Frage zu Fingerfood

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. Unsere Stillberaterin Christina Law-Mclean beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von limo0910 24.04.10 - 19:28 Uhr

Hallo Mädels,

im Moment stille ich meinen Sohn noch voll und will dies tun bis er 6 Monate ist. Dann wollte ich langsam mit Beikost anfangen. Er ist jetzt fast 5 Monate.

Nun habe ich hier desöfteren gelesen, dass ihr euren Kindern auch Fingerfood gebt. Meine erste Frage wäre, was kann man da alles so geben?

Wir haben nämlich den einen Tag mal probiert ihm ein Stück Brotrinde zu geben, das er halt mal einbißchen dran nuckeln und lutschen kann. Er nahm es auch und nuckelte und lutschte es ganz weich und dann war ein Stück in seinem Hals und er verschluckte sich daran. Zwar nicht so doll, aber immerhin#schwitz

Nun haben wir riesen Angst ihm wieder was zu geben? Passiert das öfter und ist normal?

Wäre über Tipps und Meinungen dankbar.

Liebe Grüße

Angie & Erik

Beitrag von perserkater 24.04.10 - 20:02 Uhr

Hallo

Dieses Verschlucken passiert nur am Anfang und ist normal. Aber dann wird es ihm nicht mehr passieren.

Zunächst die Erklärung, warum das Baby keinen Brei braucht:
http://www.welt.de/wissenschaft/medizin/article961...ei.html

Und:

Quelle: http://breikasper.nielsrump.net/?page_id=8

Die Grundlage der Baby-gesteuerten Beikosteinführung (engl. „baby led weaning“, auch kurz BLW genannt) ist eine Studie die Gill Rapley, eine erfahrene Kinderkrankenschwester und stellvertretender Direktor der Baby Friendly Initative des britischen UNICEF Büros, 2004 durchgeführt hat.

Die Basis hinter der Baby-gesteuerten Beikosteinführung ist die Beobachtung, daß Babys mit sechs Monaten in der Lage sind die Beikosteinführung wortwörtlich selber in die Hände zu nehmen. Dabei wird Stillen als die ideale Vorbereitung gesehen, da gestillte Babys sind in der Lage die Milchaufnahme selbst zu regulieren, es ist also nicht möglich, ein gestilltes Baby zu überfüttern. Außerdem ändert sich der Geschmack der Muttermilch — je nachdem was die Mutter gegessen hat. Diese Umstände bereiten ein Baby dann auch auf die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen vor.

BLW nutzt dabei die natürliche Neugier des Babys aus, mit der er seine Welt entdeckt, imitiert und experimentiert. Der Fokus von BLW liegt nicht in der Nahrungsaufnahme (das wird weiterhin durch das Stillen oder ggf. durch die Flaschenfütterung erreicht). Die Beikosteinführung wird als Spaß und Entdeckung gesehen – das Zentrale Thema ist Neugier, nicht Hunger.

Bei der traditionellen Art der Beikosteinführung wird Babys am Anfang alles Essen in Breiform gegeben. Nach einigen Wochen werden die Breie zunehmend „stückchenhafter“, damit die Babys kauen lernen – und erst wesentlich später kommt dann feste Nahrung („Finger Food“) dazu.

BLW überspringt die ersten beiden Phasen. Anstelle sämtliche Lebensmittel zu pürieren oder (später) zu zerdrücken, wird das Essen dem Baby in handlichen Portionen angeboten. Das heißt, daß das Baby sich selbst von dem angebotenen Speisen bedient und selbst entscheidet was - und wieviel - es probieren möchte.

Die 16 goldenen BLW-Regeln

1. Lass das Baby bei den Familienmahlzeiten mitmachen. Gegen Ende des sechsten Monats fangen die meisten Babys an, die Familienmitglieder zu beobachten.

2. Das Baby muß aufrecht sitzen wenn es beginnt mit Essen zu experimentieren. Am Anfang kann es auf dem Schoß sitzen. Wen es anfängt das angebotenen Essen in die Hand zu nehmen, ist es wahrscheinlich auch in der Lage, ggf. abgestützt, im Hochstuhl zu sitzen.

3. Biete dem Baby Essen in Pommes-großen Stiften an, so daß es das Essen in die Faust nehmen kann. Es kann oft auch dieselben Sachen essen, die der Rest der Familie ißt. Dies erhöht das Zusammengehörigkeitsgefuehl.

4. Biete eine reiche Auswahl an unterschiedlichen Lebensmitteln an. Es besteht kein Grund die Experimentiermöglichkeiten einzuschränken.

5. Das Baby bestimmt die Dauer der Mahlzeiten. Versuche es nicht zu eilen und “hilf” nicht, indem dem Baby Essen in den Mund gelegt wird.

6. Erwarte nicht, daß das Baby am Anfang tatsächlich etwas isst. Wenn das Baby feststellt, daß das neue “Spielzeug” gut schmeckt wird es kauen und später auch schlucken.

7. Erwarte nicht, daß ein junges Baby alles aufißt. Babys müssen erst noch die Fähigkeit entwickeln, die Stücke, die sie in der Faust haben zu manipulieren.

8. Biete abgelehntes Essen erneut an. Babys ändern öfters ihre Meinung über Geschmäcker und akzeptieren Essen, daß sie früher abgelehnt haben.

9. Lass ein Baby niemals alleine beim Essen.

10. Biete kein gefährliches Essen an (Beispiel: Erdnüsse).

11. Biete kein Essen an, das Salz oder Zucker enthält. Dies gilt besonders für Fertiggerichte und Fast Food

12. Biete dem Baby Wasser aus einem Becher an. Ein gestilltes Baby benötigt zwar kein zusätzliches Wasser (die Muttermilch reicht aus), das Trinken aus dem Becher muß aber auch erlernt werden.

13. Es ist chaotisch und der Putzlappen wird eine Notwendigkeit! Eine Plastikmatte unter dem Hochstuhl schützt den Teppich und hilft beim Aufräumen. Heruntergefallenes Essen kann auch so wieder verwendet werden - das minimiert den Abfall.

14. Still weiterhin nach Bedarf. Die Stillmahlzeiten ändern sich erst, wenn die Mahlzeiten größer werden.

15. Sprich Dich mit Deinem Kinderarzt oder –krankenschwester ab bevor Du mit BLW anfängst – insbesondere wenn das Baby flaschengefüttert wird, oder wenn es in der Familie Fälle von (Lebensmittel-)Allergien gibt.

16. Genieße es! Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie ein Baby Essen entdeckt.

Weiter Infos übers BLW findest du auch hier:
* der Blog "Breikasper": http://breikasper.nielsrump.net/?p=13
* der Blog "unpueriert": http://unpueriert.wordpress.com/
* der Blog "Millicent mag": http://millicentmag.blogspot.com/


Viel Spaß beim futtern.

LG

Beitrag von eresa 24.04.10 - 20:03 Uhr

Dazu gibt es hier auch einen Club!

Beitrag von perserkater 24.04.10 - 20:18 Uhr

Na dann schreib ihn doch gleich noch dazu!;-)

http://mein.urbia.de/club/Baby+Led+Weaning

Beitrag von marysa1705 24.04.10 - 20:03 Uhr

Hallo,

unser Kleiner ist jetzt 7 Monate alt und bekommt auch keinen Brei, sondern Fingerfood.

Ich finde es immer wieder toll, so einem Kind zuzusehen, wie es essen lernt. Erst hält er die Sachen sehr lange in den Händen, schaut sie an, legt sie wieder weg, ...
Irgendwann steckt er dann doch etwas in den Mund und fängt an, daran herumzulutschen und darauf herumzubeissen.

Er schluckt bisher noch das wenigste runter, sondern viel läuft ihm dann einfach wieder mit viel Speichel aus dem Mund heraus.
Manchmal hat er auch schon ein grösseres Stück erwischt und hat es dann wieder nach vorne "gewürgt". Am wichtigsten ist einfach, dass man als Eltern nicht in Panik gerät, denn das ist das einzige, was die Situation schlimm machen könnte.

Wenn unser Sohn etwas hervorwürgt, dann lege ich ihm meine Hand auf die Schultern, damit er spürt, dass ich da bin und lass ihn den Brocken einfach wieder nach vorne holen. Er hat da von ganz alleine eine super Technik drauf und spuckt das Stück dann aus.

Es hilft einem auch, wenn man weiss, was im "Notfall" zu tun wäre, dann kann man viel ruhiger sein.

Er bekommt gedünstetes oder rohes Gemüse, Obst, Reiswaffeln, Dinkelstangen, Brot, ... das wir ihm in gut faustgrosse Stücke schneiden.

LG Sabrina

Beitrag von eresa 24.04.10 - 20:05 Uhr

mein Sohn liebt Kartoffeln!
Dann bekommt er noch Banane, gedünsteten Apfel, Avocado, gedünstetes Gemüse, heute gab es Pfannkuchen ohne Zucker, ....
Ich schaue immer, dass ich so koche, dass er auch was abbekommt. Er ist dann immer ganz stolz. #verliebt

eresa

Beitrag von tina4370 24.04.10 - 20:07 Uhr

Hallo, Angie!

Mein Mann bekommt auch jedes Mal einenriesigen Schreck, wenn Maria sich mal verschluckt. #schock
Das gehört aber wohl zum Essenlernen dazu, und deswegen soll man die Zwerge ja auch nie mit dem Essen alleine lassen.

Allerdings finde ich persönlich "fast 5 Monate" noch sehr, sehr früh für Fingerfood, weil die Kleinen ja erst lernen müssen, die Nahrung einzuspeicheln, zu kauen und im Mund nach hinten zu transportieren.
Ist allerdings Eure Entscheidung.
Wir haben bei Maria angefangen, als sie gut 6 Monate alt war. Sie bekommt mal ein Stückchen Obst (von dem aber nicht viel in den Magen geht), mal ein Stück Reiswaffel, mal ein Stück Brötchen (das hat sie heute zum ersten Mal so richtig aufgegessen #freu ).
Ansonsten kannst Du gedünstetes Gemüse/Kartoffeln usw. geben.

Liebe Grüße!
Tina mit Maria Elisabeth *10.09.09 (trotz Beikost immer noch MuMi-Junkie ;-) )

Beitrag von tina4370 24.04.10 - 20:10 Uhr

P.S.: Nie den Babys im Liegen was zu Essen geben!

Also, auch die Brotrinde nur, wenn Euer Sohn bei einem von Euch auf dem Schoß sitzt.

Dann ist die Gefahr des Verschluckens sehr viel kleiner.

Beitrag von limo0910 24.04.10 - 20:23 Uhr

Vielen vielen Dank für eure Antworten :-). Habe noch eine Frage.

Bei diesem BLW, wielange stillt ihr dann noch? Würde ihn ja liebend gerne auch länger stillen, aber leider muss ich nach einem Jahr wieder arbeiten. Bekommt man das dann zeitlich hin? Also können die Mäuse mit einem Jahr dann schon essen?

Bin etwas verunsichert, da es unser erstes Kind ist. Weiß auch das wir noch einbißchen warten. Das mit der Brotrinde war nur mal so ein "Test bzw. Versuch"

Beitrag von widowwadman 24.04.10 - 21:06 Uhr

Ich arbeite Vollzeit seit Millicent 9 Monate alt war und stille immer noch, jetzt ist sie 16 Monate. Gepumpte Milch mochte sie nie, also begnuegt sie sich tagsueber mit fester Nahrung, Wasser, und mittlerweile auch Kuhmilch. Das Stillen war lange Zeit, bestimmt so bis sie 10-11 Monate war ihr Hauptnahrungsmittel, danach erst hat sich der Stuhl so veraendert, dass es offensichtlich war dass sie richtig isst.

Beitrag von eresa 24.04.10 - 21:14 Uhr

Ja, da bin ich auch mal gespannt.
Ich fange auch nach einem Jahr wieder an zu arbeiten. Aber nur Teilzeit und ich denke, bis Mittag hält er es aus.
Noch stillt er sehr oft, aber vielleicht isst er bis dahin mehr.

lg,
eresa