Brauche Tipp für logische Konsequenz

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von jasahe 11.05.10 - 21:39 Uhr

Mein elfjähriger Sohn ist ein sehr kluger Kerl und ist schon recht selbständig. Wenn es aber um Dinge geht, die er erledigen soll, ist er doch immer sooo "vergesslich" (wers glaubt). Jetzt hat er seit ca. 3 Monaten eine Liste einiger weniger täglicher Aufgaben. Diese hängt vor seiner Nase an seinem Schreibtisch. Das sind Dinge wie Altpapier und Sondermüll aus der Küche in die Garage und dort sortieren. Zahnspange eine gewisse Zeit pro Tag tragen. Jausenbox aus dem Rucksack, damit die Reste nicht vergammeln. Usw. Diese Liste führt zu ständigen Konflikten, es gibt eig. kaum einen Tag an dem er alles davon erledigt. Mir fällt leider keine sinnvolle Konsequenz ein, nur übliche Strafen. Zuerst war es 30min früher ins Bett; führte dazu, dass er jeden Tag früher ins Bett mußte und wir jeden Tag Streit hatten und schlechte Laune. Geht auch auf Dauer nicht, weil er manchmal länger lernen muss etc. Dann habe ich das PanniniWM Sticker Heft für jeweils 2 Tage eingezogen; das gehört jetzt eher mir als ihm und führt zu noch mehr Diskussionen. Ich kann es nicht glauben, dass ein 11 jähriger nicht in der Lage sein soll, täglich sechs fixe Aufgaben von einer Liste zu erledigen. Wenn ich vernünftig mit ihm spreche, will er mir immer beteuern, dass er sich bemüht, blablabla. Alle Ratgeber erzählen so locker vom Hocker von Konsequenzen, die so logisch sind, dass es die Kinder gleich schnallen; in diesem Fall fällt mir einfach keine ein. Gebt mir einen Tipp, ich wäre dankbar!

LG

J.

Beitrag von bine3002 11.05.10 - 21:47 Uhr

Ich habe mal gelesen, dass man Aufgaben regelmäßig neu überdenken und einteilen sollte. Das ist zwar im "wirklichen" Leben auch nicht so, aber er ist ja nun auch erst 11 und hat noch etwas Zeit mit dem Erwachsenwerden.

Das bedeutet konkret, dass Du dich mit ihm hinsetzt und ihm ein paar Aufgaben zur Wahl stellst. Statt also täglich den Müll rauszubringen, könnte er zwei mal die Woche das Waschbecken putzen, einmal die Woche saugen oder was auch immer ihm angenehmer ist bzw. was Du ihm eben anbietest. Es ist dabei nicht wichtig, WAS ein Kind macht, sondern DASS es etwas macht. Und es ist Ok, wenn das Kind wählen darf. Z. B. könnte man die Aufgaben auch wöchentlich neu einteilen.

Es ist durchaus möglich, dass andere Aufgaben besser klappen. Vielleicht weil sie neu (und damit nicht so langweilig) sind. Vielleicht auch, weil sie ihm besser liegen. Egal, Hauptsache man muss nicht ständig diskutieren.

Ansonsten: Vielleicht hat er ja eine Idee. Rede doch mal mit ihm. Mach ihm klar, dass jedes Familienmitglied seinen Beitrag leisten muss, dass es aber nicht geht, dass Du ihn ständig daran erinnerst, weil Du es ja dann auch gleich selbst machen kannst. Frag ihn, was er sich als Lösung vorstellen könnte.

Beitrag von lisasimpson 11.05.10 - 21:51 Uhr

hier meine meinung zu strafen (denn die suchst du ja!)
http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=21&tid=2599855

ja- sechs aufgaben (neben schule, hausaufgaben, hobbys...) SIND viel!
warum belohnst du ihn noch dafür, wenn er sie gemacht hast, nstatt ihn zu bestrafen, wenn er mal eine vergißt?

wenn er zuvor keine erleidgit hat und nun 6 machen muß iost das ähnlich als würdest du dir ne liste machen, die beinhaltet
- diät anfangen
- mit dem rauchen aufhören
-steuererklärung machen
- großputz erledigen
usw...

fant doch mal klein an.
wieso muß er täglich sondermüll wegbringen?
warum erinnerst du ihn nicht an die zahnspange?
warum könnt ihr nicht das papier zusammen mal rausbringen. so daß es ein bißchen mehr spaß macht?

was tust du den nso, daß er sich wohl fühlt bei euch und sich daher auch gerne für euch als familie engagiert?

lisasimpson

Beitrag von jasahe 11.05.10 - 22:03 Uhr

Hallo!

Ich will eben keine Strafe mehr, sondern viel lieber eine logische Konsequenz, die mir eben nicht einfällt. Ich habe schon damit argumentiert, dass ich ja auch Dinge für ihn tue und dass eben jeder von uns seinen Anteil erledigt. Er tut auch Dinge um die ich ihn ersuche (ohne zu murren), wie Geschirrspüler einräumen und viel mehr. Ich habe keine Lust, ihn 20 mal an die Spange zu erinnern; das geht mir auf die Nerven und er hat sie schon seit 2 Jahren; das kann ja wohl nicht so schwierig sein. Weters staple ich Papier etc. in der Küche und sein Job ist es eben, die Arbeitsfläche wieder zu räumen. Ich hole ihn z.B. von der Schule ab, weil er keine Lust hat, 30min. auf den Bus zu warten. Ich habe ihn bis vor kurzem jeden Tag in die Schule gebracht, damit er 20 min länger schlafen konnte. Etc. Ich möchte ihm beibringen, dass das Leben ein Geben und Nehmen ist und kann es einfach nicht glauben, dass er in seinem Alter nicht fähig dazu sein soll...

Beitrag von lisasimpson 11.05.10 - 22:10 Uhr

wo ist dann ds problem, ihn von der schule abzuholen, ihn in die küche zu führen und zu sagen.
"so, sohnemann- ich hab dir 30 minuten lebenszeit verschafft und nun kannst du davon 15 minuten opfern. bitte räum das zeug in die garage""

Ich glaueb nicht ,daß ein kind in dem alter gewillt ist und es auch nicht seinen aufgaben enspricht sich um all das selsbtändig zu kümmern.
sein job ist es in die schule zu gehen und seine hausaufgaben zu machen.
wen ner etwas zusätzlich für die familie beisteuern soll, dan nit das o.k.

es geht über zwei wege auf jeden fall besser

1. ritualisiert : es muß immer das gleiche am gleiche ntag sein und er muß einen gewinn davon haben, es zu machen (spange muß er immer Punkt 14 uhr reinpacken und darf sie ab punkt 17 uhr? rausmachen)

2.etwas zusammenmachen. Spaß an den aufgaben zu haben und diese zusammen zu machen stärkt nicht nur eure beziehung sondern auch das gefühl, daß es angenehm ist etwas für andere zu tun. außerdem erlebt er so direkt, was es bedeutet, etwas für und mit der familie zu tun

von strafen wie bettgehzeiten und co würd ich dringend abstand nehmen.
du erwartes mit deienr liste unheimlich viel selbständigkeit von ihm und degradierst ihn gelichzeitig wieder zum kleinkind mit diesen sanktionen (nicht daß jemand denkt, ich würde solche maßnahmen für kleinkinder als geeignet sehen:)

lisasimpson

Beitrag von bine3002 11.05.10 - 22:20 Uhr

"2.etwas zusammenmachen. Spaß an den aufgaben zu haben und diese zusammen zu machen stärkt nicht nur eure beziehung sondern auch das gefühl, daß es angenehm ist etwas für andere zu tun. außerdem erlebt er so direkt, was es bedeutet, etwas für und mit der familie zu tun"

Das sehe ich auch so. Wir räumen z. B. das Kinderzimmer ZUSAMMEN auf. Dafür räumen wir dann auch mal die Küche ZUSAMMEN auf. Dabei trällern wir ein Liedchen und haben keine Diskussion. Meine Tochter ist zwar erst (fast) 4, aber ich wüßte nicht, was mit 11 anders daran sein sollte.

Beitrag von jasahe 11.05.10 - 22:31 Uhr

Hmmm, ich sehe schon einen Unterschied zwischen einer 4jährigen und einem 11 jährigen. Ich räume mit meinem Großen sicher nicht mehr das Zimmer auf und singe dabei. Ein kleines Kind an Aufgaben heranzuführen auf diesem Weg finde ich super. Aber irgendwann muss man ja mal loslassen können.

Beitrag von supikee 11.05.10 - 23:07 Uhr

Das stimmt.....ich muss mit meinem 10jährigen auch immer aufräumen, weil er die Hälfte "vergisst" und die andere Hälfte irgendwo in den Schrank wirft...

Mit "wir singen dann während des Aufräumens" könnte ich ihn nicht locken.
Er ist einfach nur froh, wenn diese lästige Aufgabe vorbei ist.

Beitrag von lisasimpson 12.05.10 - 09:38 Uhr

"Aber irgendwann muss man ja mal loslassen können."

ja- aber offenbar klappt es doch nicht...

ich habe nicht geschrieben, daß KEIN 11 jähriger in der Lage wäre, alleine etwas zu tun.
ich sehe aber daß DEIN 11-jähigere nicht in der lage ist..

Find ich wirklich oft witzig, daß hier fragen nach neuen ideen gesteltl werden, weil die alten nicht funktionieren (was ja clever ist). bietet man dann eine erklärung an, warum es nicht so funktioniert UND eine alternative idee, dann kommt das argument "aber das müßte doch so funktionieren, wie ich mir das vorstelle"-
hm, da bin ich dann etwas baff, denn offenbar waren wir doch über diesen schritt schon hinaus.

hatte am wochenende eine schöne diskussion über ein ähnliches thema.
Diese führte ich mit einem freund, der immer mal wieder versucht mit dem rauchen aufzuhören- es aber nicht schafft. da er der meinugn war, eine andere Veränderung (die er von einem anderen menschen einfordert) sei doch so leicht zu bewerkstelligen, ermahnte ich ihn den ganzen abend, doch nun endlich mal mit dem rauchen aufzuhören-. dies sei doch kinderleicht. ich wüßte wovon ich spreche, denn ich bin selbst ehemalige Raucherin und habe ohne Probleme aufgehört damit.

ich denke nach ca 20 ansagen, es doch nun zu lassen, hatte er zumindst verstanden, daß das NICHT der weg ist, der ihn dabei unterstützt UND daß das, was für mich leicht ist, noch lange nicht für ihn leicht ist zu verändern.
daß wir alle bestimmte muster haben, die oft nur schwer für uns zu durchbrechen sind und bei denen wir oft einiges an hilfestellung brauchen um ein ziel zu erreichen!

Alles liebe
lisasimpson

Beitrag von 1familie 12.05.10 - 20:59 Uhr

Meine Tochter ist zwar erst (fast) 4, aber ich wüßte nicht, was mit 11 anders daran sein sollte.

Süss :-) So dachte ich auchmal.
Mein damals kleiner Sohn räumte so gern auf und nun ist er 7 Jahre .... nun gut, ich glaub ich kenne keinen 7jährigen der gern aufräumt mit gesungenen Lieder ebenfalss nicht.
Aber ich hab ja jetzt einen KLeinen, der das wieder gern macht ;-)

Beitrag von marion2 12.05.10 - 08:09 Uhr

"Ich habe keine Lust"

Das ist das Problem. DEINE AUFGABE ist, ihn täglich daran zu erinnern.

Wenn du keine Lust hast, hat er ein Recht darauf, auch keine zu haben.

Das ist eine logische Konsequenz.

Beitrag von sassi31 12.05.10 - 12:29 Uhr

Da würde ich einhaken:

Die logische Konsequenz ist, dass du ihn nicht mehr aus der Schule abholen kannst, weil er seinen Anteil an Aufgaben nicht erledigt und du das ja nun selber machen musst. Da bleibt dir für die Fahrerei zur Schule keine Zeit.

Beitrag von anira 13.05.10 - 11:32 Uhr

Hallo,

ich seh es so wie du!!!!

und da hast du deine konsequenz
er beteiligt sich nicht ans gemeinsame leben?
dann kannst du ihn nicht von der schule abhohlen und hinbringen
weil du ja seine aufgaben machen musst
fang an das du ihn dann nicht von der schule abholst
morgens würde es nur zuviel streit und stress geben und am ende müsstest du ihn doch bringen weil er zu spät käme
ansonsten bleib dran
er muss seine täglichen aufgaben einfach machen

wenn er "nur" schule machen muss sonst nix
hast du in 20 jahrne so nen ehemann der ja nur arbeiten geht und das wars

Beitrag von sassi31 12.05.10 - 12:24 Uhr

"ja- sechs aufgaben (neben schule, hausaufgaben, hobbys...) SIND viel! "

Also da auf der Liste u. a. auch steht, dass er seine Brotbox aus der Tasche nehmen und seine Zahnspange einsetzen soll, finde ich nun nicht, dass 6 Aufgaben viel sind. Zumindest die beiden Punkte sind doch keine wirklichen "Aufgaben". Die Brotbox aus der Tasche nehmen dauert 2 Minuten und Hausaufgaben kann man auch dann machen, wenn man eine Zahnspange trägt.

Beitrag von jazzbassist 11.05.10 - 22:44 Uhr

Seit ca. 3 Monaten beweist Ihnen Ihr Sohn täglich (induktiv, fast schon empirisch), dass er eben doch nicht in der Lage ist, selbstständig an diese sechs fixen Aufgaben zu denken.

Die logische Konsequenz ist da ziemlich einfach. Streichen Sie erst mal 5 dieser täglichen fixen Aufgaben wieder. Es scheint ja die letzten 10 Jahre auch anders funktioniert zu haben. Und erst, wenn das mit dieser „ersten“ fixen Aufgabe tadellos (wie selbstverständlich) funktioniert, versuchen sie es mal langsam mit einer weiteren (zweiten) Aufgabe.

Nehmen Sie einfach etwas, dass schnell geht, wie den Altpapier in die Garage zu bringen. Begleiten Sie ihn dabei einfach mal die erste Woche und machen es gemeinsam mit ihm. Also spätestens beim 2. Mal würde mein Kleiner (auch 11) dann sagen: „Papa, ich bin Kind mehr, dass kann ich auch alleine“. Dann würde ich ihm einfach anbieten, dass, wenn er mir hier zeigt, dass er ein „großer Junge“ ist, er auch ein neues „großer Junge“-Privileg bekommt. Z.b. ein paar Minuten länger aufbleiben, ein paar Minuten länger draußen spielen dürfen o.ä., unter der Bedingung, dass er da täglich selbstständig dran denkt und sie ihn da nicht mehr dran erinnern müssen. Es muss sich ja auch lohnen, ein „großer Junge“ zu sein.

Lassen Sie das einfach mal ein paar Wochen laufen und wenn das sicher (wie selbstverständlich) funktioniert, können Sie es ja mit einer weiteren Aufgabe versuchen. Wobei ich persönlich bei meinem Sohn nur eine einzige Pflicht sehe, nämlich, dass er gut in der Schule mitkommt. Spätestens, wenn das „Familie helfen“ zu lasten der schulischen Leistung geht, würde ich stark davon abraten, einem Kind hier zusätzliche Pflichten aufzubrummen. Für die meisten Kinder wird Schule mit dem Alter nämlich nicht leichter. Und ich finde schon, dass die ruhig noch ein paar Jahre Kinder sein dürfen. Die wollen nämlich ohnehin schnell schnell genug erwachsen werden.

Beitrag von lisasimpson 12.05.10 - 09:38 Uhr

"Die logische Konsequenz ist da ziemlich einfach. Streichen Sie erst mal 5 dieser täglichen fixen Aufgaben wieder."

was sollte es auch anderes sein!

Vielen dank

lisasimpson

Beitrag von jasahe 12.05.10 - 10:39 Uhr

Das mit der Schule ist ein guter Punkt. Er hat weder Probleme in der Schule noch muss er sich besonders anstrengen. Schule als Auftrag braucht er nicht. Er hat im Gymnasium nur Einsen. Deshalb möchte ich, dass er auch andere Dinge lernt und sich sozial weiterentwickelt bzw. lernt, dass zum Zusammenleben alle etwas tun müssen. Allerdings habe ich hier einige Anregungen bekommen, um das System dazu zu überdenken! Danke!

LG

J.

Beitrag von jazzbassist 12.05.10 - 16:04 Uhr

Vielleicht ist das auch einfach eine Erkenntnis, für die ein Kind 18 Jahre lang Zeit hat, um sie im vollen Umfang zu erkennen und zu erlernen und erst - wenn ein Kind diesen Reifeschritt einmal vollbracht hat, kann man behaupten, dass es endlich erwachsen geworden ist?

Die Schule funktioniert ganz ähnlich. Ihr Sohn lernt im Mathematikunterricht zum Beispiel gerade, wie bestimmte mathematische Flächen heißen, wie man deren Flächeninhalt oder Umfang errechnet; wie man Maßeinheiten umrechnet. Erst, wenn ein Kind das verstanden hat, kann ein Kind dieses Wissen auch auf mathematische Körper anwenden. Wenn ich ein Rechteck verstanden habe, kann ich mit einem Würfel umgehen. Erst dann bin ich in der Lage, zu begreifen, wie man selbiges Wissen z.B. auch auf einer Kugel anwenden kann - und warum man das kann. Dieses Wissen baut nach und nach aufeinander auf, bis ein Kind eines Tages in der Lage ist, zu errechnen, ob sich zwei Vektoren in einem unendlich großen Raum schneiden oder nicht. Wenn Ihr Sohn später beispielsweise einmal BWL studiert, wird er mit diesem Grundwissen in der Lage sein, z.b. die Rentabilität von Preisfunktionen zu errechnen. Und selbst dann wird er wahrscheinlich immer noch nicht verstanden haben, warum die erste Ableitung der Gewinnfunktion nur das Gewinnmaximum sein kann.

Auch soziale Interaktion funktioniert ganz ähnlich. Kinder kommen als Narzisten auf die Welt: "Ich schrei, Mama kommt um 3 Uhr morgens angerannt und stillt mein Bedürfnis". Erst langsam bringt man Kinder dann bei, dass sie eben doch nicht der Mittelpunkt des Universums sind. Dann stecken wir die plötzlich in einem Kindergarten, wo sie mit einer Gruppe von "Gleichgestellten Monstern" konfrontiert werden und dort ihre Erfahrungen sammeln. Es fällt dort vielen Kindern schwer, etwas zu tun, wozu sie keine Lust haben. Gehen Sie ein paar Jahre weiter, hat man plötzlich einen 11-Jährigen, der seine Freundin täglich zum Ponyhof begleitet und reitet, obwohl er viel lieber "spannendere" Dinge machen würde. Irgendwann mit der Pubertät fangen Kinder dann an, eigene Cliquen/Peer-Groups zu bilden. Die werden dort Sachen anstellen, wo wir als Eltern jetzt noch sagen würden: "Das würde mein Kind nie machen." Weil ein Kind im Prozess dieser sozialen Interaktion noch immer am Anfang steht und erst die passende Mischung zwischen der eigenen Stellung in einer Gruppe und den eigenen Grenzen (oder die anderer) kennenlernen muss; der versuch, sich in einer Gruppe zu behaupten oder den Mut zu fassen, in einer Gruppe einfach mal "Nein" zu sagen. Diese Entwicklung setzt sich - ähnlich wie Mathematik - immer weiter fort und basiert auf den Erfahrungen der Vergangenheit. Meine Nichte hat in den letzten 2 Monaten viele Wochenenden geopfert, um eine Freundin durchs Zentralabi zu schleifen, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen. Das Bedarf aber einer Reife, von der 11-Jährige noch ziemlich weit entfernt sein dürfen. Und die sind noch viel viel weiter davon entfernt, eine eigene Familie gründen zu können oder ohne Erwachsene in einer Gruppe von gleichaltrigen überleben zu können.

Channel 4 hat im letzten Jahr eine kontroverse, wenn auch - wie ich finde - durchaus interessante reality Sendung im britischen Fernsehen auf die Beine gestellt. Man hat einfach 20 Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren in ein eigens gebautes, kleines Dorf gepackt und die für ein paar Tage "ohne Erwachsene" auf sich alleine gestellt gelassen. Das hat auf ziemlich beeindruckender Art und Weise gezeigt, dass 8 bis 12 Jährige Kinder eben noch 6 bis 10 Jahre (wenn nicht noch viele weitere Jahre mehr) davon entfernt sind, wie Erwachsene zu agieren und sich in einer Gesellschaft zurechtzufinden oder gar eine Familie gründen zu können. Die Zeit und Erfahrung wird das diesen Kindern aber ganz von alleine beibringen; wir können hier keine Stufen überspringen oder denen das - wie Lateinvokabeln - einpauken.

Sie können ein Kind durch Androhungen von Strafen dazu bewegen, den Altpapier rauszubringen. Sie können ein Kind auch durch Privilegien o.ä. dazu bestechen, das mit weniger genörgel zu tun. Wenn ein Kind das dann macht, hat das aber nichts damit zu tun, dass es dadurch den Wert einer Familie oder eines Zusammenlebens schätzen lernt. Er tut es dann einfach nur, weil Sie ihm eine Strafe androhen oder dazu bestechen. Aber - wäre es nicht ein viel schöneres Gefühl, wenn ein Kind irgendwann mal ganz von alleine kommt: "Mama, kann ich dir helfen?" Und - reicht es nicht bis dahin, einfach stolz darauf zu sein, wenn ein Kind seine jetzigen Pflichten wie Schule - auch wenn die für uns Erwachsene noch so mühelos und spielerisch erscheinen - so völlig problemlos meistern kann?

Beitrag von wuestenblume86 12.05.10 - 18:19 Uhr

Klasse Beitrag #pro ich denke ebenso, dass die Te zu viel von ihrem Kind da eigenständig verlangt.
Für Kinder ist Schule das zentrale Thema und auch wenn sie gut sind, haben sie meiner Meinung nach auch ein Recht auf Kind sein :-) die Aufgaben und Pflichten kommen irgendwann so oder so im Leben.
Leider ist es ein "beliebter Fehler" der Eltern die Schule als selbstverständlich anzunehmen, aber ein Kind hat erst einige wenige Jahre Schule hinter sich und grade im Gymnasium brauch ein Kind soviel Energie jeden Tag viele neue Dinge zu lernen...

Beitrag von sunflower.1976 17.05.10 - 23:28 Uhr

Hallo!

Tolle Antwort!!
Ich lese Ihre Antworten immer sehr gern, auch bei Themen, die mich eigentlich nicht betreffen (wie diesem hier).
Ihre Antworten sind duchdacht und fachlich fundiert. Vielen Dank!

LG Silvia

Beitrag von supikee 11.05.10 - 23:17 Uhr

Ich habe einen 10jährigen und kenne das nur zu gut.
Bei uns sind es nicht die Pannini Sticker, sondern MatchAttax-Karten...davon habe ICH nun auch eine beachtliche Sammlung.
Das macht ihm aber nix.
Genauso wenig das frühe Zubettgehen...

Mit dem "zur Schule bringen bzw. wieder abholen" ist das so ne Sache. Da habe ich auch mal etwas geschludert und schon hat der Herr recht oft verschlafen und Mama ist dann auch genauso oft gefahren.
Jetzt ist es so, dass er einen Joker pro Woche hat. Also er wird je einmal gefahren und auch abgeholt...ansonsten muss er früh zeitig aufstehen (natürlich wecke ich ihn noch), um den Bus zu erreichen.
Damit fahren wir ganz gut.
Für deinen Sohn:
Die Pausenbox mit den vergammelten Sachen darf er dann ruhig selbst mal spülen.

Die Spange würde ich ihm in die Hand drücken.

Das mit der Mülltrennung würde ich erstmal wieder aufheben.

Zum Thema Zimmer aufräumen: Alle Sachen, die dort liegen bleiben trotz Aufforderung, werden eingesammelt und verwahrt....die darf er sich wieder "erarbeiten"..oder anders gesagt: Die gibt es dann als Belohnung für getane Dinge wieder.

Beitrag von marion2 12.05.10 - 08:01 Uhr

Hallo,

du könntest ihn trotz Liste daran erinnern, die Pausenbrote auszupacken.

Wenn die Zahnspange nicht gereinigt wird, fängt sie übel an zu stinken. Vielleicht wartest du, bis es eklig wird. Oder du weist ihn einfach darauf hin, dass es anfängt zu stinken.

Was steht eigentlich noch auf der Liste? So wie ich das verstanden habe, ist die Liste noch länger "WIE Altpapier und Sondermüll"

Kann es sein, dass die Liste einfach ZU lang ist und ihm Spielzeit fehlt?

Deine Konsequenzen find ich total doof. Früher ins Bett #augen

Aufgaben nachholen, fertig.

Gruß Marion

Beitrag von yvonnechen72 12.05.10 - 10:45 Uhr

Hallo,

meine Tochter hat einen Putzplan für ihr Zimmer. Wenn sie den "abgearbeitet "hat, kann sie spielen, lesen, fernsehen, Computer was auch immer. Aber so lange sie ihre Aufgaben nicht erledigt hat, kann sie eben nichts von den oben genannten Dingen tun.
Ich weiß ja nun nicht, was es für Aufgaben sind, die dein Sohn hat, aber vermutlich ist er einfach überfordert.

LG Yvonne

Beitrag von celi98 12.05.10 - 12:17 Uhr

Hallo,

vielleicht bin ich etwas anderer Meinung als die anderen. Ich bin Lehrerin und denke, man kann von einem 10jährigen durchaus erwarten, einige Dinge selbstständig zu tun. Allerdings würde ich die Liste auch auf die Hälfte reduzieren und dann mit einem Verstärkerprogramm arbeiten. Lass ihn selbst abhaken, wenn er etwas erledigt hat. Wenn er an die geforderten Sachen gedacht hat, gib ihm dafür einen Aufkleber oder einen Sternchen oder so. Bei einer bestimmten Anzahl von sternchen kann er dann eine vorher vereinbarte Belohnung bekommen (z.b Auslfug, Eis, halbe Stunde länger fernsehen, einmal zur Schule gefahren werden oder so).

lg sonja

Beitrag von jasahe 14.05.10 - 09:03 Uhr

Danke! Ja ich werde wohl mehr in Richtung Belohnung gehen. Normalerweise regeln wir uns das immer so, aber bei der verdammten Liste haben wir uns beide so richtig auf unsere Positionen versteift und sind beide bockig!

LG

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