Förderung in Mathe/logisches Denken (4 J)

Archiv des urbia-Forums Kindergartenalter.

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von malisch 10.05.10 - 17:16 Uhr

Hallo zusammen,

meine Kleine ist nun 4 geworden und interessiert sich sehr fürs Zählen und Rechnen. Wir stellen ihr die einfachsten Rechenaufgaben (oft auch von ihr selbst gefordert) (bis 12), die sie mit Fingern löst. Jetzt habe ich mich mal gefragt, wie man es sonst spielerisch unterstützen könnte, ohne sie zu überfordern und Lust am Rechnen zu verbauen? Im Internet habe ich ein paar Spiele gefunden. Aber kennt Ihr noch irgendwelche Betätigungen (z.B. wie Experimentieren mit Alfred für naturwissenschaftliche Experimente)?
Ganz ehrlich stehe ich sowieso auf der Kippe zwischen Wissensdurst befriedigen und zu viel (in Hinblick auf Schule) zu geben.
Wie sind da eure Erfahrungen / Meinungen?

Gruß
Malisch

Beitrag von fallnangel 10.05.10 - 17:34 Uhr

Hi Malisch,
das ist sehr schwer in dem Alter konkrete Auskunft zu geben. Kinder im Alter von 4 befinden sich noch im praeoperationalen Stadium und selbst wenn sie weiter als das ist, im konkretoperationalem Stadium. Logisches Denken ist mangelhaft, Mathe jedoch fordert logisches Denken ziemlich frueh.
Die einzige Moeglichkeit die ich sehe ist sie mit realen Objekten, also mehr oder minder Abzaehlen, zu fordern. Sie kann sich unkonkrete Dinge wie zB Zahlen noch nicht vorstellen.
Ich glaub das musst du asutesten. Wissenschaftliche Experimente sind auch angewendete Mathematik und verlangen eine Faehgkeit Dinge im Kopf umzusetzen. Das ist schon ziemlich schwer fuer ein Kind in dem Alter, wenn nicht unmoeglich.
lG

Beitrag von nana141080 10.05.10 - 19:19 Uhr

Die Übersetzung der von dir benutzten Fachausdrücke würden vielen Usern deutlich machen was du sagen willst;-)

Nicht jeder kennt Piaget.

Beitrag von fallnangel 10.05.10 - 21:34 Uhr

Da hast du wohl recht. Das vergess ich gerne und dann bekomm ich grosse Fragezeichen ;)
Piaget war ein Psychologe mit Schwerpunkt auf Entwicklung. Er fand heraus, dass Kinder sich aehnlich wie ein Baukasten, in bestimmten Sequenzen entwickeln. Bestimmte Faehigkeiten die wir im Erwachsenenalter als normal empfinden, ist bei Kindern oft rein physiologisch noch nicht vorhanden d.h. selbst mit den besten Lehrer und dem besten Training kann man einem Kind bestimmte Vorgaenge nicht begreiflich machen. Dazu zaehlt uebrigens auch das Toepfchentraining. Wenn das Kind physiologisch noch nicht daz faehig ist (dazu benoetigt es ein bestimmtes Hormon), ist es nicht die Begabung des Kindes, sondern die Begabung der Eltern bestimmte Zeichen ihres Kindes richtig zu deuten und dann schnell genug das Kind auf den Topf zu bekommen ;-)
Obwohl Piagets Katalogisierung Luecken hat und auch umstritten ist, stimmen Grundaspekte. Ich erklaer das mal ganz grob: Im preoperationalen Stadium ist das Kind noch nicht faehig sich in andere Menschen hinein zu produzieren. Ein gutes Beispiel dafuer ist, dass Kinder in dem Stadium einem das Bild zum Beispiel so zeigen dass sie es selbst sehen koennen, der Betrachter aber nicht. Das Kind nimmt an der andere koenne durch seine Augen sehen. Ferner koennen sie Quantitaeten noch nicht einschaetzen d.h. schuettet man eine Fluessigkeit von einem groesseren Gefaess in ein kleiners, denken sie es sei weniger, was jedoch nicht der Fall ist.
Im Konkretoperationalem Stadium ist das Kind faehig gewisse Logik anzuwenden zB weiss ein Kind dass wenn es vom Bett faellt tuts weh. Jedoch hat es schwierigkeiten das Wissen generell anzuwenden. Es tut weh vom Bett zu fallen, jedoch tut es auch weh vom Stuhl zu fallen? Diese Anwendung von Logik ist jedoch nur im konkreten Falle moeglich d.h. zeig ich einm Kind 5 Aepfel, nimm einen weg, dann sagt es mir es seien nur noch 4; tu ich den Apfel wieder zurueck sind es 3, ganz logisch. Ich kann das jedoch nicht mit Zahlen machen. Ich kann ihn nicht hypotetisch fragen 5-1 und 4+1. Es ist nicht gut fassbar, aber entwickelt sich langsam. Das Stadium ist ca zwischen 7 und 11.
Wow das wurd jetzt lang. Also zusammengefasst: keiner kann generell sagen, dass ein einzelnes Kind nicht dazu faehig ist, jedoch neurologisch ist es wahrscheinlich fuer abstrakte Rechnerei noch zu jung. Abzaehlen geht natuerlich.

Beitrag von marathoni 10.05.10 - 17:46 Uhr

Es gibt sehr gute Vorschulhefte die ihr sicherlich Spass machen. Auch mit 4 Jahren schon. Empfehlenswert ist alles vom Hauschka Verlag.

Beitrag von bine3002 10.05.10 - 18:47 Uhr

"Ganz ehrlich stehe ich sowieso auf der Kippe zwischen Wissensdurst befriedigen und zu viel (in Hinblick auf Schule) zu geben."

Ich würde die Schule mal völlig vergessen, denn letztlich ist jede Information, die Du deinem Kind vermittelst, auch Schulwissen. Erzählst Du was über das Wetter: Sachkundeunterricht 2. Klasse. Erzählst Du was über den Körper: Sexualkundeunterricht 3. Klasse. Und interessiert sich das Kind für Buchstaben: Deutschunterricht....

Was will man machen? Gar nichts mehr erzählen, damit sich das Kind in dem ein oder anderen Fach nicht langweilt?

Beitrag von janamausi 10.05.10 - 20:19 Uhr

Hallo!

Du förderst sie doch schon spielerisch in dem Du ihr Rechenaufgaben vorgibst. Jetzt nach irgendwelchen Spielen, Büchern etc. zu suchen um sie Mathe "pauken" zu lassen, finde ich völlig überfrüht. Man kann doch Zahlen jederzeit ins alltägliche Leben einbauen, z.B. beim Treppensteigen Stufen zählen, beim Spazieren gehen 5 Schritte vor gehen und 2 zurück etc.

Wenn Du ihr jetzt schon Bücher etc. kaufst, was soll sie denn dann in der Schule machen?

Viel wichtiger als ihr das Rechnen bei zu bringen finde ich die Kleinigkeiten, z.B. das schneiden mit der Schere. Wie schneidet denn deine Tochter wenn sie einen Stern ausschneidet? Schneidet sie alles am Stück und dreht das Papier oder setzt sie die Schere an verschiedenen Stellen an. So Kleinigkeiten zu lernen, ist viel wichtiger. Gerade dieses o.g. "Umgreifen" ist für das spätere Mathe und logisches Denken wichtig.

Ich weiß nicht wie es bei anderen Schulen, Bundesländern etc. ist, aber bei uns in der Schule sollen die Kinder gar nicht mit Fingern zählen. Keine Ahnung wie sie es lernen, ich habe meiner Tochter auch das zählen mit den Fingern beigebracht bis ich erfahren habe, dass das total verkehrt ist und die Kinder die das zählen mit den Fingern gelernt haben, sich nur um so schwerer in der Schule tun.

LG janamausi

Beitrag von turmmariechen 10.05.10 - 20:55 Uhr

Von Haba gibt es doch eine Reihe Spiele zum Rechnen. Oder Mini Lük . Wenn Sie Spaß daran hat. Aber letzlich machen die Kids das ja auch allein indem sie einfach alles abzählen, beim Einkaufen rechnen (8 Eis - jeder bekommt 2 ) usw....ich glaube, Lust am Rechnen kannst Du Ihr nicht verbauen - wie denn??? Es gibt auch jede Menge Vorschulhefte mit kleinen Übungen. Bei meinem Großen habe ich auch "viel" in diese Richtung gekauft und mit ihm gespielt. Jetzt beim Kleinen sehr ich aber, dass es auch gut diese zusätzlichen Dinge geht...die regeln das ja wirklich von ganz allein. Ich glaube, interessierten Kindern vergeht die Lust nicht, wenn man einfach alle Fragen beantwortet und sie auch mal spielerisch im Alltag motiviert

Beitrag von colli26 11.05.10 - 08:36 Uhr

Hallo,
alles, was Spaß macht ist erlaubt. Meine beiden lieben z.B. diese Knobelhefte und Mini LÜK. Da wird ja auch viel einfach das logosche Denken, genaue Hinsehen, etv. gefördert. Es gibt aber auch Hefte mit ersten Zähl- und Matheaufgaben.

Außerdem gut fürs logische Denken und die räumliche Wahrnehmung (später wichtig für Geomethrie) sind die guten alten Puzzel. Oder GeoMag, damit kann man auch ganz spielerisch und nebenher mathematisches Grundwissen üben, ohne dass es wirklich "üben" ist.

LG
Coli
mit Jule und Lena (4J 11M)