Bin ich zu empfindlich?Mein Mann wird irgendwie nicht akzeptiert...

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von nane75 19.04.10 - 09:55 Uhr

Mein Mann ist Ausländer, sein Deutsch ist gut.
Er ist lieb ,nett ,hilfsbereit.Hat einen verantwortungsvollen Job und viel zu tun.
Ich bin ein umgänglicher Mensch und rede mit jedem,tausche mich gerne aus.
Wir sind vor ca.3 Jahren in ein kleines bayr.Dorf gezogen.
Nun wurden wir zu einem Grillabend von neuen Nachbarn eingeladen.
Mein Mann ist sehr klug, war in seinem Heimatland Polizist, hat sich in D gut eingelebt aber spricht leider noch nicht richtig "flüssiges Deutsch",wenn man sich allerdings auch etwas bemühmt ist alles kein Problem.
Manchmal fallen ihm einzelne Wörter nicht ein und er umschreibt es halt.
Jetzt ist mir schon öfter aufgefallen, dass einige Menschen ihm das Wort abschneiden, das Thema wechseln,stirnrunzelnd schauen...
Ich finde das einfach unhöflich.Er gibt sich viel Mühe und dann sowas.Er spricht immer besser und auch in seinem beruf verstehen ihn alle.Er ist Vorgesetzter und Ausbilder.Nur in der Freizeit bei neuen Leuten fällt mir das auf.Er zieht sich dann zurück wenn er merkt, der andere hat kein richtiges Interesse zuzuhören.
Ich bin so traurig darüber, er kann sich so auch irgendwie keinen Freundeskreis aufbauen.
Irgendwie interessiert sich niemand für ihn!
Sorry für`s ausheulen.Vielleicht mag ja jemand was dazu sagen.Vielleicht bin ich auch zu empfindlich.

Beitrag von scrollan01 19.04.10 - 10:15 Uhr

Au weia!

DAS ist übel!

Ich kenne es ähnlich von meiner Mutter damals!
Sie ist Bulgarin und lebt seit 40 Jahren nu nhier. Sie hat studiert und war immer fleißig, ein tolle Kollegin und alles. Aber sie wurde damals brutal gemobbt auf der Arbeit, so dass sie uns Kinder oft genug alleine daheim lassen musste weil sie niemanden fand zum Aufpassen. Ich war z.T. mit 3 Jahren schon für Stunden alleine - bis mein Vater kam! Die Nachbarin kam zwischendurch immer nach mir schauen, sie nahm mich nicht mit zu sich in die Wohnung!
Damals MUSSTEN beide arbeiten und ers wurde erst langsam besser - meine Mutter vergisst das niemals und ist heute noch am zittern, wenn sie drüber nachdenkt!

Sie ist glücklich, dass ICH heute ganz anders leben darf und viel Zeit habe!
Als Schulkind hatte ich sehr oft das Vergnügen, dass über meine Mutter wegen der Sprache gelacht wurde, und sie nicht ernst gnommen wurde! Da habe ich dann mal so mit 10 einen Rundumschlag gemacht und habe allen die Meinung gegeigt - da wurde es dann besser!
Meine Mutter hatte es immer schon selber getan - sie sprach deutsch - nur mit Akzent halt! Aber ernstgenommen wurde sie deshalb aleine schon mal nicht! Erst heute ist sie in der Nachbarschaft angekommen und akzeptiert und auch beliebt!

Ich würde mir an deiner Stelle mal die Freunde in Ruhe einladen und dies vielleicht mit deinem Mann zusammen ansprechen!
Wenn sie einsehen wie sehr ihre evtl. unbewusste Körpersprache udn Mimik euch verletzt, können sie aktiv werden und drauf achten. Wnn si es nicht so sehen wie ihr, dann würde ich mir di Freundschaften nochmal überdenken!

LG Srollan

Beitrag von nane75 19.04.10 - 10:22 Uhr

Das sind noch nicht unsere Freunde,
unsere Freunde leben nicht hier in Bayern.
Es sind ganz neue Nachbarn, welche neben uns ins
Haus eingezogen sind.
Das fällt mir auch nur bei neuen Leuten auf.

Aber ich finde die sehr nett und hätte nichts gegen eine neue Freundschaft.
Weiß aber nicht, ob ich so mit der Tür ins Haus fallen soll.
Er sagt sowieso, ich soll das auf keinen Fall ansprechen.

Beitrag von medina26 19.04.10 - 10:18 Uhr

Hey nane,

ich denke nicht das du zu empfindlich bist. Ich finde es auch sehr traurig wie telweise in Deutschland mit Ausländern umgesprungen wird. Ich habe das in meiner Kindheit bei meinem Vater gesehen der nicht perfekt Deutsch spricht. Der wurde teilweise auch vor mir blöd angemacht und in seiner Arbeit schlecht behandelt. Bei Ausländern die kein Deutsch lernen wollen oder sich nicht mal ein bisschen anpassen verstehe ich das dann auch. Aber bei denen die sich wirklich Mühe geben die Sprache zu erlernen tut es mir auch sehr Leid wenn sie keine Chance bekommen. Was mich aber sehr freut ist, das es sehr viele Deutsche gibt, die uns Ausländer auch akzeptieren und tolerieren. Ich habe hier z.B schon oft gelesen das sich sehr viele Deutsche für Ausländer die noch nicht so gut Deutsch sprechen können eingesetzt haben. Nochmal ein sehr großes Lob an diejenigen. #pro Einen Tipp kann ich dir leider nicht geben, ausser nicht aufzugeben und abzuwarten. Es gibt glücklicherweise auch genügend Deutsche die keine Unterschiede machen.

lg Medina

Beitrag von nane75 19.04.10 - 10:25 Uhr

Ja du hast vollkommen recht.
Ich spreche genauso bosnisch wie er deutsch.
In Bosnien wird das sehr anerkannt, wenn eine Ausländerin die doch relativ unbekannte Sprache erlernt.

Hier wurde mir schon desöfteren die Frage gestellt, ob ich keinen deutschen Mann gefunden habe.
Oder das ich selber schuld sei an unserem kl.Freundeskreis, ich hätte ja auch einen Deutschen Mann heiraten können.
Echt schade so etwas.

Beitrag von medina26 19.04.10 - 11:12 Uhr

<Hier wurde mir schon desöfteren die Frage gestellt, ob ich keinen deutschen Mann gefunden habe.
Oder das ich selber schuld sei an unserem kl.Freundeskreis, ich hätte ja auch einen Deutschen Mann heiraten können. >

Das finde ich auch sehr traurig. Aber jeder so wie er meint. Diese Menschen sollte man dann auch einfach meiden.
Wir sind alle Menschen, egal wie wir aussehen oder welche Sprache wir sprechen. Und schwarze Schafe gibt es in jedem Land!

Beitrag von bei mir auch 19.04.10 - 10:30 Uhr

Guten Morgen
Ich bin auch Ausländerin und habe es öfters schon erlebt. Ich glaube bei manchen Leute ist eher eine "angebore Eigenschaften". Die schaffen einfach nicht konzentriert zu zuhören. Gespräche sollen schnell und unkompliziert laufen.
Deswegen hat man es schwer wenn das Wort nicht gleich einfällt, oder wenn man statt 5 Wörter, 10 dazu braucht um das gleich zu sagen. Ist aber nicht immer böse gemeint.

Beitrag von nele27 19.04.10 - 10:31 Uhr

Hi,

ich denke auch nicht, dass Du empfindlich bist.

Ich habe es bei meiner Freundin (eine Deutsche thailändischer Abstammung) schon häufiger erlebt, dass die Leute anfangen, gaaaanz langsam zu sprechen bzw. sie erstmal für doof zu halten.
Meine Freundin ist Rechtsanwältin und hat garantiert keine Probleme mit der Sprache oder Kultur. Allerdings wird sowas erstmal erwartet wenn man Schlitzaugen hat #wolke

Leider hat die deutsche Gesellschaft offenbar mehrheitlich irgendwie Schiss vor Überfremdung oder hält immernoch den Arier für den Nabel der Welt #schock So kommts mir manchmal vor.

Ein anderer Kumpel von mir ist schwarz und fand jahrelang keinen Job, weil er schwarz ist. Er ist Diplom-Mathematiker, spezialisiert auf Banken und Versicherungen. Dazu spricht er 5 Sprachen fließend (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und eine Sprache von der Elfenbeinküste) - ihn stellte einfach niemand ein!!! Das glaubt man kaum bei der Biografie, nicht wahr?
Inzwischen ist er glücklicherweise Lehrer am Gymnasium und die Schüler lieben ihn :-)

Also: Ich glaube Dir aufs Wort, was ihr erlebt - da hilft nur die Flucht nach vorn: Sprecht die Leute drauf an!

LG, Nele

Beitrag von manavgat 19.04.10 - 11:11 Uhr

Da fehlt, auf Seiten Deines Mannes, das nötige Selbstbewußtsein.

Entschuldigung, dass ich etwas länger brauche, Deutsch ist nicht meine Muttersprache. Bitte lassen Sie mich trotzdem ausreden. Freundlich und nett. Notfalls 3 Mal wiederholen.

Manche Leute merken es gar nicht.

Gruß

Manavgat

Beitrag von nane75 19.04.10 - 11:21 Uhr

Ja du hast recht, er hat hier nicht mehr viel Selbstbewußtsein.
In seiner Heimat ist er ganz anders.

Beitrag von manavgat 19.04.10 - 12:01 Uhr

Man muss sich als Ausländer nicht alles gefallen lassen!

Ich habe einen Mitarbeiter aus Afrika (er ist schwärzer als die Nacht! ;-)

Leider fehlt ihm die Stärke bei offensichtlich rassistischem Verhalten unserer Kunden offensiv vorzugehen.

"Black Pride" liegt ihm völlig fern.

Ich gehe mittlerweile mit dem Holzhammer vor: Bitte entschuldigen Sie, dass wir das Bleichmittel im Badewasser vergessen haben!

oder

keine Angst, er ist zwar schwarz, aber er beißt nicht!


oder

bei Buchung von Einzelunterricht via Telefon: zu Ihrer Information: unser Lehrer ist pechschwarz. Sollten Sie damit ein Problem haben - wir klären das gerne im Vorfeld - dann tut es uns leid, dann müssen Sie einen anderen Anbieter anrufen.

Meistens ist den Kunden ihr eigenes Verhalten peinlich und sie lachen dann über sich selbst und ihre Vorbehalte.

Der Mann hat 2 Hochschulabschlüsse und lässt sich manchmal von Leuten wie ein Depp behandeln. Ich bin dann immer unsicher, ob ich lieber ihm oder dem Kunden gegen das Schienbein treten soll.

Gruß

Manavgat

Beitrag von seelenspiegel 19.04.10 - 17:48 Uhr

Selbst unter "Deutschen" sind Gespräche im Kreis entfernter Bekannter und Nachbarn meisten sehr oberflächlich.

Bloss nichts tiefgründiges ansprechen, oder ein Thema wählen dass über die aktuelle Mode, DSDS oder das Wetter hinaus geht, da dann schon die hälfte nicht mehr folgen kann.

Es muss also nicht unbedingt an Deinem Mann liegen, sondern einfach in der Oberflächlichkeit Eurer Mitmenschen begründet sein.

Ansonsten rate ich ihm, sich dahingehen einfach ein dickeres Fell zuzulegen, und nicht nervös zu werden wenn ihm mal wieder ein Wort nicht einfällt.

Man kann damit sogar die Leute tief ins Gespräch mit einbinden, indem man sie bei der Wortfindung um ihren Rat frägt, bzw. mehr oder weniger subtil um Hilfe bittet.

Beitrag von mikabe 19.04.10 - 23:15 Uhr

Hallo,

meine Mama ist in den 60ern aus Italien nach Deutschland gekommen. Sie hat nach wie vor einen starken Akzent. Manchmal glaube ich sogar vorsätzlich....sie hörte sich das langsame Gestammel der Einheimischen (auch ein kleines Dorf in Bayern) immer geduldig an und sagte dann: oh wie schön, sind Sie auch Ausländer, wo kommen Sie denn her? Und schwups hat schon jeder wieder normal gesprochen....was halt so normal ist in Bayern ;-)
Zur Strafe für alle überheblichen Nachbarn "mußten" dann alle 5 Kinder aus der asozialen Familie studieren, und damit gibt sie immer noch gerne und oft an....
Dein Mann sollte versuchen drüber zu stehen und lieber wenige gute Freunde (und die hat meine Mutter dort auch gefunden, hat halt etwas gedauert) als viele falsche finden.
Alles Liebe
Micha