Hat Angst was falsch zu machen

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von bine3002 12.05.10 - 20:58 Uhr

Ich muss mal was fragen.

Und zwar hat meine Tochter ein ausgeprägtes Fehlerbewusstsein (ich weiß nicht wie ich es sonst nennen soll) bzw. Angst was falsch zu machen.

Oft, wenn sie das Gefühl hat, etwas falsch zu machen, wird sie sehr traurig, weint und lässt sich kaum beruhigen. Zu Hause oder bei Oma udn Opa macht sie das nur sehr selten, es kommt meist außerhalb vor, also z. B. im Kindergarten oder wie heute beim Ballett.

Beispiel: Es war die 2. Ballettstunde, die sie auf ihren Wunsch hin besucht und auf die sie sich wahnsinnig gefreut hat. (Die 1. Stunden verlief völlig problemlos und sie schickte mich gleich weg.) Die Kinder tragen sich vor der Stunde in eine Liste ein. Java hat ihren Namen neben den eines anderen Mädchens geschrieben. Kurz darauf sagte ein Mädchen (mit dem sie auch in den Kindergarten geht) zu ihr "Java, Du musst deinen Namen UNTER die anderen schreiben, nicht DANEBEN!" und schwupps... bei Java liefen die Tränen. Ich war noch da und versuchte sie dann natürlich zu trösten. Natürlich kamen die anderen Kinder an und fragten, was sie hat und wollten sie zum Mitmachen motivieren. Das machte es nur noch schlimmer. Sie wollte am liebsten nach Hause. Ich habe sie dann erstmal mit raus genommen, dort versucht zu beruhigen und anschließend mit vielen guten Worten zurück Richtung Gruppe geschoben, die schon angefangen hatte. Dabei hatte ich echt ein schlechtes Gewissen, weil sie ja in dem Moment wirklich nicht wollte. Die Lehrerin hat sie dann sehr lieb "aufgefangen" und sich um sie gekümmert. Ich blieb - vorsichtshalber - da und setzte mich außer Sichtweite. Sie beruhigte sich auch und machte mit. Kurze Zeit später hörte ich sie wieder schluchzen und als sie gefragt wurde, was los ist sagte sie dann: "Mein Bein tut weh..." und erzählte eine Story, warum es denn weh tut (die nicht stimmte). Sie tanzte dann eine Weile an der Hand der Lehrerin und dann war es auch gut. Nach der Stunde sagte sie von sich aus, dass es Spaß gemacht hat und sie wieder kommen möchte.

Dass sie plötzlich Schmerzen bekommt, ist ganz typisch für solche Situationen. Auch im Kindergarten erzählt sie dann von einem schmerzenden Bein, Arm, Bauch... je nachdem. Sie versucht dadurch dann wohl Trost zu bekommen.

Ich frage mich wirklich, warum das so ist. Sie hat nie irgendwie einen "Anschiss" bekommen, wenn sie was falsch gemacht hat. Ich weiß auch nicht so wirklich, wie ich reagieren soll. War es richtig, sie da wieder reinzuschieben? Für sie war das in dem Moment ein total dramatisches Problem, wobei es in dem konkreten Fall überhaupt keins war. Sie durfte nämlich ihren Namen hinschreiben, wo immer sie wollte. Und überhaupt... sie ist keine 4 Jahre alt und schreibt ihren Namen, das ist doch prima... Das sagte ihr auch die Lehrerin. Na ja, jedenfalls haben wir zu Hause nochmal darüber geredet und ich habe sie gelobt, dass sie sich doch noch überwunden hat. Ich habe mich auch dafür entschuldigt, dass ich sie da wieder reingeschoben habe, habe ihr aber auch erklärt, dass sie das doch sooo gerne machen wollte und es doch schade wäre, wenn sie es wegen so einem Mißverständnis nicht gemacht hätte.

Kennt Ihr das? Was tut Ihr dagegen? Woher kommt das nur?

Beitrag von samea 12.05.10 - 21:47 Uhr

Ich würde der Sache nicht so einen großen Wert beimessen. Sie sieht, dass alle um sie herum scharwenzeln, wenn sie weint, also bekommt sie das Gefühl, dass es wirklich was Schlimmes war. Kurz erklären, sie trösten, ablenken, fertig.

Für Kinder in dem Alter geht wegen allem Möglichen die Welt unter, klar gehts ihnen dann schlecht und sie wirken, als wäre das für sie jetzt die absolute Katastrophe. Aber man darf das als Eltern auch nicht überbewerten. Wie soll sie denn lernen sonst, dass sowas eben wirklich kein Drama ist?

Und was die Schmerzen angeht: Meine Tochter musste ich heute auch vom Kindergarten abholen, weil sie angeblich gaaanz starke Halsschmerzen hatte. Tatsächlich hat ihr irgendwas heute morgen nicht gepasst und sie versuchte mit ihren (angeblichen) Halsschmerzen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Hat funktioniert, die Erzieherinnen dachten, sie sei wirklich krank. Zu Hause war sie jedoch sofort die gewohnte Rabaukin, der Hals ist nicht ein bisschen rot, die Halsschmerzen waren heute Nachtmittag wie durch Wunderheilung verschwunden...

Beitrag von bine3002 12.05.10 - 21:56 Uhr

"Kurz erklären, sie trösten, ablenken, fertig."

Das funktioniert aber nicht so wirklich. Ich habe es zuerst ein bißchen abgetan, so nach dem Motto: "Ach komm, ist nichts passiert, weitermachen." Sie war aber echt aufgelöst und klammerte sich dann an mich. Als dann alle ankamen, sind wir raus, weil ich auch denke, dass es dadurch nur schlimmer wird. Draussen beruhigte sie sich aber auch nicht und ablenken ist nicht (kitzeln, Späßchen machen, wegzaubern, "Guck mal, was ist das denn...?" habe ich alles schon mal probiert). Sie will auf den Arm und da hängt sie dann auch mal ne Stunde, wenn man sie lässt (so wie der Papa). Ich musste dann leichten Druck ausüben und einfach sagen: "So und jetzt machst Du da mit, komm los!", sie in die Richtung schieben und ihrem Schicksal überlassen. Das war schon etwas fies irgendwie.

Aus dem Kindergarten habe ich sie auch zwei mal abgeholt wegen Bauchweh. Und zu Hause wars dann wieder gut... Wunderheilung. Mittlerweile wissen die Erzieherinnen Bescheid und bekommen sie beruhigt. Da genügt es ihr dann aber auch kurz über ihre Schmerzen zu berichten. Die "Drama-Queen" lässt sie nur bei mir und bei Papa "raushängen". Wobei ich ihr jetzt nicht vorwerfe, dass sie eine Show macht. Es ist eher so, dass sie nur bei uns ihre wahren Gefühle zeigt und sich woanders zurückhält.

Beitrag von samea 12.05.10 - 22:12 Uhr

Sie lassen sich halt gehen bei Mama. Ganz klar, wenn Kinder sich sicher sind, dass sie aufgefangen, geliebt, beschützt werden, dann lassen sie sich gnadenlos fallen. So solls ja auch sein.

Aber trotzdem bringt es nichts, der Sache einen zu großen Wert beizumessen. Man kann sich auch in was hineinsteigern, vor allem Mädchen sind echt gut drin ;-) Du tust ihr und ihrem Selbstbewusstsein langfristig keinen Gefallen, wenn Du sie darin "unterstützt". Ich weiß, dass es manchmal hart ist und man als Mutter mitleidet. Aber man darf sich da nicht mitreißen lassen, sondern sollte selber auf dem Boden bleiben. Nur so lernen Kinder zu unterscheiden, was wirklich schlimm ist und wo sie ihre Kräfte sparen sollten.
Ganz ehrlich, wenn ich sehe, was meine Tochter wegen "Kleinigkeiten" für eine Szene hinlegt, dann bekomme ich schon Angst vor dem ersten Liebeskummer #schock

Beitrag von bine3002 12.05.10 - 22:19 Uhr

Ok, verstehe ich. Und wie hättest Du dann in der beschriebenen Situation reagiert? Auch in Anbetracht der Tatsache, dass es ja erst die 2. Balletstunde war. Sie kennt zwar einen Großteil der Gruppe aus dem Kindergarten, aber sowohl Lehrerin als auch die Räumlichkeiten, Regeln etc. waren ihr völig neu. Ich war mit ihr schon mal beim Kindertanzen, wo sie sich nicht so sehr wohl gefühlt hat (kannte niemanden außer Lehrerin, war zu laut etc.). Ich war letzte Woche froh, dass es ihr beim Ballett so gut gefällt und ich fand es schön, dass sie selbst den Wunsch geäußert hatte, dahin zu gehen. Ich weiß aber, dass sie da sehr sensibel ist und ich etwas vorsichtig sein muss, dass die Stimmung nicht kippt und sie gar nicht mehr hin möchte.

Also glaubst Du, dass ich richtig reagiert habe als ich sie reingeschoben habe? Oder hättest Du etwas anders gemacht?

Beitrag von samea 12.05.10 - 22:30 Uhr

Ich hätte sie auch reingeschoben :-p Hättest Du sie heimgenommen, dann wär das meiner Meinung nach absolut falsch gewesen, denn was hätte sie daraus gelernt? Das man ganz einfach aufgeben kann, wenn mal was schief läuft! Aber dadurch, dass sie dableiben "musste" und gezwungen war sich der Situation zu stellen, hat sie gelernt, dass man da durch gehen und doch noch eine schöne Zeit haben kann. Dass es sich also "gelohnt" hat, sich zusammenzureißen und es durchzuziehen.

Es hört sich so an, dass Du Dich für ihre Stimmungen verantwortlich fühlst ("ich weiß aber, dass sie da etwas sensibel ist und ich etwas vorsichtig sein muss"), aber das bist Du nicht! Sie muss lernen, dass sie alleine dafür verantwortlich ist, wie sie sich fühlt und dass sie aus eigener Kraft aus blöden Situationen rauskommen kann. Nur so kann sie ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und eine starke Persönlichkeit werden.

Beitrag von jenx 13.05.10 - 19:41 Uhr

So mache ich das bei meinen beiden Mäusen (4 + 2) auch. Die Kleine richtet sich dann immer gerade auf, atmet tief ein und sagt: Und jetzt gehts los! Und dann marschiert sie los. Und sie ist verdammt hart im nehmen. Sie hat noch nie irgendwas geschmissen und hat eine tierische Geduld. Das scheint Veranlagung zu sein.

Der Große ist auch etwas schwerer zu überzeugen. Aber wir haben immer darauf geachtet, ihn aus solchen Situationen NICHT rauszunehmen, sondern sie im Notfall mit ihm zusammen durchzustehen. Denn klar, ein Kind kann nicht jede Situation meistern. Dazu fehlt die Erfahrung und oft auch die Motivation. Aber man kann dafür sorgen, dass ein Kind lernt, diese unangenehmen Situationen zu bewältigen und nicht, sich ihnen zu entziehen.

Wenn Deine Tochter sich dann trotzdem gegen weitere Stunden entscheidet ist das ja ok, aber sie hat DIESE Stunde durchgezogen und nicht aufgrund einer momentanen emotional stressigen Situation alles hingeschmissen.

Viele Grüße
Jenny mit Jamie, Julie und Henri

Beitrag von 17876 12.05.10 - 23:40 Uhr

Deine Tochter kann schon ihren Namén schreiben?? Wow, dass ist echt früh...

Beitrag von hinterwaeldlerin09 13.05.10 - 14:33 Uhr

Hallo,

darf ich dich mal was fragen: wie gehst du mit dir selbst um, wenn du etwas falsch machst? Wie stark ist dein eigener Perfektionismus?

Es geht oft nicht darum, dass die Kinder wirklich einen "Anschiss" bekommen haben, wie du es so schön schreibst. Sie sehen uns, ihre Mütter, die sich mit Perfektionswahn und der Unfähigkeit, Fehler auszuhalten und sich selbst trotzdem noch gut finden, abplagen!

Das Unausgesprochene, das Vorgelebte prägt WESENTLICH MEHR als ein Haufen Worte.

Sie sehen uns. Sie tun, was wir tun...nicht, was wir sagen.

lg die hinterwäldlerin...die oft im Handeln ihrer Teenytochter ihren eigenen Perfektionismus sieht...