fremder person von problemen erzählen?

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von weißnichtmehrweiter 03.05.10 - 10:35 Uhr

hallo,

passt nicht ganz her, aber hier geht es schwarz:

ich stecke derzeit in einer handfesten lebenskrise (gründe egal, aber lange halte ich nicht mehr durch).

nun ist es so, dass meine vorgesetzte (ich bin 30, sie 40) mich letzte woche fragte, ob denn alles in ordnung wäre, ich sähe furchtbar aus. wenn etwas wäre, ich könnte jederzeit zu ihr kommen.
ich muss dazu sagen, wir haben ein sehr freundschaftliches verhältnis, siezen uns aber.

nun bin ich hin und her gerissen. einerseits MUSS ich mit jemandem reden - meine familie und mein mann sind eher rational, mit emotionalen oder seelischen dingen können sie nichts anfangen und tun das als sinnloses geheule ab - anderseits hab ich angst, dass sich arbeits und auch zwischenmenschlich zwischen uns dann was ändert.

es sind in meiner kindheit viele schlimme dinge passiert, die mich geradezu aufressen. ich schlafe nicht mehr, bin total unruhig, aggressiv aber auch todtraurig - das volle programm.

was meint ihr. soll ich mich ihr anvertrauen? was, wenn sie damit nicht umgehen kann? was, wenn sie dann denkt, sie müsse mitleid mit mir haben (das will ich nämlich nicht) ...


sie ist wirklich sehr sehr sehr nett, aber ich weiß nicht, ob das die "professionelle" arbeitsschiene nicht zu sehr belastet. und ich will sie nicht in dinge mit hineinziehen, mit denen sie eigentlich nichts zu tun hat. es ist ja nicht ihre aufgabe, sich um mein wohlergehen zu kümmern.

was meint ihr?

LG

Beitrag von nightwitch 03.05.10 - 10:40 Uhr

Hallo,

ich würde NIE im Leben Kollegen, Vorgesetzten oder Angestellten von meinen privaten oder beruflichen Problemen erzählen. Da könnte das Verhältnis noch so gut sein.

Such dir lieber eine Freundin oder versuche einen Termin bei einem Therapeuten zu bekommen (auch im Hinblick auf deine Kindheit).

Meinetwegen auch eine Person aus diesem Forum. Zum Auskotzen reicht es meist schon, wenn man einfach alles aufschreibt, was einen belastet (mach ich hier auch ab und an mal anonym #schein).
Ich kann dir auch anbieten, dass du dich bei mir auskotzen kannst. Ich garantiere vielleicht keine professionelle Beratung und Hilfestellung, aber vielleicht reicht es ja schon ;-)

Private Probleme und seelische Belastungen haben meines Erachtens nichts auf Arbeit zu suchen. Das gibt nur Probleme.

Alles Liebe
Gruß
Sandra

Beitrag von weißnichtmehrweiter 03.05.10 - 10:44 Uhr

danke für deinen rat.

freundinnen hab ich keine, ich war immer eher einzelgänger. außerdem hab ich tierisch angst, wenn ich jemandem im privaten umfeld etwas erzähle, dass das dann gegen mich verwendet wird und sich alle lustig machen. (das hatten meine eltern früher drauf, wenn ich mal mit liebeskummer kam)

ich denke über dein angebot nach, danke

LG

Beitrag von besser nicht! 03.05.10 - 10:42 Uhr

Ich würde es nicht tun! Dann geh lieber zu deinem Arzt oder zu einem Psychologen. Ich würde auf der Arbeit immer professionell handeln, nachher hat man noch Nachteile! Grade bei Vorgesetzten!

Alles Gute

Beitrag von no-monk 03.05.10 - 10:42 Uhr

An deiner Stelle würde ich das lassen. Private Sachen haben nichts bei der Arbeit zu suchen. Wirklich nicht!
Wenn du Redebedarf hast, dann such dir einen Therapeuten, oder wieso erzählst du es nicht hier? Da hast du noch die Chance in schwarz zu schreiben. Aber einer Vorgesetzten oder einem Arbeitskollegen würde ich nie so tiefgehende Sachen erzählen.

Schöne Grüße

no-monk

Beitrag von unilein 03.05.10 - 10:45 Uhr

Hätte ich solche Probleme, dass ich dringend mit jemand reden müsste, würde ich ein Sorgentelefon anrufen. Ich denke mal, dass man Nummern dafür leicht ergoogeln kann. Die Vorgesetzte würde ich da raushalten. Klar ist sie dir freundschaftlich gesinnt, aber wie soll sie denn hinterher damit umgehen? Wenn sie durch deine Offenbarungen Zweifel bekommt, ob du deine Arbeit gut erfüllen kannst, will sie dich nicht für deine Offenheit bestrafen, kann dir aber trotzdem nicht mehr guten Gewissens wichtige Aufgaben anvertrauen. Vielleicht bekommt sie auch das Gefühl, dass sie dich arbeitstechnisch entlasten müsste. Das wäre dann aber wiederum den anderen Mitarbeitern gegenüber unfair. In beiden Fällen wäre sie in einer Zwickmühle.

Dir wünsche ich alles Gute!

Beitrag von weißnichtmehrweiter 03.05.10 - 10:47 Uhr

auch wenn es blöd klingt, zum therapeut kann ich nicht (auch wenn ich gerne würde). ich stehe kurz vor der verbeamtung - und da gehört der amtsarzt dazu. und wenn da das wort therapie fällt, kann man seine verbeamtung vergessen.

alles sch***

LG

Beitrag von hezna 03.05.10 - 10:55 Uhr

Dann wäre das anonyme Sorgentelefon - wie bereits vorgeschlagen - für dich vielleicht erstmal das Richtige ?

Gruß Hezna #klee

Beitrag von weißnichtmehrweiter 03.05.10 - 10:57 Uhr

ja, das klingt gut.

ich habe zwar große probleme mit dem telefonieren (ich schaue den menschen lieber direkt in die augen um ihre stimmung ablesen zu können) , aber das wird es wahrscheinlich werden.

danke

Beitrag von hezna 03.05.10 - 11:01 Uhr

Das tue ich auch. Aber deine Möglichkeit scheinen arg begrenzt.

Und so lieb es die Kollegin gemeint hat, sollte man wirklich vorsichtig sein. Je nachdem, WIE deine Probleme gelagert sind, können die das Arbeitsverhältnis merklich abkühlen.

Da du momentan keine andere Wahl hast, aber akuten Redebedarf, ist manchmal die 2. Wahl die bessere Wahl.

LG

Beitrag von egi76 03.05.10 - 11:25 Uhr

Hallo!

Eine Freundin von mir hatte während des Refrendariats einen Zusammenbruch und wann dann knapp 8 Wochen in stationärer Behandlung (davon 6 während der Sommerferien).
Danach bekam Sie ein Attest.
Auf diesem stand nur irdendwas von " Stoffwechselkrankheit" ( Depressionen gehören da ja auch zu). Die Schule, an der sie war hat nie etwas von der Depression erfahren.
Die Depression hatte auch nix mit der Schule zu tun und resultierten aus privaten Problemen.

Nach der stationären Behandlung war sie noch gut ein Jahr in ambulanter Behandlung (erst wöchentlich, dann wurden die Therapiestunden immer weniger).
Heute ist sie geheilt, wieder glücklich und ihre Verbeamtung hat sie auch !!! Jetzt ist sie Studenrätin.

Also,ich würde mir daher auch professionlle Hilfe suchen! Viel Glück!

Egi

Beitrag von hinterwaeldlerin09 03.05.10 - 10:50 Uhr

Hallo,

du scheinst eine tolle Vorgesetzte zu haben, Glückwunsch, aber ich würde auch sagen: lieber nicht!

Ich würde an deiner Stelle therapeutische Hilfe bei einem Therapeuten oder einer Beratungsstelle suchen, denn bedenke: Die Vorgesetzte ist auch nur ein Mensch. Und kann - womöglich - bei jetzigen oder zukünftigen beruflichen Entscheidungen über dich/mit dir/wegen dir das Private, was sie über dich weiß, nicht ausblenden.

Du hättest viel gewonnen, wenn die freundschaftliche Vorgesetzte nur Vorgesetzte bleibt...und für die Seele suchst du dir einen therapeutischen Begleiter.

lg die hinterwäldlerin

Beitrag von paulfort35 03.05.10 - 12:05 Uhr

Das könnte nach hinten losgehen. Such lieber das Gespräch mit der Telefon-Seelsorge, einem Pfarrer, einer Psychotherapeutin oder einer Freundin. Auf keinen Fall mit Deiner Chefin.

Beitrag von ich habe es gemacht 03.05.10 - 13:20 Uhr


Hallo,

ich hatte, als sich mein Mann von mir getrennt hat, einen Nervenzusammenbruch und Depressionen. Nach der Trennung war ich mehrere Wochen krank. Mein Chef hat mich zu Hause angerufen und ich bin offensiv vorgegangen. Ich habe zwar nicht jede Einzelheit erzählt, aber doch in groben Zügen, was bei uns los war. Die Trennung war sehr – sagen wir mal unschön. Es ist sehr vieles vorgefallen.

Auch als ich wieder arbeiten ging, hatte ich dadurch – dass mein Chef und ein Teil der Belegschaft über meine Situation informiert war – volle Unterstützung. Es ist mir z.B. schwer gefallen, am Anfang einen ganzen Arbeitstag durchzuhalten. Ich habe damals auch noch starke Medikamente nehmen müssen. Mein Chef hat es mir freigestellt – bei voller Anrechnung der Arbeitszeit – nur stundenweise zu arbeiten. Auch musste ich in dieser Zeit sehr verantwortungsvolle Tätigkeiten, die volle Konzentration forderten, nicht übernehmen. Ich wurde wirklich sehr geschont. Hatte bei allen ein offenes Ohr und Verständnis.

Das ist jetzt fast 10 Jahre her. Ich arbeite immer noch in diesem Team und es hat meinem Verhältnis zum Chef und zu den Kollegen nicht geschadet.

LG