Fühle mich unverstanden

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von naoko75 29.04.10 - 17:23 Uhr

Hallo,

ich bin gerade richtig wütend. Habe vor acht Tagen mein Krümel verloren und komme mit den Reaktionen in meinem Umfeld nicht klar. Bis jetzt wissen nur meine Eltern und vier Freundinnen von der Schwangerschaft und auch von der Fehlgeburt.

Einer Freundin habe ich direkt am Tag danach eine Mail geschrieben und ihr von der FG erzählt. Ich habe sie gebeten, mich noch nicht anzurufen, weil ich noch nicht drüber sprechen könnte, aber ich hatte doch mit einer Antwort gerechnet. Heute nach einer Woche schreibt sie mir drei Zeilen, dass es ihr sehr Leid tut für mich und dass meine Seele wahrscheinlich noch nicht bereit war für das Kind. Was soll das denn bitte heißen??? Dass ich unterbewusst das Kind nicht wollte und es deshalb verloren habe? Ich kann das echt nicht verstehen, vor allem weil sie selbst mal vor Jahren eine ELSS hatte.

Zwei Stunden später schickt sie mir dann noch eine Mail mit der Bitte, dass ich einen Text für sie korrigiere. Ich hatte ihr zwar schon vor zwei Wochen gesagt, dass ich das für sie machen würde, aber könnte sie nicht wenigstens einleitend so was schreiben wie: "Ich weiß, es ist gerade ein ganz blöder Zeitpunkt, aber ..." Ich stelle gerade ernsthaft diese Freundschaft infrage.

Außerdem hat meine Mutter mich seit der FG zweimal angerufen und das Gespräch jedesmal mit der Frage begonnen: "Na, geht's dir wieder gut?" Als hätte ich eine Erkältung gehabt.

Ich erwarte ja nicht, dass alle vor Mitleid zerfließen, aber ich habe das Gefühl, dass manche Leute, und leider auch meine Mutter, nicht ansatzweise verstehen, was mit mir los ist.

Hab auch eine Freundin, die ganz toll reagiert hat und wirklich für mich da ist, aber die ist leider gerade für ein paar Tage in Urlaub gefahren.

Zum Glück habe ich noch Euch!#herzlich
Danke fürs Zuhören.

Naoko

Beitrag von cucina3 29.04.10 - 17:36 Uhr

Ach Mensch #liebdrueck
Zuerst einmal tut es mir leid !

Du bist derzeit natürlich noch sehr traurig und geschockt und reagierst sehr sensibel auf die Äusserungen Deiner Umwelt. Es ist nicht leicht für Freunde u. Familienangehörige "richtig" darauf zu reagieren. Denn was ist richtig in dieser Situation ?! Sagt man am bestens nichts fühlt man sich unverstanden, sagt man zuviel fühlt man sich ebenfalls nicht Ernst genommen. Im Grund wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, oder ?

Es ist schwer. Nimm Dir die Zeit die Du brauchst u. sei dankbar für das Mitgefühl Deiner Umwelt. Sicher wirst Du bald nicht mehr die Freundschaft in Frage stellen u. etwas klarer sehen.
Ich wünsch Dir alles, alles Liebe !

Beitrag von naoko75 30.04.10 - 11:18 Uhr

Hallo,

vielen Dank für Deine Antwort. Mit der Goldwaage hast Du sicher Recht. Jetzt mit einem Tag Abstand sehe ich es auch nicht mehr ganz so dramatisch. Mein Mann hat gestern Abend auch gesagt, ich soll mich nicht ärgern, weil das nur noch unnötig Kraft kostet.

Danke noch mal und Dir auch alles Gute!
Naoko

Beitrag von aldina 29.04.10 - 17:54 Uhr

Liebe Naoko#schmoll Erst einmal zünde ich eine #kerze für dein #stern#schrei an.Das ist so traurig,wie sich deine Freundin benimmt.Mann merkt,das sich solch eine schwere Zeit noch nie durch gemacht hat.Die verstehen nicht,das man dieses kleine Wesen schon so lieb gewonnen hat#schmoll.Ich würde erst mal auf Abstand zu Ihr gehen,die würde mich im Moment wahnsinnig nerven.Sorry,aber mich macht sie wütend.:-[ Mit deiner Mama ist das anders .Sie meint es bestimmt nur gut mit dir ,ist aber bestimmt mit der Situation so überfordert,dass nicht immer das richtige gesagt wird..Sei ganz lieb gedrückt und alles Gute :-)




Aldina mit #stern#baby im Herzen(15SSW#schmoll)

Beitrag von naoko75 30.04.10 - 11:25 Uhr

Hallo Aldina,

vielen Dank für Deine lieben Worte. Ja, ich werde tatsächlich bei dieser Freundin erst mal auf Abstand gehen, aber ich versuche, mich nicht mehr über sie zu ärgern, weil mich das selbst Kraft kostet. Ich versuche einfach, mich auf die Menschen zu konzentrieren, die mir jetzt guttun.

Du hast Recht, meine Mama ist mit der Situation sicher überfordert. Ich bin nur irgendwie enttäuscht, weil ich dachte, wer wenn nicht die eigene Mutter wird die richtigen Worte finden.

Dir jedenfalls auch alles Liebe und danke noch mal!
Naoko

Beitrag von firneregiel 29.04.10 - 18:28 Uhr

Liebe Naoko,

auch ich zünde erstmal eine Kerze für dein Sternchen an.

Zu deinen Zeilen: Du hast eine schwere Zeit hinter dir und legst im Moment noch alles auf die Goldwaage. Ich weiß genau, wie du dich fühlst, deine Mutter und dein Freundeskreis meinen es bestimmt nicht böse. Sie wissen nicht, wie sie in dieser Zeit mit dir umgehen sollen. Sie möchten nicht das Falsche sagen und tun es doch.

Nimm es ihnen nicht übel. Mir hat damals das Buch "Leise wie ein Schmetterling" sehr gut geholfen. Es erklärt, warum du im moment so sensibel bist und warum die Angehörigen und Freunde nicht wissen, wie sie mit dir umgehen müssen.

Fühl dich gedrückt.

LG
firne

Beitrag von naoko75 30.04.10 - 11:36 Uhr

Hallo Firne,

vielen Dank für Deine Antwort. Ja, es ist wirklich so, dass da bei anderen oft eine große Hilflosigkeit da ist. Ich überlege mittlerweile, ob ich es überhaupt noch jemandem erzählen soll, denn das macht alles irgendwie nur noch komplizierter und dann ist es auch keine Hilfe für mich. Dabei hatte ich mir eigentlich vorgenommen, da ganz offen mit umzugehen und meine gefühle nicht zu verstecken.

Aber ich bin froh, dass mein Mann mich unterstützt, eine sehr gute Freundin und natürlich Ihr hier im Forum.

Danke noch mal und alles Gute!
Naoko

Beitrag von krikri75 29.04.10 - 22:39 Uhr

Hallo Naoko,

ich kann Dich gut verstehen!
Habe zwar nicht Deine Erfahrungen gemacht, aber aus Angst davor, gleich mal fast keinem was erzählt.
Ein paar Tage nach der AS hab ichs nicht mehr ausgehalten und meine Mutter angerufen. Irgendwie hatte ich den Wunsch, mich auszutauschen mit der Frau, die mich geboren hat. Dachte, die muss das besonders verstehen. Das Gespräch war dann auch ganz schön. Beim nächsten Mal allerdings ist meine Mutter direkt in ihre übliche Distanziertheit zurückgefallen. Da war nicht mehr viel Feeling zwischen uns. Stattdessen hat sie zu ihrem üblichen eigenen Lamento angesetzt... ich hab nur noch "hm" gesagt. Ich weiß, sie meint es nicht böse, sie merkt's nicht mal.
Aber das ist halt so.

Was Deine Mutter betrifft: Vielleicht ist es wirklich Hilflosigkeit. Wenn es Dir gelingt, damit Deinen Frieden zu machen, ist es in jedem Fall besser für Dich.

Ich hoffe, Du hast eine gute Freundin nicht nur gerade im Urlaub, sondern auch an Deiner Seite!
Sowas fehlt mir hier; sind alle weit vom Schuss und ich fühle mich manchmal ganz schön einsam.

Uff. Jetzt hab ich mir doch einiges von der Seele geschrieben.

Würde Dir gern ein bisschen Mut machen. Habe grad selbst nicht allzu viel davon. Und doch sagt irgendwo in mir eine Stimme, dass alles gut wird. Früher oder später.

Ich schicke Dir ganz viele liebe Grüße. Und wünsche Dir Kraft und Zuversicht. Lass Dich nicht unterkriegen!

Krikri

Beitrag von naoko75 30.04.10 - 11:51 Uhr

Hallo Krikri,

ganz lieben Dank für Deine Antwort. Mir ging es echt ganz ähnlich wie Dir, was meine Mutter betrifft. Normalerweise habe ich zu meiner Mutter auch ein etwas distanziertes Verhältnis, was mich manchmal auch traurig macht, weil ich so ein Idealbild im Kopf habe, von Mutter und Tochter, die sich supergut verstehen. Dann als ich die FG hatte und mich doch am Telefon bei ihr ausgeweint habe, habe ich komischerweise gedacht, dass das jetzt vielleicht ein Wendepunkt in unserer Beziehung sein könnte und wir uns näher kommen. Aber es war genau, wie Du es beschrieben hast: Beim nächsten Telefonat ging sie nach einem "Na, geht's Dir wieder gut?" wieder zum Alltäglichen über.

Ich versuche aber jetzt genau das, was Du mir auch geraten hast: meinen Frieden damit machen. Meine Mutter ist halt, wie sie ist, und das werde ich nicht ändern können.

Es tut mir Leid, dass Du Dich so einsam fühlst. Das Gefühl, dass alle weit vom Schuss sind, kenne ich sehr gut. Bin vor zwei Jahren mit meinem Mann umgezogen und hab hier noch nicht so intensive Freundschaften geknüpft, bis auf die eine gute Freundin, die gerade in Urlaub ist. Die zieht blöderweise auch noch im Juni hier weg.

Ich glaube aber wie Du daran, dass alles früher oder später gut wird. Es werden neue Menschen in unser Leben kommen, mit denen wir Freundschaft schließen, Und irgendwann werden wir auch unser Baby im Arm halten.

Ich drück Dich!
Naoko