zum Überlaufen bringt, das Fass aber gar nicht mehr richtig leer wird. Er quasi immer unter Hochspannung lebt. Ich glaube es ist fast unmöglich, sich in die Situation eines depressiven Menschen zu versetzen. Die sind wirklich nur mit sich und ihrer Krankheit beschäftigt und wie es ihnen wieder besser geht. Ich bin auch ein positiv eingestellter Mensch, gehe die Dinge konstruktiv an (das war auch nicht immer so) - er sieht alles rabenschwarz. Meinen Mann versuche ich zu NLP zu bewegen und im Moment denke ich für mich und unser Kind an eine Mutter-Kind-Kur, um mal etwas Abstand zu bekommen - vielleicht wäre das in Eurem Fall ja auch erst mal eine wohltuende Auszeit?

Alles Gute für Dich
C

Beitrag von bruchetta 19.04.10 - 10:54 Uhr

Ich würde mir auch eine Auszeit nehmen, aber nicht ohne ihm vorher mal zu sagen, dass es 5 vor 12 ist.
Er sollte schon wissen, dass Du Dich mit Trennung beschäftigst, alles andere finde ich unfair.

Beitrag von witch71 19.04.10 - 11:00 Uhr

Er braucht einen Schuss vor den Bug. Sag ihm mal in aller Deutlichkeit, dass Du eine räumliche (!) Trennung in Betracht ziehst, weil Du und die Kinder unter seinen Ausbrüchen stark leiden.

Selbst wenn man Depressionen hat, muss man keine Türen knallen, andere Menschen anschreien oder mit Gegenständen werfen. Man kann z.B. stattdessen joggen gehen oder eine andere Sportart betreiben, wenn man Wut ablassen muss. Oder Musik hören. Oder bestimmte Atemtechniken durchführen. D.h. er muss selbst einsehen, dass er ein anderes Ventil braucht, als die Familie, die ihn liebt.

Sag ihm, wenn er solch eine Möglichkeit findet, dass Du ihn unterstützt. Das heisst, er kann, wenn er merkt, dass ihm gerade wieder alles zu viel wird, jederzeit die Sportschuhe anziehen und sich draussen austoben. Ohne dass Du Dich über den "falschen" Zeitpunkt beschwerst.
Wichtig ist auch, dass er versucht, in der Therapie Lösungen für dieses Problem zu erarbeiten.

Wenns nicht besser wird, zieh das mit der räumlichen Trennung mal durch. Das bringt wieder Ruhe in die Familie, die Kinder entspannen sich und er kann dadurch lernen, seine Agressionen in den Griff zu bekommen.

Beitrag von naddl29 20.04.10 - 12:19 Uhr

Hallo,

irgendwie schockiert mich das hier alles ein wenig und zwar, weil mein Freund genauso ist und ich mir nie Gedanken über die Krankheit Depression in seinem Fall gemacht habe. Es geht bei ihm schon seit längerer Zeit so, dass er so austickt wie bei Euch beschrieben. Er hat uns schon mehrfach "rausgeschmissen" und am nächsten Tag war alles wieder gut. Und zwar immer in Fällen in denen unser Sohnemann etwas "schwierig" war, weil er nicht Essen wollte, gemeckert hat etc. ... Ich habe dann Partei für unseren Sohn ergriffen, weil der sich mit seinen 4 Jahren nicht beschimpfen zu lassen hat, wie ich finde. Er kann am allerwenigsten dazu. Am nächsten Tag ist er wieder der liebevolle Papa.. Daher denke ich des öfteren im Moment auch über eine Trennung nach. Aber es ist so schwer.