*das verhalten* die gene oder erziehung????

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von goldmannchen 21.04.10 - 13:20 Uhr

hallo...
die eigentliche frage steht ja schon oben...
mein sohn ist 6 und kommt im august zur schule...nun hat er vor paar tagen erzählt das er im kiga geärgert wird von zwei jungs.(die kitzeln ihn wohl,ist nicht wirklich schlimm).ich hab ihm gesagt das er sagen muß,das er das nicht will,wenn sie nicht aufhören dann zur erzieherin gehen.er sagt nein,ich werde nicht petzen,was auch richtig ist.
er ist ein kind das kein streit sucht,er dreht sich lieber um und geht, anstatt sich durchzusetzen.nun hab ich die befürchtung das er in der schule damit probleme bekommt und alle ihn hänseln werden.
sein vater ist nämlich genau so....
meine frage nun ob man ihm das noch anerziehen kann sich zu wehren(auch körperlich,wenns nicht anders geht,und nur zu verteidigung)oder ob das tatsächlich schon so in den genen ist, das man einfach ein ruhiger typ ist???????

Beitrag von sternchen730 21.04.10 - 13:34 Uhr

Hallo,
vielleicht hast Du eher ein Problem als Dein Sohn?
Hat er denn Angst vor der Schule?
Ich glaube nicht, das er in der Schule deswegen gehänselt wird. Warum? Weil er eher defensiv ist????
In der Schule wird er in der Klasse erfahren, was zu tun ist, wenn Streit droht.
Meine Erfahrung ist, dass die meisten Konflikte in den ersten Grundschulklassen in Anwesenheit der Lehrer gelöst werden und mit dem Lehrer besprochen werden.
Aber Selbstverteidigungskurse (und andere Sportkurse) sind natürlich immer gut um Selbstvertrauen zu schenken.
Und wenn er ein ruhiger Typ ist (bis jetzt), umso besser...ich seh den Nachteil da nicht. Willst du nicht, dass er als Feigling dasteht???
Oder nur einstecken muss??
Ich denke, Du solltest Deinem Sohn da mehr zutrauen, selber Lösungen für ferne Probleme zu finden.
Lg, sternchen#stern

Beitrag von jazzbassist 21.04.10 - 14:15 Uhr

Ich denke nicht, dass er hier wird über seinen Schatten springen können. Es hat weniger mit Veranlagung oder Erziehung zu tun, sondern hauptsächlich mit den ersten Erfahrungen, die ein Kind gesammelt hat. Sinnbildlich z.B. der erste Kampf im Sandkasten um die Schaufel, noch bevor Kinder überhaupt komminuzieren können. Erfahrungsgemäß geht das so aus, dass ein Kind dann weint und ein Kind dann die Schaufel ergattert hat. So ein einmaliger Fehlschlag ist für uns Erwachsene nicht weiter tragisch.

Stellen Sie sich ein Baby aber als ein leeres Gehirn vor, dass bei jedem neuen, unbekannten Schritt lernt, wie dieser Schritt ausgeht. Genau diese erste Erfahrung merkt sich ein Mensch - es bilden sich im Gehirn also die entsprechenden Verbindungen: Sich selbst durchgesetzt zu haben oder eben nicht. Das ist - in einer Analogie gesprochen - wie das Radfahren. Selbst wenn Sie es verlernen wollten, wird es ihnen nicht gelingen, da die Nervenbahnen in ihrem Gehirn dafür bereits gelegt sind und noch sehr viele Jahre nicht mehr abbauen werden. Mit der Persönlichkeit ist das genau so.

Sie können auf der Entstehung als Elternteil kaum einen Einfluss nehmen sondern nur später versuchen, dass Beste daraus zu machen. Sie haben für diesen Prozess 18 Jahre lang Zeit; danach sollte ihr Sohn dann reif für eine Gesellschaft sein, die so ist, wie sie nun mal (manchmal leider) ist und nicht für eine fiktive Gesellschaft, in der alle Menschen an das Gemeinwohl denken und gut mit anderen Menschen umgehen können, weil die goldene Maxime ja lautet: "Was du nicht willst, das man dir antut, das füg auch keinen anderen' zu".

Ich halte es daher schon für sinnvoll, einem Kind hier die Möglichkeit zu geben, sich nicht alles gefallen lassen zu müssen. Kinder können in dem Alter durchaus noch schüchtern sein; zumindest in der Grundschule dürfte es damit keine all zu großen Probleme geben. Die sind in dem Alter zwar auch schon manchmal keine Biester - aber - eine gute Lehrerin kann die kids hier eigentlich sehr gut erreichen und soetwas sehr gut schlichten und auch verhindern/unterbinden. Trotzdem ist es natürlich für die Zukunft sehr hilfreich, wenn ein Kind hier großes Selbstvertrauen hat. Nicht nur für Konflikte mit anderen Kindern in der Schule - einfach fürs ganze Leben ist Selbstvertrauen fundamental.

Ich denke, je mehr Möglichkeiten ein Kind hat, in einer Gruppe (mit gleichaltrigen) experimentieren zu können, je mehr Selbstvertrauen kann ein Kind hier erlangen, wenn ein Erwachsener dabei ist, der da ein Auge drauf wirft und merkt, wenn ein Kind in Schwierigkeiten steckt. Ich würde einfach gucken, ob sie ihren kleinen Spatz für irgendeine Mannschaftssportart begeistern können; ein weiteres Experimentierfeld, wo er mit gleichaltrigen Proben kann und neue Erfahrungen wird sammeln können. Das ist kein Prozess, der von heute auf morgen gelingen wird; er bedarf vieler Jahre und geht nur ganz langsam und steinig voran. Aber Sie werden noch häufig Gelegenheit haben, Probleme, die ein Kind mit gleichaltrigen hat, zu erkennen und ihrem Fratz ein paar kleine Tipps geben, wie er sie eventuell lösen könnte. Und ihn natürlich aufbauen, sollte er mal auf die Nase fallen. Auch im Alltag sollte man immer daran denken, dass Selbstvertrauen eines Kindes zu fördern oder stärken. Es gibt hier auf Urbia z.B. einen schönen Artikel mit dem Titel "Was Eltern niemals sagen dürfen (http://www.urbia.de/topics/article/?id=9141&c=0)".

Wie es dann aber in 4-5 Jahren auf einer weiterführenden Schule weitergeht, dass steht wirklich in den Sternen. Für die kindliche Entwicklung sind das nämlich Welten, so das es durchaus möglich ist, dass sie ihn gar nicht wiedererkennen würden. Ich würde mir hier also noch keine all zu großen Sorgen machen (da auch Kinder diese Sorgen spüren können und die verunsichern), schon aber gucken, dass Sie ihm immer mal wieder nützliche Tips mit auf den Weg geben, wie man Probleme lösen kann; vor allem, wie man sie langfristig lösen kann. Denn der Kreis endet nicht beim "sich etwas gefallen lassen, umdrehen und weggehen", sondern er beginnt erst genau damit, weil das Problem einfach auf den nächsten Tag verschoben wird. Wieder und wieder.

Beitrag von goldmannchen 21.04.10 - 14:45 Uhr

#danke erstmal...#blume

also ich denke... ich habe selber angst das er zum aussenseiter wird!!!
er war bis jetzt im kindergarten eher beliebt und kennt solche probleme nicht das kinder ihm was weg nehmen.seid einem jahr hat er ein stiefbruder,der ganz anders ist,eher aufbrausend.und da beobachte ich das er sich gegen ihn nicht durchsetzen kann(3jahre),und wenn er sich gegen ein dreijährigen nicht durchsetzen kann oder will...was macht er dann in der schule...
er sagt auch immer..ich muß immer das spielen was meine beiden freunde wollen,immer wenn ich was vorschlage,sagen sie nein...und anstatt sich wen zusuchen der das spiel mit ihm spielt,macht er das was die kumpel sagen....:-(

Beitrag von diebina 22.04.10 - 14:15 Uhr

einem Satz von Dir kann ich leider überhaupt nicht zustimmen:

"...er sagt nein,ich werde nicht petzen,was auch richtig ist. ..."

ich finde das überhaupt nicht richtig. Wenn dein Sohn sowieso ein stiller, ruhiger Typ ist, der dem Ärger aus dem Weg geht, dann ist es wichtig für ihn zu wissen, wann man einen Erwachsenen um Hilfe bitten darf und muss.

Petzen heißt für meinen Sohn " Der hat mir die Zunge rausgestreckt", "die hat mich am Pullover gezogen" und solche Kinkerlitzchen.

Sollte mein Sohn das Gefühl haben, dass ihm etwas nicht gut tut und er kann sich selbst nicht helfen, dann ist der Gang zur Erzieherin (Lehrer/Eltern) goldrichtig - finde ich!

LG
bina

Beitrag von marion2 22.04.10 - 20:42 Uhr

Hallo,

mein älteres Kind war auch so.

Was man macht, wenn so ein Kind gehänselt wird, weiß ich nicht.

Aber:

Falls irgenein dummes Kind meinen sollte, es könne das Kind schlagen, dass sich einfach umdreht und geht, wenn es eine Backpfeife bekommt, dann:

Sag ihm er soll zuhauen. Und zwar richtig. Kurzer Haken mit der Faust unters Kinn.

Das ist ziemlich schwer, muss aber nur ein einziges Mal gemacht werden.

Liebe Grüße
Marion

Beitrag von gismomo 23.04.10 - 08:02 Uhr

Hallo,

auch ruhige Typen können ihrer Persönlichkeit angemessene Strategien entwickeln, um sich durchzusetzen.

Ich bin Lehrerin an einer weiterführenden Schule und beobachte das immer sehr interessiert. Es ist keinesfalls so, dass ein schüchterner und zurückhaltender Junge automatisch ein Außenseiter ist oder Gefahr läuft, von anderen gehänselt zu werden.

Es gibt viele ruhige und überlegte, introvertierte Kinder, die ein gesundes Selbstbewusstsein ausstrahlen. Diese Kinder werden von den lauten Rabauken in Ruhe gelassen. Sie haben oft ebenso zurückhaltende, ruhige Freunde, häufig nur ein, zwei - dafür sind das dann aber richtig gute Freunde. Sie sind völlig zufrieden mit ihrer Situation.

Daneben gibt es natürlich auch (aber sehr viel seltener!!!) ruhige Kinder, die kein Selbstbewusstsein ausstrahlen. Diese Kinder werden von den "Rabauken" schon mal recht heftig verbal angegangen. Können sie dann nicht gelassen und überlegen reagieren/antworten, besteht die Gefahr, dass sie in die Opferrolle gedrängt werden.

ABER: Der erste Fall ist viel häufiger - also ruhige, introvertierte Jungs, die kein Bedürfnis haben, inmitten der lauten, ständig ihre Kräfte messenden Gruppe der "Rabauken" mitzumischen.

Nur, wenn mein Kind an sich ein Problem mit seinem Selbstbewusstsein hätte, würde ich mir Sorgen machen.
Mein Sohn ist auch ein eher untypischer Junge - er spielt nicht gern Fußball, braucht dieses typische Jungsgehabe überhaupt nicht und hält sich außerhalb der Jungsgruppe, wenn er die Wahl hat. Trotzdem wäre er nie in Gefahr, zum Außenseiter zu werden - was ich aber auch eine Zeit lang befürchtet hatte. Aber er fühlt sich einfach wohl, so wie er ist, und das strahlt er auch aus. Er kommt in der Klasse super klar, sein Sozialverhalten ist laut Klassenlehrerin top - er hat es einfach nicht nötig, andere zu piesacken oder ständig in Auseinandersetzungen verwickelt zu sein.

Ich würde im Übrigen unterscheiden zwischen der Art/dem Charakter eines Kindes (also z.B. "Fühlt sich nur in der Gruppe wohl bzw. hält sich lieber am Rand; ist ein eher ruhiges und abwartendes Kind etc.) und mangelndem Selbstvertrauen.
Das erste lässt sich wenig beeinflussen und hat durchaus auch sehr viele positive Seiten (!), das zweite ist durch die Erziehung beeinflussbar. Aber nicht, indem man aus dem Kind ein "Haudrauf"-Kind macht. Sondern indem man es bestärkt, seine Interessen zu vertreten ,und ihm immer wieder zeigt, dass es so wie es ist absolut in Ordnung ist!
Hilfreich ist es, wenn das Kind in eine Gruppe Kinder kommt, die gleiche Interessen haben. Bei meinem fußballuninteressierten Sohn haben wir darauf geachtet, dass er in einen Jungschor kommt - er liebt Musik und geht mit Begeisterung zwei Mal in der Woche zur Chorprobe. Dort sind lauter Jungs, die die gleichen Interessen haben, und er fühlt sich dort sehr wohl. Fürs Selbstvertrauen ist das super.

lg
K.