Arbeiten im elterlichen Betrieb ohne Lohn?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von simoneb 29.04.10 - 22:32 Uhr

Hallo!
Ich brauche mal eure Hilfe, bzw. ich wollte mal eure Meinung hören.
"Wir" haben einen landwirtschaftlichen Betrieb in dem mein Mann, mit meinen Schwiegereltern zusammen arbeitet. Außerdem gibt es einen weiteren Betrieb für den mein Mann zuständig ist und der auch auf seinen Namen läuft. Der Betrieb meiner Schwiegereltern ist auf die Milchproduktion beschränkt und der Betrieb meines Mannes für die Aufzucht der Kälber meines Schwiegervaters. Hierfür bekommt mein Mann auch ein monatliches Gehalt bezahlt (was nicht anreichend die Kosten deckt, aber das ist eine andere Sache). Zusätzlich zu seinem Betrieb arbeitet mein Mann für den Betrieb meines Schwiegervaters. Eigentlich arbeitet er mehr für den Betrieb seines Vaters weil es da einfach mehr Arbeit gibt. Er melkt morgens und abends die Kühe und bewirtschaftet neben seinen eigenen Feldern auch die Felder meines Schwiegervaters. Mein Mann sagt immer er sieht das alles als einen Betrieb. Aber dann müssten wir doch meiner Meinung nach auch finanziell mit an dem Ertrag des elterlichen Betriebes berechtigt sein. Mein Mann arbeitet von morgens früh bis sehr spät abends, oft ist es zwölf bis ein Uhr nachts. Aber wir bekommen nichts! Ich selber arbeite nicht mit in dem Betrieb. Ich führe aber die Buchführung im Betrieb meines Mannes und bekoche oft meinen Schwiegervater, die alte Oma im Haus und unseren Gehilfen wenn meine Schwiegermutter nicht da ist. Mittlerweile bin ich aber auch wieder auf der Suche nach einer Arbeit, damit ich hier ein bißchen raus komme und zusätzlich etwas Geld verdienen kann. Vor einem Jahr haben wir ein eigenes Haus gebaut, davor haben wir bei meinen Schwiegereltern in einer kleinen Wohnung unter dem Dach gewohnt (ohne eigenen Eingang #schock). Zu der Zeit habe ich auch nichts gesagt das er kein Gehalt bekommt, wir ja haben ja immerhin kostenfrei dort gewohnt. Aber jetzt haben wir ein eigenes Haus zu bezahlen, da ändert sich die Sachlage doch. Unsere Beziehnung leidet mittlerweile auch schon unter der ganzen Situation. Mein Mann will einfach nicht einsehen das er meiner Meinung nach und auch der Meinung von einigen Bekannten Anspruch auf ein Gehalt hat. Wir müssen doch auch irgendwo von leben. Mittlerweile sieht es so schlecht aus das die Bank das betriebliche Konto meines Mannes gesperrt hat. Irgendwie scheint das hier aber niemanden außer mich zu interessieren. Mein Mann interessiert sich nur für seine Arbeit, alles andere registriert er garnicht. Auch für uns hat er kaum Zeit, was mich sehr ärgert. Wir haben kein eigenes Familienleben da mein Schwiegervater permanent meinen Mann beansprucht. Während unseres Hausbaus war es kaum möglich das mein Mann etwas hier arbeiten konnte ohne das mein Schwiegervater dauernd anrief und irgendwas von ihm wollte. Ich muß dazu sagen das es meinen Schwiegereltern von Anfang an nicht gefiel das wir unser eigenes Haus bauen. Meine Schwiegermutter hat immer gesagt das sie das nicht durfte ihr eigenes Haus bauen, dabei wollte sie das auch so gerne. Es gibt tausend Sachen worüber ich mich hier aufregen könnte. Ich liebe meinen Mann und ich stehe auch zu ihm, aber manchmal frage ich mich wirklich warum ich das alles hier mit mache. Ich weiß ja auch das Landwirte ein etwas anderes Arbeitsleben haben und das akzeptiere ich ja auch. Aber es muß doch auch mal Zeit für die eigene Familie da sein.
Wie seht ihr die Situation, ich bin gespannt auf eure Antworten.
Danke und eine schönen Abend!

Beitrag von emmapeel62 29.04.10 - 23:00 Uhr

Ihr müsst natürlich genügend zur Verfügung haben um Euren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

ABER:
Wirft denn der Betrieb der Schwiegereltern überhaupt genügend Geld ab um noch ein Gehalt zu zahlen und wem gehört denn später mal der Betrieb ?

Gruß
emmapeel

Beitrag von simoneb 30.04.10 - 15:49 Uhr

Erstmal Danke für deine Antwort!
Der Betrieb wird irgendwann mal uns gehören, mein Mann hat noch einen Bruder der aber mit der Landwirtschaft nicht viel "am Hut" hat und eine Schwester die down syndrom hat. Wie das genau mal ablaufen soll weiß ich auch noch nicht. Ich hoffe wir kriegen die Situation bald in den Griff, es wird glaube ich mal Zeit für ein ernstes Gespräch mit der ganzen Familie.
Ich wünsch dir noch einen schönen Tag!
LG

Beitrag von mineos 30.04.10 - 06:21 Uhr

Hallo,

wenn du die Buchführung machst hast du doch sicher einen Einblick, wie viel auf beiden Seiten übrig bleibt. Ich denke, ich der Landwirtschaft sieht es momentan überall ziemlich mau aus, gerade in der Milchproduktion kann man keine riesigen Gewinne mehr erwarten. Interessant wäre natürlich auch, ob der Hof später mal euch gehören soll, was ja wahrscheinlich ist, oder? Dann bekämt ihr eben später etwas für eure Mühen, wenn ihr gemeinsam so lange durchhaltet.

Ich kenne viele Landwirte, die einfach gerne arbeiten. Egal ob von früh morgens bis abends spät, sie wollen das einfach so. Vielleicht gehört dein Mann auch zu der Sorte? Ich denke auch, dass das in der Landwirtschaft heutzutage auch so notwendig ist, wenn man überleben will. Und wenn ihr den Hof später mal übernehmen wollt wäre das ja auch in eurem Interesse.

LG

Beitrag von simoneb 30.04.10 - 15:59 Uhr

Hallo!
Danke für deine Antwort!
Ja leider sieht es allgemein bei den Bauern etwas mau aus, ich weiß wir sind da keine Ausnahme. Aber mein Mann macht seine Arbeit wirklich sehr gerne. Er lebt und arbeitet gerne für seine Kühe und alles was dazu gehört. Einen Einblick in die Buchführung des Betriebs meiner Schwiegereltern habe ich nicht. Das macht meine Schwiegermutter. Ich hoffe nur das wir später auch wirklich was davon haben das er soviel gearbeitet hat. Den Hof werden wir höchstwahrscheinlich schon später übernehmen. Mein Schwager hat nicht wirklich viel Interesse an der Landwirtschaft und meine Schwägerin hat down syndrom und kann garnichts damit anfangen.
Einen schönen Tag noch!
LG

Beitrag von kathrincat 30.04.10 - 11:24 Uhr

natürlich muss er lohn bekommen, wo leben wir denn, aber wenn den mann so dumm ist und da arbeitet für 0, selber schuld, soll er sich lieber einen anderen job suchen wo er bezalt wird und sienen betrieb nebbei machen.

Beitrag von simoneb 30.04.10 - 16:01 Uhr

Das mit dem anderen Job habe ich ihm auch schon vorgeschlagen. Aber er liebt seine Arbeit und wird sie niemals aufgeben. Zumindest nicht solange es noch irgendwie geht. Schade ist nur das seine ganze Arbeit und Mühe nicht anerkannt wird.
Trotzdem danke für deine Antwort.
LG

Beitrag von kathrincat 30.04.10 - 16:19 Uhr

und wenn er sich was auf einen anderen hof sucht? da wird er bezahlt, und im ernst er kann doch nciht umsonst arbeiten, von was lebt ihr denn?

Beitrag von jeannylie 30.04.10 - 11:37 Uhr

Hi,
Selbstständigkeit und dann auch noch in Branchen in denen man nicht allzuviel verdient sind dazu verdammt mit solchen Problemen konfrontiert zu werden.

Es gibt natürlich immer zwei Sichtweisen. Für Deinen Mann ist es in erster Linie der elterliche Betrieb, wahrscheinlich hat es auch viel damit zu tun dass er sein eigener Chef ist, für ihn ist es einfach selbstverständlich.

Du bist außenstehend. Du siehst die Sache naturgemäß anders. Ob das richtig oder falsch ist? Ich weiß es nicht.

Ich kann Dir mal erzählen wie das bei uns war.
Mein Mann hatte jahrelang einen Handwerksbetrieb.
Der Betrieb lief an sich gut, aber die Margen sind einfach beschissen, so einfach ist das. Der Betrieb hat - für das was man getan hat - nicht genug abgeworfen. Es reichte immer nur zum überleben, inkl. eines großen finaziellen Risikos - an "schöne" Dinge wie Hausbau etc. war nicht zu denken. Der Betrieb ging immer vor.
Man kommt also zwangsläufig an den Punkt wo man sich fragt "Was ist wichtiger?" Eigener Chef zu sein oder der finanzielle/ Sicherheitsaspekt?
ich habe mir jahrelang den Mund fusselig geredet, weil ich der Meinung bin diese Arbeit MUSS entlohnt werden.
Wenn man woanders arbeitet, dann wird man auch dafür bezahlt. Punkt.
Wir hatten leider oft Streit darüber, die Situation ( auch die viele Arbeit, der Stress und trotzdem immer nur so lala Geld zu haben) hat unser komplettes Familienleben beeinträchtigt.
Dein Mann wird sich ebenso wenig vor die Wahl stellen lassen.
Bei uns kam das dann so: Ich habe mir irgendwann gedacht, wenn ER schon nicht will, ich werde aus diesem fahrenden Karussell aussteigen. Ich habe dann angefangen Umschulungen zu machen, habe studiert usw. Für mich war das dann irgendwann SEIN Privatvergnügen. Denn er WOLLTE ja diese Situation. Erwachsener Mann - freier Wille. So muss man das sehen.
Er hat mir auch die Unterstützung die mir als Partnerin zusteht zukommen lassen, das habe ich allerdings auch klar eingefordert.
Irgendwann habe ich ihm dann auch mitgeteilt dass ich diesem Betrieb nicht mehr zur Verfügung stehe. Ich habe mir einen eigenen Job gesucht und die Vorteile des fest angestellt sein genossen.

Die klare Trennung war wichtig für mich, weil ich ja ander Gesamtsituation nichts ändern konnte.
Seine Situation besserte sich aber nicht. Es hat noch Jahre gedauert, bis er kapiert hat dass das was da abgeht nicht das richtige sein kann!

Glücklicherweise hat sich dann darüber doch noch alles gefügt. Das Ende vom Lied war, dass mein Mann eingesehen hat dass es bessere Alternativen gibt. Wir haben den Betrieb geschlossen (nicht insolvent, sondern kontrolliert zugemacht). Jetzt hat er einen festen Job und er liebt die Vorteile die sich daraus ergeben. Aber bis er das kapiert hat (und mancher lernts nie) mußte er Mitte 30 werden, einen Bandcheibenvorfall, Neurodermitis und Bluthochdruck über sich ergehen lassen. In dem Alter!!

Also was ich in kurzform nochmal sagen will:
Versuche Deine eigene Umgangsweise damit zu finden, fordere aber auch für die Familie wichtige Dinge ein (Geld, Zeit). Dann ist es auch sein Problem, dass er lösen muss.

LG
Jeannylie

Beitrag von simoneb 30.04.10 - 16:09 Uhr

Vielen lieben Dank für deine sehr ausführliche Antwort!
Ich weiß das ich nicht die einzigste bin die in einer solchen Situation steckt. Ich werde versuchen das Beste daraus zu machen und mich damit abzufinden. Aber gleichzeitig versuche ich auch etwas für mich zu tun. Da ich ja eh nicht richtig im Betrieb mitarbeite, außer halt die Buchhaltungssachen für meinen Mann, suche ich mir eine eigene Arbeit. Das tut mir gut und ich komme wieder mehr unter Leute. Trotz allem muß mal ein ernstes Gespräch innerhalb der Familie geführt werden.
Ich wünsche dir einen schönen Tag!
LG

Beitrag von morjachka 30.04.10 - 12:53 Uhr

Hallo!

Ich arbeite auch gratis "zuhause" oder nehme woanders Sommerjobs an, das Geld fliesst direkt auf das Konto meines Bruders.
Ich lebe vom Trinkgeld der Sommerjobs oder von Arbeiten die ich neben dem Betrieb mache, Artzbesuche, Klamottenkauft usw werden manchmal verschoben.

Ich verstehe eure Situation ganz und gar. Ich weiss auch nicht, wieso ich meiner Familie noch helfe, warscheinlich aus Pflichtgefühl, mein Bruder hat halt nichts gelernt.
Oder weil der Betrieb UNS gehört...

Versuche als Schwiegertochter auch woanders zu arbeiten, da fühlt man sich einfach erfüllter.

Beitrag von alpenbaby711 30.04.10 - 13:24 Uhr

tja, solange dein Mann das nicht einsieht wirste nicht helfen können. Was aber ich mich frage: Wieso baut ihr ein Haus wenn eigentlich monatlich gar kein Geld dafür da ist????
Ela

Beitrag von simoneb 30.04.10 - 16:14 Uhr

Danke für deine Antwort!
Vielleicht kommt die Einsicht bei meinem Mann ja auch noch irgendwann. Ich versuche das beste aus der Situation zu machen. Der Hausbau damals war dringend nötig, da wir mit meinen Schwiegereltern in selben Haus gewohnt haben und keinerlei Privatsphäre hatten. Außerdem hatte sich Nachwuchs angekündigt und die Wohnung war zu klein. Eigentlich sollte der elterliche Betrieb uns auch finanziell mit unterstützen, aber davon habe ich bisher noch nicht viel gesehen. Von der Bank war das alles so abgesegnet, sonst hätten wir ja keinen Kredit bekommen.
LG

Beitrag von alpenbaby711 02.05.10 - 14:51 Uhr

Gut Ok die Bank wird sich normalerweise schon richtig absichern bevor sie ein OK gibt. Aber sagen wirs mal so wenn ihr neuen Platz gebraucht habt hätte ich vielleicht erstmal ne Wohnung genommen.
Ela

Beitrag von mrs.mrsmrs 01.05.10 - 08:50 Uhr

Liebe simoneb,

gehe ich richtig in der Annahme, daß Du ursprünglich nicht aus der Landwirtschaft stammst?
Wenn dem so ist, kann ich Deinen Frust schon verstehen. Weiters nehme ich an, der Bauplatz, auf dem das neue Haus steht, gehörte zum Hof?
Zum Finanziellen mag ich so nichts sagen, denn die wirtschaftliche Gesamtsituation hast Du schon gut erfasst und wenn Deine SE einen Milchviehbetrieb haben, schaut dort eher noch schlechter aus als bei euch in der Kälberzucht.

Ich finde es gut für Dich, daß Du Dir jetzt einen aushäusigen Job suchen willst. Nicht nur wegen dem Geld. Aber was machst Du, bis es soweit ist? Was machst Du den ganzen Tag außer Buchführung, Haushalt und Kinder?
Für einen Bauern ist der Betrieb oft das ganze Leben. Er wird nie einen so geregelten Tagesablauf haben als wenn er irgendwo angestellt wäre. Das ist für Frauen, die das nicht von klein auf so kennen, oft ein Problem, habe ich festgestellt.
Warum gehst Du nicht mit in den Stall, wenn Dein Mann dort arbeitet? Die Kids kann man mitnehmen oder vielleicht mag Deine Schwiegermama drauf aufpassen, wenn sie noch sehr klein sind. Den Umgang mit dem Rindvieh kann man lernen. Das ist echt nicht so schwer, keine Angst. Dann würdet ihr Zeit gemeinsam verbringen.

Beitrag von elodia1980 02.05.10 - 13:57 Uhr

Hallo,

frag deinen Mann mal, ob er Lust hat, sich eines Tages auf dem Sterbebett zu sagen: "Schade, dass ich nicht noch ein bisschen mehr für lau gearbeitet habe."

Ich kann über diese ganze Situation nur den Kopf schütteln. Sich krumm machen ohne einen Pfennig? Die eigene Familie vernachlässigen für nichts? Dieses Theater hätte ich mir garantiert nicht lange angetan, schon gar nicht, wenn der Mann derart uneinsichtig ist. Allerdings würde ich auch niemals auf dem Grundstück der Eltern / Schwiegereltern ein Haus bauen. Irgendwann ist es doch wohl mal an der Zeit, dass man sich frei macht und die Füße auf den Boden bekommt. Und in dir haben sie ja eine schöne Mutter Teresa für den Hof gefunden...

Allerdings kannst du wenig bis gar nichts unternehmen, denn dein Mann ist derjenige, der die Situation schafft und beibehält. Du musst also wissen, wie lange du es ertragen kannst, denn du wirst ihn schwer überzeugen können.

Alles Gute, E.