Mein Mann hat zwei Menschen verbrennen sehen, wie kann ich helfen?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von joeli1704 08.05.10 - 13:46 Uhr

Hallo,

ich weiß nicht, ob es jemand von euch mitbekommen hat, den Unfall mit dem gelben Sportwagen am Donnerstag Mittag auf der A46 bei Wuppertal mit zwei Toten. Mein Mann ist Polizeibeamter und war mit den Kollegen der erste am Unfallort. Der Fahrer bereis tot, der Kopf halb abgetrennt, liegend im brennenden Auto, die Frau hat noch gelebt, brennend haben sie sie aus dem Auto gezogen, leider ist sie noch am Unfallort verstorben.
Mein Mann hat schon sehr viele ähnliche Fäller erlebt, doch keiner hat ihm so viel abverlangt wie dieser. Zum ersten Mal in 10 Jahren Polizeidienst hat er den Polizeilichen Psychologischen Dienst in Anspruch genommen.
Er spricht seit dem Unfall kaum noch zu Hause, steht total neben sich, ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll, wie ich ihm helfen kann, hat jemand einen Rat für mich? Wäre sehr dankbar, er tut mir so leid, er kriegt die Bilder einfach nicht mehr aus dem Kopf... :-(

Beitrag von mausezahn05 08.05.10 - 14:14 Uhr

Das ist wirklich schwierig und ich kann mir auch vorstellen wie Du dich fühlst, deinen mann so zu sehen.

Mein mann ist feuerwehrmann und bekommt auch oft sehr belastende Dinge zu sehen. Glücklicherweise steckt er auch fast alles sehr gut weg. Das einzige was ihn heute noch belastet, ist ein 7-jähriger Junge, den er vor Jahren nicht mehr hat retten können (er war schon tot, als mein Mann den Einsatzort erreichte.)

Ich kann dir nur raten: Sei für Deinen Mann da, hör ihm zu, wenn er reden möchte und nimm ihn in den Arm, wenn er es benötigt. Ich glaube mehr kannst du im Moment nicht tun. Wenn Dein Mann soweit ist, wird er bestimmt auf Dich zu kommen. Vielleicht hat er auch Angst, Dich zusätzlich zu belasten. Meiner versucht sowas auch mit sich selbst auszumachen, aber irgendwann wird er für deine Hilfe dankbar sein.

Beitrag von sandrinchen27 08.05.10 - 17:11 Uhr

Hallo ;-)

Oh je, Ihr müsst jetzt viel miteinander überstehen und es wird bestimmt nicht leicht werden.

Ich weiß auch nicht ob ich Dir irgendwie helfen kann.

Mein Schwiegerpapa in "spe" war selbst Polizist bei der Kripo.

Er war immer total aufbrausend wenn es nur eine Kleinigkeit war. Eines Nachmittag tranken wir miteinander einen Kaffee auf unserer Baustelle - und er fing von selber an darüber zu reden, was er damals alles mitmachen musste. (von Vergewaltigungen über Mord usw.)

Ab da, sah ich ihn nicht mehr als gereizten Rentner, sondern als welchen,
der viel in seinem Leben mitmachen musste und sich stets um seine 2 Kinder bemühte, dass ihnen beiden ja nichts böses zustößt.

Sei einfach für Deinen Mann da, frag nicht nach dem was passiert ist, lass ihn von selber reden. Es wird bestimmt eine harte Zeit werden, und wenn Ihr Euch liebt, übersteht Ihr diese gemeinsam. Nimm ihn in den Arm, wenn er es möchte, aber rede nur mit Ihm, wenn er mag! Sei einfach für ihn da, wenn ihm danach ist.

Alles Gute wünscht Euch Sunny #sonne #liebdrueck

Beitrag von fallnangel 08.05.10 - 18:38 Uhr

Das ist ziemlich happig und er leidet bestimmt posttraumatisch. Mein Mann hatte auch Symptome nach seinem Einsatz im Irak, jedoch war es wohl nicht so schlimm dass er psychologische Hilfe brauchte. Er ist seitdem jedoch immer etwas mehr in sich gekehrt als vor dem Einsatz.
Das wichtigste ist wohl, dass du ihm das Gefuehl gibst, dass du immer fuer ihn da bist und ihn nicht haengen laesst, auch wenn er komisch reagiert. Man hat nach sowas ab und an das Gefuehl einen komplett anderen Menschen zu betrachten. Oft ist die Persoenlichkeit mit betroffen. Ermutige ihn weiterhin psychologische Hilfe anzunehmen, das ist sehr wichtig. Ein Psychologe kann besser einschaetzen wie's um ihn steht. Als Normalsterblicher unterschaetzt man manchmal die Auswirkungen eines solchen Traumas nicht nur psychologisch sondern auch physikalisch. Gib ihm Halt, draeng ihn nicht ueber etwas zu reden dass ihn belastet. Mein Mann redet bis heute nicht ueber seinen Einsatz und das war 2004/2005.
Die naechste Zeit wird bestimmt anstrengend, aber gemeinsam koennt ihr das schaffen.
Ich wuensch euch alles Gute.
lG

Beitrag von kimchayenne 09.05.10 - 10:37 Uhr

Hallo,
Du wirst Deinem Mann nicht helfen können,ausser da zu sein kannst Du nichts tun.Es ist oft so das die Polizeibeamten,Feuerwehrleute usw. Ihre Familien damit nicht auch belasten wollen.Dein mann soll sich weiterhin an den psychologischen Dienst wenden,wenn IHm das nicht genug Hilfe bietet dann an ein Kriseninterventionsteam wenden.Mit PTBS ist nicht zu spaßen.Ich wünsche Euch alles gute und hoffe das es Deinem Mann bald besser geht.Wir haben diese Geschichte letztes Jahr gehabt,mein Mann ist bei der Feuerwehr.
LG KImchayenne

Beitrag von fruehchenomi 09.05.10 - 10:43 Uhr

Ein guter Freund von mir - Berufssoldat - hat in Afghanistan nach einem Anschlag mit Toten ebenfalls einen grausamen Job erledigen müssen. AUf Näheres möchte ich nicht eingehen. Seine Familie konnte ihm nicht helfen. Er selber musste zugeben, dass er psychologische Hilfe braucht, ging dann in Therapie und hat es Gottseidank geschafft. Sonst schleppen die das Jahre mit sich rum.
Er soll bitte doch noch weiterhin den Psychologen in Anspruch nehmen, rate ihm das liebevoll, das ist sicher möglich.
Du kannst ihm nur das Gefühl geben, für ihn da zu sein, mehr wohl nicht.
ALles Gute.
LG Moni

Beitrag von maggy79 09.05.10 - 12:44 Uhr

Hi,

der Unfall war bei uns um die Ecke (Schnellstraße) und wir standen überall im Stau, als wir unsere Kleine von Oma abholen wollten.
Schrecklich was da passiert ist und das auf einer Straße, die wir jeden Tag fahren (keine Autobahn).
Ich bin froh, nicht da gewesen zu sein. Würde bestimmt auch total neben mir stehen.
Ich hoffe, dass Dein Mann die Bilder aus dem Kopf bekommt, bzw. lernt damit umzugehen. #klee Ich denke, du selbst, kannst nicht viel tun, außer für Ihn da zu sein.

LG
Maggy

Beitrag von aenni 10.05.10 - 18:46 Uhr

Es tut mir mir sehr leid für Deinen Mann, mich nimmt das auch sehr mit!!

Ich kannte das weibliche Opfer!!

War zusammen mit Ihr in der Berufschule! Kann es noch gar nicht glauben!