Verabredungen enden im Desaster

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von sweety03 21.04.10 - 10:17 Uhr

Hallo,

unsere grosse Tochter (knapp 7, 1. Klasse) war schon immer eher introvertiert und suchte nicht unbedingt grossen Anschluss im Kindergarten.
Als sie im September eingeschult wurde, gliederte sie sich laut Klassenlehrerin ganz gut in die Klassengemeinschaft ein und fand auch 2, 3 Mädchen, mit denen sie sich gut verstand und auch mal verabredete.
Allerdings war es bei den letzten Malen immer so, dass die Treffen eher zäh waren.
Gestern bei uns war es ganz schlimm. Das Mädchen kam gleich nach der Schule mit, wir aßen und sie machten Hausaufgaben, soweit alles im Lack.
Später konnten sie sich auf kein Spiel einigen, unsere Tochter murrte und fing massiv an zu schimpfen: "Wann geht L. endlich nach Hause! Ich möchte allein spielen!" Das ging immer so weiter, so dass mein Mann nachher mit dem Mädchen Uno spielte und ich unsere meckernde Tochter in Schach halten musste. Sie war später auch ziemlich kaputt, aber sie schimpfte so doll, dass es echt peinlich war.
Und das war nicht das erste Mal, dass sie sich so benommen hat. Alles reden und erklären bringt nichts. Ich habe sie auch gefragt, wie sie sich gefühlt hätte, hätte L. so reagiert. Ihre Antwort:"Mir doch egal!"
Meine Konsequenz aus dem gestrigen Nachmittag ist, dass ich vorerst keine Kinder mehr einlade (kommt eh meist von meiner Seite als Anstoss, diesmal wollte sie aber unbedingt mit diesem Mädchen spielen). Das war ihr gestern dann auch egal, aber ich werde erst mal nichts starten. Habt Ihr noch Tipps, wie wir ihr helfen können? Ich finde dieses Gestichel und Gemecker ganz schlimm, sie meinte auch noch zu dem Mädchen:"Warum hast Du denn schiefe Zähne?" #schock
Ich bin momentan ziemlich enttäuscht, weil ich das Gefühl habe, sie endet irgendwann als Aussenseiter in der Klasse.

Sweety

Beitrag von scrollan01 21.04.10 - 10:27 Uhr

Oh!

Das wäre mir als Mutter auch sehr unangnehm!
Wie hat das Mädel denn reagiert?

Und wie gut kennen die beiden sich denn?

Kennt ihr die Eltern? Wenn ja, rufe da einmal an und "entschuldige" dich im Namen eurer Tochter.
Zumindext würde ich das jetzt so machen - andere vielleicht nicht!

Ich würde jetzt auch erstmal deine Tochter in Ruhe lassen und niemanden mehr groß einladen es sei denn, ihr habt selber Freunde mit Kindern!
Irgendwann wird sie schon das Bedürfnis entwickeln und sich melden! Solange würde ich locker bleiben und keinen Druck machen!
Sonst vrstockt sie noch mehr - und außerdem gibt es tatsächlich Kinder und Große, die brauchen scheinbar nicht so viele Freunde!

LG

Beitrag von rienchen77 21.04.10 - 10:54 Uhr

wenn die Kinder anfangen zu nörgeln schick ich sie immer raus zum Spielen... da findet sich immer was interessantes.... und draußen können sie sich zur Not auch mal ein wenig aus dem Weg gehen...

Beitrag von sweety03 21.04.10 - 11:00 Uhr

Genau das habe ich auch gemacht, leider fing es dann stark zu regnen an, so dass die Option buchstäblich ins Wasser fiel.

Beitrag von manavgat 21.04.10 - 11:04 Uhr

Warum sorgst Du für Verabredungen, wenn Deine Tochter lieber allein spielen will?

Gruß

Manavgat

Beitrag von sweety03 21.04.10 - 11:08 Uhr

In diesem Fall war es so, dass sie mich fragte, ob ich die Mutter des Mädchens wegen einer Verabredung anrufen kann, das habe ich gemacht.

Sweety

Beitrag von kawatina 21.04.10 - 11:26 Uhr

Hallo,

warum bringt man ein Gastkind nicht nach Hause wenn es doch gar nicht klappt ?

Mein Sohn sollte auch mal als Therapieversuchskarnickel für den kleinen Prinzen des Hauses herhalten (Mutter - Lehrerin, Vater -Psychologe).
Das war ja ein Budenzauber, als er bei mir anrief, das er nach Hause wolle. Damit waren die Eltern des Jungen aber mal gar nicht einverstanden.

Als würde ich mit irgendwelchen Leuten über meine Erziehungsberechtigung und Aufenthaltbestimmungsrecht diskutieren.#rofl
Mein Sohn ging natürlich dort nicht mehr hin. Die hatten ja echt nicht mehr alle Latten am Zaun...na ja Geschichte...;-)

Es wäre L. gegenüber fairer gewesen, wenn ihr sie heim gebracht hättet, statt das sie ihre Zeit bei euch absitzen mußte.
Gerade aus solchen Gründen kommen Kinder oft kein zweites Mal!
Stell dir mal vor, es wäre dein Kind, dem es so ergangen wäre.

Scheinbar ist deine Tochter sich derzeit selber genug. Wenn sie Kontakte will, dann soll es so sein. Aber doch keine Verabredungen, die Mutter angeregt hat.

Viele Grüße
Tina

Beitrag von sweety03 21.04.10 - 11:48 Uhr

Ich habe diese Verabredung nicht angeregt!! Sie wollte selber mit dem Mädchen spielen.
Nach Hause bringen ging nicht, da die Mutter sie erst nach der Arbeit abgeholt hat.

Sweety

Beitrag von kawatina 21.04.10 - 12:32 Uhr

Hallo,

gut, das ist dann dumm gelaufen.:-(

Aber einen Tipp hätte ich noch.
Vielleicht deine Tochter im Sportverein anmelden. Wenn sie sich in ein Team integrieren muss, ist das möglicherweise förderlich.
Bei uns gibt es einen Kindertierschutzverein. Da gehen auch schon die Kleineren hin und es wird viel zusammen gemacht.

In sich gekehrte Kinder sind selten unglücklich. Oft meinen Eltern das Einzelkinder einen Leidensdruck haben. Ist aber nicht so.;-)

LG
Tina

Beitrag von sweety03 21.04.10 - 13:58 Uhr

Hallo,

sie ist kein Einzelkind, ihre Schwester ist fast 5.
Ausserdem macht sie zweimal in der Woche Karate.

Sweety

Beitrag von gismomo 21.04.10 - 19:29 Uhr

Hallo,

das kommt mir ja so bekannt vor....

Mein Sohn verhält sich ganz genauso. Er wird bald 8, ist jetzt in der 2.Klasse, und es wird langsam aber sicher schon viel besser.

Er war im Kiga schon so. Er wollte lieber allein spielen oder mit mir. Und zwar immer. Ab und an hab ich Kinder eingeladen. Er war aber nie allein bei einem anderen Kind zuhause, immer nur mit mir - er hat sich absolut geweigert.

Wenn ein anderes Kind da war, kam zu 98% irgendwann eine Situation, in der er einen Tobsuchtsanfall bekommen hat und völlig ausgeflippt ist, wegen einer Nichtigkeit. Oder aber er war dann anschließend emotional völlig aus dem Gleichgewicht, und der Tobsuchtsanfall kam danach. Und das, obwohl ich bewusst nur ein Kind und nicht mehrere eingeladen hatte.

Was mir aufgefallen ist: Wenn er ein Kind sehr gut gekannt hat und dieses regelmäßig zum Spielen da war, wurde es irgendwann besser. Er hatte dann seit der ersten Klasse zwei Mädchen, die er regelmäßig eingeladen hat (bzw. ich habe sie eingeladen, aber für ihn war es dann OK), und das klappte dann meistens problemlos.

Wenn ich ein "neues" Kind eingeladen hatte (aus seiner Klasse, ein Kind, welches er nett fand), sah dass dann so aus, dass ich heilfroh war, wenn die Besuchszeit um war. Zusammenspielen klappte maximal 1/2 Stunde. Anschließend hatte ich entweder die Wahl, ein tolles Beschäftigungsprogramm auf die Beine zu stellen, oder aber zuzusehen, wie jedes der beiden Kinder alleine etwas für sich spielte (was natürlich auch nicht drei Stunden lang funktionierte und mir dem Besuchskind gegenüber sehr unangenehm war, dieses wollte nämlich gern mit meinem Sohn spielen, der jedoch wollte nicht mit dem anderen Kind spielen).

Ich könnte dir noch weitere Beispiele schildern, jedenfalls kenne ich die Situation ganz genau.

Meine Strategie war: Ab und an (nicht zu oft, einmal pro 1-2Wochen) ein Kind einzuladen, welches er gut kannte und mochte (z.B. eins der beiden Mädchen), dann ein schönes Programm in petto haben (z.B. was zum Basteln oder zusammen Kinderpizza machen), falls sie nicht mehr zusammen spielen konnten und mein Sohn unleidlich wurde.
Wenn ich merkte, dass mein Sohn dringend eine Auszeit brauchte, hab ich mit dem anderen Kind solange etwas Nettes gemacht (Brettspiel, basteln etc.). Mein Sohn war solange allein in seinem Zimmer, hat sich ausgeruht, und dann kam er irgendwann wieder von alleine runter und war besser drauf und entspannter.

Meine Erklärung dafür ist:
Der Kontakt zu anderen, vor allem nicht so gut bekannten Kindern ist sehr anstrengend (emotional) für ihn. Er ist absolut nicht schüchtern und plappert den ganzen Tag, hat auch in der Schule überhaupt keine Probleme mit den anderen - das ist es also nicht! Aber das Zusammensein mit anderen Kindern ist für ihn ein relativ großer Stressfaktor und er braucht Möglichkeiten, wie er den Stress reduzieren kann, wenn es ihm zu viel wird - in der Situation selber und auch in der Art und Weise, wie er sein Leben gestaltet.

Deshalb nie mehr Kinder einzuladen kann aber einfach keine Option sein - jeder, der das rät, sollte sich mal ernsthaft hinterfragen, ob er sich an diesen Rat halten würde, wenn es das eigene Kind wäre....!

Man muss also einen Weg finden, der beidem gerecht wird - seinem Bedürfnis nach Stressreduzierung und aber auch dem jedem Menschen innewohnenden Bedürfnis nach Freunden als vertrauten Menschen - und das werden Menschen nun mal nur, wenn man Zeit mit ihnen verbringt!

Deshalb hab ich mich an die Strategie aus drei Säulen gehalten und bin damit bisher gut gefahren:

1. Nicht zu oft Kinder einladen - lieber weniger, dafür aber gezielt und so, dass ich immer ein schönes Programm in der Hinterhand habe, sollte es Probleme geben- das entschärft auftretende Konflikte.

2. Lieber einige wenige, dafür ihm vertraute Kinder einladen und gezielt darauf achten, dass dieser Kontakt besteht und ihn fördern.

3. In der Situation selber Rückzugsmöglichkeiten für ihn schaffen - ihm anbieten, dass er sich in sein Zimmer zurückziehen kann, ohne Vorwürfe zu machen, solange mit dem Besuchskind etwas Schönes machen (basteln, Kuchen backen etc.). Die Angst, dass das Kind dann die restlichen drei Stunden in seinem Zimmer bleibt, ist unbegründet. Mein Sohn kam meistens nach einer guten halben Stunde wieder mit dazu und hat mitgemacht, war dann emotional wieder wesentlich besser drauf.

Ich habe lange damit gehadert, dass mein Sohn so ist, wie er ist. Inzwischen sehe ich das einfach als seine Schwäche bzw. emotionale Unreife an. Genauso, wie ich mein Kind nicht unter Druck setzen und verantwortlich machen würde, wenn es aufgrund einer LRS sehr schwer Rechtschreibung lernt, setze ich ihn unter Druck, weil er sich in diesem Bereich schwer tut.
Aber ich fördere ihn auch, so wie ich mein Kind in anderen Bereichen fördern würde. Es ist mühsam, aber Fortschritte kommen, wenn auch langsam.

Es klappt jetzt schon viel besser, und er ist viel offener geworden. Er würde zwar immer noch von sich aus nie auf die Idee kommen, ein Kind einladen zu wollen, aber wenn ein Kind da ist oder wir bei einem anderen Kind zu Besuch sind, kommt es selten zu solchen Überforderungs-Situationen wie ich sie von ihm gewohnt bin.
Und er geht alleine und auf eigenen Wunsch in einen Chor, ohne sich dort unwohhl zu fühlen, obwohl kein Kind dabei ist, das er kennt.

Es gibt Fortschritte, aber sie sind nur von jemandem zu erkennen, der ihn gut kennt. Er ist noch meilenweit davon entfernt, ein Kind zu sein, dass vor Freude aufspringt, wenn man ihm vorschlägt ,jemanden einzuladen. Aber ich bin schon ganz zufrieden damit, was sich bisher getan hat.

lg
K.

Beitrag von gismomo 21.04.10 - 19:37 Uhr

Übrigens - weil ich grad die anderen Beiträge gelesen habe:

Mein Sohn ist ebenfalls kein Einzelkind. Und mein zweites Kind war von Anfang an völlig unproblematisch, was den Umgang mit anderen Kindern angeht.
Er wird demnächst fünf und hat schon sehr früh mit anderen Kindern gespielt, ohne dass ich gebraucht wurde - das war alles friedlich, harmonisch, die Kinder waren eifrig im Spielen vertieft - so was hab ich von meinem ersten Kind gar nicht gekannt.

Und: Von wegen "Besuchskind als Therapie-Helfer" - ich würde nie auf die Idee kommen, ein Besuchskind zu instrumentalisieren, was für ein Schwachsinn. Zum einen wollte das Besuchskind gerne zum Spielen kommen, zum anderen habe ich immer gefragt, ob es nach Hause möchte, wenn mein Sohn sich zurückgezogen hat (wollte es aber nie), zum anderen hat es sich immer riesig über meine Angebote gefreut (Pizza machen, basteln etc.), und die Mütter haben mir nachher erzählt wie toll ihre Kinder es bei uns fanden.

lg
K.

Beitrag von sweety03 22.04.10 - 07:06 Uhr

Hallo,

Danke für dein Posting, das hat mir sehr viel Mut gemacht und mir weitergeholfen, während andere Postings ziemlich am Thema vorbei sind (Besucherkind als Therapiehelfer #klatsch).
Ich werde nächste Woche mal mit ihrer Klassenlehrerin sprechen und mir schildern lassen, wie es momentan in der Klasse so klappt.

Sweety

Beitrag von desty97 20.05.10 - 11:24 Uhr

Jaaaa, das kommt mir nur allzu bekannt vor, mir geht es mit meinem Sohn (gerade 6 geworden) genau wie Gismomo, der Text hätte von mir sein können #winke

Mein Sohn hat mittlerweile 3 gute Kiga-Kumpel, mit denen er wunderbar spielt (egal ob bei uns oder bei den Jungen). Allerdings reicht ein Spielbesuch pro Woche aus, damit ist er nicht überfordert und hat Spaß an der Sache (außerdem ist er bis 14:00 Uhr im Kiga, geht Mo. zum Turnen und Do. zum Schwimmen). Zwischendurch spielt er dann noch mit dem 1 Jahr älteren Nachbarsjungen, was allerdings nicht so ganz unproblematisch ist, da die Beiden sich recht häufig in die Haare kriegen ...

Ein "Highlight" war vor einem Jahr der Besuch eines Jungen, den er auf dem Spielplatz kennengelernt hat (geht nicht in den gleichen Kiga). Sie haten super auf dem Spielplatz zusammen gespielt, so daß sie sich ein paar Tage später zum Spielen bei uns verabredet haben, wo dann aber so gar kein gemeinsames Spielen zustande kam, mein Sohn nicht mehr mit J. spielen wollte, sich ins Schlafzimmer zurückgezogen hatte und ich dann mit J. etwas gespielt habe und froh war, als er um 18:00 Uhr wieder abgeholt wurde.
Tja, nur leider hatte ich die Rechnung ohne J. gemacht. Der Junge kam anschließend noch etliche Male alleine mit dem Rad (und das mit 7 Jahren #zitter) zu uns gefahren, um mit meinem Sohn zu spielen, was mein Sohn ganz und gar nicht wollte, und ihm auch sehr deutlich sagte, so daß J. sich dann wieder trollte. Meine Anrufe bei J. Mutter um ihr zu sagen, daß J. doch bitte nicht mehr kommen möge, blieben ohne Erfolg. Es war sogar so, daß J. vor dem Kiga Zaum meines Sohnes "herumhing" und auf ihn wartete und ihn auch ständig rief, so daß mich sogar schon die Kiga-Leiterin fragte, wer denn dieser Junge da vor dem Zaun sei ... Gottseidank war das dann mit der Einschulung von J. im letzten Jahr vorbei (sie waren übrigens erst frisch zugezogen, so daß J. halt keinerlei Kontakt zu anderen Kindern hatte).

Liebe Grüße
Desty

Beitrag von aileen12 23.04.10 - 10:12 Uhr

hallo, das kommt auch bei uns ab und an vor, das lucas, wenn ein kind zum spielen kommt, er dann plötzlich keine lust mehr hat mit ihm oder ihr zu spielen. er sagt das dann auch und wir schicken das kind dann nach hause. vorher wird das noch kurz geklärt und dann ist gut.
warum sollte mein sohn mit einem kind spielen müssen, wenn er dazu keine lust hat?
du beeinträchtigst doch in dem moment den freien willen deines kindes. ich habe festgestellt, das es bei kindern okay ist. bei uns erwachsenen ist das etwas anderes, da quälst du dich durch, wenn du ungebetenen besuch hast, um nicht unhöflich zu sein.
ich denke, das es auch angebracht ist, das dein kind mit den anderen kids draußen spielt, denn ich habe festgestellt, das sie unter sich weitaus besser klarkommen, als wenn wir uns einmischen. außerdem ist es immer schwierig, wenn jemand in seinem gewohnten terretorium ist und dann nicht frei entscheiden kann.
lg aileen