Finanzamt, außergew. Belastungen + Apothekenbelege

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von bea-christa 20.04.10 - 20:10 Uhr

Hallo meine Lieben,

kennt sich hier jemand zu folgendem Thema aus:
es geht um die privat bezahlten Apothekenquittungen (da die Kasse halt Schnupfenmittel, Osanit etc. nicht zahlt), die als außergewöhnliche Belastungen bei der Einkommenssteuer angesetzt wurden. Das FA München will diese nicht anerkennen, weil sie "ohne ärztliche Verordnung" gekauft wurden - was für mich - sorry - total hirnrissig ist! Warum soll mir der KiA ein Rezept für ein Mittel ausstellen, das ich als Kassenpatient eh selbst zahlen muß???

Danke + Gruß - Bea

Beitrag von nakiki 20.04.10 - 20:19 Uhr

Hallo!

Bevor du da jetzt viel Kraft und Energie reinsteckst: Ist es denn überhaupt relevant? Kommt ihr überhaupt über die zumutbare Belastungsgrenze?

Wenn nein, dann hark es ab.

Wenn ihr über die Grenze kommt: Wieviel Geld habt ihr denn für Medikamente im Jahr ausgegeben, dass es steuerlich ins Gewicht fällt? Lohnt sich der Aufwand, oder geht die Ersparnis für Porto drauf?

Wenn die Ersparnis (sprich Steuerrückzahlung) Gewicht hat:
Ich kanns verstehen. Es gibt viele Menschen, die medikamentenabhängig sind. Die könnten ja ihre Sucht von der Steuer absetzen!?
Wenn ihr soviel an Medis im Jahr ausgebt, solltet ihr vielleicht auf Hausmittel umsteigen. Spart Geld und man hat keinen Ärger mit dem FA!

Gruß nakiki

Beitrag von bea-christa 20.04.10 - 20:24 Uhr

Hallo Nakiki,

..wenn der Betrag so geringfügig wäre, würde ich keine Frage dazu stellen: es handelt sich um 1600,-- € für 2009, bei einer Höchstgrenze von 243,-- €.
Und nein: ich bin nicht medikamentenabhängig.

Und leider war das keine Antwort auf meine Frage, ob das so rechtlich zutrifft, also eine rechtliche Grundlage hat.

Trotzdem danke + Gruß - Bea

Beitrag von nakiki 20.04.10 - 20:58 Uhr

Okay, wobei ich mich jetzt frage, wie solche Kosten enstehen können ohne ärztliche Verordnung, aber egal.

Hier der Link: http://www.steuerlinks.de/richtlinie/estr-2005/r33.4.html

Wie hat das FA denn seine Entscheidung begründet? Welcher Paragraph bzw. Richtlinie wurde angegeben? Dann könntet ihr euren Widerspruch darauf begründen.
Wobei, wenn keine ärztliche Verordnung vorliegt, wirds eh schwierig.

Gruß nakiki

Beitrag von bibuba1977 20.04.10 - 21:02 Uhr

"Wobei, wenn keine ärztliche Verordnung vorliegt, wirds eh schwierig. "

Sorry, aber das ist Quatsch... Die KK zahlen doch fuer Otto-Normalverbraucher eh kaum noch was. Da kommt leicht mal was zusammen. Erkaeltung, Grippe, Husten, Schnupfen... Wird alles nicht bezahlt. Selbst fuer unsere Tochter haben wir schon Medikamente selbst bezahlt, weil wir erst mal homooepathisch behandeln wollten, bevor wir Antibiotika geben (was wir dann wiederum auf Rezept bekommen haetten...).
Zahl mal bei einer Zahnbehandlung dazu oder besorg dir eine Brille, weil du sie brauchst... Spaetestens dann weisst du, wie sowas zu Stande kommt.

Ich hatte angenommen, du waerst vom Fach?! #kratz

LG
Barbara

Beitrag von nakiki 20.04.10 - 21:09 Uhr

Hast du meinen Link gelesen!

Eine Brille - ärztliche Verordnung
Zahnbehandlung - ärztliche Verordnung

Mir ist klar, das bei solchen Behandlungen eine Menge Geld zusammen kommt, aber erstens liegt dann eine ärztliche Verordnung vor und zweitens geht es in diesem Fall (lt. Ausgangsposting) um Kosten aus der Apotheke.

Entscheidend ist die ärztliche Verordnung. Gehe ich zum Heilpraktiker und er verordnet mir Medikamente, die ich jedoch selbst bezahlen muss, kann ich diese absetzen.
Hole ich mir einfach mal Schmerztabletten aus der Apotheke, kann ich diese nicht geltend machen.

Die Kosten werden anerkannt, wenn sie dadurch entstehen, dass die KK diese nicht übernimmt. Das weiß man jedoch nur, wenn man bei einem Arzt war und er dir dann einen grünen Schein ausstellt.

Gruß nakiki

Beitrag von myimmortal1977 20.04.10 - 21:20 Uhr

Genauso ist es #pro

http://www.finanztip.de/recht/steuerrecht/stspab0006.htm

· Arzneimittel

Die Kosten für Arzneimittel zählen zu den abzugsfähigen Krankheitskosten. Und zwar auch dann, wenn sie nicht rezeptpflichtig sind oder es sich um Naturheilmittel handelt. Dies gilt natürlich nur, wenn die Krankenkasse diese Kosten nicht übernimmt. Lassen Sie sich die Notwendigkeit durch eine ärztliche Verordnung bescheinigen. Tipp: Bei einer andauernden Erkrankung mit anhaltendem Verbrauch bestimmter Arznei-, Heil- und Hilfsmittel reicht die einmalige Vorlage einer Verordnung.

Beitrag von bibuba1977 20.04.10 - 21:23 Uhr

Tut mir leid, du hast recht, ich hab mir den Link nochmal durchgelesen, den ich eben selber gepostet habe...

Bei uns war saemtliches nie ein Problem. Allerdings haette man auch bei allem die aerztliche Notwendigkeit nachweisen koennen...

LG
Barbara

Beitrag von bea-christa 20.04.10 - 21:55 Uhr

...nee sorry: Brille + KL - keine ärztliche Verordnung!
Ich merke, daß ich nicht mehr richtig sehe und lasse die Einmessung vom Optikerfachgeschäft machen. Dann kaufe ich mir eine Brille und KL und siehe da - 2008 ohne Probleme anerkannt (GLEICHES FA)
Bei Deiner Argumentation hakts an allen Ecken + Enden !

Beitrag von myimmortal1977 20.04.10 - 22:09 Uhr

Ne, leider harkt es nur bei denen, die nicht richtig lesen können....

Ein erstmaliger und einmaliger Augenarztbesuch ist immer notwendig. Danach kann der Optiker die "Verordnung" duchführen und man kann die Kosten absetzen.

Für Kontaktlinsen gelten noch ganz andere Vorschriften.

Warum werden Leute hier eigentlich gleich immer so zickig....

Der Gang zum Augenarzt

Generell zählen die Kosten, die eine Sehkorrektur erfordert, zu den Krankheitskosten, die das Finanzamt anerkennen muss. Somit zählen sowohl die Kontaktlinsen inkl. Ihrer Pflegeprodukte und die Brille zu den Krankheitskosten. Kontaktlinsenträger können im Falle einer Sehkorrektur ihr Linsen als außergewöhnliche Belastungen beim Finanzamt geltend machen. Ein ärztliches Attest ist notwendig, manchmal sogar ein amtsärztliches Attest. Normalerweise ist der Gang zum Augenarzt dann nötig, wenn sich die Sehstärke verändert und neue Kontaktlinsen oder eine neue Brille fällig sind.

Sehstärkenveränderung feststellen lassen beim Optiker

Da die Optiker in der Lage sind, die Veränderungen der Sehstärke festzustellen, können Kunden nun einfach zum Optiker gehen und sich ohne Arztbesuch ihre neuen Kontaktlinsen holen. Dafür muss der Optiker nur die Sehstärkenveränderung feststellen. Dennoch geht dies nur dann, wenn vorher einmalig ein Augenarzt konsultiert wurde. Wer also zum ersten Mal Kontaktlinsen oder eine Brille kaufen will, muss ein einziges Mal zum Augenarzt gehen.

http://www.kontaktlinsen-vergleichen.de/wissen/kontaktlinsen-steuerlich-absetzbar.html

Beitrag von bea-christa 21.04.10 - 08:44 Uhr

...wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil!
Ich WAR NICHT vorher beim Augenarzt, sondern DIREKT beim Optiker. Sowohl Brille wie KL wurden ohne Probleme auf Rechnung anerkannt....


Beitrag von myimmortal1977 21.04.10 - 09:20 Uhr

Das war dann aber lt. geltenden Bestimmungen mehr Glück als alles andere....

Beitrag von bea-christa 21.04.10 - 09:25 Uhr

Steuerbescheide können aber nicht nach "Glück" oder der Tages-Laune des FA-Angestellten entschieden werden.

Die Krankenkasse hat mir gerade bestätigt, daß es logischerweise für Erkältungsmittel keine ärztliche Verordnung des Hausarztes geben kann.
Verarschen laß ich micht nicht: die KK zahlt die Mittel nicht und der Arzt kann zu diesen Mitteln überhaupt keine Verordnung ausstellen und ich bin dann derjenige der mit einem TZ-Gehalt auf den entstandenen Kosten hängen bleibt.

Beitrag von myimmortal1977 21.04.10 - 09:43 Uhr

#liebdrueck Als erstes sei gesagt, ich will mich mit Dir hier nicht anzicken....

Meine Ärzte, egal ob Hausärzte, Frauenärzte oder Fachärzte stellen mir über Medikamente, die man selbst bezahlen muss und die nicht verschreibungspflichtig sind, immer ein Privatrezept aus. Der Beleg ist dann grün und nicht dieses rosa, was man sonst kennt.

Die Apotheke stempelt mir das dann immer ab. Und schreibt den Betrag drauf, den ich gezahlt habe.

Doch, manchmal sind Entscheidungen beim FA vom Sachbearbeiter abhängig. Und sicherlich passiert da auch mal ein "Fehler"....

Mir wurde mal eine Förderung verweigert, die hätte gezahlt werden müssen. Habe ich dann auch nach Widerspruch bekommen. Dann wurde mir mal eine Wohnungspauprämie anerkannt, die hätte nicht anerkannt werden dürfen, aufgrund meiner Verdiensthöhe, das holte sich das FA dann 2 Jahre später zurück. Wahrscheinlich fiel es bei einer Überprüfung auf. Ein Steuerbescheid ist auch IMMMER vorläufig. Steht nicht umsonst da immer drunter. Und der Gipfel des Ganzen war mal, dass man mir meine KM-Gelder nicht zahlen wollte, obwohl man es 4 Jahre anstandslos getan hat. Damals bekam ich einen neuen Sachbearbeiter und musste wieder ins Widerspruchsverfahren gehen und habe wieder dann recht bekommen.

Man sollte seinen Steuerbescheid auch immer überprüfen. Denn das FA vertut sich ganz gern mal zu gunsten oder ungunsten des Steuerpflichtigen #liebdrueck

Beitrag von bea-christa 21.04.10 - 09:50 Uhr

Für verschreibungspflichtige, selbst zu zahlende Medis muß man eh zum Arzt gehen. Aber doch nicht wenn ich eine Erkältung habe. Ich bin TZ-beschäftigt und habe eine kleine Tochter mit 22 Monaten zuhause. Da kann ich logischerweise wegen z.B. "Sinupret" nicht zum Hausarzt laufen + stundenlang warten, weil ich keine Betreuung für Nina habe.
Ich werde auf jeden Fall Widerspruch einlegen - der gleiche Sachbearbeiter hat zudem meinem Lebensgefährten (übrigens auch ohne Angabe einer Gesetzesgrundlage o.ä.) einen Teil der beruflich bedingten Umzugskosten (doppelte Miete) nicht anerkannt, obwohl es so im Gesetzbuch drin ist.

Beitrag von windsbraut69 21.04.10 - 11:55 Uhr

"Da kann ich logischerweise wegen z.B. "Sinupret" nicht zum Hausarzt laufen + stundenlang warten, weil ich keine Betreuung für Nina habe. "

Herrliche Logik.
Damit wirst Du sicher Erfolg haben...

Beitrag von windsbraut69 21.04.10 - 11:53 Uhr

Natürlich kann der Arzt Dir per Privatrezept Erkältungsmedikamente verschreiben oder auch Schmerzmittel z. B., die die KV nicht zahlt!

Beitrag von bea-christa 21.04.10 - 12:22 Uhr

ja stimmt, das ist eine herrliche Logik! Wenn Du genügend Zeit hast und eine Betreuung fürs Kind, um alle paar Wochen wegen Mittel zum Arzt zu laufen, die man eh selber zahlen muß, freut mich das.
Um das Thema Logik noch zu strapazieren: ich könnte dann jedesmal die Arzt-Quartalsgebühren UND das Arzneimittel von der Steuer absetzen....das kommt dann den Staat immens billiger, als nur das Arzneimittel anzuerkennen #rofl

Beitrag von windsbraut69 21.04.10 - 13:56 Uhr

Das ist nachvollziehbar aber nicht das Problem des Finanzamtes, sondern DEINES.

Beitrag von bea-christa 21.04.10 - 14:12 Uhr

...jetzt weiß ich wenigstens auch, warum bei Leuten wie Dir die KK-Kosten explodieren....Ja nicht über den Tellerrand hinaus gucksen, grööööl....

Beitrag von windsbraut69 21.04.10 - 14:21 Uhr

Du spinnst doch - ich habe mit keinem Wort meinen Medikamentenkonsum und mein Verhalten bei Arztkonsultationen erwähnt.
Aber sei beruhigt, ich bin selbst zahlendes Mitglied und schleppe in der Krankenkasse kein kostenaufwändiges kostenfreies Kind/Partner mit und wenn ich Heilerde brauche, zahl ich die selbst und werf die Quittung anschließend weg.

Beitrag von bea-christa 21.04.10 - 14:36 Uhr

Stimmt: Du hast nämlich geschrieben "war mir klar"! Also wäre der TIPP gewesen, sich rückwirkend das chronische Problem bestätigen zu lassen.

Die Frage ist nur was insgesamt der Volkswirtschaft günstiger kommt: Deine ständigen Arztbesuche mit dem ach so tollen grünem Rezept (heißt: Arzt-Gebühr + Kosten Medikament + km-Pauschale von der Steuer absetzen + die zugehörigen KK-Kosten) oder meine direkt in der Apotheke gekauften Mittel.
Wir können gerne nochmals auf gleicher Höhe darüber diskutieren, wenn Dir private Kosten i.H.v. 1600,-- € für Dich und ein Kind im Jahr entstehen. Und stell Dir vor: bei mir war 43 Jahre kein "kostenaufwändiges" Kind mitversichert und ich habe den KK-Höchstsatz bezahlt als FREIWILLIGES Mitglied.
Dein Zitat mit dem Kind sollte man wirklich in die Sparte "Kleinkind" reinsetzen, unglaublich welcher Wortwahl sich solche Leute bedienen....

Beitrag von nakiki 20.04.10 - 22:10 Uhr

" Wurde die Notwendigkeit einer Sehhilfe durch einen Augenarzt festgestellt, genügt die Folgerefraktionsbestimmung durch einen Augenoptiker."

Habe ich jetzt mal der Richtlinie entnommen!
Falls nie eine Notwendigkeit durch einen Augenarzt vorgenommen worden ist, hast du Glück gehabt, dass die Kosten anerkannt worden sind bzw. der Optiker hat es entsprechend (falsch) angegeben.

Gruß nakiki

Beitrag von bea-christa 21.04.10 - 08:45 Uhr

..wie ich schon geschrieben hatte: es kann nicht angehen, daß vom gleichen FA 2008 alle Belege ohne ärztliche Verordnung anerkannt werden und dann 2009 auf einmal nicht mehr...

Beitrag von windsbraut69 21.04.10 - 09:29 Uhr

Stimmt.
Leg doch Widerspruch gegen den Bescheid von 2008 ein!

Gruß,

W