Vergewaltigung und Partnerschaft...

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von die Fragende.... 30.04.10 - 09:59 Uhr

Hallo

ich habe vor einer Weile eine Therapie angefangen, um mich mit den Folgen meiner Vergewaltigung auseinanderzusetzen.
Ein Aspekt dabei ist meine Partnerschaft. Ich versuche, die Situation einmal kurz zu umreissen.
Mein Mann und ich haben uns vor einigen Jahren getrennt. Einer der Gründe war aus meiner Sicht, dass wir sexuell nicht zusammen harmonierten. Sexualität war für mich kein elementarer, aber wichtiger Bestandteil einer Partnerschaft. Er hatte so gut wie keine Libido. In dieser Hinsicht passten wir nicht zusammen.
In der Zeit der Trennung ist das mit der Vergewaltigung passiert.

Mein Mann und ich haben, wie es so schön heißt, nach einer Weile wieder zueinander gefunden.
Kernproblem bei uns ist natürlich immer noch die nichtvorhandene Sexualität. Wir haben das letzte Mal vor einem Jahr miteinander geschlafen.
Nun mache ich, wie erwähnt, eine Therapie. Und ich habe mir die Frage gestellt, ob ich vielleicht auch aus dem Grund zu meinem Mann zurückgekehrt bin, um in Zukunft vor Sex sicher zu sein.

Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte ich das vehement abgestritten und steif und fest behauptet, ich könnte die Vergewaltigung von Sex trennen. Mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Gibt es hier vielleicht Frauen, die ebensolche unbewussten Entscheidungen getroffen haben? Wie seid ihr damit umgegangen?

Denn einerseits ist der Sex aus meinem Leben entfernt und ich verspüre deshalb einen gewissen Leidensdruck. Andererseits frage ich mich, ob ich insgeheim nicht sogar erleichtert darüber bin.

Vielen Dank

Beitrag von die Fragende.... 30.04.10 - 10:07 Uhr

Vielleicht sollte ich noch explizit erwähnen, dass nicht mein Mann mich vergewaltigt hat #aha, bevor Missverständisse auftreten.

Beitrag von susi790 30.04.10 - 10:23 Uhr

Hallo,

es kommt darauf an, ob du darüber hinweg bist.
Das was passiert ist mit normalem Sex zu trennen ist schwierig, denn in einer gewissen Weise erinnert man sich trotzdem wieder.
Nach meiner Vergewaltigung hab ich lange gebraucht, um wieder normalen Sex zu haben.


Ja, was macht man mit einem Sexmuffel. Scharfmachen?
Da es ihm ja nicht zu fehlen scheint, doch Du darunter leidest, würde ich sagen, dass er sich mal untersuchen lassen soll.
Vielleicht hat er schlimmes erlebt, oder er wirklich keine Lust hat, solls ja auch geben.

Das wieder Zueinanderfinden kann auch ein Grund sein, weil Ihr euch vertraut seid. Du in der Zeit vielleicht nicht einen anderen festen Partner hattest oder wolltest, aufgrund von den Geschehnissen.
Frag ihn doch mal, warum er keine Lust hat oder was ihn anturnt.
Liebe Grüsse



Beitrag von die Fragende.... 30.04.10 - 10:29 Uhr

Susi, deine Antwort ist sicherlich sehr lieb gemeint, aber bringt mir jetzt nicht so viel, da die Sexunlust meines Mannes einfach mal aus dem Fokus gehört.

>Frag ihn doch mal, warum er keine Lust hat oder was ihn anturnt.<

Kurz geantwortet, ich weiß, weshalb. Ich weiß auch, weshalb er daran nichts ändern möchte. Um ihn geht es jedoch in meiner Frage nicht. Es geht um mich und meine Gründe oder Motive, weiterhin in einer Partnerschaft ohne Sexualität zu verbleiben.

>Nach meiner Vergewaltigung hab ich lange gebraucht, um wieder normalen Sex zu haben.<

Ich nicht- so habe ich zumindest bis vor einer Weile gedacht. Ein Monat nach meiner Vergewaltigung hatte ich einen ONS, um es "mir selbst zu beweisen" und bis vor einer Weile dachte ich wirklich, dass mein Verhalten zur Sexualität unverändert ok wäre.
Das kommt jetzt ins Wanken.

Beitrag von sandycheeks 30.04.10 - 19:55 Uhr

Sei mir nicht böse, aber ich befürchte das dieses Forum Deine Fragen nicht beantworten wird. Dein Therapeut ist der bessere Ansprechpartner.

Selbst wenn andere Frauen nach einem Erlebnis sexueller Gewalt einen sexdesinteressierten Mann gewählt haben, um "vor Sex sicher zu sein", heißt das nicht das das bei Dir auch so sein muss.

Ob Deine Motivation (unbewußt) daher rührt kannst Du nur mit Hilfe des Therapeuten herausfinden.

Und wenn das so ist, wie bringt Dich das Wissen weiter? Leidest Du darunter jetzt kein "normales Sexleben" mehr zu haben? Oder ist es für Dich ok?

Wenn Du Leidensdruck hast, weil Du den Sex nicht mehr genießen kannst, dann wirst Du ja auf Dauer mit dem Mann auch nicht (mehr) glücklich.

Mach jetzt einfach mal Deine Therapie und arbeite das Geschehene auf und sprich mit dem Therapeuten natürlich auch über Dein Gefühl einfach nicht mehr unbefangen Sex haben zu können. Denn genau DAS ist ja das Ziel der Therapie, das Erlebte zu verarbeiten um wieder eine normales Leben führen zu können.

Beitrag von witch71 30.04.10 - 10:42 Uhr

Frag Dich mal Folgendes:

Liebst Du Deinen Mann?

Und falls spontan ein "ja" kommt:

Was liebst Du denn an Deinem Mann?

Beitrag von die Fragende.... 30.04.10 - 10:45 Uhr

Meine Antwort: Ich weiß es nicht!

Beitrag von witch71 30.04.10 - 10:47 Uhr

Hat er Dir denn gefehlt in der Zeit, als Ihr auseinander wart? Er, als Person, oder er als "jemand der für mich da ist"?

Beitrag von die Fragende.... 30.04.10 - 10:54 Uhr

Wir sind damals im Guten auseinander gegangen, trotzdem hat er mir gefehlt, andererseits war ich erleichtert, meine Lebens- Lust und Libido nicht länger unterdrücken zu müssen. Bis die Sache mit der Vergewaltigung passiert ist.

Seitdem sind acht Jahre vergangen und wir führen eine gute Ehe, nach innen und außen eher harmonisch, natürlich kracht es mal, aber die Leidenschaft, die einmal ein Wesenszug von mir war, eine Triebfeder, eine Motivation, ist völlig verloren. Ich versuche zu ergründen, woran das liegt, um nicht immer wieder Feuer unter der alten Diskussion "seine Sexunlust" zu entzünden, wenn ich mittlerweile vielleicht auch einen großen Anteil daran habe.

Ist das Liebe? Für einen Beziehungspartner?
Oder den besten Freund, einen Menschen, den man wertschätzt, respektiert?

Beitrag von susi790 30.04.10 - 10:50 Uhr

Freust Du Dich, wenn er nach Hause kommt?
Redet Ihr viel?
Vertraut Ihr Euch blind?

Es ist irgendwann schwierig zu sagen, ob es Liebe oder einfach Gewohnheit ist.

Beitrag von die Fragende.... 30.04.10 - 10:57 Uhr

Ich kann all deine Fragen mit einem JA beantworten und das aus tiefstem Herzen.

Und nun muss ich für mich herausfinden, wie es weitergeht. Liebe ohne Sex?
Für immer?
Wollte ich das so?
Oder hat ein Mechanismus in mir die Entscheidung für mich getroffen, um mich zu schützen?

Beitrag von susi790 30.04.10 - 12:24 Uhr

Das ist gut.
Man kann es auch von der anderen Seite betrachten.
Lieber einen Mann, der weniger will, als einer der am Tag 3 mal will. Dein Mechanismus, wie du es nennst, möchte Dir vielleicht etwas Ruhe in der Hinsicht gönnen. Doch auf Dauer kann es zu einem Problem werden, wenn er immer keine Lust hat.Da würde ich schon mit ihm reden, um dass es vielleicht 1 mal pro Monat, dann 1 mal in 3 Wochen usw.
Vielleicht pendelt es sich irgendwann ein, aber weiss mans.
Aus Liebe gibt man vieles auf, auch Sex.

Beitrag von Tanate 30.04.10 - 10:44 Uhr

Das du die Therapie machst finde ich super. kannst du auch mit deinem Mann darüber sprechen oder ist es für ihn ein Tabu Thema?
Hattest du nach der Vergewaltigung denn überhaupt noch mal Sex mit deinen Mann i der letzten Zeit oder so?


Ich habe die Erfahrung gemacht das mein Partner zu der Zeit mir diesen Halt den ich für das Sexuele brauchte nicht geben konnte. Und habe gedacht ok brauch oder will ich nicht mehr.

Wir haben uns getrennt und der nachste Partner auf den ich mich eingelassen habe (sind nun auch seit 6 jahren zusaamen) konnte mir verständniss halt etc. geben, sodass ich nach einiger Zeit auch mit ihm geschlafen habe und es für mich richtig war und auch wieder schön ohne angst #herzlich

Beitrag von nordseeengel1979 30.04.10 - 14:03 Uhr

Hallo liebe Fragende :-)

Sowas ähnliches hatte ich auch ;-) siehe Link in VK...

Ich hatte das erst so, dass ich mich mit jedem fremden Mann ausm Internet getroffen hab und auf gut Deutsch durch die Weltgeschichte gevögelt hab :-(

Nur mit meinem Partnern ( hab ich nie während einer Partnerschaft gemacht ) konnte ich nie Sex haben, das ging mir alles zu nahe.

Mit meinem jetzigen Partner geht alles wunderbar ( wir haben auch gerade eine Tochter bekommen ), aber da gehörte viel reden, reden, reden zu und langsames "lernen" der normalen Sexualität und vieeeeel Geduld des Partners.

Ist es wirklich Dein Traummann ?
Was sind genau Deine Hemmungen ?

Ich wünsche Dir, dass bei Dir auch wieder klappt ;-) Sprich das mit dem Therapeuten an, so dass ihr das Thema vertiefen könnt, das ist wichtig...

Lg Nordseeengel