Trennung oder nicht oder doch

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von oh jeee... 09.05.10 - 10:49 Uhr

Ich bin seit fast 7 Jahren mit meinem Mann zusammen und wir sind im Juli 5 Jahre verheiratet.
Wir haben eine gemeinsame Tochter, 5 1/2 Jahre alt.
Mittlerweile haben wir den Zustand erreicht, dass wir nebeneinander her leben. Er ist selten zu Hause (Arbeit, Job, Flohmarkt) und ich kümmer mich allein um unsere Tochter.
Wir haben uns, abgesehen von Banalitäten, nichts mehr zu sagen, im Bett läuft fast nichts mehr usw.
Hinzu kommt, dass er spielsüchtig ist, zwar nicht im großen Rahmen (dafür haben wir kein Geld), aber er verspielt ca. 1 mal im Monat alles, was er gerade so hat. Dafür holt er sich Vorschüsse von der Firma, so dass es um mehrere Hundert Euro geht.
Helfen lassen in Form von Therapie oder Selbsthilfegruppe will er sich nicht.
Ich wollte mich schon tausendmal trennen und habe es immer wieder verworfen.
Wir wohnen auf dem Land, sehr einsam und ich würde gern wieder in die Stadt ziehen.
Dann müßte meine Tochter, die sehr sensibel und schüchtern ist, den Kiga wechseln und die Trennung von ihrem Vater auch noch verkraften.
Ich weiß, dass das sehr schlimm ist für sie.
Ich bin sicher kein Mensch, der sein Wohl vor das des Kindes stellt, aber mittlerweile bin ich körperlich krank von dieser Beziehung.
Jetzt habe ich eine Wohnung gefunden, in die ich mich schon auf den Bildern verliebt habe.
Einerseits bin ich wild entschlossen, dort morgen anzurufen und nach einem Besichtigungstermin zu fragen, andererseits weiß ich nicht, ob es richtig ist.
Ich habe Angst, etwas falsch zu machen.
Wir sind einige Jahre zusammen und man kann sicher nicht immer traute Eintracht erwarten. Und wenn er nach Hause kommt und lieb und nett ist, zweifel ich schon wieder, ob es richtig ist, sich zu trennen.
Vielleicht kann ja der ein oder andere mir etwas dazu schreiben.
Mein Verwandten- und Bekanntenkreis ist zwar immer sehr verständnisvoll, es wird aber immer gesagt: "Das mußt DU entscheiden".
Irgendwie kann ich es nicht richtig, vor allem wegen unserer Tochter nicht!

Beitrag von marlie 09.05.10 - 11:54 Uhr

Hallo,

natürlich ist es deine Entscheidung, was du machst, denn du musst sie auch tragen.
Auch ich kann nur schreiben, was ich persönlich denke.

>>Helfen lassen in Form von Therapie oder Selbsthilfegruppe will er sich nicht.<<

Eine Ehe mit einem Süchtigen ist hart, das mal vorweg.
Mehrere hundert Euro im Monat... wie fangt ihr das denn auf?
Außerdem kann eine Partnerschaft nicht funktionieren, wenn einer der Partner Versuche zur Problemlösung torpediert (sofern dein Mann überhaupt merkt, dass seine Spielsucht ein Problem IST).
Wenn dich die Ehe schon körperlich krank macht und ihr auch ansonsten keine Basis mehr miteinander habt, würde ich mich trennen.
Deine Skrupel bezüglich deiner Tochter kann ich verstehen. Wenn es dir aber mit einer Trennung besser geht, wirst du wieder mehr Kraft und deinen Kopf freier haben und kannst deine Tochter unterstützen. Ihren Papa verliert sie ja nicht. Wenn ich richtig gelesen habe, ist er ohnehin selten zu Hause und in der Zeit herrscht vermutlich eine eher gespannte Athmosphäre.
Mein Mann und ich waren einige Monate getrennt. In der Zeit hat sich unser Sohn (damals 7) so sehr verändert, dass ich da erst realisiert habe, wie viel er mitgekriegt und wie sehr ihn das alles belastet hat. Vorher war ich so sehr mit den Problemen unserer Ehe beschäftigt, dass ich nicht gesehen habe, dass auch der Kleine darunter leidet.

Eine Trennung ist nicht immer nur eine Katastrophe, sondern auch eine Chance auf ein Neubeginn.

Ich wünsche dir viel Glück #klee

LG

Beitrag von herz-und-seele 09.05.10 - 23:00 Uhr

hallo und alles Liebe,

das Wohl des Kindes "vorzuschieben" hält dich in der spannenden Lage dich nicht entscheiden zu wollen. Was du dabei übersiehst ist, daß dieses sensible Wesen längst an deinem Krankwerden Anteil nimmt, so sind die Chancen groß, daß sich Schuldgefühle und Co- Abhängigkeiten herausbilden, deren Konsequenzen für das spätere Leben und Partnerschafts- Gefüge verherend sein können.

Es ist zu raten sich über Co- Abhängigkeit zu belesen, das Internet bietet da hervoragende Sach- Quellen dazu. Es geht auch nicht alleine um dich - wie du schon gesagt hast, aber vornehmlich, weil du dich nicht trennen willst und deshalb viele Gründe findest es nicht zu tun..

wie du so schön sagst.. es schon 1000 mal gewollt oder vorgestellt und dann immer noch an das Pflänzlein Hoffnung geklammert, es möge sich wieder eines Tages zum besseren wenden - dieser Tag wird nie kommen, denn Spielsucht ist eine Sucht und mit dem Geld der eigenen Familie Raub- Bau zu betreiben ist verantwortungslos und egoistisch..

er wird erst recht weiterspielen und sich ins Grab spielen, wenn du ihn verläßt, aber es ist nicht dein Leben, was verspielt wird - es darf soweit eben nicht kommen, jetzt hast du dich geäußert, jetzt ist die Zeit zur Handlung.

Es reicht nicht aus zu wissen was ich tun muss, wenn ich nicht tun will, was ich weiß !

Einem Abhängigen können wir nicht helfen, indem wir seine Abhängigkeit mittragen, oder gar fördern - aber das tust du ungewollt, weil sein Verhalten offensichtlich zu keinen Konsequenzen führt.

Das Wohl des Kindes mit einer krank-werdenden Mutter ist auch fraglich - meinst du nicht, daß du dir selbst etwas einredest, warum die Trennung vermeidbar ist.

möglicherweise bist auch du bereits in einer Weise emotional abhängig geworden, weil auf etwas gehofft wird, daß von sich aus nie geschehen wird, aber es ist der gewohnte Leidensdruck, der dir plötzlich fehlen könnte - die Angst vor Veränderungen ist die häufigste Ursache an gewohntem Leid festhalten zu wollen.

Ich kann dir nicht raten dich zu trennen, aber ich möchte dir sagen, daß die Argumente nicht durchdacht sind - weil es nunmal eine gefühlte Lebens- Situation ist.. viele andere wären schon beim ersten Auftreten der Spielerei gegangen, aber aus irgendeinem Grund glaubst du ihm, wenn er sagt, daß alles wieder gut sein wird...

beschwichtigst sogar, daß es ja keine sooo schlimme Spielsucht sei... findest sogar unterstützendes Verstehen, daß er sich ja Vorschuß holen kann - das macht es dann alles nicht so tragisch-- merkst du, daß du seine Sucht in dieser Weise förderst ?

Es gibt Wege aus der Abhängigkeit für DICH im Guten für das Kind und DICH, was dann kommt ist ein neues Kapitel, das mit Sicherheit mehr Potential hat, schön zu werden, als diesen Zustand weiter mitzutragen.

- und ich bin nicht mal Psychologe, oder Therapeut um das klar sehen und sagen zu können - ich hoffe ich konnte deinen Blick ein wenig schärfen, denn deine Augen sehen schon 'was ist'.

lieber Gruß h & s

Beitrag von ex-spieler 10.05.10 - 16:58 Uhr

Hallo Du,

als Ex-Spielsüchtiger kann ich Dir nur sagen, dass Du keine Hoffnung zu haben brauchst, so lange er nicht hinstehen kann und sagen kann: ich bin Spieler und ich brauche Hilfe.

Und bis es so weit ist, hast Du keine andere Wahl, als ihn entweder zu verlassen (was ich nur für die zweitbeste Möglichkeit halte) oder ihm die Pistole auf die Brust zu setzen: Du übernimmst die komplette Verwaltung der Finanzen. Du hast das eigene Konto, Du bekommst sein Gehalt, Vorschüsse werden ausgeschlossen, er bekommt bei der Bank kein Geld.

Nur durch solche Maßnahmen kannst Du seinen Leidensdruck erhöhen bzw. aufbauen.
Wenn Du das nicht kannst und ihn durch Deine Passivität zum Spielen ermunterst, bist Du Co-Abhängig.
Spielsucht ist eine ernsthafte Krankheit - eine psychische Krankheit - aber heilbar. Aber nur, wenn der Zocker mitmacht.