Plötzlich Fernbeziehung in der Ehe

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von rotteck 02.05.10 - 10:22 Uhr

Hallo,

ich bin mit meinem Mann seit 7 Jahren verheiratet (ja, das verflixte 7. Jahr! :-p ) und wir haben ein 3-jähriges Kind. Mein Mann und ich haben eine sehr enge Beziehung, können über alles reden, sind die besten Freunde und wissen oft, was der andere denkt. So viel zur Vorgeschichte.

Nun hat sich ihm beruflich die Chance geboten, sich enorm weiterzuentwickeln. Seit einem halben Jahr besucht er eine Schule, der Lehrgang dauert insgesamt 1,5 Jahre (noch bis Dez 10). Er kommt nur am WE heim, manchmal nur aller zwei Wochen, weil er sehr viel lernen muss. Leider haben uns in der letzten Zeit viele Schicksalsschläge ereilt (insgesamt sind 4 Verwandte in 4 Monaten verstorben). Unsere Familien wohnen sehr weit weg von uns und die kostbaren WE gingen für Beerdigungen und stundenlange Autobahnfahrten drauf. Jetzt kommen bei ihm die Zwischenprüfungen und er muss irre viel lernen und ist deprimiert, wenns trotzdem keine 1 wird. Außerdem hat er jetzt einige Kumpel gefunden, mit denen er dann Freitagabend weggeht und ausspannt. Die ersten paar Monate kam ich eigentlich recht gut zurecht. Doch nun tritt eine Entwicklung ein, die mich enorm beunruhigt #kratz : er lebt dort 5 Tage die Woche sein eigenes Leben, kennt andere Leute, erlebt andere Dinge. Ich habe selbst einen Job, bin zehn Stunden am Tag außer Haus und abends bringe ich die ganze Energie auf, um die Zeit mit meinem Kind zu genießen. Wenn er am Wochenende kommt, schwirrt ihm der Kopf vom vielen Lernen und er ist gedanklich schon bei der nächsten Klausur. Ich denke an den Stress auf Arbeit, ne neue Kollegin usw. Wir erledigen dann Dinge, die man nur zu zweit machen kann (Schrank aufbauen, Sommerreifen montieren, Garten graben usw.) und fallen eigentlich immer abends um 21Uhr total erledigt ins Bett. Ich rede offen mit ihm, dass mir die Situation nicht behagt. Wir gehen nicht mehr aus, im Bett läuft eh nix mehr, haben keine gemeinsame Zeit mehr (Kind ist immer dabei - Verwandschaft ist nicht greifbar). Er hört mir zu. Aber inzwischen reagiert er genervt: "Ich weiß, dass es scheiße ist - aber was soll ich ändern? Du hast hier den ganzen Haushalt an der Backe, das Kind, deinen Job und die täglichen Kleinigkeiten und ich lebe da als Junggeselle und muss nur lernen und habe sonst frei - das gefällt mir auch nicht. Aber ich kann es nicht ändern." Soweit sein Statement dazu. Natürlich ist es mir klar, dass eine Fernbeziehung nicht einfach ist. Aber inzwischen macht es mich ehrlich unglücklich. Die Woche über freue ich mich auf ihn und Sonntagabend erwische ich mich dabei, dass ich aufatme, dass er wieder abfährt. Er stört meinen Rhythmus. Und die enge Vertrautheit gibt es nicht mehr. Oft frage ich mich: warum bin ich überhaupt noch verheiratet? Ich bin sehr selbstständig, kann viel alleine machen. Aber ich bin kein Mannsweib. Doch ein Wochenende reicht mir nicht, um mich wieder an ihn zu gewöhnen. Das ist so hart! Wisst ihr, was ich meine?

Und das schlimmste ist, dass er jetzt ein Angebot erhalten hat, wo er anschließend ein dreijähriges Studium machen kann. Dann wäre er ein großes Tier. Danach halt. Aber die drei Jahre sind auf drei verschiedene Bundesländer aufgeteilt (Theorie und Praxis). Und wo dann der eigentliche Arbeitsplatz nach den drei Jahren liegen würde, weiß man heute noch nicht. Noch drei weitere Jahre Fernbeziehung??? Das geht doch nicht? Aber das Kind ist hier so super in den Kiga integriert. Mir macht meine Arbeit auch Spaß, wir können also nicht einfach umziehen. Wohin auch? Und keine Verwandten in der Nähe, die mal Unterstützung geben könnten...

Ach, es ist echt schwierig. Aber es tat mal wirklich gut, das hier alles in Worte zu fassen. Ich weiß, dass sehr viele Menschen eine Fernbeziehung führen. Aber wie schafft man es, die Woche über seine Frau stehen zu müssen und dann am Wochenende das zärtliche, kuschelnde Frauchen zu sein, dass ihren Mann so braucht? Man muss so lange ohne Mann auskommen und wenn er da ist, soll man ihn brauchen müssen. Ach menno :-(

Habt ihr irgendwelche Tipps? Ich hatte mir schon überlegt, ob er nicht einfach mal 3 Monate am Stück wegbleiben soll. So wäre dann wenigstens die Achterbahn der Gefühle nicht immer da. Aber das Kind verlangt auch nach dem Papa...

Wer den ultimativen Rat weiß, teile ihn mir bitte bitte mit! Ich kenne meinen Mann jetzt seit 10Jahren und unsere Beziehung war bisher immer gesund.

Ich danke euch, allein fürs Zuhören.

Schönen Sonntag noch!

Gruß
bienchen

Beitrag von Weiter, weiter? 02.05.10 - 10:32 Uhr

Kein Studium der Welt macht jemanden automatisch zu einem *großen Tier*.
Habt ihr sehr jung geheiratet, dass dein Mann jetzt diesen Drang verspürt, sich zu *verwirklichen*?
Meiner Meinung nach wäre das der Todesstoß für eure Ehe, denn du scheinst dich emotional schon sehr von ihm entfernt zu haben.

Beitrag von rotteck 02.05.10 - 10:38 Uhr

Hallo,

danke für deine schnelle Antwort. Ja, wir haben jung geheiratet. Er ist jetzt 30 Jahre. Und die Weiterbildung wird halt 4 Jahre lang bezahlt. Keine Gehaltseinbußen. Deswegen "muss" man es praktisch auch nutzen...

Gruß
bienchen

Beitrag von sniksnak 02.05.10 - 12:20 Uhr

Ich denke, dass eure Ehe wohl vorbei ist, sollte er die 3 Jahre studieren wollen. Da du dich schon zu sehr entfernt hast und ja jetzt schon für seine Selbstverwirklichung einiges auf dich nimmst.
Was bekommst du denn zurück?
Und: Meinst du, er weiß dass er quasi vor der Wahl "Studium oder Ehe" steht?

LG