Und hier noch einmal: Merles Geburt Juni 2007

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von dievio 28.04.10 - 00:09 Uhr

Am 12.06.2007 kam meine Tochter Merle zur Welt. Merle ist mein erstes Kind und ich hätte nie gedacht, das eine Geburt schön sein kann, denn auch ich kannte eigentlich nur die Horrorgeschichten.

Ich weiß noch wie erstaunt ich war, als eine entfernte Bekannte, die selbst Frauenärztin ist, mir von der schönen Geburt ihrer Tochter erzählte. "Wie? Schön?" fragte ich damals ungläubig und sie sagte: "Ja, ich habe soviele Geburten gesehen und ich habe mir vorgenommen, dass ich nicht den Fehler mache, passiv auf dem Rücken zu liegen und alles über mich ergehen zu lassen und habe beschlossen, dass ich die Geburt soweit das geht aktiv mitgestalte."

Das ist damals hängen geblieben und hat mir sehr imponiert und es hat mir bei meiner Geburt sehr geholfen, doch nun von Anfang an: Ich wusste bereits das ich schwanger war, bevor man die Schwangerschaft mit allen drei Tests nachweisen konnte und wenn ich meiner Frauenärztin geglaubt hätte, wäre meine Tochter nur eine Magen-Darmgrippe gewesen #freu Doch obwohl das meine erste Schwangerschaft war, wusste ich, dass ich schwanger bin. Zum Einen weil mir so furchtbar schlecht war, zum Anderen, weil ich mich "voll" fühlte.

Über die Schwangerschaft kann ich Horrorgeschichten erzählen (9 Monats-24Stunden-Übelkeit) und das ist der Grund, weshalb ich mich im 5 Monat gegen das Geburtshaus und für das Krankenhaus entschieden habe. Ich hatte einfach Bedenken, dass ich nicht genügend Reserven hätte um eine Geburt durchzustehen.
Diese Zweifel wurden gegen Ende stärker und ich sprach mit meiner nachbetreuenden Hebamme darüber. Sie sagte sie hätte schon ganz andere Frauen gesehen, die es geschafft haben ihr Kind auf natürlichem Wege auf die Welt zu bringen. Frauen die stark erkältet waren, oder chronisch krank. Sie sagte die Hormone würden mir bei der Geburt helfen und sie bestärkte mich in meinem Zutrauen in mich und in meine Kraft.

Während einer unserer geburtsvorbereitenden Akkupunktursitzungen erzählte sie mir von einer wunderschönen Geburt, die sie in der letzten Nacht betreut hatte. Sie erzählte, dass die Frau während des gesamten Geburtsvorgangs zwischen den Wehen sagte: "Weich, weit" und zum Schluss: "Komm, bitte, komm!"
Obwohl ich nicht mehr schwanger bin, steigen mir die Tränen in die Augen, wenn ich mich an diese Schilderung erinnere, denn auch diese hatte einen grossen Einfluss auf meine Geburt.

Nach starken Senkwehen Anfang Mai, kam es zu ungefär drei Wochen vor der Geburt zu weiteren Wehen. Ich ging dann oft in die Badewanne und hoffte, dass das baby sich dazu entscheiden würde auf die Welt zu kommen, doch sie ließ auf sich warten. Alle sagten, wenn das echte Wehen sind, dann wirst du das wissen, auch eine Freundin, die ihre Tochter drei Wochen vor mir zur Welt brachte. Sie hatte im Übrigen auch eine tolle Geburt und sie war sogar so mutig diese im Geburtshaus zu erleben. Und ja, das mit den Wehen weiß man dann wirklich #freu

Am errechneten Geburtstermin um 24.15 Uhr wachte ich auf und wusste, jetzt geht es los. Ich rief meinen Mann an, der noch auf der Arbeit war und - da ich bereits angekündigt hatte - dass, das Baby bald kommen würde, einiges vorarbeiten wollte. Alles was ich sagte war: "Schnell!" Er war schnell da und das war auch gut so. Mein Kreislauf sackte in den Keller, mir wurde schlecht, ich musste mich übergeben und dringend auf Toilette. Danach wollte ich noch mal Duschen und gab ihm letzte Instruktionen, was er noch einpacken sollte. "Hast du denn schon Wehen?" fragte er. Ich: "Ja, ... nein ... vielleicht ... egal, es kommt jetzt."

Auf dem Weg ins Krankenhaus hatte ich dann alle 4 Minuten Wehen. Kurz nach 1 Uhr, meldete ich mich beim Kreissaal. Ich: "Ich komme zur Geburt." Und erzählte ihr dann, was bisher geschehen war, die Abstände der Wehen etc..
Mein Tip: Nicht lachen, freuen, oder sonst was, wenn ihr euch dort meldet, denn die glauben dann nicht, dass ihr zur Geburt kommt. Anscheinend meinen sie man müsste hysterisch kreischen oder so. Ich weiß ja auch nicht ... nachdem sie mich untersucht und an den Wehenschreiber angeschlossen hatte, erkannte sie, dass das kein Fehlalarm war.

Und eigentlich ging dann alles recht schnell. Die Hebamme riet zum Einlauf, davon würden die Wehen stärker werden. Wurden sie dann auch (unter 2 Minuten Abstände). Das Team hatte Schwierigkeiten die Herztöne zu messen, weil meine die meiner Tochter überlagerten. Sie führten eine Blasensprengung durch und verpassten ihr eine Kopfsonde. Das Fruchtwasser war bereits ganz grün, ein Zeichen für Übertragen, oder Stress. In unserem Fall Letzteres doch ich wusste bereits vorher, dass es meiner Tochter nicht gefallen hatte, das sie ständig durch das Würgen gequetscht wurde. Die Hebamme sagte, ich könne die Wassergeburt jetzt vergessen und war erstaunt, dass ich das recht gelassen zur Kenntnis nahm. Ich hatte immer gedacht meine Schwangerschaft wäre toll und ich würde hübsch und strahlend aussehen, doch ich war ein Wrack und musste mich auch damit abfinden. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof, also vergass ich die Wassergeburt.

Eine Sache wollte ich jedoch auf keinen Fall: Eine PDA. Die war für mich immer der erste Schritt Richtung Kaiserschnitt. PDA, dann gehen die Wehen weg, dann Wehentropf und dann Kaiserschnitt. Außerdem fand ich die Wehen auch wirklich zum Aushalten und sah daher keine Notwendigkeit. Und dann rieten sie mir nach eineinhalb Stunden zu einer PDA. Ich: "Ich halte das aus. Das geht schon." Die Ärztin grinste: "Ja, aber entspannen können sie sich nicht." Sie gaben mir eine halbe Stunde Bedenkzeit. Und ich versuchte verzweifelt mich zu entspannen, natürlich umsonst.

Die PDA wurde gesetzt. Eine schlimme Zeit, ich musste sitzen, dann liegen bis sie wirkte, dabei fand ich die Wehen dann weniger gut aushaltbar. Im Stehen hatte ich sie besser handlen können.
Doch bei der nächsten Untersuchung, stellte die Hebamme (es hatte Zwischenzeitlich einen Schichtwechsel gegeben) fest: Der Muttermund war auf und es ging los.

Allerdings wusste ich das nicht. Ich dachte ich müsste auf`s Klo und das, obwohl ich gelesen hatte, dass viele Schwangere das beim Einsetzen der Presswehen dachten, doch für diese Transferleistung war ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage. Ich versuchte ihr also zu erklären, dass ich musste und sie mir, dass ich jetzt ein Baby bekam. Sie resignierte und sagte: "Pressen sie einfach!" Ich presste und meine Tochter fing an durch das Becken zu rutschen.
Und da verstand ich dann, dass sie kam. Ich: "Sie rutscht!" Die Hebamme: "Ja, das versuche ich ihnen doch bereits zu sagen." Die Frau verstand meiner Meinung nach nicht, dass ich gerade mein Kind bekam. Ich zu meinem Mann: "Sie rutscht!" Er: "Ja, Schatz, ich weiß!" Offenbar wusste niemand außer mir, dass ich ein Kind bekam (jedenfalls dachte ich das) und beschloss sie einfach zu bekommen. Und dann sagte ich laut: "Komm, bitte, komm." Und presste. Ich sagte das ein paar Mal und presste ein paar Mal und dann war sie da. Es war eigentlich ganz leicht. Und es hat nicht nur an der PDA gelegen, denn den Schnitt habe ich deutlich gespürt, aber auch der war für mich okay.

Die Hebamme muss auch gesagt haben: "Sie hat Haare" und "Der Kopf ist da." doch daran kann ich mich nicht erinnern. Überhaupt erscheinen mir die sechseinhalb Stunden unglaublich kurz.

Sie reichten sie mir dann zwischen den Beinen durch (Ich hatte sie im Vierfüßlerstand zur Welt gebracht) und ich nahm sie hoch (und weinte gar nicht, wie ich das immer gedacht hatte) und sagte wieder und wieder. "Sie ist da. Endlich ist sie da!"

Sowohl die Hebamme als auch die Ärztin hatten Tränen in den Augen. Und ich wurde von der Hebamme (die im Übrigen die leitende Hebamme war) gemahnt nie zu behaupten die Geburt wäre furchtbar gewesen. Und ja, liebe Frau Swobota, das werde ich auch nicht tun. Im Gegenteil ihnen und ihrem Team vielen Dank für diese tolle Geburt und auch Danke an meinen lieben, geduldigen Mann.

Eine Geburt ist nichts, dass ich jeden Tag tun wollen würde, doch genau deshalb hat die Natur es so eingerichtet, das man maximal 2 x im Jahr das Vergnügen hat #freu

Es ist eine Grenzerfahrung und ein Erlebnis aus dem man viel Kraft ziehen kann. So, ich gehe jetzt mal meine Tochter stillen, die quengelt gerade.

Ich denke an alle Schwangeren, die es noch vor sich haben.

LG DieVio mit Merlchen

Beitrag von riebele 28.04.10 - 00:51 Uhr

Wunderschön und klug geschrieben! Euch vieren alles Gute miteinander!
Gruß, riebele

Beitrag von hh1975 29.04.10 - 21:56 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zur Deiner Tochter!
Meine Kleine heisst auch Merle und ihre Geburt war für mich ebenfalls das tollste Erlebnis in meinem Leben!
Hatte vor 4 Jahren eine tolle Spontangeburt im Wasser, in 3 Stunden war alles erledigt :-) Hoffe, dass es bei ihrer Schwester ähnlich sein wird. Am kommenden Montag ist Stichtag
Alles Gute für Euch!
Rena und Merle