Angst um meine Ehe (lang)

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von bhuibhu 21.04.10 - 10:07 Uhr

Hallo,

ich mache mir große Sorgen um meine Ehe.
Wir kennen uns seit zehn Jahren, sind seit 3 Jahren ein Paar und seit 2 1/2 Jahren verheiratet.
Ich habe einen inzwischen sechsjährigen Sohn mit in die Ehe gebracht. Die beiden lieben sich sehr und sind unzertrennlich.
Ich war nochmal schwanger (durch eine künstliche Befruchtung, da mein Mann unfruchtbar ist). Unsere Tochter hatte allerdings einen genetischen Defekt und wurde vor ca. einem Jahr tot geboren.

Seitdem haben wir große Probleme.

Ich wäre gerne nochmal schwanger geworden, hatte aber Angst, dass wir wieder ein so krankes Baby bekommen. Ich wollte also so viele Risikofaktoren wie möglich ausschließen. Mein Mann raucht viel und hat eine sehr schlechte Spermienqualität. Trotzdem hat er nur halbherzig versucht, mit dem Rauchen aufzuhören (er hat sich nie zu einem Kurs angemeldet oder ist deswegen zum Arzt gegangen). Unter den Voraussetzungen wollte / konnte ich es nicht noch einmal probieren.

Wir haben nicht viel Geld und er leistet sich lauter unnötiges Zeug. Jeden Tag kauft er sich auf dem Weg zur Arbeit Zigaretten, einen Kaffe, eine Cola und Kaugummis. Und wenn wir in den Urlaub fahren wollen, reicht das Geld fast nicht mehr.

Er vergisst ständig Termine, Überweisungen, ...oft mit hohen Mahnkosten verbunden.

Aber das schlimmste ist, dass es mich ständig anlügt. All diese Dinge, die ich geschrieben habe, passieren nicht einfach so, sondern ich muss sie herausfinden.
Z.B. frage ich ihn, ob er die Stromnachzahlung schon überwiesen hat. Ja, hat er, sogar schon letzte Woche. Einen Monat später ist das Konto gesperrt, weil die Stromnachzahlung gepfändet wird. Ich bin für Alles verantwortlich, weil es sonst evtl. nicht gemacht wird. Ich will aber nicht alleine verantwortlich sein!

Vor mir tut er immer so, als ob er soo toll wäre. Und lange Zeit habe ich es ihm geglaubt. Er hat es geschafft, vier ganze Monate (!) heimlich zu rauchen und ich habe schon einen Termin in der Kinderwunschpraxis ausgemacht, bis mir ein gemeinsamer Freund zugesteckt hat, dass er doch noch raucht.

Der Tod unserer Tochter hat auch ihn sehr mitgenommen. Er macht seit ein paar Wochen eine Therapie. Die Psychotherapeutin vermutet eine ADHS-Symptomatik bei meinem Mann. Er macht aber keinen Termin bei einem Psychiater aus, um dem nachzugehen. Vielleicht könnte es ihm ja helfen, einen Weg zu finden, gegen seine Unkonzentriertheit und sein Chaotentum anzugehen oder besser damit leben zu können. Aber er tut nichts. Sagt nur, ich dürfe ihm nicht mehr sauer sein, wenn er etwas verbockt, er könne ja nichts für seine Krankheit...

Er hat so viele Sachen, für die ich ihn liebe. Aber die werden von meinem Gefühl verdrängt, er hätte mein Leben zerstört. Jetzt will ich kein weiteres Kind mehr. Weil ich ihm nicht mehr vertraue und weil ich so enttäuscht bin, dass er noch nicht einmal wirklich versucht, etwas gegen unsere Situation zu unternehmen. Manchmal schaue ich ihn an und denke "Du hast mein Leben zerstört. Unseren gemeinsamen Traum verraten."

Wie können wir da wieder rauskommen? Ich weiß nicht, ob wir ohne unseren Sohn noch zusammen wären.

Vielen Dank für's lesen,
die Eine

Beitrag von silk.stockings 21.04.10 - 11:09 Uhr

Machst du auch eine Therapie?

Beitrag von frewafr 21.04.10 - 12:10 Uhr

Nein, leider nicht.
Ich war nach der Geburt zwar drei Monate lang krankgeschrieben und habe sehr viel getrauert in dieser Zeit, doch dann musste ich wieder arbeiten. Neben meiner Teilzeitstelle studiere ich (Vollzeitstudium) und dann eben noch unser Sohn und Alles, was ich für meinen Mann mitübernehme oder wenigstens nachkontrolliere.
Ich würde aber sehr gerne eine Therapie machen. Ein Jahr muss ich noch durchhalten. Dann bin ich mit dem Studium fertig und habe wieder mehr Zeit und vor Allem Kraft.

Beitrag von silk.stockings 21.04.10 - 12:22 Uhr

Ich würde jetzt eine Therapie machen.

Ganz dringend.

Das Leben, so wie du es dir vorstellst, kannst du nicht leben. Und daran sind alle anderen und die Umstände schuld ...

Du kannst kein gesundes Kind bekommen, weil dein Mann raucht (naja, da müssten unglaublich viele kranke Kinder zur Welt kommen).

Du liebst deinen Mann, aber er macht alles falsch - er geht zwar zur Therapie, aber nicht zum Psychiater, er lügt (vermutlich weil er Angst vor deiner Reaktion hat), er hat die Dinge nicht im Griff ...

usw usw ...

Ich lese bei dir viele Ausflüchte, aber keine Aktion.

Beitrag von bgfsb 21.04.10 - 12:47 Uhr

Das Rauchen ist doch nicht daran schuld, dass wir kein gesundes Kind bekommen können. das ist doch klar.
Es ist nur schon einmal so furchtbar schief gegangen bei uns und selbst unser Arzt aus der Kinderwunschpraxis möchte es unter den Voraussetzungen nicht nochmal versuchen.

Die Theerapie ist toll für ihn, aber dort kann er weder eine Diagnose noch Hilfe bezüglich seinem ADHS bekommen, was ja der Grund dafür sein könnte, dass er die Dinge nicht im Griff hat.

Mein Mann macht auch nicht Alles falsch und ich ganz sicher auch nicht Alles richtig.
Ich habe momentan einen Haufen Verpflichtungen und mir geht es sehr schlecht. Mein Leben macht mir keinen Spaß und ich mag mich oft selber nicht. Ich versuche, solange stark zu sein, bis wir mit dem Minimum (einer Existenzgrundlage) über dem Berg sind. Dabei verhalte ich mich häufig falsch, schade mir und anderen (auch unserem Sohn, der merkt meine Stimmung ja auch).
Vielleicht laufe ich auch vor meiner unendlichen Trauer weg, ich weiß es nicht.
Das wird sich hier auch nicht klären lassen.

Wie auch immer, das Alles zusammen überfordert mich. Und ich wünsche mir, dass mein Mann manchmal eine Stütze sein könnte. Aber gerade im Moment habe ich das Gefühl, er kann das Alles rauslassen und ich muss dann eher seine Stütze sein.

Beitrag von silk.stockings 21.04.10 - 13:23 Uhr

Offensichtlich kann er dir keine Stütze sein.

Dir geht es schlecht - such dir Hilfe. Und zwar jetzt und nicht erst in einem Jahr. Den einen Termin mehr in der Woche bekommst du auch noch hin.

Beitrag von fgrjikalng 21.04.10 - 13:27 Uhr

Ich werde am Freitag mal mit meinem Mann mitgehen.
Danke für den "Tritt in den A..."

Beitrag von frauke131 21.04.10 - 11:16 Uhr

Wenn ich das lese, ging alles holterdipolter bei Euch, auch wenn ihr Euch schon lange kennt.

Beziehung, Ehe, Kind von Dir mitgebracht, eigenes Kind (leider totgeboren) und das alles in 3 Jahren.

Er ist vom Single zum Familienvater geworden und ich glaube, er hat Probleme mit der Verantwortung! Dann seine Krankheit und die Trauer um euer Kind!

Ich finde, es war alles ein wenig viel für euch beide in der letzten Zeit. Atmet tief durch und packt die Probleme an: Finanzen machst in Zukunft Du! Hilfe für sein ADHS, damit er sein Leben in den Griff bekommt! Trauerbewältigung! Ihr habt ein Kind verloren und solltet vielleicht nicht versuchen, es durch ein anderes zu ersetzen, sondern euch Zeit lassen- für Euch und eure Familie.

Tja, das Rauchen! Ich habe selber 8 Jahre geraucht und nach durchzechter Nacht plötzlich aufgehört. Vor 10 Jahren. Ab und an habe ich mal mitgeraucht, aber die letzte Zigarette ist auch schon 1 Jahr her. Es schmeckt mir nicht mehr. Aber ich weiß, dass Rauchen eine Sucht ist und mal eben aufhören, noch dazu in Ausnahmesituazionen ist nicht einfach! Aber man kann auch nicht langsam aufhören, sondern nur von jetzt auf gleich. Vielleicht findet ihr auch einen Kompromiss, er raucht weniger oder nur bei Feiern?

Ich wünsche Euch alles Gute!

Beitrag von frauke131 21.04.10 - 11:20 Uhr

Ausnahmesituazionen = Ausnahmesituationen#klatsch

Beitrag von gtrwbg 21.04.10 - 12:34 Uhr

Wir waren viele Jahre beste Freunde, kennen uns schon lange sehr gut. Trotzdem war die Umstellung für ihn recht groß (für mich als immer allein erziehende auch).
Wir wollten, dass die Kinder keinen so großen Altersunterschied haben, deshalb die "Eile".

Ich habe es die ganze Schwangerschaft über nicht glauben wollen, aber ich liebe meine Tochter genauso sehr wie meinen Sohn. Ich könnte sie nie ersetzen, glaube mir.
Und trotzdem war unser Wunsch, eine Familie mit zwei lebendigen Kindern zu sein, die hier mit uns das Leben teilen. Wir wollten nicht zwei Einzelkinder, falls Du weißt, was ich meine. Hinzu kam die medizinische Komponente, dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft sinkt und das Risiko eines Gendefekts steigt.

Was aber definitiv stimmt und ein großes Problem darstellt ist, dass all das in nur drei Jahren passiert ist. Wir kommen emotional gar nicht mehr hinterher...

Die einzelnen Schritte, die Du vorschlägst, sind super. Aber leider nicht so wirklich umsetzbar. Ich arbeite 20 Stunden / Woche, studiere ca. 30 Stunden / Woche, hole meinen Sohn 4x um spätestens 17 Uhr aus dem Kindergarten ab. Von Haushalt über Finanzen bis hin zu Freunden muss Alles ich organisieren. Aber Alles ausführen - dazu fehlt mir die Zeit und ehrlich gesagt auch die Kraft. Ich sage ihm ja, was er genau machen muss, schreibe es ihm manchmal sogar auf. Aber wenn er mich dann anlügt und es nicht macht? Ich kann nicht noch mehr Verantwortung ertragen, dann brech ich zusammen.

Zeit zum Durchatmen oder Trauern ist sehr selten. Fast mein ganzer Verdienst geht für das Rauchen und seine Kaffee - Cola - Kauferei drauf. Würde ich aber nicht arbeiten, hätten wir nichts zum Essen.
Hilfe für sein ADHS muss er sich holen. Ich helfe ihm ja gerne dabei, aber der Impuls muss doch von ihm kommen, sonst bringt die ganze Hilfe nichts.

Das Rauchen... Ich habe auch lange Zeit geraucht. Sogar nach meinem Sohn wieder angefangen. Wegen unserem Kinderwunsch habe ich aber wieder aufgehört. Es war schwer, ist es immer noch manchmal, aber ich habe mir auch wochenlang selber Hormonspritzen in den Bauch gehauen und zwei Vollnarkose - OPs und eine stille Geburt für unseren Kinderwunsch durchgemacht. Und er macht noch nicht mal einen ernstzunehmenden Versuch.
Das ist es, was mich so verletzt.

Beitrag von frauke131 21.04.10 - 12:51 Uhr

Ok, ich wusste nicht, dass Du zeitlich sooo eingespannt ist. Das mit dem Kind verstehe ich ja, aber es ist soviel passiert, das reicht für ein ganzes Leben!

Bei Überweisungen gehen evt. auch einzugsermächtigungen, dann kann man es nicht vergessen! Wenn er euer geld für sinnlosen Kram ausgibt, musst Du ihm vorübergehend "Taschengeld" geben. Bis er es gelernt hat!

Natürlich hast Du viel durchgemacht, vielleicht bist Du einfach stärker. Männer schlucken Trauer eher runter, ist das bei ihm auch so?

Ich kann nur sagen, kämpfe weiter, bitte ihn, Dich nicht im Regen stehen zu lassen! Ich wünsche Euch alles Gute!

Beitrag von hukbbh 21.04.10 - 12:59 Uhr

Das mit den Einzugsermächtigungen ist eine wirklich gute Idee, Danke!
Das Taschengeld haben wir schon durch. Er hat sich dann Geld von Freunden und seinen Eltern geliehen...
Ich glaube, ich habe mehr Disziplin. Er lässt Alles erst mal passieren. Er macht die Therapie, stellt sich der Trauer.
Ich weine auch sehr oft, aber im Alltag "funktioniere" ich.
Am Besten wäre wahrscheinlich eine Kombination aus uns beiden...
Ich hoffe so sehr, dass wir das schaffen. Ich will ihn nicht auch noch verlieren.
Vielen Dank nochmal!