Warum denke ausgerechnet ICH über ein zweites Kind nach?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von snoopy1976 26.04.10 - 22:20 Uhr

Hallo,

unser Sohn ist jetzt 4,5 Jahre alt und seit einigen Wochen lässt mich der Gedanke an ein zweites Kind nicht los. Das wäre ja eigentlich nicht so ungewöhnlich, ABER dazu kurz meine persönliche Vorgeschichte.

Schwangerschaft, Geburt alles super, aber als das Baby da war, ging's nur bergab. Die ersten Wochen hatte ich Wochenbettdepressionen (war echt ne schlimme Zeit). Eigentlich das ganze erste Jahr ging es mir immer wieder mal psychisch recht schlecht. Es mag Mütter geben, die jetzt geschockt sind, aber die ersten drei Jahre waren für mich (überwiegend) schrecklich. Ich hatte das Gefühl, kein eigenes Leben mehr zu haben. Ich habe meinen Job vermisst, mich total minderwertig gefühlt. Ich konnte dem Leben mit einem Kleinkind also echt nichts abgewinnen und die Devise war echt: Durchhalten bis zum 3. Geburtstag, bis er in den KiGa kommt und ich wieder arbeiten und ein freies Leben führen darf. Heftig, ich weiß.

Ich war obwohl ich mein Kind nach den überwundenen Depressionen über alles geliebt habe und liebe, immer im Zweifel, ob ich, wenn ich könnte, die Zeit zurückdrehen würde. Erst seit er etwa drei Jahre alt ist, stehe ich voll dahinter und kann sagen: es ist das Beste, was mir jemals passiert ist, dass wir ein Kind bekommen haben.

Nun ist er recht selbständig, übernachtet mal bei Oma, besucht einen KiGa-Freund. Ich habe wieder meinen Job, fühle mich frei (ohne "Klotz am Bein"), liebe einfach mein Leben, sprich es ist so wie es ist PERFEKT.
Warum kommt mir also jetzt ein zweites Kind in den Sinn? Ist das die Natur, weil er jetzt langsam flügge wird? Mein Verstand sagt mehr als eindeutig nein, weil ich genau weiß, dass ich wieder todunglücklich wäre. Obwohl: jetzt weiß ich, dass es besser wird mit den Jahren, damals war ich so hoffnunglos. Aber es würde mich echt total zurückwerfen.

Vor allem: es ist so schön wie es ist, ich glaube nicht, dass es besser würde, im Gegenteil. Ich genieße es auch, finanziell nicht jeden Cent umdrehen zu müssen und mit zwei Kindern und (erst einmal) einem Lohn wäre das so. Für mich unvorstellbar. Ich hätte auch Angst, dass wenn noch ein Baby da ist, auf Teile seines Lebens verzichten zu müssen (z. B. er geht mit Papa radfahren, ich sitze mit Baby daheim). Absolut schreckliche Vorstellung für mich. Er fragt auch nie nach einem Geschwister. Ich hätte echt das Gefühl, wir täten ihm damit nichts Gutes.

Kann jemand meine Genken nachvollziehen? #gruebelMein Mann denkt übrigens ähnlich. Baby: ja süß, aber wir haben ein so schönes, lockeres, entspanntes Leben, wir wären also echt blöd...

LG
Snoopy

Beitrag von lisasimpson 26.04.10 - 22:42 Uhr

Hallo!

Nachdem was du beschreibst hast du dein altes leben und deine Unabhängigkeit wahnsinnig vermißt, du hattest (aus diesen und/ oder anderen gründen) ne Depression und das alles ist wirklich übel.

Aber wenn der Wunsch nach einem zweiten Kind da ist, solltest du vielleicht auch darüber nachdenken, beim nächsten mal ein paar sachen anders zu machen?
kann der vater nicht die Elternzeit nehmen und du bleibst weiter im job?
kannst du nicht nach einem jahr wieder einsteigen und ne geeignete Betreuung fürs kind finden, so daß du den gleichen Freiraum hast wie jetzt und dein zweites Kind in den genuß einer guten Betreuung UND einer ausgeglichenen Mama kommt?
usw..
also ich denke ihr habt einfach EIN modell ausprobiert- das dir so nict bekommen ist.
was die gründe dafür waren wäre vielleicht auch gut für dich zu klären.
aber das heißt doch nur, daß du beim nächsten mal besser aufpassen mußt nicht die gleichen sachen zu machen, die dir schon beim ersten mal nicht bekomme nsind!

lisasimpson

Beitrag von 4kids. 27.04.10 - 07:45 Uhr

In deinem Fall würde ich kein Kind mehr bekommen, den dann gehts richtig Bergab.

LG

Beitrag von moonlight83 27.04.10 - 07:52 Uhr

Du schreibst von Deinen Gefühlen, die sich gegen ein zweites Kind entscheiden.
Dennoch denkst Du rational darüber nach.
Ist ja auch kein Wunder, in Deinem Freundeskreis und auch hier bei urbia geht`s ja sozusagen um family und Kinder kriegen. Du wirst also ständig damit konfrontiert.
Die Hormone spielen mit Sicherheit auch eine Rolle.
Ausserdem kommt m. E. (als Hobbypsychologe ;-) ) Deine Psyche mit ins Spiel.
Deine schlechte Erfahrung mit postpartalen Depressionen und dass es so lange gedauert hat, bis Du die veränderte Situation annehmen konntest.
Vielleicht möchtest Du diese Zeit noch mal erleben und diesmal "richtig" machen, also dass Du Dich gleich von vornherein auf das Baby 100%ig einlassen kannst usw. ?
Bleib bei Deinem Gefühl.

Beitrag von litalia 27.04.10 - 08:03 Uhr

in deinem fall würde ich von einem 2. kind abraten.

ihr seit glücklich so wie es ist, du bist eben keine "vollblutmami" die in ihrer mutterrolle vollends aufgeht, das haben dir deine gefühle beim 1. kind deutlich gezeigt.

ich glaube nicht das du bereit für ein 2. kind bist, mit allen konsequenzen.

vielleicht ändert sich dein leben und deine einstellung irgendwann mal, dann kannst du ja nochmal drüber nachdenken ;-)

Beitrag von unilein 27.04.10 - 08:32 Uhr

Ich denke, sobald sich Routine eingeschlichen hat, sucht man immer nach einem Weg, seine jetzige Situation zu verbessern. Stagnation wollen wir nicht, wir wollen stetigen Aufstieg. Dann schaut man nach möglichen Änderungen.

Und manchmal kann eine Änderung, die eigentlich ein 'Rückschritt' ist, weil sie eine Situation herbeiführt, die man schonmal hatte und von der man auf die jetzige wechseln wollte, trotzdem lukrativ erscheinen. Wenn man arbeitslos ist oder einen Teilzeitjob hat, denkt man, dass ein Vollzeitjob doch eigentlich toll wäre, weil man dann viel mehr Geld verdienen würde. Hat man dann einen Vollzeit eine Weile, denkt man, dass es doch finanziell auch reichen würde, wenn man teilzeit arbeiten würde und dass man dann mehr Zeit für andere Dinge hätte.

Ob das natürlich für dich bedeutet, dass du den Versuch wagen und noch ein Kind bekommen solltest oder ob du besser versuchen solltest, dich beruflich oder anderweitig weiterzuentwickeln, musst du dir überlegen.

Beitrag von luka22 27.04.10 - 21:31 Uhr

Echt interessant deine Gedanken.
Ich frage mich auch oft, warum der Mensch so gemacht ist, dass er eigentlich nie richtig zufrieden sein kann. Ich bin wirklich zufrieden, aber ich muss es mir tagtäglich in Erinnerung rufen, wie schön es ist ein rumdum sorgloses Leben zu führen. Wenn ich das mal nicht tue, kommt man tatsächlich vom 100sten ins 1000ste und regt sich am Schluss über total nebesächliche Dinge auf fängt an rzumzuspinnen. So beobachtet bei mir und bei anderen :o). Keine Ahnung, warum der Mensch so gestrickt ist. Vielleicht gäbe es tatsächlich keinen Fortschritt, wenn sich zu viele Menschen allzuleicht zufrieden geben würden :o).

Grüße
Luka

Beitrag von puffel0805 27.04.10 - 10:00 Uhr

Hallo,
dann will ich dir mal von uns erzählen. Unser Sohn wird im Juni 6 und mir ging es ähnlich wie dir. Kleine Babys sind eigentlich nicht wirklich mein Ding. Ich war nach 8 Wochen wieder arbeiten und fühlte mich wieder besser.

Der Ausgleich zwischen Beruf und Familie tat mir gut. Trotzdem fühlte ich mich erst richtig "frei", als mein Sohn in den Kindergarten ging und selbstständiger wurde.

Jetzt mit fast 6 sehe ich ihn kaum noch, vormittags Kindergarten, nachmittags Vereine ect. und er wird flügge indem er viel draußen mit Freunden spielt.

Trotzdem ist er mein liebster Schatz und ich bin froh, dass ich ihn hab.

Im letzten Jahr wurde der Wunsch nach einem zweiten Baby groß und ich weiß nicht warum. Naja, wurde dann auch sofort schwanger und nun ist unsere Tochter schon 10 Wochen alt.

Aber es war wieder genauso. Ich genieße die Babyzeit nicht, obwohl sie durchschläft und lieb ist. Ich freue mich schon darauf, wenn sie älter ist und wir wieder richtig was unternehmen können.

Auch jetzt bin ich wieder am Arbeiten und habe eine Tagesmutter hier.
So manches mal haben wir uns gefragt, ob die Entscheidung richtig war, aber wenn uns unsere Tochter anlacht wissen wir, ja es war gut so.

Trotzdem muss unser Sohn ganz schön zurückstecken und so manches Mal wie ein Ausflug in den Freizeitpark oder Schwimmbad musste er mit Papa alleine machen. Finde ich schade, aber die Zeit geht auch vorbei.

Unsere Entscheidung für ein zweites Baby war unserem Sohn zuliebe, damit er später nicht ganz alleine da steht. Bereuen tue ich es nicht, aber es ist eben wieder alles anders.

Du wirst dich schon richtig entscheiden.

LG und ich hoffe, du verstehst meinen Beitrag nicht falsch.

Anett

Beitrag von granate05 27.04.10 - 11:46 Uhr

Hallo

Erstmal vorweg, entscheiden musst du selber.

Ich kann dir meine Geschichte erzählen. Meine Tochter war ein sehr schwieriges Kind, viel geschrien (sie hatte Koliken die Arme), bis zum 2. Lebensjahr nicht durchgeschlafen, ich konnte manchmal nichtmal in den Keller die Waschmaschine anstellen,...

Trotzdem habe ich mich für ein 2. Kind entschieden, der kam, als die Große gute 2 Jahre alt war.
Ich habe die Babyzeit auch nicht so richtig genießen können, meine Arbeit fehlte mir schrecklich. Trotzdem wollte ich noch ein 2. denn ein Einzelkind kam für mich nie in Frage.
Ich dachte mir, das 2. Kind wird sicherlich anders, ruhiger, wird braver schlafen. Tja das dachte ich nur, der Kleine ist genauso. Nur mit dem Unterschied, dass zwei Kinder bedeutend mehr Arbeit sind, alleine schon wegen der Wäsche.

Meine Kinder liebe ich über alles und würde sie auch nie mehr hergeben, dennoch habe ich mich schon bei dem Gedanken erwischt, was mich da geritten hat, wäre ich doch nur bei einem geblieben.
Nochmals möchte ich aber betonen, dass ich beide Kinder über alles liebe.
Langsam geht es mir auch besser. Ich gehe seit April wieder ein bisschen arbeiten, dass tut mir enorm gut.

Also überleg es dir gut.

lg

Beitrag von 1und1macht3 27.04.10 - 14:07 Uhr

Ich würde mir niemals anmaßen, dir von einem Kind abzuraten!
Woher willst du denn wissen, ob du wieder in Depressionen verfallen würdest? Es ist doch Jahre her, inzwischen hast du dich verändert und dich in dieses Familienleben eingefunden - jetzt bis du glücklich!
Wenn dir dein Leben so gefällt wie es ist, brauchst du nichts ändern!
Lass dir Zeit und warte ab, wie sich dieses Gefühl weiterentwickelt!

Beitrag von 9605paja 27.04.10 - 20:46 Uhr

Huhu,

Kinder werden so schnell groß, das zweite noch schneller! Aber wenn du das "als Klotz am bein" empfindest dann laß es lieber sein!


Ich wollte lange auch nur eins, als mein Sohn dann so 2,5Jahre alt war und ein Kiga besuchte kam der Gedanke immer mehr......ich war mir klar das es ne riesen Umstellung wird und ich quasi wieder von vorne anfange aber der Wunsch war da!

Nun ist der kleine Sonnenschein auch schon wieder 1Jahr und mein ältester Sohn hat davon nur profitiert, alle meine Bedenken waren umsonst! Wir sind komplett die zwei sind einfach wundervoll und sie lieben sich!

Ich würde es wieder so tun.

lg paja

Beitrag von 2010anna 28.04.10 - 14:14 Uhr

Hallo Snoopy,

ich kann deine Gedanken so so gut nachvollziehen. Mir erging es da ganz ähnlich. War immer ganz vernarrt in Kinder und konnte auch sehr gut mit ihnen umgehen. Meine Schwangerschaft war problemlos und mit der Geburt unserer Tochter hat es angefangen. Ich wollte mein altes Leben zurück und hatte immer ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner kleinen Maus, weil ich solche Gedanken hatte. War auch sehr lange der Meinung (bestimmt das erste 3/4 Jahr), keine gute Mutter zu sein. Von aussen wurden an mich auch falsche Signale gegeben (vielleicht hab ich sie auch nur falsch gedeutet). Meine Depression wurde erst sehr spät festgestellt und als ich dann in Therapie war wurde es von mal zu mal besser.
Unsere Tochter ist mit einem Jahr in die Kita gekommen und ich bin wieder arbeiten. Das bekommt uns als Familie sehr gut. Ich arbeite 30 Std., mach den Haushalt und hole dann meine Maus aus der Kita und genieße die Zeit mit ihr. Ich möchte sie auf keinen Fall mehr missen - das steht fest!!! Denn ich liebe meine Maus und sie gehört zu meinem Leben.
Natürlich mach ich mir auch Gedanken um ein zweites Kind, aber pack ich das? Wahrscheinlich würde ich das dann in Begleitung meiner Therapeutin machen. Vielleicht kann man dadurch einiges umschiffen. Vielleicht wird es beim zweiten ja auch ganz anders. Besser oder nicht, das weiß keiner. Entscheiden müssen wir es für uns selbst. Denn wenn man den Schritt wagt, gibt es kein zurück mehr und man muss ggf. für die schwere Zeit die Zähne zusammen beißen.
Ich wünsche dir von Herzen alles gute und geb dir selbst genügend Zeit für diese Entscheidung. Rede viel darüber und sehe ob sich der Gedanke festigt oder doch nur eine momentante "Laune" ist.
Alles liebe, 2010anna #blume

Beitrag von snoopy1976 28.04.10 - 21:57 Uhr

Herzlichen Dank für eure lieben Antworten! Entscheiden können natürlich nur wir alleine. Aber es tut gut zu lesen, wie sich andere Leute fühlten/entschieden und wie es ihnen in der Situation geht.

Vielleicht kam der Gedanke an ein zweites Kind auch dadurch, dass mich im Moment der Tod eines Kindes von Bekannten emotional belastet. Ihr älterer Sohn ist mit 12 nach zwei Jahren Krankheit gestorben. Sie haben aber noch ein jüngeres Kind mit 7 Jahren. Auch das ist in meine Überlegungen mit eingeflossen. Was ist, wenn ihm was passiert? Ich meine, natürlich kann kein Kind ein anderes ersetzen, aber das Leben geht dadurch eher weiter, macht Sinn. Rationell weiß ich zwar, dass das Risiko nicht sehr hoch ist aber manchmal regiert halt dann doch einfach nur die Angst...

Tja, ich denke wir lassen es auf uns zu kommen. Für einen Spielkameraden für unseren Sohn ist es eh zu spät. Ich meine damit so einen klassischen Abstand von 2 Jahren, wo die Kinder dann wirklich die gleichen Interessen haben und zusammen spielen können. Und ich denke, ob der Altersabstand dann 5,5 Jahre (wenn wir gleich "loslegen") oder 7 oder 8 Jahre beträgt, ist dann auch egal. Ich werde bald 34, d. h. ich habe auch noch 3 bis 4 Jahre Zeit. Körperlich geht's vielleicht noch später, aber meine persönliche Uhr oder Zeit für's letzte Kind liegt doch so bei Ende 30.

Danke nochmal und liebe Grüße
Snoopy