Selbstmord meines besten Freundes

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von kretzsche16 23.04.10 - 12:20 Uhr

Hallo,

vor einigen Monaten hat sich mein bester Freund dazu entschieden, sich das Leben zu nehmen und den Weg zu nehmen, der einfach meiner Meinung nach nicht richtig ist. Er hat es in meiner unmittelbaren Nähe gemacht, ich fahre jeden Morgen und jeden Abend, manchmal auch öfter an dieser Stelle vorbei und das zieht mich tierisch runter. Ich bin der Meinung, dass ich noch lange nicht darüber weg bin, weil ich jeden Tag i.wo sitze oder stehe und ich einfach traurig bin und ich einfach wie in Trance bin, ich kapiere es einfach nicht, dass er nie mehr mich in den Arm nimmt und mich tröstet wenn es mir schlecht geht. Das ist einfach unbegreiflich. Ich fühle mich einfach richtig leer, ausgelaugt, ich überspiele sehr oft meine Trauer und tue so als ginge es mir gut, nur damit sich andere keine Sorgen machen müssen. VOr kurzem war sein Geburtstag und das war echt hart. Ich bin ein Mnesch der sich über alles Gedanken macht, vieles in sich hinein frisst und ich war kurz davor den gleichen Weg zu wählen wie er. Weil ich einfach nicht mehr konnte, bzw ich kann immernoch net. Diese Trauer wird einfach net besser, ich denke ständig an ihn und möchte nur ihn wieder in meiner Nähe haben. Und so wie früher Spaß haben. So wie mein Leben jetzt läuft, kann es net weiter gehen.

Ich hoffe, ihr könnt nachvollziehen was ich meine! Und habt vielleicht Ratschläge!

Lieben Gruß,

Julian

Beitrag von maddi1981 23.04.10 - 12:27 Uhr

Hallo lieber Julian,

es ist für niemanden einfach einen nahestehenden Menschen zu verlieren, gib Dir die Zeit, es wird dauern aber Du wirst die Kraft haben, es zu verarbeiten.

Versuch zu lernen, über das Geschehene zu sprechen, den ersten Schritt hast du doch schon wunderbar geschafft und deine Trauer kannst du hier wunderbar mit allen anderen Betroffenen- die einen lieben Menschen verloren haben - teilen. Sei stark für Dich und deinen besten Freund, du trägst ihn ganz tief in deinem Herzen und das weiss er zu schätzen. Er würde es sicherlich nicht wollen, dass du denselben Weg gehst, das würde er sich für Dich niemals wünschen. Er ist in Gedanken doch immer bei dir, erinner Dich an eure schönen Momente und sei dankbar für die Zeit, die ihr miteinander haben durftet.

Ich wünsche Dir alles Glück der Welt, dass du einen Tages lernst mit den Schmerzen zu leben- Du schaffst das Julian, sei stark für Euch beide!!!#liebdrueck#liebdrueck#liebdrueck

ALLES GUTE!!!#klee

Beitrag von kretzsche16 23.04.10 - 12:33 Uhr

Ja sicherlich würde er es net wollen, dass ich den gleiche Weg gehen würde, aber wer hat mich denn gefragt ob ich das wollte, dass er so einen Mist macht. Das schlimmste für mich ist ja, dass er vier Tage vorher mit mir darüber geredet hat, dass er sich umbringen will. Damit komme ich überhaupt net klar. Und das ist echt hart. Ich stelle mir immer die Frage, wieso ist er net 10 m weiter gefahren und hat mit mir geredet?? Warum tut man sowas, wenn man so happy war wie er? Ich kenne keinen lebensfroheren Menschen, als ihn.

Beitrag von scrapie 23.04.10 - 12:48 Uhr

Er war nicht Happy... das ist das tükische an Depressionen und den anderen Krankheiten die einen soweit bringen... nach aussen hin Happy und im Inneren ist man schon tot.

Es ist schwer zu akzeptieren, dass ein Mensch sich für diesen Weg entscheidet, aber auch du selbst standest schon an der Klippe und weißt bestimmt, wie er sich gefühlt hat. Du hast die Kurve gekriegt, er hat keinen anderen Ausweg mehr gesehen.

Such dir eine Selbsthilfegruppe oder nimm Kontakt zu einem Psychologen auf, sprich darüber.

Dir muss klar werden, dass es kein Zurück mehr gibt, egal wie viel du trauerst, er wird nicht mehr wiederkommen. Trauern in einem bestimmten Maße ist gut und gehört dazu, aber man darf sich nicht davon runterziehen lassen auf lange Zeit.

Freu dich über die Zeit die ihr hattet, er wird immer in deinem Herzen bleiben. Aber dein Leben geht weiter.

Wenn er noch hier wäre, würde er sicher nicht wollen, dass du so traurig bist.

Beitrag von kretzsche16 23.04.10 - 12:55 Uhr

Die Frage ist ja, ob ich wirklich schon von dieser Klippe gegangen bin oder noch voll auf ihr stehe. Sicherlich hast du rwecht, aber das ist sehr schwer so zu denken! -.-

Beitrag von scrapie 23.04.10 - 13:02 Uhr

Wenn du auf dieser Klippe noch stehst, dann such dir dringend Hilfe bevor deine Familienangehörigen demnächst hier das selbe schreiben wie du jetzt...

Beitrag von manavgat 23.04.10 - 13:27 Uhr

Hallo Julian,

es tut mir leid, dass Du das erleben musstest.

Ich war 17, als ein sehr guter Freund sich das Leben genommen hat. Er fuhr absichtlich mit einem eigens dafür gemieteten Auto frontal gegen einen Brückenpfeiler.

Das ist jetzt knapp 30 Jahre her und ich kann immer noch nicht da vorbeifahren - ich vermeide das, wenn ich kann - ohne daran zu denken.

Es gibt keine Erklärung, der Platz ist einfach leer.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft und die Klarheit zu sehen, dass Du nicht schuld bist und es auch nicht hättest verhindern können.

Gruß

Manavgat

Beitrag von kaczuszka75 23.04.10 - 22:26 Uhr

Hallo Julian,

ich kann das sehr gut nachvollziehen. Mein bester Freund hat sich im November 2003 auf unfassbar grausige Weise das Leben genommen. Ich war damals insbesondere in den Suchprozess sehr eingebunden und- da mit kleinem Kind in der Nacht alleine zu Hause - dennoch vollkommen machtlos. Als wir ihn gefunden hatten, war es 90 Minuten zu spät und die Welt war eine andere.


Die Tatsache, dass es Dinge gibt, die nicht rückgängig zu machen sind, hat mich lange Zeit sehr gefangen genommen, so oft wollte ich ihn fragen was er sich bloß dabei gedacht hat, wollte die Zeit zurück drehen, habe ich mich gefragt, ob ich ihn hätte daran hindern können. Ich habe in diesem ersten Jahr so sehr getrauert, ich habe zwischendurch gedacht, ich könne nie mehr aufhören zu weinen.

Heute weiß ich, dass er sehr sehr krank gewesen ist und dass ihn nichts hätte halten können, denn Teil dieser Krankheit ist es, die dunklen Absichten, von denen man durchdrungen ist, gewissenhaft zu verschleiern.

Geholfen hat mir neben bestimmter guter Literatur , die man dazu lesen kann auch eine Gruppe namens "AGUS" (Angehörige Um Suizid) - falls du an weiteren Informationen interessiert bist, kannst du mich sehr gerne per PN anschreiben.

Du wirst weiter traurig sein und ihn vermissen- denn er wird ja auch nie wieder da sein. Aber es wird mit der Zeit besser erträglich- der Begriff "Trauerjahr" hat wirklich seine Bedeutung, das habe ich festgestellt.

Ich wünsche dir vile Kraft, deine Trauer auszuhalten und auch zu leben.


Viele Grüße, Jana