Entscheidungshilfe: Praktikum?

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Beitrag von sneakypie 24.04.10 - 13:57 Uhr

Hallo,

ich brauche eine Entscheidungshilfe und bin dankbar für jede ehrliche Meinung (sehr gerne auch von ehemaligen Praktikanten).

Grundfrage: Lohnt es sich, das Praktikum weiterzumachen?

Erläuterung:
Seit Anfang diesen Monats mache ich ein Praktikum in einem kleinen Unternehmen in der Medienbranche. 40 Stunden Vollzeit, komplett ohne Vergütung. Mindestdauer 3 Monate.

Einen expliziten Ansprechpartner gibt es nicht, einen „Praktikumsplan“ nach dem Motto: welche Kenntnisse sollen vermittelt werden? ebenfalls nicht. Arzttermine müssen auch von den Paktikanten nachgearbeitet werden.
Die durchgeführten Arbeiten dienen in erster Linie der Entlastung der Mitarbeiter: ungeliebte Arbeiten, auf die niemand so richtig Bock hat (Warensendungen, Ablage etc) sowie Arbeiten, die eigentlich von qualifiziertem Personal durchgeführt werden müssten (all das, was den einzelnen Mitarbeitern zuviel an Arbeit aufgehalst wurde). Einarbeitung ist „learning by doing“.

Vor kurzem habe ich erfahren, dass zuvor nach und nach drei VZ-Mitarbeiter entlassen wurden- und dafür ebenso nach und nach drei Praktikanten eingestellt (zum Vergleich: insgesamt hat das Unternehmen sieben Mitarbeiter).

Dazu kommen dann noch kleinere Ärgerlichkeiten wie die Tatsache, dass die PC-Bildschirme, die den Praktikanten zur Verfügung gestellt werden, noch aus der vorvorletzten Röhrengeneration stammen. Flimmern wie blöde, ich hab regelmäßig Kopfschmerzen von meinem Teil, auf Nachfrage: andere gibt es nicht. Punkt.

Nun weiß ich nicht, ob das einfach Kinkerlitzchen sind, mit denen man sich halt abfinden muss, wenn man ein Praktikum durchziehen möchte. Immerhin gibt’s ja auch ein Arbeitszeugnis dafür. Und mir ist auch durchaus bekannt, dass Praktikanten zur "Generation Prekäre Lebensverhältnisse" gehören. Und dass Ansprüche stellen nicht drin ist.

Aber eigentlich hab ich keine Lust, da weiterzuarbeiten- zum einen ganz platt, wegen den Kopfschmerzen (und weil ich das Gefühl hab, nichts zu lernen), und zum anderen, weil es mich ankotzt, dass da jetzt Leute auf der Straße stehen und durch kostenlose, ungelernte Kräfte ersetzt wurden.

Bin aber trotzdem unsicher. Allein schon, weil ja drei Monate ausgemacht waren. Auch wenn kein schriftlicher Vertrag existiert, mündlich abgemacht war es eben doch. - Könnten die mir da irgendwas? Verdienstausfall o. ä.?
Außerdem möchte ich ganz gerne ein Zeugnis haben- und ich wette, wenn ich früher aufhöre, hustet der Chef (ein ganz autoritärer Knochen) mir gepflegt was. Dann war die Zeit für'n Eimer.

Also, subjektive Meinungen: Wie würdet ihr das für euch persönlich regeln bzw. was würdet ihr euren Kindern raten? Durchziehen? Aufhören? Wenn letzteres, wie geht das elegant?

Ich danke schonmal im Voraus ganz herzlich!

Viele Grüße
Sneak

Beitrag von paulfort35 24.04.10 - 14:31 Uhr

Wenn das Praktikum Voraussetzung für einen Studienplatz ist, dann würde ich es durchziehen - mir evtl. aber einen anderen Praktikumsplatz suchen.

Wenn nicht, würde ich sofort kündigen.

Beitrag von sneakypie 24.04.10 - 14:38 Uhr

Mit dem Praktikum soll der Lebenslauf für die Zeit nach dem Studium gepimpt werden. Studienentscheidend ist es nicht.
Danke für deine Antwort!

Gruß
Sneak

Beitrag von ppg 24.04.10 - 14:52 Uhr

Ich hab letztes Jahr auch ein Praktikum gemacht, war verpflichtend für den erfolgreichen Abschluß des Studienganges.

Bei mir lief es ähnlich, keine Anleitung höstens mal ein kurzes über die Schulter schauen. Gebracht hat es nicht wirklich was:

Aber ich habe ein Spitzenzeugniss bekommen und das hilft mir sehr bei der Stellensuche! :-p

Ute

Beitrag von sneakypie 24.04.10 - 15:06 Uhr

Ich hab's befürchtet.. ;-)

Danke.

Gruß
Sneak

Beitrag von manavgat 24.04.10 - 19:24 Uhr

An Deiner Stelle würde ich wie folgt vorgehen:

durchziehen

warten bis das Zeugnis da ist


und dann eine angemessene Vergütung einklagen! Das Ding - imho - gewinnst Du.

Gruß

Manavgat

Beitrag von sneakypie 24.04.10 - 20:04 Uhr

Auf den Gedanken bin ich noch gar nicht gekommen.

Allerdings müsste ich dann "beweisen", dass ich da überhaupt gearbeitet hab- einen Vertrag gibt's ja nicht.

Hast du vielleicht einen Link zu dem Thema?
Oder: an wen kann man sich wenden, um die Erfolgschancen durchzugehen? Abgesehen von Rechtsanwälten, meine ich, die ja für die Beratung auch schon ein Honorar bekommen.

Danke!

Gruß
Sneak

Beitrag von manavgat 25.04.10 - 10:50 Uhr

wenn Du keine Anwältin bezahlen willst, dann könnte Dir eventuell die Gewerkschaft weiterhelfen.

Es gibt - soweit ich Bescheid weiß - auch die Möglichkeit sich bei der IHK beraten zu lassen.

Link musste selber suchen. Ich lese aktiv Zeitung und da gab es schon Fälle, in denen "Praktikanten" den Tariflohn/angemessenen Lohn eingeklagt haben.

Du musst Protokoll führen und zwar tageweise: gearbeitet von bis und was Du im einzelnen gemacht hast.

Das Kriterium für eine rückwirkende Bezahlung ist, dass Du reguläre Arbeit verrichtet und somit eine Arbeitskraft ersetzt hast.

Gruß

Manavgat

Beitrag von sneakypie 26.04.10 - 15:19 Uhr

Das Kriterium erfülle ich voll und ganz!

Hab schon eine Fülle von Links gefunden, die sich mit dem Thema beschäftigen- scheint gang und gebe zu sein.

Jetzt such ich mir eine Beratungsstelle raus.

Nochmal danke für den Tipp!

Gruß
Sneak