stehlen - bitte auch jazzbassist, wenn moeglich

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von girland 01.05.10 - 13:56 Uhr

Hallo,

wir haben momentan ein riesiges Problem mit unserem 7jaehrigen.

Er hat vor kurzem schon einmal zusammen mit einem Freund etwas aus einem Garten in der Siedlung genommen. Wir haben einen Riesenaufstand gemacht, er musste sich entschuldigen gehen und einen Entschuldigungsbrief schreiben sowie 2 Euro von seinem Taschengeld dazustecken. Er wurde auch bestraft, mit Suessigkeiten- und Fernsehverbot. Wir haben lange mit ihm darueber geredet und ihm sogar die 10 Gebote aus der Kinderbibel vorgelesen (er liest gerne daraus vor, das war also nicht Teil der Strafe).

Das Thema Strafe hatte ich vor kurzem hier schon einmal ueber den Post von jemand anderen mit jazzbassist angesprochen. Kurz gefasst ging es darum, dass Kinder Missetaten nicht deshalb unterlassen, weil sie die Strafe fuerchten, sondern weil sie den Eltern das nicht "antun" wollen bzw den moralischen Hintergrund verstehen.

Nun hat mich gerade mein Mann angerufen, dass unser 7jaehriger heute im Laden ein kleines Spielzeug mitgehen lassen hat. Mein Mann kam nur dahinter, weil der kleine 3jaerhrige Bruder die Wahrheit gesagt hat (das mit dem Luegen "koennen" sie wohl erst spaeter). Unser 7jaehriger hat naemlich gelogen und behauptet, er haette das Teil draussen gefunden!

Ich weiss langsam nicht mehr, was ich machen soll. Ich wuerde ihm so gerne vertrauen (wie jazzbassist hier vor kurzem beschrieb: "Bei meinem Spatz hat oftmals geholfen, einfach mal eine Geschichte aus der Kindheit seiner Eltern zu hören (irgendwie haben wir ja die meisten Situationen auch selbst mal durchlebt), ohne ihm da irgendwelche Vorwürfe oder Anschuldigungen zu machen, einfach als eine kleine Moral. Und ihm danach einfach noch mal gesagt, dass ich gerne noch mal seine Sicht der Dinge hören würde und ihm dabei noch mal gesagt, dass, egal was er mir dabei erzählt, ich ihm glaube, wir danach dann noch mal ganz toll knuddeln und das Thema dann vergessen ist und wir schlafen gehen. Ihm also einfach unbewusst klar zu machen, dass ich stolzer auf ein Kind bin, dass einen Fehler macht und diesen einfach zugeben kann, als hier einfach die Wahrheit etwas zu biegen und so zu tun, als ob man alles richtig gemacht hätte. Und dem Kind hier einfach noch mal die Angst vor einer „Strafe“ oder „enttäuschten Eltern“ zu nehmen. Die letzten 11 Jahre hat das bei uns ganz vortrefflich funktioniert. Selbst wenn einem dann wirklich mal etwas „spanisch“ vorkommt, kann man sich eigentlich ziemlich sicher sein, dass es zumindest kein zweites Mal mehr vorkommen wird. Das ist das schöne an Fehlern - man lernt aus ihnen! Ich würde in Ihrer Situation also auf gar keinen Fall anfangen, da zu versuchen, irgendetwas "hineinzuinterpretieren". ")

... aber leider kann ich das nicht mehr! Es ist zu viel in diese Richtung passiert. #heul

Ich schaeme mich ganz schrecklich fuer meinen Sohn. Ich habe ausserdem Angst, dass er bald als Dieb verschrien sein wird und dadurch zum Aussenseiter wird.

Was hat er nur? Ist das die Suche nach Aufmerksamkeit? Wir haben 3 Kinder und ich arbeite Teilzeit, mein Mann ist allerdings momentan Vollzeit-Papa, so dass er schon Aufmerksamkeit kriegt, allerdings zugegebenermassen nicht allzuviel 1-zu-1-Zeit.

Sind 7jaehrige nicht in der Lage, richtig von falsch zu unterscheiden?

Nun muessen wir uns heute Abend nochmals mit ihm hinsetzen. Wie koennen wir es nur anstellen, dass er VERSTEHT, wie schlimm das ist????

Bitte um Hilfe!

G.

Beitrag von kawatina 01.05.10 - 14:11 Uhr

Hallo,

frag einen Polizisten ob du mit ihm aufs Revier kommen kannst.
Manchmal hilft die Schocktherapie.;-)


LG
Tina

Beitrag von girland 01.05.10 - 17:53 Uhr

Hallo Tina,

dafür fehlt mir ganz ehrlich gesagt der Mut. Ich weiss, das spricht nicht gerade für mich aber ich glaube ich würde da echt vor lauter Scham/Enttäuschung/Wut in Tränen ausbrechen.

Wir wohnen noch dazu im Ausland und das Polizeisystem hier ist uns auch nach vielen Jahren nicht wirklich 100% vertraut.

Tja, diese klauenden Ausländer ... jetzt muss ich fast zwischen Tränen lachen hier! #heul :-D


Beitrag von lisasimpson 01.05.10 - 19:50 Uhr

Hallo!

bin nicht der jazzman- würde aber gerne nochmal auf das verweisen, was ich schon im letzten Thread übe rdsa thema lügen gesagt habe

nun ja, wenn ich mal kurz überlege aus welche ngründen menschen gemein hin lügen, würden mir z.B einfallen
- sie wollen entwas unangenehems vermieden
- sie wollen in den genuß von etwas angenehemen kommen
-sie wollen soziale anerkennung und denken, daß sie diese mit der wahrnehit wengier bekommen
- sie wollen erwartungen erfüllen
...

Also warum dein sohn dir nicht die wahrheit sagt, ist dir ja sicherlich klar, oder?!

Ob ein 7 jähriger "richtig" von "falsch" unterscheiden kann- ist so nicht einfach zu beantworten - in dem konkreten fall würde ich aber davon ausgehen, daß dein Sohn wußte, wie ihr als eltern den diebstahl werten würdert und daher auch wußte, daß es in euren augen "falsch" war ds auto zu klauen.

Diese Diebstähle sind im alter deines sohne völlig normal und müsse nnichts damit zu tun haben, daß dein sohn sich vernachlässigt vorkommt (kann natürlich durchaus trozdem sein oder sollte im auge behalten werden).
Auch wird ein solcher deibstahl nicht seine weiter "karriere" beinflussen.
was uns aber sher wohl beinflußt ist ds bild, daß wichtige menschen von uns haben.
Das bild der eltern vom eigenen kind (aber uach das bild des lehreres vom schüler z.B.) entscheiden sehr stark darüber wie das selsbtbild sic hentwicklet und welches verhalten häufiger gezeigt wird.

daher wäre es fatal jetzt zu denken, dein sohn wäre ein "dieb", ein "ausenseiter", jemand, für den sich seine eltern schämen müßten.

Keine sorge- er versteht, daß es für euch schlimm ist, was er gemacht hat. Aber vielleicht überdramatisiert ihr dsa ganze auch ein bißchen.
Er hat sich alterstypisch verhalten. Er lernt in seinem alter nun auch die regeln außerhalb der eigenen familie kennen und probiert dort aus. er hat der versuchung nicht widerstehen können und etwas getan, was gegen die regel ist.
ihr habt darauf reagiert in einem maße, daß er in zukunft nicht mher offen mit euch darüber sprechen wird, denn er wird von euch verständnislosigkeit, beschämung, entsetzen und strafe erwarten- er wird also alles tun um dies zu vermeiden.

lisasimpson

Beitrag von jazzbassist 01.05.10 - 21:36 Uhr

Ich denke schon, dass ein 7-Jähriger sehr gut zwischen richtig und falsch unterscheiden kann; gerade was Diebstahl angeht.

Auf der anderen Seite erklärt der Gesetzgeber im deutschen Strafrecht die Schuldunfähigkeit von Kindern, die bei Begehung der Tat noch nicht vierzehn Jahre alt sind. Es gibt im ganzen StGB kein einziges spezielleres Gesetz, das den § 18 (Schuldunfähigkeit) nach lex specialis derogat legi generali verdrängen könnte; auch nicht Diebstahl. Scheinbar bedarf es also weitaus mehr als nur das Erkennen von richtig oder falsch, um auch die „Schuld“ für ein falsches Handeln tragen/erkennen zu können. Wenn ihr Sohn also per Gesetz weder Schuld sein kann, noch in der Lage ist, die Folgekette seiner Handlungen zu überblicken (§ 828 I BGB, Deliktfähigkeit erst ab dem 8. Lebensjahr), gibt es also keinen Grund, sich für ihn zu schämen.

Eltern sollten sich für ihre Kinder ohnehin nie schämen - es sind halt Kinder. Wir wählen diesen Begriff nicht nur darum, weil die kleiner sind als Erwachsene. Sie sind einfach noch keine Erwachsenen, sondern erst noch dabei, diesen steinigen Weg zu gehen. Das heißt manchmal, zu schleichen, manchmal zu rennen, manchmal auch, hinzufallen. Das ist nichts schlimmes - es zeigt einfach nur, wie schwierig dieser Weg ist, erwachsen zu werden. Und das ein Kind diesen nur sicher meistern kann, wenn es Eltern hat, die immer hinter diesem stehen. Die ihn manchmal ein wenig anstuppsen, manchmal ein wenig bremsen und ihm immer wieder helfen, aufzustehen.

Ich würde hier erst mal versuchen, herauszufinden, wie es überhaupt zu den beiden Situationen kam. Wenn zwei 7-Jährige alleine durch die Gärten ziehen, kommen die manchmal ziemlich grundlos auf ziemlich bescheuerte Ideen; ohne irgendetwas böse zu meinen. Da stichelt einer den anderen an und dann passieren solche Dinge halt. Und die passieren wesentlich häufiger, als wir denken; wir haben nur das Glück, dass die nicht immer dabei erwischt werden und wir das einfach nicht mitkriegen. Das hat wenig mit "ungezogen" zu tun, sondern fällt einfach unter dem Begriff "Lausebuben". Man sollte da nicht den pädagogischen Notstand aufrufen; manche Dinge werden einfach passieren und es wird dafür keine Erklärung geben. Wir können es auch durch aggressive Erziehung nicht präventiv vermeiden.

Das Einzige, was wir dadurch erreichen können, ist, dass ein Kind hier gänzlich das Vertrauen zu seinen Eltern verliert und das nächste mal halt sagt: "Nein, dass Spielzeug habe ich gefunden." Sie haben das letzte mal einen reisen Aufstand gemacht, ihn bloßgestellt, gedemütigt, seines Taschengeldes beraubt, Süßigkeiten- und Fernsehverbot gegeben und ihm auch noch mit der Bibel konfrontiert. Ich bin mir sicher, dass Sie es nur gut gemeint haben, befürchte jedoch, dass sie damit weit über das Erziehungsziel hinausgeschossen sind. Erziehung sollte eigentlich als Symbiose funktionieren - dazu gehört, dass ein Kind seinen Eltern vertrauen muss und auch, dass Eltern ihren Kindern vertrauen müssen.

Das heißt für Kinder nicht, dass die dieses Vertrauen nicht sehr weit strecken und manchmal auch einfach brechen werden. Darum nennen wir sie Kinder - weil sie erst lernen müssen, erwachsne zu werden. Das heißt auch für Eltern nicht, dass wir mit unseren Kindern kein "ernstes Wort" mehr sprechen dürfen oder wir sie nicht bestrafen dürfen. Es gibt nur eine unsichtbare Grenze, die dabei nicht überschritten werden sollte; nämlich die des Kindes. Eine Strafe muss angemessen sein, so das ein Kind die Möglichkeit hat, diese als Konsequenz seines Handelns zu akzeptieren. Zum Erwachsen werden gehört, selbstständige Entscheidungen zu treffen (gute, sowie weniger gute) und auch, die Konsequenzen dieser Entscheidungen zu tragen. Das ist alles andere als selbstverständlich.

Eine Grundvoraussetzung ist jedoch, dafür überhaupt geradestehen zu können. Mein Sohn hätte es mit 7 Jahren nicht gekonnt, wenn die Konsequenz die Kette gewesen wäre, die Ihr Sohn beim ersten mal durchlitten hat; ich glaube auch, dass kein anderer 7-Jähriger dafür danach noch hätte gerade stehen können. Außerdem war es ja genau das, was Sie durch diese Kette von Konsequenzen erreichen wollten; dass diese so unangenehm ist, dass er sie kein zweites mal mehr durchleiden möchte. Genau das versucht ein Kind dann durch lügen zu erreichen. Es ist - um es in mit dem Pragmatismus von Spock auszudrücken (wir haben gestern Abend Star Trek mit unserem Spatz geguckt :-p) logisch. Ich kann nur für etwas gerade stehen, wenn die Strafe/Konsequenz fair und angemessen ist; mit allem anderen würde ich mir nur selbst schaden.

Man kann bei Kindern einen ganz magischen Prozess anstoßen, nämlich, die einfach mal zu fragen, was sie selbst für eine angemessene Strafe halten würden. Einem Kind bleibt kaum etwas anderes übrig, als selbst noch einmal zu reflektieren, was überhaupt vorgefallen ist. Es mit anderen „Streichen“ zu vergleichen, die er sich in der Vergangenheit erlaubt hat. Es mit seinem eigenen Verständnis von Recht und Unrecht abzuwägen; vielleicht mit anderen Strafen, die er bereits bekommen hat. Für ein Kind ist das ein unvorstellbar schwerer Weg; sie sollten hier unbedingt Rücksicht auf ihn nehmen. Neurologisch ist das dass reinste Feuerwerk, dass Sie nie erreichen könnten, wenn sie einfach die Strafe aussprechen würden. Dann heißt es ja nur noch - Strafe absitzen und danach auf ins nächste Abenteuer. Er kann ja ohnehin nichts mehr daran ändern.

Und vielleicht steht er dann wieder mit seinem besten Freund vor einem fremden Garten, und der Freund sagt: „Feigling, traust dich ja doch nicht.“ Wir alle waren mal Kinder und wissen sicherlich noch, wie schwer bis unmöglich es war, dass einzige Kind zu sein, dass eben doch nicht von der Brücke springt. Als Erwachsener sagt sich das einfach, weil wir erwachsen sind uns mit erwachsenen umgeben, die (meistens) erwachsen handeln. Vielleicht war es solch - oder eine ähnliche - Situation, die ihren Sohn beim ersten mal verleitet hat, hier etwas zu tun, von dem er bereits wusste, dass es eigentlich falsch ist. Dann hilft ihm aber keine Strafe der Welt, diesen Konflikt beim nächsten mal besser zu lösen; er hätte ja dann schon beim ersten mal bewiesen, dass er ihn alleine (noch) nicht lösen kann.

Es ist manchmal ziemlich schwierig, Kind zu sein. Meiner (11) möchte in 2 Monaten auf ein Punkrockfestival in Münster; er hat seiner Cousine wahrscheinlich seine Seele verkauft, damit diese sich bereiterklärt hat, für ihn die volljährige Begleitperson zu spielt. Er hat danach ein Meer von Tränen vergossen, um auch seine Eltern davon zu „überzeugen“, dass er nicht zu jung für so ein Event ist. Was soll er auch noch anderes tun, als wütend die Türen zuzuknallen und sich in seinem KiZi einzusperren?

Manchmal sind die Gründe dafür, warum sich Kinder „so“ verhalten, ziemlich offensichtlich. In Ihrem Fall sind die gerade etwas schwerer zu ergründen; es lohnt sich jedoch, sich auf die Suche danach zu begeben. Am einfachsten wird es hier sein, einfach mal das Kind zu fragen, warum es das Spielzeug hat mitgehen lassen. Die können sich in dem Alter bereits ganz vortrefflich artikulieren; das klappt aber nur, wenn er Ihnen hier vertrauen kann. Man kann da ein bisschen nachhelfen, wenn man eine Atmosphäre schafft, in der sich ein Kind sicher und wohl behütet fühlt. Bei meinem Spatz ging das am besten, wenn wir ihn abends ins Bett gebracht und noch mal ganz lange mit ihm gekuschelt und geschmust haben.

Die meisten Dinge, die unsere Sprösslinge anstellen, passieren nun mal morgens/mittags und - oftmals kriegen die es ja auch hin, uns so richtig auf die Palme zu bringen. So haben alle Beteiligten (Eltern/Kind) die Möglichkeit, sich bis zum Abend wieder etwas zu beruhigen. Zum einen hilft das, überhaupt ein sinnvolles/menschliches/sachliches Gespräch mit einem Kind zu führen; zum anderen bewahrt es Eltern davor, überzureagieren und ein Kind sämtliche Strafen aufzubrummen, die einem so spontan eingefallen sind.

Es kann oftmals ganz rationale Gründe dafür geben, warum ein Kind ein Spielzeug „gestohlen“ hat. Diese können Kinder dann auch artikulieren. Erwarten Sie hier aber nichts, was sein Verhalten entschuldigen könnte. Aber, 7 Jahre alt zu sein, heißt auch, dass Recht haben zu dürfen, die Welt mit den Augen eines 7-Jährigen sehen zu dürfen. Vielleicht bekommt er aus seinen Augen zu wenig Taschengeld, oder nie etwas nebenbei, sein kleiner Bruder aber immer mal wieder. Vielleicht musste er dieses Spielzeug unbedingt haben, da sein bester Freund es auch hat. Das wird oftmals nicht der objektiven Betrachtungsweise eines Erwachsenen standhalten; mit den Augen eines Kindes war es aber trotzdem legitim. Verstehen kann er dann nur, wenn Sie zuhören. Selbst logische Dinge sind für Kinder oftmals nicht zu erkennen. Ein Kind muss diese lernen und begreifen, um sie verstehen zu können.

Aristoteles hat bereits im 4. Jahrhundert vor Christus erkannt, dass die Erde eine Kugel sein muss, er konnte das sogar begründen. Die katholische Kirche hat das 2000 Jahre später noch immer geleugnet. Der Apfel ist vor nicht einmal 400 Jahren auf Isaac Newtons Rübe geknallt. Wir finden noch Zeitzeugen, die miterlebt haben, wie eine ganze Nation Raub auf Hab, Gut und Leben einer ganzen Rasse gemacht hat. Das, was wir heute Gesellschaft nennen, hat Jahrtausende gebraucht, sich zu entwickeln; so selbstverständlich uns Erwachsenen das auch erscheinen mag. Kein Kind wird mit dieser Fähigkeit, sich in einer Gesellschaft zurecht zu finden, geboren; es ist ein Prozess, der nur durch Erziehung erreichbar ist, der nicht von heute auf morgen geschieht, nicht erzwingbar ist, sondern Zeit und Verständnis bedarf. Erziehung ist genau, diesen Weg mit einem Kind gemeinsam zu gehen, nicht aufzugeben und vor allem nicht, einem Kind zu zeigen, dass man sich für dieses schämt. Es bedarf oftmals einfach mehrere Anläufe.

Beitrag von lisasimpson 01.05.10 - 22:22 Uhr

hach- schööön!

ich mags ja sehr, wenns schnulzig wird:)

lisasimpson

Beitrag von jazzbassist 02.05.10 - 00:13 Uhr

Sollte Sat 1 irgendwann mal eine neue Telenovela suchen, werde ich mich mal als Drehbuchautor bewerben. Was halten Sie von dem Arbeitstitel „Verknallt in Hannah Montana“?

Beitrag von lisasimpson 02.05.10 - 07:53 Uhr

ich weiß, daß es peinlich ist, aber ich kenn Hanna Montan noch nicht mal (lese immer nur hier von Ihnen darüber:)

aber ja- Liebe, schnulz und moral- das ist ne schöne mischung für den samstag abend:)

lisasimpson

Beitrag von jazzbassist 02.05.10 - 11:42 Uhr

Hannah Montana lässt sich ganz leicht erklären.

Stellen Sie sich vor, die Erde ist eine von Elefanten getragene Scheibe, Sie sind über dann Tellerrand gesprungen und nach einem sehr sehr langen Fall irgendwann auf den Boden geschlagen. Das ist der Moment, wenn ihr 8-Jähriges Kind anfängt, Skinny Jeans in Neonfarben zu tragen. Am Leben hält sie einzig die Erkenntnis: „Das ist der Tiefpunkt, hier kann es nicht mehr schlimmer werden.“

Eines Tages kurz vor Weihnachten Hannah Montana Bettwäsche für einen 10-Jährigen Jungen zu bestellen, bedeutet in dieser Analogie dann die Erkenntnis, sich in einem Universum von Terry Pratchett zu befinden, festzustellen, dass die Elefanten in Wirklichkeit auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte tanzen und sie die Frage quält: „Auf welches Tier steht eigentlich die Schildkröte?“

Beitrag von lisasimpson 02.05.10 - 14:07 Uhr

ach daher kommen die neonfarben wieder???
ich dachte einfach, daß die leute, die mit mir in den 80ern neon getragen haben, nun ihr ganzes zeug auspacken würden und ihre Kinder nötigen, dies aufzutragen..

habe verstanden:)

lisasimpson

Beitrag von jazzbassist 02.05.10 - 20:51 Uhr

Ich musste in meiner durchaus grausamen Kindheit öfters mal die Kleidung meines Bruders auftragen. Das hat mich dermaßen traumatisiert, dass ich es nie über’s Herz gebracht hätte, meinem Spatz das auch mal anzutun.

Das Problem mit bescheuerten Kindern ist nur, wenn die sehen, wie das große Vorbild „Cousine“ in einer pubertären, modisch verdorbenen/rebellischen Phase sämtliche Grenzen gesellschaftlicher Kleidungsvorschriften ignoriert; die das dann plötzlich auch tragen wollen. #huepf

Und wenn diese reizende Nichte dann auch noch eines dieser modisch verdorbenen Dinger auf Kindergröße umnäht, ist, dass, wofür ich vor 30 Jahren auf dem Schulweg 100%ig noch von älteren Jungs verprügelt worden wäre, plötzlich „#cool“. #kratz

Beitrag von girland 01.05.10 - 22:01 Uhr

Hallo lisa,

danke für Deine Antwort!

Hmm, ich finde eigentlich nicht, dass wir überreagiert haben. Wir müssen doch unser Entsetzen (das ja auch echt ist) kund tun - damit er merkt, wie schrecklich das für uns ist. Wenn wir gelassen reagieren würden, würde das ja die Botschaft übermitteln, dass uns die Sache gleichgültig ist, und es somit ok ist, zu stehlen.

Wir haben unser Gespräch heute nun schon hinter uns und es ist eigentlich ganz gut gelaufen. Wir haben ihn gebeten, uns ein paar Gründe aufzuzählen, warum man nicht stehlen darf und dann noch unsere dazugefügt. Er hat am Ende sein Versprechen, es nicht mehr zu machen, aufgeschrieben. Das Geld für das Teil (ein kleines Ben 10 Duschgel) wird von seinem Tauschengeld genommen, ausserdem darf er morgen nicht fernsehen und kriegt keine Süssigkeiten. Wir haben ihm erklärt, dass wir ihn ungemein lieben, aber dass wir enttäuscht und traurig sind, wenn er stiehlt, und dadurch auch in Schwierigkeiten kommen (wir müssen ja nun am Montag das Teil bezahlen und dem Ladenbesitzer die Situation erklären). Wir haben ihm auch gesagt, dass die Polizei gerufen wird, wenn jemand beim Stehlen ertappt wird. Ob er das Ganze nun 100% verstanden ist, kann man ja leider nicht sagen, weil man nicht in seinen Kopf gucken kann. Vielleicht ist Moral tatsächlich etwas, das man über die Jahre aufbauen muss.

Ist Stehlen wirklich normal für dieses Alter? Ich habe noch von niemanden in unserem Verwandten- und Bekanntenkreis gehört, der das auch macht - aber es kann natürlich sein, dass die Eltern sowas auch nicht erzählen würden, ich persönlich handle ja genauso.

Kann es auch sein, dass das Stehlen eher eine Jungensache ist? Alle posts, die ich bei einer flüchtigen Suche hier im Forum gefunden haben, waren von Jungenmums.

Ich hoffe nun inständigst, dass er sein Versprechen hält.

Beitrag von lisasimpson 01.05.10 - 22:21 Uhr

Hallo!

Ja, ich denke, daß Stehlen (und ja- auch da denke ich bei jungs eher früher und häufiger bei mädchen eher späte und seltener : z.-B. kosmetika) eines der häufigsten "vergehen ist".
und ja: eltern erzählen NICHT, daß ihre Grundschulkinder noch einnässen (aber Pampers hat gerade erst "unterjams" in den supermarkt gebracht- eien windel für bis zu 12 jährige: das spiegelt doch eher die realität wieder) und J: eltern erzählen nicht immer in gemütlicher kaffeeklatschatmosphäre, dsß der Sprössling mal wieder was hat mitgehen lassen (vor allem auch, weil sie es in den meisten fällen gar nicht wissen- und das ist auch gut so:)

hier vielleicht was drüber zu finden:
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Erziehungsbereiche/s_852.html

Außerdem nochmal was zur Moralentwicklung...
Ich denke, daß e nicht soo sehr darauf ankommt, ob dein Sohn nochmal stielt oder nicht- sonder nmindestens genauso auf die Begründung (sehr gut bei Kohlbergs "heinz dilemma" nachzulesen und vom "Jazzman" nochmal in die kindliche welt übertragen:)

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Kindliche_Entwicklung/s_1450.html#moralische

eine ehrliche begründung und eine erklärung für sein verhalten wird er aber nur liefern können, wenn er darauf vertrauen kann, daß sie versuchen ihn zu verstehen.

Von "strafen" über ds maß hinaus würde ich auf jeden fall abraten. Aber vielleicht hat er ja ideen ,es "wieder in ordnung zu bringen". also auch unser rechtssystem bestraft jugendliche nicht unbedingt damit, daß sie eingesperrt werden oder daß sie privilegien entzogen bekommen, sondern vielmehr mit "sozialstunden". sie solle ndas gefühl bekommen ,es "wieder in ordnugn zu bringen".
wie kann ihr sohn ihr vertrauen wieder zurückerlangen?
wie kann er das bei dem geschäft wiede in ordnung bringen? vielleicht kann er dort mal die straße fegen, mal aufräumen helfen oder sonstwas (darf gerne auch spaß machen!!!)- er muß das gefühl bekommen, daß er "mist gebaut" hat- aber daß man im leben auch etwas wieder in orndung bringen kann (und sich dabei besser fühlt als beim "mist bauen")


lisasimpson

Beitrag von sunflower.1976 01.05.10 - 23:01 Uhr

Hallo!

Danke für den zweiten Link! Den kann ich aus anderen Gründen sehr gut gebrauchen (Moralentwicklung ist eins der Themen in meinem Fernstudium und in dem Link ist es prima beschrieben).

LG Silvia

Beitrag von lisasimpson 01.05.10 - 23:05 Uhr

dazu natürlich uuunbedingt lesen: Piaget: Das moralische Urteil beim kinde " aber das ist ja klar:)

lisasimpson

Beitrag von sunflower.1976 01.05.10 - 23:15 Uhr

Hallo!
Den Text von Piaget kenne ich - trotzdem vielen Dank! Den anderen Link habe ich mir auch direkt gespeichert. Das ist gut formuliert, so dass ich es mir gut merken kann!
Danke!!!

LG Silvia

Beitrag von lisasimpson 01.05.10 - 23:08 Uhr

hier noch was von eckensberger zu moralentwicklung und entwicklungspsycholigie

http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/moral-eckensberger/


lisasimpson

Beitrag von girland 01.05.10 - 23:46 Uhr

Hallo,

von mir auch ein danke für die Links.

Diese Aussage ist mir besonders aufgefallen:

""Etwa mit zehn Jahren unterscheiden Kinder zwischen dem, was ein Mensch tun "sollte" oder "muss", und dem, was der persönlichen Entscheidung jedes einzelnen, je nach Neigung, überlassen ist.""

Puuuh, ich glaube, ich brauche jetzt erst mal ein bisschen Pause zum Nachdenken.

Ich weiss, dass mein Sohn kein Krimineller wird. Ich mache mir keine Sorgen um seine Zukunft, nur um seine Gegenwart. Ein Kind hat so schnell einen schlechten Ruf, und sowas kann dann echt lange kleben bleiben - das habe ich in der Schule selbst erlebt (nicht an mir, aber bei anderen). Denn nicht alle Eltern sind so liberal eingestellt, vielfach zeigt man dann gerne mit dem moralischen Finger.

Unser Sohn ist in gewissem Masse sowieso schon etwas sozial benachteiligt, weil seine Eltern Ausländer sind, auch wenn man ihm selbst das nicht ansieht/anhört.

Vielleicht ist das ja die Wurzel des Übels und wir nehmen uns die Sache so zu Herzen, weil wir (als Familie) Angst haben, in dieser Gesellschaft nicht akzeptiert zu werden.

Nochmals danke für Deine Beiträge, ich habe jetzt viele Denkanstöße. Ich habe Glück, dass ich so tolle Antworten auf meine Frage hier gekriegt habe!





Beitrag von lisasimpson 02.05.10 - 07:52 Uhr

Hallo!

Ja,- ich kann mir durchaus vorstellen, daß ein solches (normales!) verhalten Eltern trotzdem in Begrändnis bringen kann.
Da ich eure sitaution natürlich gar nicht kennen- weiß ich nicht, welcher gesellschaftlicher Druck zur Anpassung auf euch lastet.



lisasimpson (die es immer sehr genießt, ab und an nicht den gesellschafltichen Erwartungen zu entpsrechen:)

Beitrag von girland 01.05.10 - 22:12 Uhr

@ jazzbassist>

Freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit zum antworten genommen haben, hatte wirklich darauf gehofft, vielen Dank!

Ich muss das jetzt mal verdauen.

Zu zwei Statements möchte ich jedoch gleich Stellung nehmen:

#aha "Ich kann nur für etwas gerade stehen, wenn die Strafe/Konsequenz fair und angemessen ist; mit allem anderen würde ich mir nur selbst schaden."

Was halten Sie in diesem konkreten Fall für fair und angemessen?

#aha "Man kann bei Kindern einen ganz magischen Prozess anstoßen, nämlich, die einfach mal zu fragen, was sie selbst für eine angemessene Strafe halten würden."

Das machen wir schon eine Weile so, Fernsehverbot, Süssigkeitenverbot etc sind jeweils seine Vorschläge.

Einstweilen nochmals dankeschön!

Beitrag von jazzbassist 02.05.10 - 00:18 Uhr

Ich muss gestehen, dass ich mit Strafen jetzt nicht so viel Erfahrung habe. Mein Spatz ist eigentlich von morgens bis abends draußen; alles andere (Fernsehen, Xbox, etc.) ist ihm absolut schnuppe. Bei Süßigkeiten durfte er sich mit 4 schon ungefragt bedienen; dass war für uns so selbstverständlich, dass wir nie auf die Idee gekommen wären, dass zu rationalisieren. Computer kann man ihm auch nicht nehmen, da dass Werktags seine einzige Kommunikationsmöglichkeit mit seinen Eltern ist; am Wochenende entsprechend mit seinen Freunden. Ihm mit Taschengeld zu bestrafen ist auch etwas ironisch; dann hätte das Taschengeld ja plötzlich die Bedeutung von Ablassbriefen. Stubenarrest entwickelt sich nach einem halben Tag zu einer Folter (hier sind wir sofort bei seiner Belastungsgrenze) und ihn früher ins Bett zu stecken ist irgendwie auch ziemlich witzlos, da Abends oftmals die einzige Zeit ist, wo wir ihn mal ein bisschen für uns haben.

Wir waren immer motiviert, Strafen nicht als Erziehungsmittel einzusetzen, sondern als nichts anderes, was über den Wortlaut hinausging; und auch nur als ultima ratio. Mein Spatz wäre in ihrem konkreten Fall als Ersttäter noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Ich denke schon, dass er mit 7 gewusst hätte, dass das jetzt nicht so prickelnd gewesen war; er hätte mir einfach nur erklären müssen, wie es dazu gekommen ist. Dabei fließen meistens genügend Tränen, so dass ich denke, dass das gereicht hätte und es kein zweites mal mehr vorkommt. Das ist in erster Linie das, was ich hätte erreichen wollen.

Wenn er danach noch ein 2. Mal geklaut hätte, wenn ich auch noch daneben stehe, hätte mich zunächst einmal unvorstellbar brennend interessiert, warum er mich nicht einfach gefragt hat, ob ich ihm dieses blöde Spielzeug kaufe. Ich fände das dermaßen bedenklich, dass ich da nicht an eine Strafe denken kann; dass hätte sich dann aus der Rechtfertigung meines Sohnes ergeben. Meistens kommt er dann selbst auf den Trichter, wie er das wieder geradebiegen kann; manchmal muss man da etwas nachhelfen. Ich wäre dann aber auch nicht abgeneigt, hier gemeinsam zu dem Ergebnis zu kommen, dass er für den Rest des Tages zuhause bleibt (also eine freundlichere Umschreibung von Stubenarrest :-p).

Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass eine Strafe auf jeden Fall reichen sollte. Und - für Süßigkeitenverbot finde ich einen 7-Jährigen etwas zu alt #koch

Beitrag von girland 06.05.10 - 21:31 Uhr

Hallo,

vielen Dank für die Antwort!

Leider würde freie Süßigkeitenentnahme in unserem Haus nicht funktionieren, weil bei unseren kids irgendwie der innere Stop Reflex dafür fehlt ... die würden wirklich nur noch naschen.

Ich habe zufällig gestern ein Buch zum Thema "als Eltern einen Schritt zurücktreten und einfach gut sein lassen" in der Bücherei entdeckt: "The idle parent" von Tom Hodgkinson, das werde ich heute noch anfangen, bin schon gespannt.

Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass wir zu streng sind, im Gegenteil, wir sind eigentlich mehr relaxed als andere Bekannte. Aber das ist ja alles relativ.

Und Stehlen/Lügen trifft irgendwie einen Nerv ... wir sind beide sehr ehrliche und faire Menschen.

Ich denke, wir müssen einfach zuallererst das gegenseitige Vertrauen wieder aufbauen. Wie genau wir das anstellen, weiss ich noch nicht, aber wahrscheinlich sollten wir unseren Kindern tatsächlich doch mehr 1zu1 Zeit gönnen, das wäre zumindest ein guter Anfangspunkt, denke ich.

Grüße & nochmals #danke