Woher nehmt ihr täglich die Kraft?

Archiv des urbia-Forums Frühchen.

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Forum: Frühchen

Obwohl die Überlebenschancen für früh geborene Kinder immer besser werden, müssen vor allem Eltern von extrem Frühgeborenen oft für die gesunde Entwicklung ihres Kindes kämpfen. Der Frühchenmediziner Dr. Matthias Jahn beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von sasula 26.04.10 - 15:03 Uhr

Hallo ihr lieben Muttis,

meine Tochter ist zwar kein Frühchen, aber sie liegt seit ihrer Geburt vor zwei Wochen in der Klinik, da sie einen Teil vom Darm entzündet hatte und dagegen Antibiotika bekommen hat.

Mittlerweile ist die Entzündung weg und sie bekommt noch bis Mittwoch Antibioktika und dann wird ganz langsam mit Nahrung angefangen. (Sie bekommt momentan nur Infusionen)

Ich bin mittlerweile am Ende meiner körperlichen, sowie auch psychischen Kräfte... Vorallem, da immer mal wieder was neues dazu kommt, was nicht "eingeplant" ist.

Natürlich ist es wichtig, dass meine Maus 100000% gesund ist, aber wie schafft ihr es, täglich wieder mit neuer Kraft an den Bettchen von den kleinen zu sitzen? Wir müssen bestimmt noch bis mitte nächster Woche im Krankenhaus bleiben und ich könnt den ganzen Tag nur heulen, da ich die Maus so vermisse und Angst habe, dass ich die Bindung zur kleinen verliere.

Wie macht ihr das? Teilweise liegen eure Mäuse ja noch viiieelll länger im Krankenhaus? Wie habt ihr das geschafft?

Danke schonmal für antworten?

suse

Beitrag von susa31 26.04.10 - 15:20 Uhr

hey suse,
erstmal herzlichen glückwunsch zur kleinen maus! ich hatte meinen mäuserich knapp drei wochen in der klinik und es ist mir verdammt schwergefallen. durchgehalten habe ich im grunde deshalb, weil ich genau wusste, dass er dort in guten händen war und die nunmal das für ihn tun konnten, was ich nicht konnte. die bindung verlierst du nicht; du bist doch sicher oft bei ihr. und das kuscheln holt ihr nacht, sobald du sie mit heimnehmen kannst.

Beitrag von flori81 26.04.10 - 15:32 Uhr

Liebe Suse!

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt deiner kleinen Tochter !

So eine Situation ist natürlich eine große psychische und körperliche belastung und es ist klar das du erschöpft bist, ich denke das kann hier jede nachfühlen.
Mein Sohn kam am 16. Nov 2007 bei 29+3 SSw auf die Welt da er nicht mehr versorgt wurde. Ich konnte nur 5 Tage im Krankenhaus bleiben und war dann auch bis kurz vor Weichnachten ohne ihn zu hause während er die ganze Zeit auf der Intensivstation lag. und ich habe mich auch am ende meiner Kräfte gefühlt. Aber mir hat zum beispiel geholfen jeden tag mit ihm zu kuscheln und ihm lieder vorzusingen und Kinderbücher vorzulesen einfach damit er meine Stimme hört und spürt das ich da bin. Die Zeit ging dann viel schneller rum und wir durften ihn anfang Januar mit nach Hause nehmen.
Jetzt hast du schon so lange durchgehalten und deiner Maus geht es schon viel besser so dass du nur noch ganz wenige Tage ohne sie bist.
Ihr könnt die verlorene Zeit nachholen wenn sie zu hause ist und du bist doch sicherlich auch viel bei ihr?
Mein Sohn hat trotz des langen krankenhausaufenthalts eine ganz enge bindung zu mir aufgebaut und ich denke das wird bei euch auch passieren.
Ich hoffe ich konnte dir ein wenig Mut machen, solche Tage wo man denkt man schafft es nicht kennt hier jeder!
Sende dir ein großes #paket kraft und durchhaltevermögen und das die kleine tapfere Maus bald nach Hause kann

Liebe grüße Flori

Beitrag von anna031977 26.04.10 - 15:53 Uhr

Ich für meinen Teil, habe einfach alles gemacht, was gemacht werden musste. Ich habe mich insgesamt zu Hause und im KH 12 Wochen ins Bett gelegt, mechanisch funktionier und nach der Geburt alles gemacht, was mir gesagt wurde.

8 Monate nach der Geburt kam das böse Erwachen und der Zusammenbruch. Seit dem bin ich am Aufarbeiten, vor allem weil einen keiner verstehen kann, bei dem alles "normal" war.

Mir fehlen so viele schöne Eindrücke und Gefühle...dafür sind da Angst und Ungewissheit...manchmal heute noch

lg

Beitrag von mamantje 26.04.10 - 16:14 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zu eurer Maus #herzlich

Ich hab vor Lilianas Geburt 4 Monate flach gelegen, davon 6 Wochen im KH. ich hab gedacht ich überleb das nicht, hab ich aber ;-)
Als Lili dann 31+0 geboren ist war sie noch 7 Wochen im KH. Ehrlich gesagt hab ich abends viel geheult, bin morgens immer mit gemischten Gefühlen, Angst und zittrigen Beinen ins KH gefahren. Meine Maus ist Ende November geboren. Weihnachten und Silvester war sie komplett im KH. Ich war jeden Tag zwischen 7 und 10 Stunden bei ihr, war Weihnachten da und wir sind ins neue Jahr mit ihr gerutscht (die einzigen Eltern nachts) #verliebt Hab viel mit ihr geredet, sie komplett allein versorgt (wickeln, Flasche & Co - auch schon im Inkubator)... und gekuschelt haben wir viel.

Im Nachhinein weiß ich, dass ich nur funktioniert habe. Es war immer ein Auf und Ab. Mal super Nachrichten, mal beschissene... ich hab versucht ihr so nah zu sein wie es geht und ich hab mir jeden Tag aufs neue gesagt: "Sie ist da, weil sie dort alles bekommt, was sie braucht. Das geht im Moment zu Hause noch nicht. Sobald es ihr gut geht und ich allein ihr alles geben kann was sie braucht, kommt sie nach Hause!"

Und ich hatte einen Wunsch: zu meinem Geburtstag wollte ich meine Maus zu Hause haben. Und sie kam nach Hause - nach 7 Wochen, auf den Tag genau #verliebt

Du stehst das durch! Es gibt so viele (besonders auch hier) die wirklich schlimme Dinge mit ihren Kleinen durchmachen müssen. Und ich bin mir sicher: jeder nimmt die Situation so wie sie ist, macht das Beste draus uind kämpft! Und wenn du zu Hause bist mit deiner Mausi, dann sitzt ihr auf der Couch... du strahlst sie an wie ein Honigkuchenpferd... und sie schlummert in deinem Arm ein #verliebt Und du weißt dann, dass sich jede Minute warten gelohnt hat!

Liebe Grüße und viel Glück #klee
Antje mit Liliana #herzlich
(31+0, 1645g, 41 cm)

Beitrag von hertha000 26.04.10 - 19:45 Uhr

Hallo Suse.

Ja, das frage ich mich aus heutiger Sicht auch ganz oft - wie habe ich das ausgehalten??? Wo habe ich die Kraft hergenommen? Denn 2 Monate zerren extremst...
Denke mal, weil ich mir täglich gesagt habe, dass er im KH die bestmöglichste Betreuung bekommen hat, die wir ihm zuhause hätten gar nicht geben können. Habe auch mehrmals täglich im KH angerufen und war auch täglich mehrere Stunden da und habe mit ihm gekuschelt. Bloß das "nach Hause" gehen war ne einzige Katastrophe!!!
Aber wir haben auch das überstanden und jetzt haben wir unseren kleinen Zwerg seit 2 Monaten zuhause und ich liebe dieses Kind abgöttisch!
Wie hat man es bloß ohne Kind ausgehalten???

Liebe Grüße - hertha000 mit Tylar

Beitrag von sternchen397 26.04.10 - 19:57 Uhr

Hallo,
auch von mir nochmal alles Gute:-)

Ja, das kenne ich. Mein kleiner kam am 9.4. und ist seitdem in der Kinderklinik. Er kam in der 34.ssw.
Es ist verdammt schwer, aber es gibt auch Tage, da halte ich super durch, ohne Trübsal zu blasen.
Er ist bestens versorgt dort.

Ich konzentriere mich auf die kleinen Fortschritte, die machen mir Mut und sind quasi ein ''Etappensieg''.
Ich hab ja auch noch echt Glück, der Kleine macht super Sprünge. Vllt kann er sogar nächste Woche heim, wenn wir ganz viel Glück haben.

Es gibt Momente,da bin ich echt am verzweifeln, aber die Tage bei meinem Schatz, die Kuscheleinheiten etc. geben mir wieder total viel Kraft.

Du verlierst die Bindung nicht zu deinem Mäuschen, keine Angst. Sie riecht dich, erkennt deine Stimme, spürt deinen Herzschlag, das alles ist total wichtig.
Das Würmchen merkt, wer seine Mama ist, und wird das auch nicht vergessen.

Wenn mein Spatzi weint, beruhigt er sich auch nur bei mir. Er erkennt intuitiv, wer seine Mama ist und wer die nette Schwester aus der Klinik ist.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und vor allem Geduld. Ihr zwei schafft das schon. Wenn sie daheim ist, wirst du alle Strapazen vergessen. Und die Zeit wird kommen, glaub mir.

Lg