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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von lilbella 22.04.10 - 19:56 Uhr

Wir hatten uns während der Schwangerschaft gut vorbereitet, ich hatte viel gelesen und war fast schon ein Schwangerschaftsprofi!
Zusammen mit unserer Hebamme haben wir uns dann Gedanken gemacht wie wir uns die Geburt vorstellen, was wir wollen und was wir nicht wollen! Für mich war vor allem klar, nachdem ich das Buch „die Selbstbestimmte Geburt“ gelesen habe es soll so natürlich wie möglich sein! Die Ideal-Vorstellung die wohl alle Schwangeren haben :-)

Angst hatte ich vor der Geburt oder den Schmerzen keine, aber vor einem Kaiserschnitt oder anderen Maßnahmen hatte ich wahnsinnige Angst.
Am liebsten hätte ich eine Hausgeburt versucht, allerdings hatte Dietz bedenken, falls doch was ist, wäre das Krankenhaus doch 15min weit weg… der Nächste Gedanke wäre ein Geburtshaus gewesen, das nächste wäre für uns allerdings ca. 45min Autofahrt entfernt, und nachdem ich die Übungswehen im Auto schon unangenehm fand, hab ich das auch verworfen.

Also dann doch Krankenhaus, aber wir wollten bestimmte Medikamente für mich und für unsere kleine nicht, was wir dann in einem Geburtswunschzettel festgehalten haben, den wir jeder Hebamme unter die Nase halten wollten die uns betreuen würde unter der Geburt!
Ich hatte schon 3 Wochen vor ET immer wieder Wehen, allerdings nix ernstes, zum Ärger von Dietz, der immer schon fragte ob wir denn jetzt ENDLICH ins Krankenhaus fahren können?!?
Und jeden Abend konnte ich immer nur sagen: Nein Schatz wir fahren noch nicht ins Krankenhaus, Wehen tun weh und meine kommen zwar immer mal wieder regelmäßig aber sie tun noch nicht weh…
So vergingen 3 Wochen voller Ungeduld, wann es denn nun endlich so weit ist!?

Unser ET kam und ging, Ostern kam immer näher und die Ungeduld unsere kleine Maus endlich in den Arm zu nehmen wuchs ins Unermessliche…ihr kennt das ja!
Einen Tag nach ET kamen abends wieder Wehen, wie auch die letzten 3 Wochen. Sie blieben auch über Nacht, aber sie taten immer noch nicht wirklich weh, wieder zum Ärger von Dietz ;-)
Am nächsten Morgen waren diese aber, Gott sei Dank, noch da. Irgendwann vormittags fand ich dann einen ekeligen Schleimklumpen in der Toilette und verkündete stolz: Der Schleimpfropf ist abgegangen. Irgendwann in den nächsten Tagen geht es los! (wenn ich gewusst hätte wie recht ich hatte!)

Die Wehen taten zwar immer noch nicht so arg weh, aber ich merkte sie schon immer deutlicher. Ich war mir aber absolut nicht sicher ob es denn jetzt losgeht oder nicht. Was mich allerdings gewundert hat, ich war die Ruhe selbst, nennt mich mrs. Cool.
Die Wehen kamen in immer kürzeren Abständen, teilweise waren wir bei 3 Minuten, aber sie taten immer noch nicht wahnsinnig weh… der Badewannentest hat mich dann eher verwirrt als das ich jetzt sicherer gewesen wäre das es echte Wehen sind, die Abstände wurden wieder größer aber die Intensität hat sich nicht verändert!
Um 19 Uhr hatte Dietz dann keine Lust mehr zu warten und hat beschlossen ins Krankenhaus zu fahren :-) ich hab dann nachgegeben, mit dem Gedanken das wir dann halt um 21 oder 22Uhr wieder zuhause sind, es kam ja eh nichts im Fernsehen den Abend.

Auf dem Weg ins Krankenhaus hatte ich dann eine Wehe die doch unangenehmer wurde und wir mussten kurz anhalten, weil es während der Fahrt noch schlimmer war. Endlich angekommen schlichen wir dann bis in den Kreißsaal. (ging alles nicht so schnell und ich wollte nicht vor den ganzen Leuten meine Wehen veratmen)
Dann kam das übliche CTG und die Wehen wurden weniger, also hatte ich doch recht und wir würden gleich wieder nach Hause geschickt. Vorher mussten wir aber noch mit der Ärztin sprechen und Sie hat mich kurz untersucht! Sie Gratulierte uns dann, das unser Baby wohl noch in dieser Nacht kommen wird!
Ich dachte ich fall vom Glauben ab. Mein Muttermund war schon fast 4cm auf. So wurden wir dann in den schönsten Kreißsaal verlegt, weil nichts los war. Nachdem die Hebammen Ihre Schichtübergabe gemacht haben, lernten wir unsere Hebamme für die Nacht kennen.
Janine, war irgendwie nicht die Hebamme die ich mir vorgestellt hatte. Aber wie sich rausstellte war sie genau die Richtige! Sie war sehr bestimmt und auch ein bisschen streng (hat Dietz gesagt, ich hab es nicht so empfunden oder kann mich nicht erinnern) aber dann auch wieder sooo lieb, das sie mir den Rücken massiert hat und mir liebe Sachen gesagt hat zwischen den Wehen.
Plötzlich gingen die Wehen dann so richtig los und wurden endlich schmerzhaft, so wie sie sein sollten, allerdings kamen sie irgendwann so schnell aufeinander und so heftig das mir doch ein Zugang gelegt wurde und Wehenhemmer gespritzt (den wollte ich eigentlich auch nicht, sollte ja alles total natürlich sein)
Als die Wehen dann aber wieder erträglicher wurden und ich wieder Pausen zum Atmen, zwischen den Wehen hatte war ich doch dankbar.
Meine Fruchtblase ist dann ziemlich schnell geplatzt, allerdings in der Badewanne, so dass ich dachte ich puller unkontrolliert ins Wasser. Bei der nächsten Wehe hatte ich dann so einen argen Druck auf den Darm, dass ich auch noch angst bekam das ich in die Wanne mache. Also wollte ich ganz schnell wieder raus.
Wieder auf dem Festland ging dann wirklich der Durchfall los und ca. 300Liter Fruchtwasser gingen nach und nach ab. So das ich immer wieder in einer Pfütze saß bzw. stand.
So hab ich dann die ganze Nacht gejammert und gejöselt, Dietz die Hand zerquetscht oder an ihm dran gehangen, meine Augen schön zugelassen und mit mir und meinem Körper zu tun gehabt.
Irgendwann nachts, ich hatte kein Zeitgefühl mehr, (gefühlt ging es aber rasend schnell) sagte Janine der Muttermund sei ganz auf. #freu
Sie konnte den Kopf schon sehen, allerdings war er noch nicht ganz fest im Becken. Dietz hat dann auch einen Blick riskiert und konnte den Kopf oder vielmehr die ganzen Haare auch schon sehen und hat sich so gefreut. Nachdem er mich so hat leiden sehen müssen war endlich ein Ende in Sicht. Es gab mir unheimlich viel Kraft das die kleine schon zu sehen ist und auch noch so viele Haare hat. Vor allem weil Janine sagte, höchstens noch 2 Stunden und die Kleine ist da!

Allerdings verging die Zeit ab jetzt noch schneller und wir bekamen eine neue Hebamme. Mittlerweile kämpfte ich schon seit 14Stunden und der Kopf kam einfach nicht tiefer. Ich presste und kämpfte und wollte einfach nicht aufgeben. Der Oberarzt war irgendwann da und ging wieder und mir ging es immer schlechter, ich hatte einfach keine Kraft mehr und die Wehen ließen immer mehr nach! Dann bekam ich Oxytozin gespritzt um die Wehen wieder anzuregen. Die wurden dann wieder so heftig und schmerzhaft das wir die Hoffnung hatten das sie bald endlich auf der Welt ist.
Die kleine hatte Gott sei danke super gute Herztöne, so dass ich mir keine Sorgen um sie machen musste, aber Dietz bekam immer mehr Angst um mich und ich hörte immer mehr wie er Tränen in der Stimme hatte.
Ich sah wohl sehr schlimm aus und schrie mir bei jeder Wehe vor Schmerz und vor Verzweiflung die Seele aus dem Leib. Ich wollte doch nur endlich meine Tochter im Arm halten.
Nach 5 Stunden, komplett geöffnetem Muttermund, schlief ich zwischen den heftigen Wehen ein und konnte einfach nicht mehr. Mittlerweile war auch ich so weit das ich abbrechen wollte, der Kopf kam nicht tief genug um mit der Saugglocke nachzuhelfen und so blieb nur der Kaiserschnitt.
Mir wurde wieder Wehenhemmer gespritzt. (aber der wirkte nicht mehr wirklich) Während mir die OP-Kleidung angezogen wurde hatte ich immer noch heftige Wehen und auch die ewige Zeit runter zum OP und bis wir dann im OP waren und ich endlich die Spinale bekam, gingen die Wehen weiter.
Bis zur OP wurde ich in einen Nebenraum gebracht und vorbreitet. Ich bekam noch einen Zugang gelegt und endlich kam Dietz auch zu mir. Ich hab ihn fast nicht erkannt weil er in OP-grün reinkam, aber ich war sooo froh dass er bei mir war.
Da Ich von so vielen Nebenwirkungen gehört habe die man im nach hinein von der Spinalen Betäubung kriegen kann, wollte ich eine Vollnarkose. Ich wollte nur noch von den Schmerzen erlöst werden. Der Anästhesist und Dietz haben mich GOTT SEI DANK davon überzeugt doch die Spinale zu nehmen. Ich bin total Dankbar das ich mich hab überzeugen lassen.

Wir haben den ganzen OP-Plan für den Tag mächtig durcheinander gebracht und der Oberarzt selbst musste mich operieren. Bis es allerdings so weit war, bekam ich dann doch noch kurz Panik. Es wurde ein Kneiftest gemacht und ich dachte, was ist das denn? Ich spüre doch noch was! Alles ab Bauch fühlte sich warm an und ich merkte immer noch wie ich angefasst wurde, was ich hinter dem Tuch allerdings nicht gesehen hab, ich wurde nicht angefasst sondern total heftig gekniffen.
Um kurz vor 11 am Montag den 29.3.2010 hieß es, es geht los. Ich wartete auf den Schmerz und der blieb aus! Totale Erleichterung und dann fing der ganze Op-Tisch an zu wackeln und es drückte und unsere Maus hat gequietscht, richtig geschrien hat sie nicht, glaube ich, denn ich war so angespannt vor Angst das ich es nicht mehr genau weiß, aber ich bin froh das ich mit mehr oder weniger vollem Bewusstsein dabei war.
Dann kam die Hebamme mit ihr vor dem Tuch hervor und hat sie uns kurz gezeigt. Verschwand aber auch gleich mit ihr. Und dann kam wieder Angst: stimmt mit ihr irgendwas nicht?!?!?
Während ich wieder zugemacht wurde, saß Dietz an meinem Kopfende und hat mir lieb zugeredet das alles gut wird, wir haben so geweint als wir unsere Tochter zum ersten Mal gesehen haben, konnten uns gar nicht wieder einkriegen. Und dann kam unsere kleine Maus zu uns und wurde mir auf die Brust gelegt! So konnten wir sie schon mal sehen, aber leider konnte ich sie nicht festhalten da meine Arme festgeschnallt waren. Sie hatte bei ihrer ersten Untersuchung, dem Apgar-Test 10/10 Punkte bekommen, hat allerdings viel Fruchtwasser geschluckt und blubberte eben dieses in Blasen aus dem Mund.
Als ich dann fast fertig war, nahm Dietz die kleine mit, er zog sich wieder um und Larissa kam das erste Mal in ein Bett.
Zusammen wurden wir dann zurück in den Kreißsaal gebracht. Und wir konnten noch einmal kurz nackig kuscheln und das erste Mal einen Schluck trinken oder es viel mehr versuchen, denn stillen ist gar nicht so leicht wenn man es zum ersten Mal macht und flach auf dem Rücken liegt.
Dann wurde sie Vermessen. Unsere Maus war 3900gr schwer, 53cm lang und hatte einen Kopfumfang von 36cm. Sie bekam Ihren ersten Strampler an und nach den ersten Telefonaten, damit die neuen Großeltern wissen, dass sie endlich Großeltern sind, ging es dann auf unser Familienzimmer. Es war total schön Dietz die ersten 2 Nächte bei mir zu haben. So konnten wir sie zusammen bewundern und er konnte sich um alles kümmern was ich nicht konnte durch den Kaiserschnitt.

Heute, 23 Tage nach der doppelten Geburt, weiß ich nicht wirklich wie ich damit umgehen soll. Am Anfang dachte ich, dass ich gut damit zurechtkomme, ich habe alles versucht, sie Normal zur Welt zu bringen. Ich habe gekämpft wie eine Löwin! Dietz und auch alle Hebammen und Ärzte mit denen ich während der Geburt zu tun hatte, sagten sie hätten nicht gedacht das ich so lange durchhalte und kämpfe, sie hätten eher aufgegeben. Aber für meine Tochter hätte ich alles versucht.
Leider kam bei der OP dann raus, dass ich nie normal Kinder zur Welt bringen kann, da ich einen Knochenvorsprung im Becken habe, an dem kein Kinderkopf vorbei kommt. In den letzten Tagen macht mich das immer trauriger und ich tu mich schwer im „Mama-sein“ anzukommen.
Larissa ist eine ganz süße Maus, total lieb, weint wenig, ich hab total Angst um sie, dass ihr was passieren könnte und ich könnte sie ständig knuddeln und knutschen und kann sie ständig angucken. Sie sieht mir total ähnlich und doch…irgendwie ist es komisch…
Ich fühle mich um das Geburtserlebnis beraubt. Meine Tochter wurde hinter einem Vorhang hergezaubert, dann verschwand sie kurz und kam wieder…


Herzlichen Glückwunsch an alle die sich durchgebissen haben und bis zum Ende gelesen haben ;-)

glg
Isabell und Larissa (fast 4Wochen alt)

Beitrag von svala 22.04.10 - 20:22 Uhr

Hallo Isabell,

erstmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner kleinen Maus #blume. Du hast den Geburtsbericht wirklich schön geschrieben. Ich kann verstehen, dass Du glaubst, dass dir das "Geburtserlebnis" fehlt. Mir ist es ähnlich wie Dir gegangen (Köpfchen sichtbar und dann doch NotKS), nur dass ich gar kein "Geburtserlebnis" hatte, da ich eine VN bekommen musste. Ich bin mir aber heute sicher, dass ich mit dem Erlebten recht gut zurecht komme, weil ich eben doch einen Großteil einer Geburt erleben durfte. Ich habe die unheimlich Kraft gefühlt, die bei Presswehen da ist. Ich habe wie Du das Zeitgefühl verloren gehabt, ich habe gespürt, dass hier etwas Einzigartiges passiert. Heute bin ich glücklich, das ich wenigstens das erleben durfte und ein gesundes Kind bekommen habe (mir ist nämlich durch das "Ende" meiner Geburt erst so richtig klar geworden, dass das nicht selbstverständlich ist und wie unheimlich viel Glück ich hatte).

Falls es Dich interessiert, hier ist der Link zu meinem Geburtsbericht. Vielleicht hilft es Dir zu sehen, dass gerade in solchen Situationen auch sehr schnell das Leben des Kindes auf dem Spiel steht und dass es nicht schlimm ist, wenn man in diesem Moment einen KS bekommt, weil es das Richtige für das Kind ist.

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=43&tid=1888910

Wenn du willst, kannst Du mir gerne auch über meine VK schreiben. Mich beschäftigt das Erlebte übrigens bis heute (nicht, weil es mir schlecht geht damit sondern weil ich es einfach nicht vergessen kann) und ich schreiben sehr viel darüber.

Viele ganz liebe Grüße
und eine wunderbare Zeit mir eurer Kleinen
Svala

Beitrag von phifa2003 22.04.10 - 20:58 Uhr

kopf hoch,
die kurzen sind gesund. ich kann auch aus gesundheitlichen gründen keine kinder natürlich gebären. hatte deshalb zwei geplante ks, trotzdem fehlt mir die erfahrung um mich als richtige mama zu fühlen. und das geht auch seit sechs jahren nicht weg!!! dennoch allein die natürliche geburt, macht noch keine supermama. ich habe trotzdem zu allen kindern twins6jahre und eins mit sechs monaten ein inniges verhältnis.
lg