Wie kann ich meiner kleinen Schwester helfen?

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Forum: Ungeplant schwanger

Was ist, wenn eine Schwangerschaft überraschend und ungeplant kommt? Hier kannst du fragen, wie andere diese Situation bewältigt haben. Grundsatz-Diskussionen um das Thema Schwangerschafts-Abbruch sind allerdings besser im Forum "Allgemeines" aufgehoben.

Beitrag von dahahi 05.05.10 - 22:21 Uhr

Hallo ihr Lieben,

heute hat mir meine kleine Schwester (naja, immerhin schon 23) eröffnet, dass sie einen SSTest gemacht hat, der positiv war. Sie hatten mal wieder nicht richtig aufgepasst, die Pille danach hat offenbar nicht gewirkt (war jetzt wohl auch schon insgesamt das 4. mal und ein gewissen Restrisiko besteht da ja nunmal)... Jedesmal hab ich ihr gesagt, sie sollen endlich vorsichtiger werden, das ist kein Kinderspiel und kann Konsequenzen haben. Egal, das hab ich JETZT natürlich nicht zu ihr gesagt...

Sie ist mit nem Typen zusammen, mit dem sie eigentlich nicht den Rest des Lebens verbringen will und er ist nem Kind gegenüber eher nicht so positiv eingestellt. (O-Ton meine Schwester: Das passt ihm überhaupt nicht in den Kram...)

Sie hängt zwischen allen Stühlen, denkt in alle Richtungen.

Ich möchte ihr so gern helfen, aber ich weiß nicht so recht wie...

Ich hab ihr gesagt, egal wie sie sich entscheidet, stehe ich zu ihr, obwohl ich eigentlich bis auf einige wenige Ausnahmefälle (Mädchen ist selbst noch ein Kind, wurde vergewaltigt etc.) total gegen Abtreibung bin. Das weiß sie eigentlich auch, ich hab ihr auch nochmal gesagt, wenn sie das Kind bekommen will, unterstütz ich sie nach Kräften und immer wieder vorsichtig für das Kleine plädiert. Ich weiß aber auch, dass es ihre Entscheidung ist und will sie nicht bevormunden.

Ich habe so angst, dass sie es wegmacht, ich will meinen kleinen Neffen/ meine kleine Nichte so gern beschützen. Andererseits hab ich auch ein wenig Bammel davor, wie es wird, wenn sie das Kind bekommt. Sie könnte wahrscheinlich ihre Ausbildung erstmal nicht zuende machen, mit dem Freund weiß ich auch nicht wie das wird und offen gesagt ist sie noch nicht die reifeste. Ich seh sie noch nicht so als Mama, aber ich glaube in sowas wächst man rein oder? Dafür dauert ne Schwangerschaft ja ne Weile, damit man sich darauf einstellen kann...

Jetzt meinte sie vielleicht verliert sie es ja eh noch (ich hatte damals beim ersten Versuch leider eine FG), aber das ist doch ein furchtbares Willkommen oder, wenn die eigenen Eltern hoffen, dass man stirbt bevor man leben durfte...

Ich will ihr keine Vorwürfe machen und vielleicht entscheidet sie sich ja für das Kind (auch gegen ihren Freund) aber ich bin gleichzeitig so sauer auf sie, dass sie so verantwortungslos gehandelt haben... Das sollte doch alles was Schönes sein? Ich hab so gebangt um meinen Kleinen, ne Freundin versucht seit ner Ewigkeit, schwanger zu werden, hatte ne Eileiterschwangerschaft usw. und dann macht die Kleine so einen Mist und dieses kleine Leben steht von Anfang an unter sonem schlechten Stern :-(

Bin total durcheinander, was meint ihr, wie ich mich verhalten soll? Wie kann ich eine wirkliche Hilfe sein? Wie kann ich eine gute große Schwester sein und gleichzeitig meinem ungeboren Nichte/Neffen zur Seite stehen? Ohne halt meine kleine Schwester unter Druck zu setzen?

Das Recht, mich einzumischen nehme ich daher, dass sie sich direkt als erstes an mich gewandt hat. Sie vertraut mir und ich möchte nicht, dass sie das bereut...

Liebe Grüße und danke schonmal im Voraus für alle hilfreichen Antworten...

Beitrag von binnurich 06.05.10 - 09:00 Uhr

Vorab zwei Dinge:
- erstens, ich verstehe deine Position
- zweitens: ich habe eine Kind und hatte dannach noch eine SS, die mit einem Abbruch endete, den ich nicht bereue

Meine Meinung:
Deine Schwester scheint in Gewisser Weise sehr unreif. Ich finde es grob fahrlässig, häufiger in eine solche Situation zu geraten. Sie ist 23, da sollte sie das zwischenzeitlich auch kapiert haben.
Insofern scheint deine Schwester ein nicht sehr verantwortungsbewußter Mensch zu sein. Das ist schon mal nicht gut.
Eigentlich bin ich nämlich der Meinung, dass eine Frau in einer solchen Situation sich zurückziehen soll und sich SEHR genau überlegen soll, was sie will. Da sollte ihr auch keiner reinreden. Ob ein anderer (Partner, Verwandter, Kindsvater, die Eltern ....) sagt, sie soll das Kind wegmachen oder ob er sagt, er (sie) wird immer für sie da sein und sie unterstützen, wo es nur geht: letztendlich muss die Frau mit dem Kind klarkommen, sie muss es annehmen und auch ordentlich großziehen. Andere Menschen kommen und gehen (auch wenn es die eigene Familie ist), eine Mutter SOLLTE da bleiben.

Sie muss mit der Entscheidung und allen Konsequenzen leben, egal, welche Entscheidung sie trifft.
Die Entscheidung FÜR das Kind bedeutet eine Menge Verantwortung. Schlecht wäre wenn sie nachher (bewußt oder unbewußt) sagt oder dem Kind vermittelt: Mein Kind ich habe dich eigentlich nicht gewollt. (Ich glaube, das ist noch VIEL schlimmer, als eine Abteibung - diese seelische Grausamkeit einem Kind gegenüber)

Sie kennt deine Meinung dazu sicher. Aber sie soll sich entscheiden und nachher nie wieder zurückblicken, sondern mit der Entscheidung leben und diese für sich annehmen, keinen dafür verantworlich machen. Ich denke, das ist das wichtigste.

Ich drücke dir, ihr und dem Kind die Daumen, dass sie es richtig macht, was immer richtig sein wird.

Viele Grüße

Beitrag von schlingelchen 06.05.10 - 13:25 Uhr

Hallo,
du machst eigentlich schon alles was in deinen Mächten stehst...du bietest ihr deine Hilfe an.Alles andere muß sie selbst entscheiden.Sie wird ja noch beraten, kann sich dann noch eine bessere Meinung bilden und eine Entscheidung treffen.
Was die Sprüche zu einer vielleicht eintretenden FG betreffen...sie hat KEINE Ahnung wovon sie spricht,daher würde ich das nicht so ernst nehmen.
Ich war auch einmal ungeplant schwanger und habe ähnlich gedacht. Als ich dann meine 1.FG ein paar Jahre später hatte, habe ich im Nachhinein auch nur den Kopf über mich geschüttelt.
Lass ihr einfach Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Vielleicht ist es auch gut für sie endlich erwachsen zu werden und zu reifen. Oft wird man erst als Mutter richtig erwachsen.

LG,Anja

Beitrag von linagilmore80 06.05.10 - 15:59 Uhr

Nun ja, mit 23 Jahren weiß man eigentlich, dass man schwanger wird, wenn man schlecht oder gar nicht verhütet.

Ich bin genauso wie Du gegen Abtreibung es sei denn, es gibt einen berechtigten Grund (Vergewaltigung, Schwangere ist selber noch ein Kind etc.). Abtreibung ist für mich kein Verhütungsmittel.

So wie ich das sehen, möchtest Du sie dazu animieren das Kind zu behalten. Du hast Deine Gründe, was ja okay ist. Aber unterm Strich muss sie mit der Entscheidung klar kommen.

Wenn Du ihr helfen willst, dann geh mit ihr zu den Beratungsstellen und stehe hinter ihr, wenn sie sich gegen das Kind bzw. für das Kind entscheidet.
Erkläre ihr die Alternativen und die Folgen. Zeig ihr auch die Möglichkeit, das Kind auch ohne den Vater großziehen zu können und rate ihr, dass sie sich nicht vom Vater des Kindes oder sonst einem Menschen zu einer Abtreibung zwingen lassen soll.

Aber die endgültige Entscheidung muss ihre Entscheidung sein. Nicht Deine, nicht die des Vaters oder von sonstwem.

Liebe Grüße,
Lina

Beitrag von dahahi 07.05.10 - 23:53 Uhr

Danke für eure einfühlsamen Antworten. Es war hilfreich, ein paar Gedanken "von außen" zu der Sache zu lesen. Außerdem hat es mich in meiner Haltung bestärkt, meine Schwester nicht zu sehr zu beeinflussen, auch gegen meine Überzeugung.
Mittlerweile scheint sie sich entschlossen zu haben, das Kind zu bekommen, und wie es aussieht wird ihr Freund sie dabei unterstützen, auch wenn ihm eine Abtreibung lieber gewesen wäre. Ob sie dauerhaft zusammenbleiben, ist recht zweifelhaft, aber das Wichtigste ist ja, dass beide bereit sind, sich um das Kind zu kümmern. Dies scheint der Fall zu sein.
Jetzt, wo die Kleine sich mit dem Gedanken anfreundet, bald Mama zu werden, beginne ich mich richtig zu freuen auf meine Nichte/meinen Neffen. Hoffentlich geht alles gut und das Kind kommt gesund zur Welt. Alles Weitere werden wir irgendwie schaffen - dafür ist Familie ja da.
Nocheinmal vielen Dank für eure Anteilnahme und eure Gedanken #herzlich

Beitrag von sunflower5 08.05.10 - 16:47 Uhr

Hey, das freut mich aber.
Dann bestärke deine Schwester ruhig in ihrer Entscheidung, denn möglicherweise kommen zwischendurch immer mal Zweifel usw auf.

Unterstützung kann doch jede Schwangere gebrauchen.

glg und alle guten Wünsche...