Kind ist unmöglich - trotzdem Freundschaft vertiefen lassen??

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 12:34 Uhr

Hallo,

brauche mal euren Rat.

Mein Sohn hat ein Kind in der Kiga-Gruppe das in meinen Augen total ungezogen ist. Beispiele: Steckt Erwachsenen die Zunge raus, ruft ihnen " Ey Du Käsequante" nach und noch so anderes.

Einmal (das erste Mal) waren wir bei der Familie zuhause, da verhaut der doch einfach so meine jüngere Tochter mit einem Plastikritterschwert. Seine Mutter saß nur daneben und meinte: (Zärtliche, leise Stimme) "Nicht, X, das darfst Du nicht, das tut doch weh!" (MEINE Konsequenz wäre gewesen, sofort dieses Schwert zu konfiszieren und -wäre es mein Sohn gewesen- ihm ein paar Takte zu erzählen!) Ich nahm meine Tochter dann natürlich sofort zu mir auf den Schoß und sagte zu X: "Lass' das!" Daraufhin rannte er weg. Danach durfte ich mir von X's Mutter noch anhören was für ein niedlicher kleiner Rabauke ihr Sohn doch sei, und so sind Jungs doch eben. (Aha.) #augen

Jedenfalls sagt X jetzt (zu seiner Mutter) das mein Sohn sein bester Freund ist (kein Wunder denn mein Sohn kommt mit fast allen Kindern gut aus, und so wie ich ihn kenne spielt er auch mal mit X auch wenn X so ungezogen ist). Allerdings - X ist noch kleiner als mein Sohn, die beiden werden also nicht zusammen in die Schule gehen. Mein Sohn hat mittlerweile schon so viele Freunde das es schon schwierig ist die alle terminlich unterzubringen, und es sind auch alles Jungs die mit ihm in die Schule kommen, wo also der Kontakt bleiben wird. Auch komme ich mit den Müttern der anderen Jungs gut aus und unsere Erziehungsstile gleichen sich eher.

Nun hat X's Mutter auch schon gemerkt das ich etwas Abstand genommen habe (nach jeweils einem Treffen bei uns und einem Treffen bei ihnen, Treffen wurden auf X's Mutter's Wunsch arrangiert). Ist mit gesenktem Kopf an uns vorbeigelaufen und hat leise "Tschüß" gesagt.

Mir tut das so leid. Bin sonst auch eigentlich nicht so das ich Abstand nehme von einer Mutter die Kontakt sucht, aber in dem Fall... Mein Sohn fing auch schon an mit Zunge-rausstrecken und auf die Frage hin was das soll: "Macht X ja auch!" und auf sowas habe ich natürlich gar keine Lust.

Hättet ihr auch so gehandelt wie ich? Ich habe das Gefühl besagte Mutter hat auch sonst keine Freunde (bzw. X auch nicht) im Kiga (warum wohl...).

Vielleicht gibt's ja ne andere Lösung die mir noch nicht eingefallen ist?

LG und danke

Anna

Beitrag von isaolemerle 03.05.10 - 12:44 Uhr

Sorry, aber ich finde, du übertreibst.
Die schlimmen Dinge, die X in deinen Augen anstellt, sind doch Kleinigkeiten...
Wächst dein Sohn bisher unter einer Käseglocke auf?
LG Isa

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 13:31 Uhr

Nö, er geht in den Kiga und da kriegt er bestimmt auch mal sein Fett weg. ;-)

Beitrag von mansojo 03.05.10 - 12:54 Uhr

nö ich würd mich nicht in die freundschaften meiner kinder einmischen

du musst doch mit der mutter nix zu tun haben

wenn der junge bei euch ist sollt er sich an eure regeln halten
bei uns hat das gut funktioniert
mit den eltern wurde nur organisatorisches besprochen

lg manja

Beitrag von aliciakommt 03.05.10 - 13:01 Uhr

Puh, sorry, aber ich hab beim Lesen des Textes als erstes gedacht: Ich wäre wohl eher die Mutter von "X".

Finde das klingt, zumindest so wie du es hier beschreibst, wirklich nach einem kleinen Rabauken.

Was ist denn so schlimm daran???

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 13:36 Uhr

Stell Dir vor, ein 2-3 Jahre älteres Kind verhaut (schlägt mehrmals kräftig mit Ausholen ein) Deinen kleinen Rabauken mit einem hartem Plastikschwert bis Dein Kind auf dem Boden liegt. Mutter des "Schlägers" schaut zu, greift aber nicht ein.

Was ist denn so schlimm daran?

Beitrag von blume82 03.05.10 - 13:38 Uhr

Hallo,

ich finde es nicht so schlimm.

Solange es kein Baby ist. Mein zweijähriger kann sich schon ganz gut gegen seine 6 Cousine durchsetzen. Und warum sollen wir immer eingreifen, dann wird es meistens nur noch schlimmer.

Dann schick dein Kind am besten nicht in den KIGA

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 13:40 Uhr

Zu spät, sie geht schon.

Allerdings wird in unserem Kiga so ein Verhalten nicht geduldet.

Beitrag von blume82 03.05.10 - 13:42 Uhr

Glaubst du echt die Erzieher sehen alles

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 13:48 Uhr

Plastikschwerter mit Sicherheit, die darf keiner mitbringen, ebenso wie Pistolen, Messer etc.

Meine Tochter kann sich auch sonst sehr gut durchsetzen, hat ja auch noch ne laute Stimme.

In der Situation waren wir aber beide etwas überrumpelt.

Beitrag von ekiem30 03.05.10 - 13:17 Uhr

Hallo,

war in meiner Schulzeit bei vielen Eltern meiner Schulfreundinnen nicht gut gelitten. So einige Kontakte wurden unterbunden ... Im Großen und Ganzen habe ich darunter nicht gelitten; ich hatte eher Mitleid mit den armen Freundinnen, die in so verkrampften Elternhäusern lebten.
Für meine Mama war die Situation da schon eher unangenehm, weil sie sich auf diversen Elternabenden rechtfertigen musste ... aber so eine selbstbewusste und wenig zurückhaltende Tochter bot sich einfach prima an als Sündebock für Vieles!

Aber ich habe durchgehend ein vertrauensvolles Verhältnis zu meiner Familie gehabt, besonders in der kritischen Teenagerzeit, als eben diese Eltern große Probleme mit ihren Töchtern bekamen und teilweise sogar Familienberatung in Anspruch nahmen.

Ich finde es echt schade, wenn Leute intolerant gegenüber anderen "Lebensstilen" sind!

:-p

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 13:37 Uhr

Was hast Du denn so angestellt?

Beitrag von ekiem30 03.05.10 - 13:48 Uhr

tja, ich war wohl einfach nicht lieb und fromm und leise ...

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 14:31 Uhr

DAS bin weder ich immer noch meine Kinder.

Beitrag von lillybet 03.05.10 - 19:52 Uhr

Sorry, aber was hat Frechheit mit Selbstbewusstsein zu tun??

Und "Intoleranz gegenüber anderen Lebensstilen", das ist ja wohl ein ganz billiges Totschlag-Argument.

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 22:29 Uhr

Toleranz, (laut Wikipedia): auch Duldsamkeit,[1] ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.

Ja, wir können ja mal diskutieren wo Toleranz anfängt und wo sie aufhört. Ist ja ein weites Feld. Für mich hört Toleranz spätestens dann auf wenn jemand anderes zu Schaden kommt. In diesem Fall also meine Tochter, die verhauen wurde.

Danke und LG

Beitrag von ekiem30 04.05.10 - 11:39 Uhr

jetzt nur nicht frech werden, lillybet!

Beitrag von jazzbassist 03.05.10 - 13:19 Uhr

Meine Frau und ich habe das immer unseren Sohn entscheiden lassen, ob er eine Freundschaft "vertiefen" lassen wollte, oder nicht. Zwar nicht bewusst - aber - wir haben da einfach nie reglementierend eingegriffen. Wenn sich bei Kindern (mit ohnehin vielen Freunden) eine weitere Freundschaft entwickelt - ist das in Ordnung, wenn nicht, ist das auch in Ordnung. Der heute beste Freund meines Sohnes hat meinen Spatz etwa vor 6 Jahren auf einen Spielplatz im Sandkasten kennengelernt. Der hat meinem Kleinen mit einer Plastikschaufel die Lippe blutig geschlagen. Daraus hat sich trotzdem eine heute (wörtlich) unzertrennliche Freundschaft entwickelt.

Ich finde, Aufgabe von Erziehung sollte sein, ein Kind langsam und behutsam auf das spätere Leben vorzubereiten, und nicht, ein Kind möglichst lange zu versuchen, davor zu behüten. Ihr Sohn wird in Kindergarten, Grundschule, Gymnasium, Studium, Erwachsenenleben immer und immer wieder auf "Chaoten" treffen. Z.b. gehören zum "Zunge rausstrecken" immer zwei Äffchen. Das eine, dass etwas vormacht, und das andere, dass etwas dann nachmacht. Das ist nicht schlimm, so sind Kinder halt; sie müssen erst noch lernen, Erwachsen zu werden - und dazu gehört auch - nicht alles nachzuäffen. Gerade gegensätzliche Kinder können eine ziemlich interessante Bereicherung für beide sein; warum sich diese Chance entgehen lassen?

Ich denke auch, dass es zum normalen Spielverhalten von Jungen's gehört, auch mal mit Plastikritterschwerten gegen andere Kinder zu kämpfen. Eine Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass ein Kind gelernt hat, seine eigenen Grenzen - und die des anderen Kindes - zu kennen, zu respektieren und zu achten. Und auch zu erkennen, dass man nicht auf ein kleineres Mädchen losgeht, obwohl die gar nicht "mitmachen" möchte bzw. sich nicht wehren kann. Kind sein heißt, genau diese Grenzen langsam kennenzulernen, in dem man sie überschreitet; das hat m.E. nichts mit ungezogen zu tun, sondern ist es gerade dieser Prozess, den man Erziehung nennt.

Es gibt viele unterschiedliche Erziehnungsmethoden, einem Kindergartenkind diese Grenzen beizubringen. Nur weil Eltern hier anders reagieren, heißt das nicht, dass diese Reaktion besser/schlechter sein muss. Ziel ist für mich zum einen, dass ein Kind damit sofort aufhört und zum anderen, dass es das beim nächsten mal nicht mehr tut. Man kann das sicherlich dadurch erreichen, dass corpus delicti zu konfessieren. Ich halte das auch für nötig, wenn ein Kind hier eine andere Grenze nicht akzeptiert. Andererseits - wenn ich als Elternteil die Wahl hätte zwischen einem Kind, dass ein anderes Kind mit einem Plastikritterschwert nicht mehr schlägt, weil es schlechtweg kein Schwert hat und einem Kind, dass dies nicht mehr tut, obwohl es mit einem Plastikritterschwert spielt; ich mich für das letztere Kind entscheiden würde, weil es zuverlässig gelernt hat, eben diese Grenze zu akzeptieren.

Ansonsten habe ich aber auch festgestellt, dass viele Freundschaften mit der Einschulung und auch mit dem Übergang in die weiterführende Schule auseinandergehen, sobald Kinder hier getrennte Wege gehen. Zum einen sieht man diese Kinder dann morgens nicht mehr, zum anderen gewinnen die dann auch täglich neue Freunde. Es ist besser, wenn ein Kind hier dann schon die Fähigkeit zeigt, sich die "richtigen Freunde", die zu einem passen, aussuchen kann. Dazu muss man aber auch mal die Erfahrung gesammelt haben, mit weniger passenden Freunden spielen zu können. Ich würde es also sich entwickeln lassen und dann lieber mal 2-3 schwierigere Phasen mit meinem eigenen Kind ertragen, um ihn noch etwas zu erziehen. Sie müssen das früher oder später ohnehin machen - nur - so größer Kinder werden, des so schlechter werden die erziehend eingreifen können. Einem Kindergartenkind können Sie aber noch ganz spielerisch beibringen, gewisse Regeln zu akzeptieren, auch wenn sie ein anderes Kind bricht.

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 17:20 Uhr

Hallo,

puh dankeschön für diesen langen Text!

Behüten kann und will ich meinen Sohn sowieso nicht, er lernt ja solche Kinder auch sowieso im Kiga kennen. Habe unten im Thread dazu noch mehr geschrieben

Ich habe auch nichts dagegen wenn Jungs mit 2 Schwertern mal gegeneinander kämpfen (draußen allerdings, im Haus ist das bei uns verboten). Ich habe aber etwas dagegen wenn ein Kind ein kleineres mit einem Schwert richtig verprügelt (meine Tochter hatte in dieser Situation kein Schwert sondern floh vor diesem Jungen). Und vor allem habe ich etwas dagegen wenn dann die Mutter des "Schlägers" nichts tut das meine Tochter unverletzt bleibt. In besagter Situation hörte das Kind leider nicht auf meine Tochter zu schlagen als seine Mutter es ansprach.

"Andererseits - wenn ich als Elternteil die Wahl hätte zwischen einem Kind, dass ein anderes Kind mit einem Plastikritterschwert nicht mehr schlägt, weil es schlechtweg kein Schwert hat und einem Kind, dass dies nicht mehr tut, obwohl es mit einem Plastikritterschwert spielt; ich mich für das letztere Kind entscheiden würde, weil es zuverlässig gelernt hat, eben diese Grenze zu akzeptieren."

Der Junge war in dem Augenblick so mit Schlagen beschäftigt das wahrscheinlich, meiner Einschätzung nach nichts anderes mehr geholfen hätte als das Schwert erstmal wegzunehmen. Um zu Erziehen muss man auch irgendwann mal damit anfangen, und umso früher umso besser!

Und, ist eben so das Freundschaften sich verlaufen wenn die Kinder vom Kiga in die Schule wechseln. Noch ein Grund nicht noch extra Zeit zu investieren.

LG

Beitrag von jazzbassist 03.05.10 - 18:01 Uhr

Nun ja, aber wenn ich doch merke, dass eine Situation ausartet und die Mutter des "Schlägers" da tatenlos bei sitzenbleibt, gehe ich doch ganz deutlich dazwischen und mache das, was ich in der Situation für das Richtige halte und reagiere so, wie ich auch bei meinem eigenen Kind reagiert hätte.

Sie können dabei nichts verlieren. Entweder hört das fremde Kind auf Sie, weil es eine Reaktion erfahren hat, die es sonst nicht erfahren hätte und ein Verhalten ändert sich sofort. Oder sie stoßen bei der fremden Mutter selbst unangenehm auf - aber auch dann kommen die Probleme mal offen auf dem Tisch und werden nicht stillschweigend durch #augen ignoriert.

Ich bin leider Freund davon, vor Problemen oder unangenehmen Situationen einfach davonzulaufen, denn es löst keine Probleme, es verschiebt sie nur auf das nächste mal. Und genau das scheint bei Ihnen in der ersten Situation schief gelaufen zu sein. Hätten Sie beim ersten mal klar und deutlich ihre Meinung vertreten, hätte die andere Mutter das entweder eingesehen, oder wäre jetzt nicht mehr so aufdringlich, weil sie eingesehen hätte, dass die Differenzen zwischen Ihnen und ihr einfach zu groß sind.

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 21:18 Uhr

Ja, genau das ist mein Problem.

Ich wollte damals nicht eingreifen da ich dachte die Mutter tut etwas (effizientes, das das Verhauen meiner Tochter abstellen würde). Tat sie aber überraschenderweise nicht...

Beitrag von juniorette 03.05.10 - 13:53 Uhr

Hallo,

mit Kindern von Müttern, die mit

(Zärtliche, leise Stimme) "Nicht, X, das darfst Du nicht, das tut doch weh!"

auf die körperlichen Attacken ihrer Kinder reagieren, möchte ICH nichts zu tun haben.

Im Kindergarten kann ich diese Art von Kontakt mit entsprechend nicht erzogenen Kindern nicht verhindern, und solche Erfahrungen gehören dazu.

Aber weder möchte ich privat Kontakt mit solchen Müttern haben noch möchte ich, dass mein Kind denkt, dass solche Ungezogenheiten dulde, weil ich ja mein Kind mit so einem ungezogenen Kind spielen lasse.

Bei der Situation mit dem Schwert hätte ich exakt so reagiert wie du.

Wir Mütter, die es interessiert, dass unsere Kinder anderen nicht grundlos Schmerzen zufügen (als Notwehr erlaube ich meinem Kind das), sind bei Urbia offensichtlich in der Minderheit. Ist mir aber egal, solange mein Sohn dann Freunde hat im Gegensatz zu einem "Schlägerkind"

LG,
J., die auch ein Schlägerkind war und vor dem Gymnasium deswegen keine Freunde hatte und das ihrem Sohn ersparen möchte :-)

Beitrag von dolby11 03.05.10 - 14:28 Uhr

aua... "Schlägerkind" ...weil die Mutter ihren Sohn im Kindergartenalter nicht gleich anbrüllt... *kopfschüttel*

Beitrag von juniorette 03.05.10 - 14:41 Uhr

Sie soll ihn nicht "anbrüllen", sondern erziehen #aha

Traurig, wenn dein Kind nur durch Anbrüllen auf dich hört, meiner hört auch auf mich, ohne dass ich brüllen muss *kopfschüttel*

Beitrag von dolby11 03.05.10 - 14:52 Uhr

meine töchter hören auch ohne anbrüllen auf mich...aber es sind KINDER...und kinder sind verschieden! meine kleine ist ein dickschädel, ganz anders als die grosse, die wohlerzogen ist dagegen!!!