Wie Tochter (4) in Entwicklung unterstützen? Auch @ Jazzbassist bitte

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von millisma 05.05.10 - 10:28 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich hatte schon mal im anderen Forum gepostet, bin aber immer noch viel am grübeln, ob ich alle richtig mache.
Meine Tochter (grad 4 geworden) ist total klasse und toll so wie sie ist und ich genieße jeden Tag mit ihr.
Sie geht seit fast 1,5 Jahren bis mittags in den Kindergarten und den Rest des Tages verbringen wir dann gemeinsam oder sie verabredet sich mit Freunden. Als sie noc hkeine 4 JAhre war haben wir auch sportliche Vereinsaktivitäten wie Kinderturnen oder Schwimmen gemeinsam gemacht. Tja, nun ist sie 4 und da geht nunmal alles ohne Mami. DAs ist der Punkt, der ihr daran gar nicht gefällt. Zum Kinderturnen will sie nicht mehr, weil sie in dem Kurs ab 4 kein Kind kennt. Sie war dort zweimal mit ihrer besten Freundin, die danach 500 km weiter weggezogen ist und die beiden Male gab es auch keine Probleme. Jetzt will sie dort nicht mehr hin, weil sie sagt es macht sie traurig dorthinzugehen, weil sie dort alle an ihre Freundin erinnert. Okay, dann musst du da auc hnicht hin...war mein Kommentar.
DAnn dacht ich da sie zuhaus gern tanzt such ich etwas mit Tanzen......ic hhab einen tollen Sportverein gefunden sogar noch zwei Freundinnen von ihr überzeugen können sic hdort auc hanzumelden und meine Tochter will dort nicht hin. Ich dachte erst, okay es ist alles neu, sie muss sich erst dran gewöhnen und bin dreimal mit ihr zusammen dageblieben. Sie hat nur mitgemacht, wenn ich auch mitgemacht hab. DAnn hats ihr aber auch Spaß gemacht. Beim 4. Mal sollten alle Eltern rausgehen, sie war auch damit einverstanden, sonst wär ich ja nie vor die Tür gegangen. Als die Stunde zu Ende kam sie mir weiinend entgegen und der Trainer meinte, ja ...sie hätte die ganze Stunde geweint und dabei mitgetanzt...weinend!!!! NAja, auf jeden Fall will sie dort nie mehr hingehen und sagte abends im Bett zu mir Mama warum muss ic hzum Sport gehen? Kann ich nicht einfach nur mit Papa im Garten Fussball spielen? DAs fand ich so rührend .....Hat sie damit nicht Recht? Muss denn ein kleines Kind mit 4 schon zum Sport wenn es das gar nicht will?
Meine Angst ist nur, daß wenn sie sich nicht traut dort hinzugehen, daß ic hsie um das tolle GEfühl bringe sic hdoch etwas getraut zu haben und dadurch innerlich zu wachsen.......oder aber ich mach in ihr was kaputt, weil sie sic hvon mir unverstanden und verlassen fühlt, wenn ich sie gegen ihren Willen dort hinschicke.
DAnn kommt hinzu, daß sie momentan bei jeder kleinen Auseinandersetzung mich fragt, ob ich sie denn noch mag. Auch vorm Einschlafen braucht sie zigmal die Bestätigung, daß ich sie noch mag.
Obwohl ich ihr das auc hvon mir aus mehrmals täglich sage...es scheint nicht zu reichen.
Sie ist so super sensibel geworden, ich bin nun wirklich kein Mensch, der rumschreit oder sich sonst irgendwie daneben benimmt. Kleinen Kindern passieren nunmal Missgeschicke, oder sie machen Dinge die Erwachsene nicht mehr machen, weil sie wissen ,daß man das nicht tut. WEnn ich ihr das in einem etwas strengeren aber immer noch ruhigen Tonfall verständlich mache fängt sie sehr oft an zu weinen und sagt...so redet man nicht mit Kindern!!!! Und gleich darauf...magst du mich jetzt nicht mehr? Ich versicher ihr dann immer ganz egal was passiert ich werd sie immer lieb haben/mögen, aber daß ich trotzdem sauer auf sie bin. das ändere aber nichts daran daß ich sie mag.
Sie kommt mir in diesen Momenten so schrecklich unverstanden und unendlich traurig vor.

Wie soll ich mich denn nur verhalten?

Beitrag von sweety03 05.05.10 - 10:36 Uhr

Hallo,

lass sie zu Hause, wenn sie nicht zum Tanzen möchte. Kein Kind in dem Alter muss irgendwelchen Aktivitäten nachgehen, die es nicht mag!
Meine grosse Tochter (fast 7) ist auch extrem sensibel und braucht sehr viel Bestätigung von uns, dass wir sie lieb haben und sie so akzeptieren, wie sie ist. Dieses:"Hast Du mich auch noch lieb?" fordert sie auch mehrmals am Tag ein.
Auch nachmittägliche Veranstaltungen waren nie ihr Ding. Seit einem guten Jahr macht sie auf eigenen Wunsch Karate, was ihr super gefällt.
Verabredungen trifft sie eher selten und ist gern zu Hause bei ihrer Schwester und spielt mit ihr.
Mach Deiner Tochter keinen Druck. Sie entwickelt sich so am besten.

Sweety

Beitrag von connie36 05.05.10 - 14:19 Uhr

hi
ich denke das es manchmal nicht verkehrt ist, kinder mit anderen kindern zusammenzubringen. wie soll es bei ihr werden, wenn sie in die schule soll, und so superschüchtern und sensibel ist, und dort auch ncoh fremde kinder sind. wenn sie sagt, " ich kenn dort viele nciht, muss ich dahin gehen?" was machst du dann? ich sage ja nciht, das man sie zwingen muss dorthin zu gehen. aber ich hätte schon noch versucht sie eine weile zum durchhalten zu bringen. zb. wenn man danach einen "frauennachmittag" macht, mit in einem cafe einen heissen schoki trinken oder ähnliches.
wenn sie jedes mal, bzw. du , so schnell aufgibt, wird ihr das später auch nicht weiterhelfen.
meine grosse ist auch sehr schüchter gewesen, und hat sich in fremder umgebung nicht wohlgefühlt. nun ist sie im handball (fremder ort, sie kennt dort keinen) und seit 5 jahren im leichtathletik. sie ist dort mit niemandem eng befreundet, aber das verlange ich auch nciht. aber sie hat kontakt mit ihnen, versteht sich mit ihnen, und hat spass.
lg conny

Beitrag von marion2 05.05.10 - 10:47 Uhr

Hallo,

"Okay, dann musst du da auch nicht hin...war mein Kommentar."

Wäre es nicht besser gewesen noch zwei drei Mal hin zu gehen um die anderen Kinder kennen lernen zu können?

"Sie kommt mir in diesen Momenten so schrecklich unverstanden und unendlich traurig vor."

Versuch nicht, es ihr immer Recht zu machen. DAS geht dann wirklich nach hinten los.

LG Marion

Beitrag von lisasimpson 05.05.10 - 10:49 Uhr

"Muss denn ein kleines Kind mit 4 schon zum Sport wenn es das gar nicht will?"

NEIN! und auch ich mit 33 jahren muß das nicht!

Wenn sie im garten fußball spielen will- dann lass sie, wenn sie in nen verein will- ebenso..
aber jemande zu "seinem Glück zu zwingen" fand ich schon immer eine der dämlichsten ideen überhaupt
- vielleicht weil ich ganz ohne zwang am glücklichsten bin!

lisasimpson

Beitrag von h-m 05.05.10 - 11:37 Uhr

Natürlich muss sie in keinen Verein gehen, in keinem Alter. Wahrscheinlich hätte ich genauso reagiert wie Du.

Vielleicht hat sie in ein, zwei Jahren Lust dazu. Wenn andere Kinder ihr erzählen, was sie machen, oder wenn sie dann zur Schule geht und gerne was mit Freundinnen zusammen machen möchte... wie auch immer. Lass ihr einfach erst mal Zeit und warte ab.

Übrigens finde ich es nicht gut, dass der Trainer sie die ganze Stunde hat mitmachen lassen, obwohl sie geweint hat. Wahrscheinlich hast Du doch in der Umkleide oder so gewartet - da hätte er Dir kurz Bescheid geben können. Das hat Deiner Kleine vielleicht ziemliche Angst gemacht. Im Gegensatz z.B. zu Erzieherinnen im Kiga, hat sie den Trainer doch erst ein paar Mal gesehen und er ist noch gar keine Bezugsperson für sie gewesen.

Beitrag von celini13 05.05.10 - 12:08 Uhr

Ein Kind muss doch nicht in einen Verein. Ich verstehe den Druck nicht... Ich selber bin erst mit 11 Jahren in einen Verein eingetreten und das war ein Reitverein. Und dort ging es nur hin, weil ICH das wollte. Zum Glück hatte meine Mutter nicht den Drang gehabt, mich irgendwo unterzubringen... Ein Kind entwickelt sich doch am besten, wenn es in seiner Freizeit das macht, was ihm Spaß macht und wenn es einfach "nur" Abgammeln im Garten ist. Meine Große (6) geht einmal in der Woche zum Turnen, weil IHR das Spaß macht, ansonsten macht sie viele Aktivitäten in Kindergarten mit, die sie sich aber auch vor Ort selber aussuchen kann. Meine Kleine (3) ist da ein anderer Typ, die liegt lieber im Garten, pflückt Blumen und singt. Ich würde nie auf die Idee kommen, sie zu einem Sport zu drängen. Wenn sie eines Tages zu mir kommt und sagt, sie möchte dies oder jenes gern probieren, dann kann sie auch. Aber mit Druck würde ich die ganze Sache nicht angehen...
Warum gehst du nicht in den Verein und lässt deine Tochter mit ihrem Papa im Garten spielen:-p?
Nein, mit 4 muss das echt nicht sein. Freispielzeit ist in diesem Alter viel wichtiger für die Entwicklung als irgenein Sport unter Anleitung

Beitrag von sonne0410 05.05.10 - 13:14 Uhr

Hallo millisma,

was du da schreibst, erlebe ich bei meiner 4 jährigen Tochter auch. Emily mag grundsätzlich nicht zum Turnen oder zu anderen Aktivitäten, wenn ich nicht dabei bin. Ich habe auch ein Weilchen gebraucht, um zu erkennen, dass ich sie einfach lassen muss. Ich möchte ihr natürlich gern Aktivitäten wie schwimmen, tanzen, musizieren usw. ermöglich. Aber der Wunsch sollte von ihr selbst kommen. Emily ist auch sehr sensibel und schüchtern. Seit 3 Wochen geht sie mit ihrer besten Freundin zum Ballett, allein ohne Tränen. Ich bin total stolz und es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Alles Gute für Euch

Susan

Beitrag von jazzbassist 05.05.10 - 13:37 Uhr

Ich finde auch nicht, dass man ein 4-Jähriges Mädchen zu einer Freizeitaktivität zwingen muss, die sie selbst gar nicht machen möchte; das ganze soll ihr ja Spass machen! Ich würde als Elternteil nur dann eine Ausnahme machen, wenn ich das Gefühl hätte, dass ein Kind unter Bewegungsmangel leidet/Probleme mit der Motorik hat, keine bis nur sehr wenige Kinderfreundschaften hat oder ich weiß, dass ein Kind das eigentlich unbedingt möchte, es sich aber selbst nicht traut, über den eigenen Schatten zu springen. Beim lesen Ihres Beitrages hatte ich aber nicht das Gefühl, dass einer dieser Punkte zutreffen könnte.

Mein Spatz gehört auch zu den Kinder, denen nur etwas Spass macht, wenn er das mit seiner Freundin oder seinem besten Freund gemeinsam macht. Mit seiner Freundin sind das eher so mädchen-typischere Dinge wie Reiten; mit seinem besten Freund alles, wo die im 1 gegen 1 Wettkampf gegeneinander antreten können. Zu Gruppensportarten kriegt man ihn nicht überredet; ist ihm zu "ereignislos". Er hatte es neulich mal noch mit Volleyball versucht, war ihm aber immer noch zu viel "rumstehen und nichts tun müssen". Er braucht da eher Sportarten, wo er keine Sekunde zur Ruhe kommen kann.

Ich würde Ihrer Tochter hier einfach Zeit geben und zu nichts drängen, sofern sie nicht meinen, dass so eine Aktivität umbedingt nötig ist. Zum einen werden die - so älter die werde - eigentlich ohnehin immer ausgebuchter, was den Tagesablauf angeht; zum anderen, wenn sie genügend Freundinnen hat, wird sich da vermutlich ohnehin mal was entwickelt. Und wenn dann irgendwann die neue "beste" Freundin reitet und ihre Tochter einmal dabei helfen durfte, ein Pferd zu striegeln (schreibt man das so?), wird sie da sicherlich ganz schnell ein neues Hobby finden. Das geht manchmal schneller als man denkt. Am einen Tag weinen die noch, weil die auf der Straße mit den Nachbarskindern Brennball spielen und von einem Softball getroffen werden; am nächsten Tag sehen die eine Vorschau von Fluch der Karibik und fechten im Garten mit Stöckern.

Haben Sie mal versucht, zu eruieren, woher Ihre zwiegespaltene Angst kommen könnte? Standen Sie z.B. in Ihrer eigenen Kindheit mal vor der Situation, dass Ihre Eltern Sie zu einer Aktivität gezwungen haben, die Sie gar nicht machen wollten? Oder war es gar andersrum, dass Sie sich - rückblickend - gewünscht hätten, dass Ihre Eltern Ihnen mal geholfen hätten, über den eigenen Schatten zu springen? Im Regelfall können Kinder nämlich das Tempo, in dem sie einen Entwicklungsschritt gehen wollen, sehr zielsicher bestimmen; da muss man eigentlich nur sehr selten bei nachhelfen. Bei meinem Spatz kann ich mich eigentlich nur daran erinnern, dass seine gemeinen Eltern damals einfach die Stützräder vom Rad abmontiert hatten, obwohl er das gar nicht wollte. Aber auch diese Kriese haben wir überstanden :-p

Wenn Ihre Tochter gerade eher in einer sensibleren Phase ist, ist das sicherlich ein interessanter Balanceakt. Ich würde sie einfach am Tag immer mal wieder drücken, kuscheln etc. (das machen Eltern ja eh ;-)) und auch ansonsten ganz normal weitermachen mit der Erziehung. Ich würde hier auch davon abraten, darauf jetzt all zu große Rücksicht zu nehmen und in einem Muster zu verfallen, wo man versucht, einem Kind plötzlich "alles recht" zu machen. Sie können es ihr immer wieder erklären, das Mama sein auch manchmal heißt, "Nein" sagen zu müssen oder Dinge zu verbieten und das das nichts damit zu tun hat, dass wir unsere Kinder deswegen nicht mehr mögen. Kinder wissen das eigentlich von alleine. Sie merken ja, wie sich das ganze entwickelt.

Man kann auch immer mal wieder Situationen im Alltag einbauen, wo man Kindern einfach mal "Unfug" erlauben kann, den wir unseren Srösslingen sonst eigentlich eher verbieten würden. Klar gibt es viele Dinge, die Erwachsene nicht mehr machen - aber - das heißt ja nicht, dass eine 4-Jährige das nicht trotzdem mal machen darf :-p Man muss hier - glaube ich - einfach eine gesunde Mischung finden und gucken, wie ein Kind auf solche Ausnahmen reagiert. Man darf also im Garten ruhig mal im Matsch spielen, wenn's danach direkt in die Badewanne geht oder mal mit dem Gartenschlau die Fenster Nassspritzen, wenn Mama die heute eh noch einmal machen wollte. Es gibt viele solcher Situationen, wo sie feststellen werden: "Hmm, heute würde es ja doch mal gehen." Nutzen Sie die einfach ab und an aus - Kindern macht das eigentlich einen ungeheuren Spass, wenn sie auch mal mit Mama zusammen Regeln brechen dürfen.

Beitrag von celini13 05.05.10 - 13:42 Uhr

Ach Mensch, das mit dem Regeln-brechen ist ja echt ne super Idee. Sollte ich vielleicht mit meiner Großen machen - sie ist immer so vernünftig und regt sich so furchtbar auf, wenn die Nachbarskinder Blödsinn machen...

Beitrag von millisma 05.05.10 - 19:57 Uhr

Danke für die zahlreichen Antworten........auch ein besonders großer Dank an jazzbassist für die sehr ausführliche Antwort.
Ich fühl mich jetzt darin bestärkt, sie dort nicht mehr hinzuschicken. Kinder bekommen eh früh genug Freizeitstress, da muss ich ja nicht krampfhaft versuchen sie zu einem Sport im Verein zu überreden.......