Was nun? Noten in der neunten Klasse furchtbar...

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Forum: Jugendliche

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit Schrecken entgegen. Welche Probleme tauchen wirklich im Zusammenleben mit einem Teenager auf? Was, wenn AlkoholDrogen und Verhütung zum Thema werden? Tauscht hier eure Erfahrungen mit anderen Teenie-Eltern aus.

Beitrag von sanftmaus 14.05.10 - 09:40 Uhr

Wir sind am Verzweifeln. Unser 15jähriger ist in der Schule völlig versackt. Der Notendurchschnitt liegt bei 3,8! Schlimm, und das kurz vor dem Endjahreszeugnis...
Nun möchten wie ihn noch einmal eine Ehrenrunde drehen lassen, die . wiederholen, damit er die Chance hat, die 10. halbwegs vernünftig zu schaffen. Er will so was gar nicht hören, nur hat er mit dien Zensuren null Chancen auf dem Arbeitsmarkt...
Wenn er die zehnte halbwegs ohne eine Wiederholung durchbekäme, hätte er trotzdem in Geo und Kunst eine vier in der 10. stehen, da er die Fächer abgewählt hat. Wir überlegen auch, ob er es trotzdem versuchen sollte, dann könnte er ja die 10. vielleicht noch mal wiederholen, aber das scheint nicht zu funktionieren... so was gibt es wohl nicht...
Ich bin ratlos. Er pubertiert vor sich hin, aber ganz nett und unauffällig, ist weder ein Rabauke noch fällt er irgendwie auf, ein toller Bursche, nur die Noten...
:-[
Wie sind Eure Erfahrungen? Sollten wir ihn noch mal in die 9. stecken?

Beitrag von dropsi_2 14.05.10 - 10:24 Uhr

Hallo sanftmaus,

die Phase haben wir auch durchlaufen, wie ich hoffe erfolgreich. Das wird sich erst in ein oder zwei Jahren zeigen.

Was ich raten kann, ist Folgendes: Bestimmt nichts über seinen Kopf hinweg, sondern setzt euch mit ihm zusammen und zeigt ihm die Alternativen auf, mit "Folgerechtsbelehrung", also das was auf ihn zukommen würde, bei jeder einzelnen Option.

Überlasst ihm die Wahl, aber die die er trifft, ist dann bindend und er hat dazu seinen Teil bei zu tragen, es gibt dann kein hin und her mehr!

Dein Junge kommt jetzt, genau wie meiner, in eine Phase, die seine Zukunft prägt und diese Erkenntnis ist noch nicht zu ihm durchgedrungen. Er meint, das geht so easy weiter, wie bisher.

Jetzt ist er an einem Punkt, wo er eine Richtung einschlagen muss, ob er will oder nicht, aber welche Richtung, sollte er selbst bestimmen können.

Bei uns hat das lange gedauert, aber nun geht mein Sohn seinen Weg, den er gewählt hat. Ich bin nur halb glücklich damit, aber er steht dahinter und das ist wichtig.

Wenn ihr ihn jetzt einfach nur wiederholen lasst, ohne das der Sinn dahinter für ihn erkennbar ist, dann geht das nach hinten los.

Also. untersch. Wege aufzeigen, ihm ein Ultimatum stellen (zeitlich) und dann seine Entscheidung akzeptieren und das Ganze ohne Druck, denn er weiß sehr wohl, dass es so nicht geht, hat also ein schlechtes Gewissen, auch wenn Du das nicht siehst ;)

Wenn das nicht hilft, hab ich noch nen Tipp, aber eins nach dem anderen.

Alles Gute!

Beitrag von king.with.deckchair 14.05.10 - 10:33 Uhr

Wir haben unseren Sohn auch die Neunte wiederholen lassen. Ich muss aber dazu sagen, dass durch einen Umzug ohnehin ein Schulwechsel anstand und er in der neuen Schule dann am Anfang der 10. direkt in die neunte Klasse gewechselt ist.

Wie bei Euch pubertierte er mehr oder weniger unauffällig vor sich hin, kam nur schulisch irgendwie auf keinen grünen Zweig mehr; war auch wegen der ständigen Misserfolge irgendwann total lustlos. Die Noten dümpelten im Vierer- und schlechten Dreierbereich und in Mathe und Physik hatte er eine Fünf #schock bzw. gerade so eine Vier. Er war nicht faul, hat auch die Hausaufgaben so gut er eben konnte erledigt, nicht geschwänzt, er kam nur nicht mehr aus dem unteren bis untersten Leistungsfeld raus.

Während der freiwilligen Ehrenrunde dann der Durchbruch: Die ersten guten Noten stellten sich ein, dies ergab einen Schub fürs Selbstbewusstsein und dann hatte er einfach einen Lauf, der zu einem tollen Realschulabschluss (Schnitt 1,8) führte und der bis heute anhält (= letzte Woche mit 11 Punkten die drittbeste Mathearbeit in der 12. Klasse Wirtschaftsgymnasium! *stolzbin*).

Ich würde schon versuchen, dass er freiwillig wiederholt, denn ein mittelprächtiger mittlerer Abschluss stellt die Weichen für den Rest des Lebens, zumindest für eine ganz lange Zeit. Es werden ihm einfach verdammt viele Türen verschlossen bleiben mit einem Realschulabschluss, der zur Vier tendiert und er wird viel GLück brauchen bzw. sich mühevoll "hocharbeiten" müssen, wenn er mal "bessere" Arbeitsstellen haben möchte. Von der Ausbildungssuche gar nicht zu reden... Wie gesagt, unsere Erfahrungen sind bestens. Er hat einfach noch mal diese Zeit gebraucht, um Rückstände aufzuholen und sich zu fangen. Ich muss dazu sagen, dass wir davor zuhause allerdings auch eine schwere Zeit hatten mit Erkrankung meinerseits, Arbeitslosigkeit und finanziellen Nöten, die ihn natürlich auch mehr belasteten, als man ihm auf den ersten Blick anmerkte.

LG
Ch.

Beitrag von gh1954 14.05.10 - 10:52 Uhr

>>>Wie sind Eure Erfahrungen? Sollten wir ihn noch mal in die 9. stecken?<<<

Mein Sohn hat auf eigenen Wunch die 9. Klasse wiederholt, es hat absolut NICHTS gebracht. Ohne Ehrgeiz, faul, sind die Noten noch schlechter geworden.

Ich bin nicht mal sicher, ob er jetzt die Mittlere Reife schafft, wenn ja, hat er einen Platz in einem Kolleg für ein Berfufsfachschuljahr.

Beitrag von ohnezucker 14.05.10 - 19:16 Uhr

Neue Bildungsstudie
Sitzenbleiben ist nutzlos und teuer
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,646709,00.html


Schule
Sitzenbleiben laut Studie teuer und unwirksam
http://www.welt.de/politik/bildung/article4457285/Sitzenbleiben-laut-Studie-teuer-und-unwirksam.html

Beitrag von sanftmaus 14.05.10 - 19:38 Uhr

... also sollen wir ihn lieber weiterschicken? in die zehnte?

#zitter ich habe nur Bedenken, dass es dann noch schlimmer wird...

bin völlig ratlos...

hat hier noch wer ein Kind, dass die Klasse mit Erfolg wiederholte, siehe oben?

Beitrag von parzifal 28.05.10 - 10:57 Uhr

Leider muss die TE aber mit dem bestehende System leben. Politische Äußerungen nützen wenig.

P.S. Ich halte auch von sitzenbleiben nichts. Das System gibt es aber trotzdem und man muss sich damit arrangieren.

Beitrag von luka22 14.05.10 - 22:07 Uhr

Auf keinen Fall würde ich ihn gegen seinen Willen wiederholen lassen. Aber ist er bei diesem Durchschnitt nicht eh versetzungsgefährdet? Hat er 5er?
Ihr habt nichts davon, wenn er genauso unmotiviert wiederholt. Im Gegenteil. Er hätte wahrscheinlich noch weniger Lust zum Lernen und ihr würdet dann Schuld sein, schließlich habt ihr im die Ehrenrunde eingebrockt! Ganz wichtig ist es den Beratungslehrer an eurer Schule einzuschalten. Er berät und vermittelt neutral. Du bist dann nicht mehr in der Rolle des Buhmanns.
Es ist eine ganz schwierige Situation. Ich verstehe dich zugut. Du siehst ihn ins offene Messer rennen und der einzige, der deinem Sohn helfen kann, ist er selber. Und das tut er nicht. Es ist bitter, aber man kann da als Eltern nicht viel tun. Wenn er sonst ein toller Bursche ist, dann sag ihm das. Sprich offen mit ihm über deine Ängste, was seine Zukunft angeht.

Wenn er ein toller Junge ist, wird er seinen Weg machen. Auch wenn dieser über Mamas Magengeschwür verläuft ;-).

Liebe Grüße und viel Kraft
Luka

Beitrag von marion0689 14.05.10 - 22:42 Uhr

Hallo!!

Ich bin zwar keide Mutter eines Kindes, das schon diese Probleme hat. Aber ich kann aus meiner eigenen Erfahrung berichten.

Ich war auch immer relativ gut in der Schule, in der 9. kam dann auch der "Zusammenbruch". Plötzlich war ich 4-er Schülerin. Erst wars mir irgendwie egal.
Aber irgendwann ( ziemlich gegen Ende des Schuljahres ) kam mir dann die "Erleuchtung". Würde ich wiederholen, wäre ich aus meiner heiß geliebten Klasse raus. Wollte ich natürlich nicht, also setze ich mich auf den Hosenboden und schummelte mich irgendwie durch.

Hätten mich meine Eltern damals zum wiederholen gezwungen, ich wäre ewig sauer gewesen.
Wenn er nicht wiederholen möchte, dann lass ich in die 10. kommen.
Er er merkt es wird ernst, wird er bestimmt etwas unternehmen.

Ich glaube kaum, dass er besser sein wird, wenn er die 9. wiederholt.

Für mich war damals schon allein die Vorstellung, das Abifest nicht mitfeiern zu können, grauenhaft. Also habe ich wenigstens etwas gemacht.

Habe dann das Abi auch bestanden ( zwar nicht gut, aber bestanden ;-) ) ohne auch nur eine Klasse zu wiederholen. Wobei bei mir Hausaufgaben nicht machen und Mäc anstatt Schule angesagt waren.

Aaaaber, mittlerweile studier ich Medizinische Informatik und es ist das, was mir Spaß macht und plötzlich bin ich wieder gut in Mathe, Englisch usw... ( Matheabi: 3 Punkte, Mathe im Studium: 1,7 )

Was ich damit sagen will ist, dass dein Sohn wahrscheinlich wieder etwas mehr Freude und Elan zeigt, wenn er etwas machen kann, was ihm Spaß macht. Vllt eben in der Ausbildung nach der 10.

Das er einen entsprechenden Schnitt braucht, um irgendwo angenommen zu werden, ist klar. Aber glaub mir, vor allem nach der Realschule ist es meist so, dass die besten das Abi weitermachen und die mittleren bis schlechten dann viel viel bessere Chancen haben, etwas zu bekommen.
Und wenn er erstmal etwas bekommt, das ihm wirklich Spaß macht, gehts auch wieder bergauf.

Jetzt kannst du ihn nur unterstützen und deine Hilfe anbieten. Setzt euch mit ihm zusammen und findet vor allem raus, obs an seiner Faulheit liegt oder wirklich am Unterrichtsstoff. Ich denke eher, es wird an der Faulheit liegen...

Liebe Grüße!!

Beitrag von sanftmaus 14.05.10 - 23:00 Uhr

Er hat fast nur noch 4er.
In der Grundschule 1er, selten 2er.
Dann Gymnasium, in der 6ten gings massiv bergab, in der achten war er wieder in der Realschule...
Meine große Sorge ist: WAS kann er denn mit 4ern werden? WO soll er sich bewerben? Als was?
Er selbst weiss auch noch nicht, was er werden will...
Es ist zum Verzweifeln.
Bis jetzt wollte ich ihn immer wiederholen lasse, jetzt bin ich seit ner Woche davon abgerückt, dafür will mein Mann ihn jetzt wiederholen lasse - was mir immer noch am vernünftigsten erscheint...
Nur dann müsste er in eine andere Klasse UND seine Schule ist voll, also auch noch die Schule wechseln...
Es ist zum Piepen...

Beitrag von luka22 14.05.10 - 23:29 Uhr

Das ist wirklich zum Piepen!

Mit einem schlechten Abschluss kann er sich wohl nirgends so richtig bewerben. Es sei denn, er hätte Glück und sein Chef würde nicht auf die Noten schauen. Aber er weiß ja auch noch gar nicht, was er machen will. Dafür allerdings, habe ich Verständnis. Mit 15 Jahren steckt ein Junge voll in der Pubertät und die meisten wissen noch gar nicht, wo ihre Stärken liegen. Wie äußert sich denn dein Sohn? Was sagt er zu dem Thema? Wie sieht er seine Zukunft nach der 10ten? Er muss doch irgendwelche Wünsche/ Ziele haben? Auch für eine weiterführende Schule braucht man einen guten Durchschnitt!

Liebe Grüße
Luka

Beitrag von sanftmaus 14.05.10 - 23:48 Uhr

Ich wusste in dem Alter auch nicht, was ich werden will, kann ihn ja teilweise verstehen. Nur jetzt stehe ich auf der "anderen Seite" - die der besorgten Mutter. Er hatte mal in Richtung Koch geschaut, das gefiel ihm so halbwegs. Das mit dem BIZZ ist ne gute Idee. Ich werde ihn zum AA begleiten, damit er sieht, wie es mit DEN Noten weitergehen könnte und auch die Notwendigkeit einer Änderung so oder so erkennt. Aber kann er denn mit ner 4 in geographie und Musik, selbst wenn er die 4er in den anderen Fächern ausradiert, was halbwegs passendes finden?

Beitrag von marion0689 14.05.10 - 23:31 Uhr

Ich hatte ein Abi von 3,4 ... also auch größtenteils 4er ;-)

Gehe mit ihm mal zu einem BIZ ( Berufsinformationszentrum ). Zu uns kam das immer an die Schule, aber man kann auch bei der Agentur für Arbeit fragen, wo gerade eins ist.

http://www.arbeitsagentur.de/nn_26266/Navigation/zentral/Buerger/Zwischenzeit/BIZ/BIZ-Nav.html

Ist sehr interessant, dort mehr über die Berufe zu erfahren. Sie sind nach Schulabschlüssen geordnet, es stehen Gehaltsvorstellungen drin, Unterrichtsfächer usw. Vor allen Dingen, macht man das dort am PC, also nicht mit schnödeligen Ordnern ( ist doch heute uncooooool ;-) ).

Dort erfahrt ich auch, welche Betriebe in eurer Umgebung gerade Lehrlinge suchen usw.

Wenn er nicht wiederholen möchte und es auch nicht muss, dann lasst ihn bitte in die 10.

Liebe Grüße!!







Beitrag von sanftmaus 14.05.10 - 23:49 Uhr

Danke, machen wir!"!!:-D

Beitrag von connie36 15.05.10 - 09:57 Uhr

hi
nein, die 10. kann er nicht wiederholen, denn sonst würde man sooft wiederholen, bis man den gewünschten durchschnitt hätte.
geht auch in der 4. klasse nicht, aus den selben gründen.
würde ernsthaft eine wiederholung der 9. ins auge fassen.
lg conny

Beitrag von lady-doedelhai 15.05.10 - 20:20 Uhr

Ich hab die zehnte wiederholt :-/

Beitrag von mellemeli 17.05.10 - 20:08 Uhr

Natürlich kann man die 10. Klasse wiederholen, warum denn nicht? Ich kenne persönlich 2 Schüler/innen, die das jetzt grade machen.

Beitrag von sassi31 15.05.10 - 12:38 Uhr

Meine Freundin musste das 8. Schuljahr wiederholen und konnte ihre Noten dadurch massiv verbessern.

Ich denke, es hängt davon ab, ob dein Sohn überhaupt motiviert ist. Ohne Motivation wird ihm die Wiederholung nichts bringen.

Beitrag von amandablack 15.05.10 - 17:52 Uhr

Unser Nachbarkind hatte aus denselben Gründen auf Wunsch der Mutter die 9. wiederholt, obwohl die Lehrer gesagt hatten, sie würden es nicht befürworten und es würde nichts nützen. Was soll ich sagen: Die Noten waren genau die schlechten, in allen Fächern eine 4, also ein glatter Durchschnitt von 4! Die Wiederholung hatte also überhaupt nichts gebracht. Es ist aber wohl von Fall zu Fall unterschiedlich. Es kommt wohl darauf an, ob dein Sohn motiviert ist - und es selber einsieht!! - die Noten zu verbessern.

Frag ihn doch mal nach seinem Berufswunsch. Dann wird er sehen, ob er diesen mit den schlechten Noten verwirklichen kann. Die Berufsberatung kann da einiges bewirken.

Ich kenn doch die Jugendlichen: Glauben, es sich aussuchen zu können, dass alle Welt auf sie wartet. Genau wie meine Tochter. Sie war auf der Hauptschule, hat da auch einen guten Schnitt (2,3), ist jetzt auf der Berufsfachschule und wird nächstes Jahr ihren Real machen. Ihr Ziel wäre das Aufbaugymnasium. Wohl gemerkt: Ohne lernen.
Glaubt sie wirklich. #kratz

Wird wohl klappen. #rofl

Beitrag von oma.2009 16.05.10 - 15:00 Uhr

Hallo,

ich hatte seinerzeit die gleichen Probleme mit meiner Tochter. Auch das Zeugnis war schlecht, mit dem sie sich einen Ausbildungplatz suchen sollte. Ich hab ihr nur erklärt, wenn du keine Lust mehr auf Schule hast und so ein Zeugnis ablieferst, dann hast du das "Spiel" nicht verstande. Dann solltest du dir mehr Mühe geben, damit du schnell von der Schule entlassen werden kannst.
Sie hat das Spiel danach verstanden, denn sonst hätte sie auch eine Ehrenrunde drehen müssen. Den Ausbildungsplatz bekam sie dann über das Freiwillige Soziale Jahr in einem Krankenhaus, denn mit DEM Bewerbungszeugnis gab es keinen Ausbildungsplatz.

Heute ist sie ex. Krankenschwester!

LG

Beitrag von manavgat 16.05.10 - 18:33 Uhr

Ich kann Dir nur dringend davon abraten, die 9. Klasse freiwillig wiederholen zu lassen. Man kann nämlich nicht 2 Schuljahre hintereinander wiederholen!

Er braucht dann nur noch einen Hänger, einen Unfall, eine schwere Grippe und er kann dann nicht wiederholen, sondern nur ohne Schulabschluss abgehen!

Ich würde ihm klar aufzeigen, welche Pflichten er hat und dass es Vergünstigungen, Taschengeld, Internet etc. nur gegen Erfüllung dieser Pflichten gibt. Und Achtung: manchmal sind schon große Lücken da, die dann dazu führen, dass ein Schüler - mit der ihnen eigenen Logik - dann auch keine Anstrengungen mehr macht, weil's ja sowieso zu nichts führt. Da muss man dann eben überlegen, ob man mit Nachhilfe untersützen will. Das macht aber nur Sinn, wenn er da mitarbeitet.

Wiederholen heilt nicht. Die meisten Schüler lehnen sich dann im Wiederholungsjahr lächelnd zurück und im darauffolgenden Jahr geht der Tanz von vorne los. Was hat man dann erreicht? Nichts. Außer, dass der Schüler noch ein Jahr älter ist.

Welcher Zweig ist es? Realschule?

Gruß

manavgat

Beitrag von sanftmaus 16.05.10 - 18:43 Uhr

Ja, er ist in der Realschule...
Aber kann er mit DIESEN jetzigen Wissensvorraussetzungen überhaupt die zehnte besser als mit 3-4 schaffen???:-(

Beitrag von manavgat 17.05.10 - 09:10 Uhr

Zu Deiner Frage:

ich habe in meinem Institut seit 5 Jahren ein sehr erfolgreiches Programm für das letzte Schuljahr.

Wer da zwar hingeht, aber weiter gammelt, der erreicht nichts. Ich habe aber auch Kandiaten/Innen die mit einer 4-5 im Hauptfach im Herbst anfangen und in der Abschlussprüfung eine 2 schaffen! Es ist Arbeit. Schwierig bei denen, die es nicht schaffen, sind die Eltern - besonders die Mütter - die im Ausredenerfinden warum irgendwas nicht geht, noch besser sind als die Schüler. Besonders die Jungenmütter haben eine Taktik ihre Kinder weichzuspülen, dass es mir den Magen umdreht. Die andere Gruppe sind die, die die Schüler zwar bei uns abgeben, alles! zahlen mit dem Ziel nichts mehr tun zu müssen. Das klappt natürlich nicht. Der überwiegende Teil schafft nicht nur den Abschluss, sondern hat am Ende vom Jahr einen guten Schulabschluss, einige gehen sogar weiter auf die Oberstufe oder haben für sich heraus gefunden, dass sie (zunächst) eine Ausbildung machen wollen. Dadurch dass ich das schon länger mache und den Kontakt zu meinen ehemaligen Schülern halte, kenne ich welche, die nach der Lehre das Abi gemacht haben oder jetzt sogar studieren. Die meisten sind mit ihrer Situation zufrieden.

In Köpfe von Schülern, die sich das komplette Wochenende bis zum Exzess in der Disko rumtreiben, nächtelang am Computer daddeln, kriegt auch der beste Lehrer nichts rein. Wenn wir dann zum Gespräch bitten und wochenlang keinen Termin mit den ach so beschäftigten Eltern bitten, dann kannst Du es vergessen.

Ich habe Realschüler, denen ich das Lesen (sinnverstehend, fachübergreifend, denkend, reflektierend und mit Spaß) beibringen muss. Die niemand - außer per Schule - mal in ein Theater mitgenommen hat. Wie bitte soll ich ein Theaterstück analysieren, wenn ich Theater nicht kenne? Da kommt dann nach meinem Unterricht: "eh, klasse, der Schimmelreiter ist ja gar nicht so langweilig!". Zu einem Hörbuch von Henning Mankell (setze ich ein für Charakteristik): boah, wie TKKG für Erwachsene - gibt's da noch mehr, vielleich als Buch?!"

Auffällig ist auch: das brauche ich (gerade) nicht. Was ist das für eine Einstellung und was für eine Arroganz? Es gibt Themen, die im Lehrplan sehr kurz kommen, komplex sind und in der Prüfung abgefragt werden. In Mathe ist das die Wahrscheinlichkeitsrechnung, die 2 Wochen vor der Prüfung in der Schule kurz durchgenommen wird. Wir fangen damit kurz vor Weihnachten schon mal an, weil wir genau wissen, dass es nachher Probleme macht. Mathe ist nicht mein Fach, aber wir Lehrer tauschen uns aus.

In Englisch (mein Fach) fehlt oft die komplette Grammatik. Was an den Klassenarbeiten liegt, bei denen nur Lücken gefüllt werden müssen. Nach der Arbeit wird es wieder vergessen. Ein Schüler der will, kann das mit System in ein paar Wochen nachholen. Aber auch da muss ich im Herbst anfangen, weil zwischen Verstehen und Können ein Weg liegt und der heißt: üben. Wer da ordentlich arbeitet, der schafft oft später auch die Oberstufe und das Abitur.

In meinen Augen sind nicht die Schüler schuld. Über Eltern habe ich mich bereits ausgelassen, aber den weit größeren Part des Versagens hat die Schule (als Institution! nicht der einzelne Lehrer). Auswendiglernen ohne was zu begreifen wird belohnt, Kurzzeitlernen/Bulemielernen wird gefördert, Lernen im humanistischen Sinne (zweckfrei für sich selbst) wird weder verstanden, noch vermittelt.

Um zu Deinem Sohn zu kommen: Sprich mit ihm. Wo willst Du hin? Willst Du später eine Auswahl haben oder einen Restarbeitsplatz der beschissen bezahlt ist und wo du nur den Depp machst, oder willst Du mit passablem Schulabschluss eventuell weiter Schule machen oder Dir eine Lehrstelle suchen, die zu Dir passt? Ohne Vorwürfe ohne Gezeter, ohne Leier. Aber klar und deutlich.

Biete Hilfe an, aber hol nicht die Kohlen aus dem Feuer. Ich kenne Eltern, die die komplette Präsentation (Teil der Prüfung) auf Powerpoint für ihre Kinder machen einschließlich der vorher abzugebenden Hausarbeit. Davon abgesehen, dass es Betrug ist - was für eine Erziehung ist das?

Wenn Du noch Fragen hast, kannst Du mich gerne über PN anschreiben.

Gruß

Manavgat

Beitrag von mellemeli 17.05.10 - 20:57 Uhr

...find ich super, was du schreibst! Wir haben das gleiche Problem mit unserer Tochter. Sie hat null Motivation, etwas zu tun (9. Klasse Realschule, soz. Zweig) - aber wie kann ich motivieren? Sie war schon immer schwer zu motivieren, jetzt zieht gar nix mehr :-( , hat nur 4-5-6er #schock, sie kommt da nicht mehr raus, muss wiederholen. Gut zureden brachte nix, Verbote erst recht nichts #aerger.

Beitrag von sanftmaus 18.05.10 - 07:46 Uhr

Deine Worte passen sehr gut.
Ich habe mich mit Sohnemann nun täglich unterhalten, wie es weitergehen kann, und welche Chancen er auf dem Markt hat... langsam schwenkt er ein wenig um... kann sich die 9. jetzt schon ein bisschen vorstellen... er wird nicht drumherum kommen. Wenn wir jetzt nicht Druck anwenden, hat das für sein Leben immense Konsequenzen... aber Druck über den Verstand, über seine Einsicht.
Die ganze Klasse von ihm hat 3er und 4er, eher 4er - das ist keine Entschuldigung für SEIN Verhalten, aber trotzdem verwunderlich...
Ich will ihn auch nicht schützen, immerhin muss er lernen, dass er für sich selbst verantwortlich ist - für seinen Werdegang...
Und mit Weichspülen habe ich nichts am Hut - das hilft weder ihm noch uns weiter - er MUSS was erreichen, wir leben in einer Leistungsgesellschaft, was will er sonst im Leben schaffen?
Danke :-)

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