Integration beim Schwimmen - uebersehe ich hier was?

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von hege08 05.05.10 - 21:26 Uhr

Holla ihrs,

Ich gruebel seit heute Morgen ueber ein Ereignis beim Babyschwimmen und ueberlege, ob ich irgendetwas uebersehe in meinen Gedanken oder ob die Welt um mich herum spinnt...

Ich habe kein behindertes Kind, das vorneweg. Daher denke ich auch, dass ich die Situation ggf nicht richtig einschaetzen kann.
Nun aber was eigentlich los ist.

Ich war mit meiner Kleinen heute beim Babyschwimmen. Nach dem Duschen (vorm Schwimmen) will ich in das Bad als mich andere Mamas zurueckhielten, ich sollte nicht in den Raum mit dem Becken, ich sollte in der Dusche warten. Der Grund, eine Gruppe Mamas mit behinderter Kinder, welche vor uns dran war.

Ich gehe regelmaessig zum Babyschwimmen, auch mit meinem Grossen. Bin somit 2 mal die Woche dort. Ich kenne die Schule und das Becken, scheinbar war diese Gruppe neu. Nie musste man bisher unter der Dusche warten, alle koennen immer schon in den Raum mit dem Becken. Es geht auch gar nicht darum, was ich darf/durfte, es geht um den "normalen Umgang" mit behinderten Kindern/Menschen. In der Dusche schon, als ich noch nichts ahnte, da kam eine Mama vorzeitig aus dem Kurs und legte ihr behindertes Kind zu meinem auf die Matte in der Dusche. Ich fand das total toll und dachte mir, wie schoen, dass meine Kleine auch mal mit einem solchen Kind zusammen sein darf. Die beiden lachten sich auch immer an, wobei das andere Kind schon sehr stark gehandicapt war. Es war sicher schon so um die 6 Jahre alt und war auf dem Bauch liegend schon fast viel weniger beweglich als meine 7 monatige, aber dennoch, die Kinder schienen Spass aneinder zu haben und die Mama und ich, wir lachten uns noch total nett an. ich fand das super - und dann kam dieses "ne, wir warten hier, naja, weil, da ist diese Gruppe vor uns, naja.." Ich hab das alles erst gar nicht gerafft und war noch total verwirrt, wie ich spaeter ins Wasser ging. Da kam unsere Kursleitung auf mich zu und erklaerte mir, die Leiterin dieses Kurses wuenscht das so - es kommt also nicht von den Mamas, zumindest fragte ich danach, und es hiess, nein, die Kursleitung meint das waere besser so.

Zum einen, ich lebe in Norwegen, spreche die Sprache zwar sehr gut, aber manchmal geht doch die eine oder andere Nuance floeten und dieses Thema ist auch bisl sensibel. Vielleicht habe ich den einen oder anderen hint uebersehen.

Zum anderen denke ich aber, dass ich das echt bloed finde. Auch fuer uns "Normalos", wie sollen wir denn den Umgang lerne, Interesse bekunden, uns informieren, lernen, sensibilisieren, wenn nicht in solchen Situationen? Das Schwimmen verbindet uns doch und gerade hier koennte man doch so gut mal in Kontakt kommen.... Noch viel bloeder waere, wenn das echt NUR von der Kursleitung kommt und nicht von den Mamas..

Wie seht ihr das? Uebersehe ich einen Fakt? Mein Mann meinte, vielleicht wuerden die "Normalos" die "Anderen" ablenken und daher macht man sowas? Gibts da was, was ich einfach nicht weiss?

Mich laesst das alles gar nciht in Ruhe, denn ich wuerde gerne mal mit einer Mama eines behinderten Kindes reden, fragen, wie sie die Welt sieht, wie ihr Alltag aussieht, wie sie sich wuenschen wuerde wie andere reagieren, und und und...

Kann mir wer von euch einen Rat geben? Wuerdet ihr der Kursleitung schreiben, sie nochmals ansprechen und nachhaken oder soll ich das Thema lieber so in Ruhe lassen - und wenn, warum???

Viiielen Dank und gut Nacht euch allen

Hege

Beitrag von punkt3 06.05.10 - 09:53 Uhr

Also ich habe auch kein behindertes Kind, finde die Aussage aber auch merkwürdig. Ich würde die Kursleitung UND die Mamas ansprechen..... Vielleicht hat nur die Leiterin so ne komische Ansicht und die Mamas(grade bei nem neuen Kurs...) wissen gar nicht, was da abgeht??? Dürfen sie ihre Kinder nicht zeigen????

Beitrag von jindabyne 06.05.10 - 11:58 Uhr

Die Leiterin wird ihre Gründe und vielleicht auch Erfahrungen haben, weshalb sie darum gebeten hat. Vielleicht möchte sie ihre Kursteilnehmer einfach vor neugierigen und unangenehmen Blicken schützen. Manche Leute können ganz schön starren, wenn ein Kind "irgendwie anders" ist, oder stecken tuschelnd die Köpfe zusammen, das ist dann sehr verletzend. Gerade auch die Situation, mit den Kindern ins Wasser bzw. wieder herauszukommen kann ja durchaus schwierig sein, je nach Schweregrd der Behinderung. Es macht einen Unterschied, ein Baby aus dem Wasser zu heben oder ein sechsjähriges Kind. Ich denke, die Bitte geht einfach mit dem Wunsch nach Privatsphäre einher und dass man sich sicher vor unangenehmen und ablehnenden Reaktionen sein möchte.

Auch wenn man selber offen und vorurteilsfrei ist, so muss man auch sehen, dass sehr viele Menschen es nicht sind. Man muss akzeptieren, dass Menschen, die schon schlechte Erfahrungen gemacht haben, nicht überall Integration wollen, sondern gerade in der intimen Situation eines Schwimmkurses (intim, weil die Kinder nicht mehr als Badebekleidung tragen) lieber für sich sind und sich dort frei und ungezwungen bewegen möchten.

Du kannst sicherlich mit den Müttern dort reden, das ist ja was ganz anderes, offene Gespräche und ein ehrliches Interesse ohne Sensationsgier freut jede Mutter. Aber wenn der Kurs lieber unter sich sein möchte, dann muss man das auch respektieren.

Lg Steffi

Beitrag von arienne41 13.05.10 - 11:53 Uhr

Hallo

Genau deshalb

Ich fand das total toll und dachte mir, wie schoen, dass meine Kleine auch mal mit einem solchen Kind zusammen sein darf.

Was ist daran toll, es ist eine normale Situation nix tolles.
Für dein Kind ist es egal weil es das ja nicht begreift.


wir lachten uns noch total nett an

Wieso habt ihr nicht gequatscht? So nach dem Alter des Kindes usw.

Oder sagen Ihrer mag aber Baby´s oder sonstwas.

Fragen was sie so im Kurs machen eben ein wenig smalltalk.

Die Kursleiterin schützt nur vor den neugierigen blicken.

In einem Pflegekurs haben wir ein Experiment gemacht.

Draußen im Rollstuhl

Was wir erlebten war echt schlimm, die Leute starten einen richtig an.


Beitrag von hege08 14.05.10 - 20:52 Uhr

Holla

Ich habe nicht gefragt, weil ich das erst alles gar nicht richtig gerafft habe - ausserdem lebe ich im Ausland und smaltalk ist nicht mein Ding.

Was willst du mit deinem post denn sagen? Ich verstehe deine Aussage nicht, diesen Stakkato-Stil ohne klaren Inhalt, der kommt hier irgendwie grad nicht richtig, ggf. sogar falsch an.

Schreib doch bitte mal richtige Saetze, so dass ich nachvollziehen kann was du meist.

Sorry, bin verwirrt, hab nicht erwartet, angegangen zu werden und aus Unfreundlichkeit zu stossen. Zumindest interpretier ich dich grad so, leider...

Hege

Beitrag von arienne41 14.05.10 - 22:03 Uhr

was verstehst du denn nicht?

Das mit dem Experiment? Es war nur ein Beispiel wie man sich als Behinderter wohl fühlt wenn man angeklotzt wird, mehr nicht.

Eine Mutter legt ihr Behindertes Kind mit in den Laufstall. Ich frag Dich was daran so toll war?

Was ich sage ist: Das die Kursleiterin die Mütter und ihre behinderten Kinder nur vor den neugierigen Blicken schützen will.

Lg

Beitrag von hege08 15.05.10 - 22:28 Uhr

Hi,

Ich fand es toll, dass mein Kind mit einem behindertem Kind in Kontakt treten konnte, denn ich treffe leider nicht oft auf behinderte Kinder.
Ich weiss nicht woran das liegt, ob an meinen Aufenthaltsgewohnheiten oder vielleicht daran, dass sie - wie eben die Kursleiterin auch praktizierte - "weggehalten" werden von der normalen Gesellschaft.

Ich finde das schade, daher mein post.

Und schoen fand ich, dass zwischen meiner Kleinen und der anderen ein herrlich herzhafter Kontakt statt fand, weit weg von so viel Kopflastigkeit.

Hege

Beitrag von jindabyne 16.05.10 - 20:59 Uhr

Ich denke, mit "weghalten" hat das nichts zu tun, sondern mit schützen!

Ich finde es total gut, dass Du Dir so viele Gedanken machst, denn Du meinst es gut. Aber es kann verletzen, wenn ein Mensch nur auf seine Behinderung reduziert wird.

Dein Baby hat es genau richtig gemacht: Einen Menschen so genommen, wie er ist. Ganz egal, ob behindert oder nicht. Da war ein Mensch, Dein Baby hat ihn wahrgenommen und sich gefreut, dass der Mensch da war. Solche Reaktionen würde man sich auch von Erwachsenen wünschen. Und keine Reaktion wie "Ach, wie schön, da ist ja ein Behinderter!" oder "Ohje, da ist ja ein Behinderter!" Behinderte Menschen wollen nicht anders, außergewöhnlich, komisch, spannend, toll sein, sie wollen vor allem eines: Dass man wahrnimmt, dass sie MEHR sind, als nur behindert.

Lg Steffi

Beitrag von hege08 16.05.10 - 23:24 Uhr

Hi,

Ich habe die beide, Mutter und Kind, auch so genommen, wie sie sind. Und meine Reaktion war sicherlich nicht "Ach wie schoen, eine Behinderte". Meine Reaktion war aber sicherlich auch nicht die, wie wenn ich auf eine Mutter eines nicht behinderten Kindes treffe. Das kann nicht gleich-gemacht werden, egal, wie man sich dreht und wendet. Ein gemeinsamer Zeichenvorrat in der Kommunikation und das Zurueckgreifen auf Gemeinsamkeiten sind notwendig, damit eine "Alltags-Kommunikation" stattfindet. Werden Behinderte, nenn es geschuetzt, weggehalten, dem "Alltag" entzogen, so kann da nur eine ungewoehnliche Situation, eben nicht-alltaegliche, entstehen.

Abgesehen davon finde ich es irgendwo vermessen, zu behaupten alle Behinderten Zitat "wollen nicht anders, außergewöhnlich, komisch, spannend, toll sein". Woher weisst du das? Weisst du, wie alle denken? Sind denn alle Behinderungen gleich? Und wieso bitteschoen sollte es unter den Behinderten nicht auch solche geben, die sich in irgendeiner Weise gerne als "anders, aussergewoehnlich, komisch, etc empfinden???

Hege

Beitrag von jindabyne 17.05.10 - 10:17 Uhr

Ich wollte Dir nur erklären, was arienne mit ihrem Beitrag meinte. Dass Du Dich von ihrem Beitrag verletzt verfühlt hast, habe ich verstanden. Ich wollte nur vermitteln. Gut, das ist wohl in die Hose gegangen.

Du schreibst selber, dass Du in Deinem Alltag nicht viele Behinderte kennst. Ich kenne sehr viele, meine eigene Tochter ist betroffen, in meiner Familie gibt es Behinderte, in meinem Bekanntenkreis ebenso. Somit habe ich schon viele Gespräche mit Menschen mit sehr verschiedenen Behinderungen geführt, Menschen, die von Geburt an behindert sind und solche, die es erst später wurden. Mag sein, dass es auch Behinderte mit "geltungsbedürfnis" geben mag, die gerne mit ihrer Behinderung im Rampenlicht stehen wollen. Aber das ist die Ausnahme. Sicher möchte jeder, der einen schwierigeren Alltag zu bewältigen hat, anerkannt haben, dass der Alltag eben schwieriger ist. Das geht auch mir als Mutter so. Aber eines möchte keiner: Auf seine Behinderung reduziert werden.