Zu lasch?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von hanni123 03.05.10 - 17:27 Uhr

Hmmm... Wenn ich hier so rumlese, habe ich langsam Bedenken, dass ich in ein paar Jahren ein grosses Problem zuhause haben werde ... Ich finde z. B. Zunge rausstrecken echt harmlos, ich glaube, ich habe meinem Sohn (3,5) schon öfter die Zunge herausgestreckt als er. #hicks Ich frage mich gerade ernsthaft, ob ich das (wie auch harmlose Schimpfwörter, wie Blödbär) zu sehr auf die leichte Schulter nehme und mehr Benimmregeln einführen soll, weil er sonst zu einem respektlosen Balg heranwächst...

Und wenn mein Sohn seltsame "Kinderdinge" tut, frage ich mich erstmal nach dem Grund, bevor ich ihn schimpfe. Ich schimpfe dann auch ehrlich gesagt sehr selten, weil ich es meistens nicht für nötig befinde. Meine Mutter hingegen ist der Ansicht, damit Kinder in dem Alter es verstehen, muss man es ihnen drastisch klarmachen, wenn sie sich in gefährliche Situationen begeben oder Dinge tun, die unerwünscht sind. Hmmm...

Ein Beispiel:

Wir haben unser Haus letztes Jahr umgebaut und haben jetzt ein sehr grosses, verglastes Treppenhaus, was bis in den Keller geht. Daneben ist das Gästeklo im Erdgeschoss. Mein Sohn traut sich oft abends nicht alleine durch das Treppenhaus, es ist ihm wohl irgendwie unheimlich. Am Wochenende musste er mal pieseln, als gerade mit irgendetwas beschäftigt war. Ich bat ihn, doch alleine aufs Klo zu gehen, er wäre doch schon gross. Er ging dann allerdings nicht in den Flur, sondern in die Küche. Nach einer Minute kam mir das komisch vor und ich ging doch hinterher. Er stand in der Küche, guckte verlegen und sagte, er hätte gerade in den Mülleimer gepieselt, weil er nicht alleine aufs Klo gehen wollte. Es war auch so. Als ich ihm erklärte, dass das nicht geht und warum, sagte er: Wieso, die Müllmänner können das doch mitnehmen... #rofl

Ich glaube tatsächlich, dass er das in seiner kindlichen Logik für eine recht gute Lösung gehalten hat. Er hat sich zwar sehr wohl gedacht, dass ich das eventuell nicht so prickelnd finden könnte, aber ich glaube nicht, dass er es mit der Absicht getan hat, mich dazu zu erpressen, ab jetzt immer mit aufs Klo zu gehen, und auch nicht, weil er sich geärgert hat, dass ich nicht mitgegangen bin. Ich glaube, es war wirklich nur, weil er sich nicht getraut hat und nicht wusste wohin mit dem Pippi auf die Schnelle.

Bei sowas kann ich echt nicht schimpfen! Ich habe ihm erklärt, dass man das nicht machen darf, weil man keine flüssigen Sachen in den Mülleimer schütten darf, und weil Pippi nach ein paar Tagen ganz doll stinkt, wenn man es nicht im Klo runterspült. Und ab jetzt üben wir halt verstärkt "alleine aufs Klo gehen", ich komme immer bis zu Flurtür mit, und den Rest geht er alleine.

Mein Sohn hat auch schon mal mit der Klobürste das Bad geputzt, oder mir einen Eimer Salz in den Kuchenteig geschüttet, als ich kurz telefoniert habe, weil er mir beim Backen helfen wollte. Bei sowas sage ich dann, dass ich mich freue, dass er mir so toll hilft, dass er aber nur die Dinge verwenden darf, die ich ihm gebe. Sonst kann er mir in Zukunft nicht mehr helfen. Und seitdem fragt er auch immer.

Mir fällt nur gerade auf, dass ich meinen Sohn fast nie zurechtweise bzw es sehr wenig Situation gibt, in denen ich das Bedürfnis habe, es zu tun. Auch beim Essen gibt es bei uns nur 2 Regeln: Mit zwei Händen trinken und den Kopf nicht auf die Hände aufstützen beim essen. Ich lasse ihn aber durchaus zuhause mit dem Strohhalm im Getränk blubbern...

Ist das zu lasch?

LG

Hanna

Beitrag von anna_lucas 03.05.10 - 17:36 Uhr

Hey,

finde Dich bei den oben beschriebenen Situationen nicht zu lasch. Man kann das doch einschätzen ob ein Kind das bösartig meint oder ob es zB wirklich nur helfen will.

Zunge rausstrecken oder Schimpfwörter gibt es bei mir nicht.

LG

Anna

Beitrag von hanni123 03.05.10 - 17:54 Uhr

In die Richtung "Zunge rausstrecken" geht ein grosser Teil meiner Bedenken.

Ich habe eine gute Freundin, die wurde selbst recht streng erzogen, und sie ist den ganzen Tag dabei, ihrem 3-jährigen Sohn Anweisungen und Verhaltensregeln angedeihen zu lassen. M., hör auf mit xyz, tu dies nicht, mach das nicht, komm her, wasch die Hände, etc. Und das auch recht barsch. Ich fand das immer ein bisschen übertrieben. Andererseits hat sie zwei Stieftöchter, die - obwohl sie in der Pubertät sind - sich 1A benehmen, immer freundlich und hilfsbereit sind, gar nicht frech, etc. Hat also anscheinend was gebracht. Nun überlege ich, ob ich in dieser Richtung nicht doch zu nachgiebig bin. Mein Problem ist, dass ich es wirklich aus tiefster Seele nicht schlimm finde, jemandem die Zunge herauszustrecken. Aber vielleicht braucht mein Kind ja mehr Regeln zum Aufwachsen, um sich sicherer zu fühlen?

LG

Hanna

Beitrag von unilein 03.05.10 - 18:26 Uhr

Die Sache ist, dass es ja nicht (nur) danach geht, was du (nicht) schlimm findest, sondern auch, was andere schlimm finden. Wenn dein Sohn Respektpersonen die Zunge rausstreckt, wird er damit wahrscheinlich anecken. Das willst du natürlich für deinen Sohn nicht und andere Mütter für ihre Kinder auch nicht. Die wählen dann wahrscheinlich den Weg, dass sie es ihnen eben generell von Anfang an verbieten, dies zu tun. Du wirst mit deiner Erziehung wohl eher den Weg wählen, dass du deinem Sohn erklärst, dass manche Menschen das nicht mögen und man das nur bei Freunden machen sollte oder Menschen, von denen man weiß, dass sie es nicht schlimm finden (wie z.B. Mama). Ich finde, das ist genauso ein legitimer Weg. Nur weil deine Freundin einen Weg gefunden hat, ihre Töchter scheinbar perfekt zu erziehen, musst du ja nicht genau den selben einschlagen, um einen liebenswerten Sohn heranzuziehen.

Im Übrigen denke ich, dass solche perfekt gehorchenden Teenager-Mädels höchst langweilige Erwachsene werden. Die gehen bestimmt mal einem 0-8-15-Job nach. Kann mir nicht vorstellen, dass von solchen Leuten innovative Ideen kommen, die die Zukunft verändern.

Beitrag von olivia76 03.05.10 - 20:24 Uhr

Hallo Hanna!

Also Du solltest schon danach erziehen, was DU für richtig hälst. Und wenn Du Zungerausstrecken "aus tiefster Seele nicht schlimm" findest, dann :-p (kann es sein, dass Ihr das bei Euch auch eher im Spaß macht? Also eher als Neckerei?)

Hört sich alles sehr liebevoll und für mich total richtig an, was Du da beschreibst.

Ich hatte in der Schulzeit eine Freundin, die durfte -im Gegensatz zu mir- ALLES! (war natürlich nicht so, aber ich hab das damals so empfunden) Die war super. Die war verwegen und total frei! Die Erwachsenen haben sich aufgeregt, aber mich hat das total fasziniert. Sie war frech und selbstbewusst aber nie bösartig oder gemein. Das finde ich auch noch einen großen Unterschied,. Und ein Kind, deren Mutter mitdenkt- so wie Du- und nicht einfach nur lasch ist und alles durchgehen lässt, kann denke ich gar nicht soooo sehr aus dem Ruder laufen.

Mach weiter so!

LG,
O.

Beitrag von metalmom 03.05.10 - 18:11 Uhr

Dein Sohn ist erst drei - warte mal ab. #cool
LG,
Sandra

Beitrag von kathrincat 03.05.10 - 18:18 Uhr

nein ist es nicht! blubbern macht doch spaß. das mit den klo find ich echt gut gedacht von ihm, da kann man doch nciht böse sein, er hätte ja auch in eine ecke mache können, er hat nun mal angst und hat sich ein super lösung einfallen lassen, auch wenn es nicht so toll war.

Beitrag von jazzbassist 03.05.10 - 18:21 Uhr

Ich glaube, Sie machen alles richtig so. Kinder sind keine bösartigen Wesen, dessen einziges Lebensziel es ist, ihren Eltern das Leben zur Hölle zu machen. Die haben wirklich eine kindliche Logik, die oftmals einfach nur entzückend ist.

Ich habe meinem Sohn auch nie sinnlose Grenzen auferlegt. M.E. harmlose schimpfwörter durfte er auch verwenden; im Gegenzug hat er sich daran gehalten, keine anderen zu verwenden. Ein spielerisches Zunge rausstrecken ist auch ganz niedlich - nur halt nicht gerade der fremden Dame an der Wursttheke. Mein Sohn konnte diese Situationen im Regelfall sehr gut unterscheiden, wann etwas angemessen war, und wann nicht. Wenn es mal nicht geklappt hat, hat er sich entschuldigt und es kam kein zweites mal mehr vor; ich habe da nie Absicht hinter erkannt, sondern kindliche Unerfahrenheit.

Ich denke nicht, dass Erziehung ein Kampf ist, der mit drakonischen Strafen gewonnen werden kann. Eher ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Einem Kind zu Hause mit dem Strohhalm blubbern zu lassen, wenn man weiß, dass er das im Restaurant, wenn man ihn einmal darum bittet, dass eben nicht tut.

Ich konnte mich auf meinen Sohn eigentlich immer darauf verlassen, dass er mit Absprachen und Ausnahmen sehr gut klar kam. Ich muss zu Hause kein Roboter am Esstisch großziehen, wenn ich mich darauf verlassen kann, dass ich ihn spontan zu einem wichtigen Geschäftsessen mit Anzug und Krawatte mitnehmen könnte und er sich - nur weil ich ihn darum bitte - dann von seiner besten Seite zeigt und sich auch zusammenreißt, wenn es erschreckend langweilig wird. Miene Frau und ich sind damit die letzten 11 Jahre recht gut gefahren.

Beitrag von 3erclan 03.05.10 - 19:23 Uhr

hi Hanna

Zungerauststrecken machen wir auch alle bei uns gegenseitig.Finde daran nichts schlimmes.
Finde es am allerwichtigsten dass ich die Kinder wissen ausserhalb zu benehmen!!!!!!!

Hab zwei ADHSler da muss ich klare Regeln haben aber auch diese klappen weil sie wissen dass ich konsequent bin.

lg

Beitrag von marion2 03.05.10 - 19:23 Uhr

Hallo,

du solltest deinem Kind nicht die Zunge herausstrecken.

Das ist nicht nett!

Gruß Marion

Beitrag von 3erclan 03.05.10 - 19:29 Uhr

warum nicht??????

Beitrag von marion2 03.05.10 - 19:32 Uhr

Darum:

Sowas macht man nicht.

Vor allem, da sie ihm - wenn er aufhört sooo niedlich zu sein - sagen muss: "Das macht man nicht."




Beitrag von 3erclan 03.05.10 - 19:36 Uhr

Hallo

meine dürfen es ja auch.

Sie haben es noch niee zu jemand anderes gemacht

lg

Beitrag von scura 03.05.10 - 20:47 Uhr

Der grüne Frosch im Gras macht das auch und nicht nur quak, quak, quak!!!

Beitrag von janamausi 03.05.10 - 21:39 Uhr

Und ich dachte immer, er schnappt so nach Fliegen und Insekten...dabei will er uns bestimmt nur ärgern #rofl

Beitrag von scura 04.05.10 - 10:07 Uhr

:-p















Genau!!!

Beitrag von sternenzauber24 03.05.10 - 19:54 Uhr

Hallo,

Zunge rausstrecken und Schimpfwörter gilt für mich als Respektlos, wird hier nicht geduldet und auch nicht gemacht.

Alle anderen Sachen die Du beschrieben hast, finde ich das du da alles richtig machst, das mit dem Mülleimer ist ja total goldig irgendwie...

LG

Beitrag von mamavonyannick 03.05.10 - 19:57 Uhr

Hallo,

ich finde deinen Text sehr schön:-D Auch ich versuche mich oft in mein Kind reinzuversetzen. Klar gibt es auch Sachen, die ich klar einfordere, aber ich denke, wenn du ihn fragen würdest, dann würde er sagen, Mama schimpft nicht viel, Hoffe ich doch#schein
Mit den Schimpfwörter... da sind wir jetzt auch nicht so strikt, auch wenn ich natürlich nicht zulasse, dass er zum Nachbarn "Arschloch" sagt. Aber aufpassen, was man sagt, muss man schon.
Haben wir gerade heut wieder gemerkt. Ich sage z.B. manchmal zu meinem Mann, der immer alles ganz, ganz genua wissen muss, "Du gehst mir auf den Sack". #hicks Ist gar nicht so böse gemeint, wie es sich anhört, wird nur im Hausgebrauch verwendet und sowohl mein Mann und ich wissen, wie es gemeint ist.
Tja, und was macht Yannick heute: Er war sauer auf Papa und bockte rum. Ging in die Küche, kam wieder raus und sagte: "Papa... du gehst mir auf den Sack"#schock

Da ist wohl gleich noch ein Gespräch fällig, dass das eine ganz böse Aussage ist und er Mama zukünftig darauf hinweisen darf, wenn sie so etwas sagt. Geht ja gar nicht;-)

vg, m.

Beitrag von lisasimpson 03.05.10 - 20:00 Uhr

hmm- ich hab mal das bad mit nem Nagellackentferner geputzt!
Meine mutter hats mit Humor genommen und die Absicht dahinter erkannt (wollte alles blitzeblank haben:)

-das ist nur eine der vielen Geschichten, von denn ich hier berichten könnten (eine der letzten Knaller war wohl ,als meine mutter mich auto fahren lies- ohne daß ich nen Führerschein hatte. ich konnte es aber wirklich schon ganz gut. sie war so baff, wie super ich das hinbekommen, also sollte ich auch die Königsdisziplin: einfahren in die sehr steil abgelegene Garage vorführen: es kam wie´s kommen mußte. sowohl meine mutter als auch ich überschätzen mein fahrerisches können und das auto konnte fortan nur noch von 2 türen aus bestiegen werden....)

aus mir ist dennoch ein einigermaßen sozial verträgliches Wesen geworden (aber ich hab nie mehr den drang gehabt etwas super sauber zu haben- das sollte ich mir nochmal genauer anschauen:9 und ganz sicher eine der vorsichtigsten Autofahrer überhaupt!

lisasimpson

Beitrag von janamausi 03.05.10 - 20:36 Uhr

Hallo!

Zunge rausstrecken und Schimpfwörter gibt es bei uns nicht. Wie soll man denn einen Kind erklären, dass es ok ist der Mama die Zunge rauszustrecken, aber es nicht ok der Erzieherin im Kiga die Zunge rauszustrecken #kratz

Außerdem finde ich Zunge rausstrecken respektlos und bin sehr verwundert, warum Du als erwachsener Mensch deinem Kind die Zunge rausstreckst... Würdest Du auch noch langen, wenn dein Kind mit 10 Jahren dir im Streit die Zunge rausstreckt? Wohl nicht, aber wie willst Du deinem Kind erklären, dass es jetzt mit 3,5 Jahren in Ordnung ist, aber mit 10 Jahren nicht mehr?

Dein Sohn ist ja auch erst 3,5 Jahre und dass mit dem "in den Mülleimer pinkeln" finde ich richtig süß. Mit 3,5 Jahren muß ein Kind noch nicht wissen, warum es nicht in den Mülleimer pinkeln darf. Daher war die Aktion ja von ihm lieb gemeint...

Aber mit 5 Jahren oder noch älter, sollte das ein Kind schon wissen und wenn das Kind dann in den Mülleimer pinkelt dann hat das nichts mit "lieb gemeint" zu tun, sondern ist provozierend vom Kind.

Auch war ich nicht böse, als meine Tochter mit 2 Jahren 1 kg Mehl in den Kuchenteig gegeben hat. Aber jetzt - meine Tochter ist 6 Jahre - erwarte ich schon, dass so etwas nicht mehr passiert, weil mit 6 Jahren weiß ein Kind, dass immer nur bestimmte Zutaten und Mengen in den Kuchenteig gehören.

LG janamausi

Beitrag von limone0507 03.05.10 - 21:46 Uhr

Hey Hanni,
bei Dir ist alles im grünen Bereich!!!
Supi!!

Beitrag von jazzbassist 03.05.10 - 23:21 Uhr

Ich arbeite seit mehr als 12 Jahren in der Forschung mit Kindern und Eltern zusammen und dass ist ein Berufsfeld, wo sie fast täglich feststellen: „Das war jetzt das erste Mal“. Da steigen Frettchen aus Kinderjacken empor und während der große Bruder weint, weil er einen winzig piks in den Zeigefinger bekommen hat, weint der kleine Bruder, weil er auch einen piks in den Zeigefinger bekommen möchte.

Aber Sie wären dann die erste Mutter, die auf den Satz: „So, jetzt Streck mir mal die Zunge raus und sage Aaa“ anfangen würden, zu schwitzen :-p Ich glaube schon, dass man Kindern recht einfach erklären kann, wann sie etwas dürfen, und, wann sie etwas nicht dürfen. Die sind ziemlich Klever in dem Alter und verstehen alles, was deren Verstand zulässt. „Wenn die Ampel rot zeigt, müssen wir stehenbleiben, wenn die Ampel grün zeigt, dürfen wir gehen“ - Schlüsse verstehen die auch vor Rolf Zuckowski bereits mühelos.

Bei 10-Jährigen hingegen ist das noch einfach. Irgendwann zwischen dem 4 und 5 Lebensjahr entwickeln Kinder die Fähigkeit, aus Liebe zu den Eltern etwas zu tun oder zu unterlassen. In einer intakten Eltern-Kind-Beziehung können Sie einem 10-Jährigen also jederzeit darum bitten, so etwas nun bitte nicht mehr zu tun, da es unangemessen ist.

Auch nehmen wir Kindern irgendwann die Windeln ab, die Schwimmflügel ab und die Stützräder ab, weil sie plötzlich - schneller als uns oftmals lieb ist - große Jungs/Mädels geworden sind. Manchmal wollen Kinder das von ganz alleine (weil sie selbst erkennen, dass ein „großer Junge“ sein bedeutet, eben auch ohne Windeln, Stützräder und Schwimmflügel auszukommen), manchmal müssen Eltern da ein wenig nachhelfen. Ich denke aber schon, dass wir denen erklären können, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Windeln, Stützräder und Schwimmflügel wegzulassen, obwohl wir das gestern noch erlaubt haben. In die andere Richtung funktioniert das auch; wir erlauben Kindern mit dem Alter immer mehr Privilegien und Freiräume, die wir ihnen vorher eben noch nicht erlauben konnten/wollten.

Beitrag von janamausi 04.05.10 - 07:24 Uhr

Hallo!

Vorweg: Ich finde Ihre Beiträge immer toll und auch sehr durchdacht. Jetzt weiß ich auch, warum Sie so viel Ahnung haben :-)

Aber wie soll ich denn einem Kind erklären, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, nicht mehr die Zunge rauszustrecken und es unangemessen ist, wenn ich es im Erwachsenenalter selbst mache? Ich bin doch ein Vorbild von meinem Kind. Wenn ich jahrelang als Erwachsener die Zunge rausstrecke, dann kann ich doch nicht plötzlich das Kind bitten, es nicht mehr zu tun, weil es unangemessen ist.

Ich sehe auch keinen Sinn darin, als Erwachsener einem Kind die Zunge rauszustrecken. Als Erwachsener müßte man doch in der Lage sein, seine Gefühle auszudrücken, anstatt diese mit ausgestreckter Zunge zu zeigen.

Einem Kind wir früh beigebracht nicht zu hauen, zu beißen etc. sondern sich mit Worten auzudrücken, da gehört doch das Zunge rausstrecken genauso dazu.

LG janamausi

Beitrag von jazzbassist 04.05.10 - 12:54 Uhr

Ich kann jetzt natürlich nur für meine Familie sprechen, aber, ich glaube nicht, dass Eltern ihren Kindern die Zunge rausstrecken, um zu zeigen: "Ich mag dich nicht", "Du bist doof", "Jetzt bin ich respektlos zu dir", "Das hast du jetzt davon", "Ich bin sauer auf dich" oder es dulden würden, wenn ein Kind dies täte, um genau so etwas damit auszudrücken.

Es wird z.B. in einem Spiel gesehen, wenn man mit einem Kind mal rumblödelt, rumalbert oder rumtobt und für ganz genau diese Situation eine völlig andere Bedeutung haben. Z.b. die gespielte Rolle des "frechen Jungen", der einfach noch mal von Mami durchgekitzelt werden möchte. Wo sie als Elternteil ganz genau raushören und erkennen können, dass das Kind in dieser Rolle "Nein" sagen und sich spielerisch wehren wird, aber er in Wirklichkeit weitergekitzelt werden möchte. Wir treiben diese Spielchen mit unseren Kindern täglich, in dem wir mit unserer Stimme, unserer Tonlage und unserer Körpersprache arbeiten.

Man kann mit einem Kind im Garten eine Wasserschlacht veranstalten, wo man in einer spielerischen Tonart "Nein" sagen kann und das Kind ganz genau raushört, dass es den Papa jetzt trotzdem nassspritzen darf [da man gerade eine Rolle spielt], der Papa das Kind dann spielerisch jagen und durchkitzeln wird. Ich kann am nächsten Tag mit der Familie im Garten sitzen und Grillen und wenn ein Kind das dann in dieser Situation versucht, "Nein" sagen (nicht einmal streng, laut, böse oder drohend) sondern mit einer ganz feinen nuancen in Mimik, Körpersprache oder Gestik - und das Kind weiß ganz genau, dass, wenn es den Papa jetzt nassspritzt würde, es ganz doll ärger bekäme.

Diese Dinge bedürfen keiner Rücksprache; weil sie in der Erziehung ihr ganzes Leben lang nicht nur mit ihrer Stimme gearbeitet haben, sondern immer mit Mimik, Körpersprache, Tonlage, Wortwahl, Satzbau, Gestik und dutzenden anderen Hilfsmitteln. Die Fähigkeiten, dass zu erkennen, erlenen Kleinkinder in ihrer Entwicklung, wenn sie immer und immer wieder versuchen, Grenzen zu überschreiten. Sie stellen fest, wann "Geh jetzt bitte ins Bett" auch wirklich "Ich muss jetzt ins Bett gehen, sonst gibt es konsequenzen" heißt, und wann hier noch ein bisschen Verhandlungsspielraum besteht. Wann ein "Nein" nicht "Mama holt mich hier weg heißt" sondern eher "Sei bitte vorsichtig damit". Wie oft ich meinem kleinen Bruder das Spielzeug wegnehmen darf, bis Mama da nicht mehr nur nein sagt, sondern aufsteht und mich aufhält. Erziehung ist, genau diese Dinge zu lernen; die sollten Kinder nach dem 30. Lebensmonat eigentlich sicher beherrschen können.

Beitrag von altehippe 03.05.10 - 22:23 Uhr

ne, genau richtig...:-)

die armen müllmänner. niedlich#verliebt

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