Wie trauern Eure Männer?

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von naoko75 28.04.10 - 14:23 Uhr

Hallo,

ich hab vor einer Woche zum Ende der 6. SSW mein Krümelchen verloren und das war natürlich ein ganz schlimmes Erlebnis. Mein Mann hat mich an diesem Abend die ganze Zeit im Arm gehalten und mich getröstet. Auch in den nächsten Tagen hat er sich mehr um mich gekümmert als sonst, weil er gemerkt hat, wie traurig ich bin.

Mir tut es einerseits sehr gut, dass er jetzt so stark ist und ich eine Schulter zum Anlehnen und Ausweinen habe, aber irgendwie fühle ich mich auch komisch, weil ich das Gefühl habe, ich trauere ganz alleine. Ich glaube für meinen Mann war das Baby noch gar nicht richtig da, und darum fällt ihm auch der Abschied nicht so schwer. Ihn belastet es, glaube ich, in erster Linie, dass ich so sehr unter dem Verlust leide.

Mein Mann ist von Natur aus sehr optimistisch und kann Rückschläge in jedem Bereich gut wegstecken und wieder nach vorne schauen. Und so erlebe ich ihn auch jetzt: Er sagt, dass wir noch alle Chancen der Welt auf ein Baby haben, was ja auch stimmt, aber ich kann nicht so positiv denken wie er, und schon gar nicht jetzt.

Wie ist das bei Euren Männern? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Liebe Grüße
Naoko

Beitrag von lalax3 28.04.10 - 14:56 Uhr

Hallo :-)
also ich musste mein Engelchen Gabriel in der 21. woche gehen lassen.
Genau wie du erlebe ich meinen Freund auch..
Er hat nie geweint,nur bei der Geburt .
Er konnte schneller damit abschließen ,dass unser Baby tod ist. Für mich ist es auch jetzt noch nach fast 11 Monaten immer noch verdammt schwer damit umzugehen.Vielleicht liegt es halt daran das er noch nicht die Verbindung zu unseren Sohn hatte wie ich .
Wie du schon geschrieben hast.

Liebe Grüße Rebecca & #stern Gabriel

Beitrag von naoko75 28.04.10 - 15:26 Uhr

Hallo Lalax,

vielen Dank für Deine Antwort. Es tut mir sehr Leid, was Du durchmachen musstest, und ich kann mir gut vorstellen, dass das auch noch nach elf Monaten noch schmerzt.

Mein Mann hat auch nicht geweint, dafür habe ich literweise Tränen vergossen. Es kommt einem so ungleichgewichtig vor, aber mir hilft es auf Dauer glaube ich auch, dass mein Mann so optimistisch ist. Vielleicht färbt das ja doch irgendwann ein bisschen auf mich ab.

Ich wünsch Dir alles Gute!
Naoko

Beitrag von bibi1234 28.04.10 - 14:59 Uhr

Hallo Naoko,

habe unser Krümelchen Ende der 8 Wo. verloren, musste leider eine Ausschabung machen, das war ganz heftig. Bei uns ist es sehr ähnlich, mein Mann hat auch zu Anfangs sich mehr um mich gekümmert. Natürlich jetzt auch, er schaut imme das es mir gut geht. Ich wollte anfangs nicht darüber sprechen und jetzt brennts in mir und mein Mann weicht ein bißchen aus. Anfangs haben wir beide gesagt,oh nein, nie wieder soetwas erleben und nun ist es bei mir so, das ich es mir wieder vorstellen kann und er auf einmal nicht mehr. Kaum darüber geredet, aber gestern hab ich Ihn direkt darauf angesprochen und er meinte er wäre ausgebrannt, mehr nicht, ließ dann auch das Thema. Er ist normalerweise für alles offen und es war immer unser Wunsch zwei Kinder zu haben. Nun ja, mal sehen, auch Männer haben Gefühle, nur so richtig zeigen, scheint für Sie auch schwer zu sein.
Ich drück Dich ganz lieb, der Schmerz lässt nach...
GLG bibi#herzlich

Beitrag von naoko75 28.04.10 - 15:40 Uhr

Hallo Bibi,

vielen Dank für Deine Antwort. Dass dein Mann Dir ausweicht und sagt, dass er ausgebrannt ist, zeigt wirklich, dass ihn das Ganze auch sehr mitgenommen hat. Ich würde aber nach einer Zeit, wenn sich mal wieder eine Gelegenheit zum Sprechen ergibt, versuchen herauszufinden, ob ihn der Verlust des Babys so mitgenommen hat oder die Tatsache, dass Du so viel durchmachen musstest.

Bei meinem Mann ist es so, wie ich schon geschrieben habe, dass er eigentlich alles gut wegstecken kann, aber was ihn wirklich belastet, ist, wenn er mich leiden sieht. Ich glaube, so etwas kann bei Männern dann dazu führen, dass sie sich sagen: So was will ich meiner Frau nie wieder "antun", also Ende mit Familienplanung.

Falls das bei Deinem Mann so ist, kannst Du vielleicht versuchen, ihm zu erklären, dass die Zeit der Trauer für Dich zwar sehr schwer, aber auch notwendig und heilsam war, und dass Du jetzt auch wieder an die Zukunft denken kannst.

Aber vielleicht geht auch was ganz anderes in ihm vor. Männer sind oft wirklich sehr rätselhaft ... Gib ihm einfach noch was Zeit.

Liebe Grüße und alles Gute Dir!
Naoko

Beitrag von bibi1234 29.04.10 - 11:05 Uhr

danke für Deine liebe Antwort.

Ja, ich denke er braucht noch Zeit, man merkt Ihm schon an, das es Ihn irgendwie noch zu schaffen macht, da er sich sonst noch nie so verhalten hat. Wir kennen uns seit 12 Jahren, das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Ich muss mich aber enorm zusammen reißen, das ich nichts sage. Momentan ist das alles so Bewegend in mir. Vielen Dank nochmal.
Es ist richtig schön Antworten zu bekommen.

GLG bibi#herzlich

Beitrag von sternchen1103 28.04.10 - 16:00 Uhr

Mein Mann war dabei als wir die Diagnose bekommen haben, er war ganz ruhig, während mir die ersten Tränen einschossen... zu hause haben wir dann beide geweint und als ich zum Kontrolltermin musste um den Herzstillstand zu bestätigen haben wir nur geweint beide.... seither ist er was das Thema angeht stumm.... es tut ihm alles weh und er hat schreckliche Angst vorm weiter machen, was ist wenn es nochmal passiert...unser Bruno war ein absolutes Wunschkind und wir haben 2 Jahre alles gemacht um ihn zu bekommen und dann ist er einfach gestorben, vor unseren Augen in der 14 ssw....
Er denkt viel an ihn und hat das weiterüben bis auf weiters abgebrochen... ich glaube Tränen vergießt er keine mehr, aber innerlich ist etwas unsagbar kaputtgegangen.

Beitrag von naoko75 28.04.10 - 16:33 Uhr

Hallo Sternchen,

ich kann gut verstehen, was in Dir vorgeht. Wir haben auch ganz lange (19 ÜZ) auf unser Wunschkind gewartet, und dann will man es einfach nicht wahrhaben, wenn das Baby wieder geht.

Dass es Deinen Mann so sehr mitnimmt, tut mir auch Leid. Es ist einerseits sicher gut, wenn er auch weint und die Trauer zulässt, aber wenn es jetzt so ist, dass er nicht mehr weiterüben will, ist das natürlich auch traurig.

Aber vielleicht braucht er einfach nur ein wenig Zeit, so wie es viele Frauen nach so einem Verlust auch brauchen, um wieder ans Weiterüben zu denken. Und ich glaube, auch wenn in ihm etwas kaputtgegangen ist, können Zeit und Liebe es heilen.

Ich wünsch Euch alles Gute!
Naoko

Beitrag von kerstini 28.04.10 - 16:27 Uhr

Hallo Naoko,

bei mir war alles etwas schwieriger. Ich war mit Zwillingen schwanger als ich beide nach einem frühzeitigen Blasensprung auf die Welt bringen musste. Unsere Madita war bei der Geburt bereits tot und unser Leo hat 1 Stunde gekämpft. Mein Mann war fix und fertig. Er hat geweint und war richtig verzweifelt. Ich hab gemerkt das er am liebsten davon laufen wollte. Auch bei der Beerdigung hat mein Mann sehr viel geweint. Ich dagegen habe weder bei der Geburt noch bei der Beerdigung geweint. Der erste Schock hat ein paar Tage angehalten. Erst nach Tagen war ich fähig zu weinen und alles rauszulassen.

Von da an ging es mir immer schlechter während mein Mann mir eine große Stütze war. Erst jetzt nach 8 Monaten glaube ich geht es mir langsam besser. Mein Mann sagt es war für ihn im nachhinein schlimmer mich so verzweifelt zu sehen als alles andere.

Ich glaube Männer können 1. mit sowas manchmal besser umgehen und 2. sind trotzdem wir es die schwanger sind. Sie sind immer nur Beobachter. Manchmal in ruhigen Momenten merke ich wie ihm aus dem nichts die Tränen kommen und er traurig ist aber das lässt er nicht lange zu und schaltet wieder um auf "normal".

Es tut mir sehr leid das ihr euren Wurm gehen lassen musstet! Ich hoffe du und dein Mann findet bald wieder den Mut es noch einmal zu versuchen.

Alles Liebe


Kerstin mit Madita & Leo *08.09.09+ und Krümel 12.SSW (26.01.10=

Beitrag von naoko75 28.04.10 - 16:54 Uhr

Hallo Kerstini,

Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Es tut mir so Leid, dass Ihr Eure Zwillinge verloren habt, und ich kann gut verstehen, dass Euch das beide an die Grenzen dessen gebracht hat, was man aushalten kann.

Ich bewundere Euch beide wirklich sehr, dass Ihr das gemeinsam durchgestanden habt. Und ich wünsche Euch, dass nach dieser düsteren Zeit für Euch ganz bald wieder die Sonne scheint.

Ich drück Euch jedenfalls ganz fest die Daumen!
Naoko

Beitrag von kerstini 28.04.10 - 16:56 Uhr

Danke! Das gleiche wünsche ich dir auch und du wirst sehn es kommen für uns beide mit Sicherheit noch bessere Zeiten! :-)

Beitrag von mdcu 28.04.10 - 19:48 Uhr

Hallo!

Ich kann dich gut verstehen!
Bei meiner 1. FG hat mein Mann zuerst geweint und war ein paar Tage lang nicht so gut drauf (aber immer noch viel besser als ich). Damals dachte ich, dann - als er ziemlich bald wieder "normal" war - dass ihm das alles nicht so wichtig war. Dann war das Begräbnis und da ging es ihm seeeehr schlecht - scheinbar hatte er alles verdrängt. Er sagte selbst, dass er stark sein wollte.
HEute....habe ich leider erfahren, dass unser 2. Baby in der 9.SSW keine Herzschläge mehr hat. Mein Mann ist fast umgekippt. Er musste die Hände unters kalte Wasser halten (für den KReislauf) und lag dann lange bei der Ärztin. Diese äußerst nette Ärztin meinte, dass ihn das sympathisch mache ;)
Ich habe mich beim ersten Mal auch gewundert, aber nun hoffe ich zu wissen, dass er wenn er so tut als wäre alles ok das nur verdrängt. Auch wenn ich das beim 1. Mal anfangs nicht dachte...

Lg und alles Gute!

Beitrag von naoko75 29.04.10 - 12:15 Uhr

Hallo,

es tut mir so Leid, dass Ihr jetzt auch noch Euer zweites Baby verloren habt. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen, dass Ihr die nun kommende Zeit gemeinsam gut übersteht und Euch gegenseitig stützen könnt.

Ich glaube, wir alle können froh sein, dass wir in diesen schweren Zeiten unsere Männer haben, egal, wie sie mit der Situation umgehen. Wenn sie offen mittrauern, sollten wir das genauso wertschätzen wie, wenn sie versuchen, für uns stark zu sein. Beides sind Beweise ihrer Liebe.

Ich wünsch Euch alles Gute!
Naoko