Beliebtes Neuhobby meines Sohnes (3) - Weglaufen & Terror in der Stadt

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von emestesi 04.05.10 - 21:50 Uhr

Hallo ihr Lieben,

mein Sohnemann ist gerade 3 und hat ein ganz neues Hobby gefunden, die Mama schier zu Verzweiflung zu bringen: Wenn wir in der Stadt sind oder beim Einkaufen läuft er gern schnurstraks im Sauseschritt davon und spielt das alte Spiel "Los Mama, such mich doch ... fang mich doch ... Ätsche-Bätsch!" - Und dann kommt das immer wieder gern genommene "Mama, das will ich aber Haaaaaaben!" und ein "Nein" so konsequent und ausdauernd von mir ausgerufen wird komplett überhört. Stattdessen wird Männelein immer lauter und lauter, worauf ich ihn dann mitten im Laden einfach plärren lasse und mit meiner Tochter (5) einfach weiter gehe. Auch nicht richtig, ich weiß - aber soll ich ihn im Laden zusammenbrüllen? Geht irgendwie auch nicht und bringt - erfahrungsgemäß - auch nichts. Das Weggehen & Ignorieren des großen Haben-Woller's hat aber bisher immer irgendwie ganz gut geklappt, auch wenn Mitzuschauer/innen laufend "wohlmeinende" Kommentare dazu abgeben.

Habt ihr gute Tipps für mich, wie ich beide Probleme in den Griff bekomme? Im Alltagsleben begegne ich seinen Grenzenerfahrungswünschen ;-) eigentlich immer so, dass ich bei akuten Wutausbrüchen, Schreiereien oder gar Handgreiflichkeiten (!) einfach den Raum verlasse und jeden Kontakt abbreche. Ein Beispiel: Wenn er sich morgens spontan weigert DAS Shirt anzuziehen und Alarm in Tüten praktiziert, gehe ich einfach aus dem Raum und lasse ihn stehen & wüten. Nach ein paar Minuten - und wenn's wieder ruhiger wird - frage ich nach, ob ich ihn denn jetzt anziehen dürfte. Wenn ein NEEEEEIN erschallt, gehe ich wieder. Und dann klappts meist im dritten Anlauf, weil es ihm dann auch zu doof wird. Komischerweise habe ich Zuhause auch die Geduld und Kraft, das Spiel bis zum Ende konsequent durchzuziehen. Doch in Stadt oder im Laden kommen mir die Schweißperlen auf die Stirn und so manches Mal verfalle ich doch wieder in Gebrülle. Was sowieso nix bringt.

Gebe gern zu keine Supermama und auch nicht unbedingt die konsequenteste Frau unter der Sonne zu sein - wenn wir denn mal zu Dritt unterwegs sind - was auch nicht soooo oft ist, da ich VZ arbeite -, dann möchte ich meinen Kindern in der Stadt schon mal was Schönes gönnen: Spielplatzbesuch, mal mit dem 50-Cent-Auto vor'm Supermarkt fahren, ein Eis, mal ein Würstchen an der Bude oder was zum Naschen. Doch wenn mein Kleiner jedes Mal austickt, habe ich keine Lust mehr, ihn dann dafür noch im Nachhinein zu belohnen. Aber wenn ich ihn ausschließe und nur meine Tochter darf dann, gibts den nächsten Terror in aller Öffentlichkeit. Also bleibts häufig dabei, dass es dann gar keine Extras gibt, was wiederum meine Tochter traurig macht, die doch artig war und die dann später erst im Nachhinein von mir "heimlich" das eine oder andere hübsche Extra zugesteckt bekommt. Was ich auch total blöd finde. Wie finde ich hier nur ein gangbares Mittelmaß ohne dass ich alle Nerven verliere und mit zwei gutgelaunten Kids den Einkauf oder die Shoppingtour überstehe #kratz?

Habt ihr ein paar Tipps für mich, wie ich diesen Attacken-Versuchen meines Sohnemanns Herr bzw. Frau werden kann?

Sorry --- ist jetzt doch ganz schön lang geworden, aber kurz ging's irgendwie nicht #blume.

Liebe Grüße von Emestesi

Beitrag von kathrincat 05.05.10 - 07:32 Uhr

buggy, geht nicht mehr? würde ihn einfach da reinsetzen.

Beitrag von marion2 05.05.10 - 08:02 Uhr

Hallo,

extras sollte es unabhängig vom Verhalten deines Sohnes geben.

Und: Ignorieren ist gut.

LG Marion

Beitrag von sternenzauber24 05.05.10 - 09:43 Uhr

Hallo,

Also in dem Alter wurden meine Kinder aktiv bei den Einkäufen eingebunden, hat Super funktioniert.
Die helfen Super mit, bringen auch mal was ich so suche, und das Einkaufen ist für die dann auch ein Abenteuer.

Weglaufen würde ich garnicht erst zum Spiel machen, an die Hand und fertig aus.

Kleinigkeiten gibt es bei uns nicht für positives verhalten- die gibts auch so mal zwischendurch- ich finde vernünftiges verhalten in der öffentlichkeit selbstverständlich, und dafür wird nicht belohnt. Wenn es was gibt, dann einfach so, und dieses Thema mit: ich will dies und das haben, ne das gibts daher garnicht.
Nein ist nein und weiter geht der Einkauf.

LG, Julia

Beitrag von lisasimpson 05.05.10 - 09:58 Uhr

Hallo!

ich finde, deine geschichte zeigt sehr schön, WARUM "ignoreiren" kein gutes Mittel ist, um ein Verhalten "zum verschwinden" zu bringen.
Ich habe mich hier schon oft abgemüht um dies zu erklären- aber heir sieht man es wunderbar.

Ignorieren ist (der theorie nach) ein gutes mittel um "verhalten zu löschen". in der praktischen Umsetzung funktioniers leider nicht.
Zum einen, weil durch das Ignorieren nicht das problem angegangen wird, das ursprünglich ist, zum anderen, weil man wieder eine neue Baustelle aufmacht (man ignorieret ja nicht nur ein verhalten, sondern einen menschen)
vor allem aber, weil man es nicht durchhält!
Es entsteht ein machtkapf, der auf der einen seite vom kind mit der intention geführt wird, DOCH eine reaktion des elternteils herbeizuführen und auf der andere seite von den eltern, in dem sie noch mehr versuchen nicht auf das kind zu reagieren.
Das Kind (wenns ein bißchen clever ist) gewinnt IMMER!
Das also zum thema ignorieren!

zum anderen denke ich, daß einkaufen vielleicht nicht die größte freude eines kleine jungen ist- ich würde daher versuchen, dies touren (wenn du sagst, daß du eh schon nicht so viel zeit mit den kindern hast) dahin verlegen, wo du vielleicht reine zeit mit deiner tochter verbringst?
und / oder etwas besonderes für deinen sohn aussuchst (vielleicht geh er lieber auf den spielplatz, fährt fahrrad oder so..)

zum anderne denke ich, daß du (statt ignorieren)

-herausfinden solltest, WAS ihn stört (das einkaufen an sich, die regeln dort, die wenige zeit mit mama) und versuchen, etwas dadarn zu ändern
- mit ihm besprechen, was du genau erwartest 8wir gehen jetzt eine halbe stunde einkaufen. ich weiß, daß du das nicht besonders magst. ich möchte, daß du dich an folgende regeln hältst.)
- du es aushältst, wenn es nicht funktioniert. du es aushältst, wenn er terror macht, weil er nichts bekommt. wenn das deine regel ist: jeder der es schafft, die halbe stunde durch die stadt zu tigern (wäre für mich schon die hölle!), der bekommt ein eis- dann ist das die regel. wen ner es nicht schafft, würd ich ihm kein eis kaufen ich würde mich hinsetzen und ihm sagen, daß es mir leid tut, daß er es diesemal nicht geschafft hat und mir sicehr bin, daß er es das nächste mal schafft.
ich würde ihm statt dessen nen kleinen lutscher o.ä. gebeben und aufzählen, wofür 8also wei ler an der kasse gewartet hat, wei ler an der hand blieb, wenns über die strasse ging...- er hat ja uch etwas RICHTIG gemacht, nicht ALLES nur falsch?!)
- dann würde ich etwas machen, was er gut kann, ihm sapß macht und er sicher gut hinbekommt - danach würde er ein eis bekommen, weil er sich an die regeln gehalten hat...

lisasimpson

Beitrag von emestesi 05.05.10 - 15:52 Uhr

Hallo Zusammen,

lieben Dank für eure Statements und Vorschläge. Also grundsätzlich gibts bei uns auch mal zwischendurch was Schönes und nicht nur in besonderen Fällen. Ich binde die Kinder aktiv ins Einkaufen ein; für meine Tochter ist es der größte Spaß. Der Kleine hat dagegen Spaß am Weglaufen ;-). Und was den Zeitrahmen betrifft, der nur für meine Kinder ist, so geht es mir wie vielen berufstätigen Müttern :-( Man hat einfach nie genug Zeit, wie man gern hätte. Natürlich würde ich es auch schöner finden, wenn ich nur einen halben Tag arbeiten müsste, aber das geht eben nicht. Ihr wisst sicherlich selbst, dass man, wenn man endlich mal um 17 Uhr daheim ist, nicht mehr soviel Zeit überbleibt. Hier binde ich dann die Kinder eben spielerisch ins Kochen, Aufräumen usw. ein, damit ich nicht auch noch dafür zuviel Zeit verschwende bis ich mich den Kindern widmen kann. Und der Papa ist auch nur am Wochenende da (arbeitet unter der Woche in weit-weit-weg). Da sind Stadtbummel halt wirklich rar gesät. Aber Schluss mit Jammern!

Ich habe heute mal mit der Erzieherin aus dem KiGa gesprochen und ob sie einen Rat wüsste. Sie sagte, dass es nach ihrer Erfahrung mit allen Kindern so sei, dass sie ganz bewusst die Dinge, die im KiGa durch Regeln nicht gemacht werden dürfen (zum Beispiel eben das Alleinweglaufen), bei den Eltern ausprobieren. Einfach mal gucken, wie weit man gehen kann. Ich habe ihr auch gesagt, dass ich den Kleinen ja nun nicht im Laden anbrüllen, ich aber auch Schweißausbrüche bekomme, wenn ich ihn ignoriere (ja, ist auch verkehrt) - da kann ja sonstwas passieren. Sie hat mir den Rat gegeben, den Lütten so lang im Einkaufswagen oder auch in den Buggy (für Stadtgänge z.B.) zu setzen (puh ... und er ist doch schon so groß & schwer #schwitz), bis ihm klar ist, dass seine Wut- und Bockanfälle im Freigang nix bringen. Dass er nur wie seine große Schwester neben und mit mir laufen darf, wenn er sich benimmt und dass es auch nur dann im Laden was Kleines gibt, wenn er bis zum Schluss "durchhält". Natürlich werde ich ihm das VORHER in aller Ruhe erklären. Tja - und dann wollen wir mal sehen, ob's klappt ...

Wie gesagt: Lieben Dank fürs Zulesen und eure Tipps! Schön, dass ihr helfen wollt #blume

Liebe Grüße
Emestesi

Beitrag von yamyam74 06.05.10 - 10:14 Uhr

Ich habe meinen einfach in seinen Buggy gesetzt und angschnallt... fertig.
Ich lasse mir doch von so einem kleinen Thyrannen nicht meinen Stadtbummel versauen:-)))))
Fand er zwar doof, aber es hat geholfen.

LG

Beitrag von cludevb 06.05.10 - 13:32 Uhr

Hi!

Als mein Zwerg mit dem Theater angefangen hat (auch vor ein paar Monaten) bin ich ne Woche nur mit beiden Kindern einkaufen wenn mein Mann dabei war.
Fing er an wegzulaufen und "fang/such mich doch" oder bocken, hat er eine Warnung bekommen "bleib bitte hier beim einkaufswagen/hör auf zu bocken, sonst gehst du mit papa zum auto"
1x bocken oder rennen - hat papa sich wortlos ein sich-windendes-etwas unter den arm geklemmt und ihn in seinen autositz gepackt und draussen gewartet.

2x die variante mit papa zum auto - thema erledigt, 1 warnung reicht.

dann hat ers natürlich noch probiert wo papa mal nicht dabei war als es sonst wieder "lief"... da war ich nur schnüffeln im schuhmarkt, eigentlcih schon fertig, hab ihn ins auto gebracht, bin demonstrativ wieder 2 min in den laden gegangen - er supersauer im auto (sichtweite aber ohne dass er mich sieht)... seitdem hat sich das theater auch wieder erledigt...
... und einkaufen ist wieder verdammt entspannend ;-)

und wenn du wirklcih drohst mit "dann gibts nachher kein brötchen oder so" dann sags auch deutlich und zieh es durch: nur schwesterchen bekommt ein eis weil sie kein theater gemacht hat...
obwohl das für mich nicht im zusammenhang als konsequenz stehen würde... heimlich zustecken würd ich nicht machen, wenn dann "offiziell" :-p

LG Clude, Lukas (3,5) und Michel (1)

Beitrag von butler 06.05.10 - 20:40 Uhr

Den Terror haben wir nur noch wenn Oma mitkommt. Die wird weich. Ich habe mit meinem Teufel einen kleinen Vertrag: Er benimmt sich unterwegs, nörgelt nicht rum und bekommt jede Woche eine Zeitung
gibt es terror fällt die Zeitung weg.
lg.