Schwanger und Partner will das Kind nicht Teil 3

Archiv des urbia-Forums Ungeplant schwanger.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Ungeplant schwanger

Was ist, wenn eine Schwangerschaft überraschend und ungeplant kommt? Hier kannst du fragen, wie andere diese Situation bewältigt haben. Grundsatz-Diskussionen um das Thema Schwangerschafts-Abbruch sind allerdings besser im Forum "Allgemeines" aufgehoben.

Beitrag von 2-fach-mama 14.05.10 - 22:18 Uhr

Hallo,

viele von Euch haben meinen Beitrag vom 19.April gelesen indem ich über meine Gefühle berichtet habe und darüber, dass mein Partner das Kind nicht haben möchte. Nochmal vielen lieben Dank für eure lieben Worte.
Dennoch kam nun alles anders wie erwartet. Ich hoffe nicht, dass ihr mich nun deshalb verurteilt.... ich möchte euch diesen Bericht hier nur schreiben da sich sicher viele fragen was aus mir/uns geworden ist.
Wir haben uns Ende der letzten Woche dafür entschieden das Kind doch nicht zu bekommen. Mir wurde das plötzlich alles zuviel und ich habe sehr daran gezweifelt ob die Entscheidung gut ist das Kind zu bekommen. Plötzlich habe ich all die Einschränkungen gesehen und die Vorteile in meinen schon so selbstständigen Kindern (6 und 8). Mein Partner war letzte Woche richtig fertig aus Verzweiflung wegen dem Kind und ich konnte total mit ihm fühlen. Es wäre einfach für uns der falsche Zeitpunkt für ein Kind gewesen. Wir haben 4 gesunde Kinder (2 von mir, 2 von ihm) und für diese wollen wir weiterhin eine glückliche Familie bleiben und kein Risiko eingehen.
Somit haben wir uns zu dem schweren Schritt durchgerungen und die SS diese Woche abgebrochen. Auf der einen Seite habe ich Liebe zu dem Kind gespürt und wollte es nicht gehen lassen, auf der anderen Seite war das Gefühl dennoch stärker das Kind nicht haben zu wollen. Wir haben uns die Entscheidung nicht einfach gemacht, auch mein Partner hat schwer gekämpft mit sich ob wir das nicht vielleicht doch hinbekommen.

Schließlich sind wir Dienstag zur Klinik gefahren und selbst im Wartezimmer sind die Tränen (nicht nur bei mir) gelaufen. Ich hatte wahnsinnige Angst vor dem Eingriff und auch davor, dass ich die Entscheidung bereuen könnte. Der Eingriff selbst war nicht schlimm.... es gab ein Gespräch und danach bekam ich einen Zugang gelegt. Schließlich dann noch ein Ultraschall, danach die Vollnarkose und wenige Minuten später war alles vorbei. Schmerzen hatte ich überhaupt keine, Blutungen nur am ersten Tag ganz minimal.
Auch wenn ich am Tag danach eine große Leere gespürt habe und traurig war... heute weiß ich für uns war es die richtige Entscheidung. Ich denke nicht, dass wir mit dem Kind wirklich glücklich geworden wären.... wir hatten ja von Anfang an darüber gesprochen keine weiteren Kinder mehr zu wollen.
Wir haben für Anfang Juni nun einen Termin für meinen Partner zur Vasektomie damit wir nie wieder eine so schwere Entscheidung treffen müssen.
Ich wollte Euch den Bericht auch aus dem Grund geben damit eine Frau die sich für einen Abbruch entschieden hat nicht so große Angst vor dem Eingriff hat. Grundsätzlich bin ich total gegen Abtreibung.... bei uns war die Partnerschaft definitiv zum Scheitern verurteilt und daran hängt das Glück von 4 Kindern. Dieser Einsatz ist einfach zu hoch. Klar hätte es auch gutgehen können, jedoch haben wir einfach zuviele egoistische Träume die wir umsetzen wollen im Leben und da hätte kein Kind hineingepasst. Dieses Kind sollte sich einfach nicht schuldig fühlen, dass es uns "behindert" und einengt.
Das Kind wird in unseren beiden Herzen immer weiterleben, auch mein Partner war total traurig wegen dem Eingriff. Schließlich war es unser gemeinsames Kind.

LG

Beitrag von herzsache 14.05.10 - 22:57 Uhr

Danke Dir für Deinen Bericht. Ich habe Dein Posting vom 19.04. gelesen. Oft werden Frauen (interessanterweise keine Männer) die ein Kind nicht bekommen als gefühls- und herzlos angesehen, die sich die Sache leicht machen. Und gerade Dein Bericht hat gezeigt, dass dies nicht so ist.

Ja und ich stehe dazu, dass es manchmal für ein Kind besser ist, nicht auf die Welt zu kommen.

Ich wünsche Dir für die nächste Zeit ganz viel Kraft! Ihr habt entschieden und niemand hat das Recht Eure Entscheidung in Frage zu stellen!

#liebdrueck

Beitrag von sunflower5 15.05.10 - 11:17 Uhr

WAs ich schlimm finde, ist: Ihr wusstet von Anfang an, dass ihr kein weiteres gem. Kind haben wollt. DAs ist auch ok, natürlich.
Warum habt ihr das mit der Vasektomie denn nicht gleich gemacht?

Und schade ist, dass jemand, der eigentlich gegen Ab ist, bei sich plötzlich alles anders sieht und doch eine Abtreibung machen lässt.

Ist nur meine Meinung...

Beitrag von hm 15.05.10 - 11:44 Uhr

Sunflower, meinst Du hier nützt das "wenn" und "hätt"?

2-fach-mama wäre bestimmt mehr als froh das Zeitrad zurückdrehen zu können, aber das geht halt nicht.

Ich habe nach ihren Postings vom 19.4. ehrlich gesagt auch Bedenken ob sie wirklich gut mit dieser Entscheidung zurecht kommt. Aber auch hier kann man ihr nur alles Gute wünschen und das ganz ehrlich. Der Weg ist gegangen worden ein zurück gibt es nicht mehr

Beitrag von sunflower5 15.05.10 - 13:45 Uhr

Hm,
ich weiss , dass es ihr nichts mehr nützt.

Aber vielleicht noch anderen.

Beitrag von *entscheidungen* 15.05.10 - 15:14 Uhr

Mit Sicherheit werden jetzt Frauen ihre Männer zur Vasektomie schleppen, bevor so eine Situation eintreffen kann! #klatsch

Mir kommt es eher so vor, als ob Du noch etwas im Gewissen von 2-fach-mama rumrühren möchtest. Und das steht Dir weder zu, noch ist es fair. Sie macht sich mit Sicherheit genügend Vorwürfe, dass es soweit gekommen ist.

Deine Einstellung in allen Ehren. Mir wäre es auch lieber es würden nur gewollte, glückliche Kinder in die Welt gesetzt. Aber das ist weltfremd!

Erst vorhin habe ich in den Nachrichten von dem zweijährigen Jungen aus Erkrath gelesen, der von seinen Eltern zu Tode mißhandelt wurde. Jetzt ist das Geschrei nach dem warum und weshalb groß. Dieses arme Kind hat mit Sicherheit mehr erleiden müssen, als ein 1 cm großer Embryo bei seiner Abtreibung. Das sind zum großen Glück nur Einzelfälle, aber schrecklich genug.

Beitrag von sunflower5 15.05.10 - 16:36 Uhr

Ich finde diese Mißhandlungsfälle auch sehr schlimm.

Dieser Gefahr wäre dieses Kind aber nicht ausgesetzt gewesen, weil die TS nicht so assig wirkt.

Aber diesen Vergleich finde ich unangemessen.

Beitrag von *entscheidungen* 15.05.10 - 18:09 Uhr

Mit keiner Silbe habe ich behauptet, dass das Kind von 2-fach-mama so einer Gefahr ausgesetzt gewesen wäre und das glaube ich auch überhaupt nicht.

Das hat nun mit 2-fach-mama und ihrem Posting auch überhaupt nichts mehr zu tun, trotzdem will ich noch etwas schreiben:

Ich habe keine Ahnung ob die Familie des kleinen Jungen "assig" ist bzw. was Du darunter verstehst. Meine Eltern waren es jedenfalls nicht, trotzdem könnte ich hier viel schreiben, was aber zu weit ginge. Tatsache ist, dass es für ein Kind nichts schlimmeres gibt als der Mutter gleichgültig zu sein. Ich habe, wie wohl jedes Kind, immer versucht meiner Mutter zu gefallen und konnte es im Gegensatz zu meiner älteren Schwester, nie! Es war nie etwas recht, egal wie sehr ich mich bemüht habe. Wenn ich Probleme hatte oder um Rat fragte wurde weggehört und ignoriert. Wenn mein Vater nicht gewesen wäre, würde ich sagen ich hätte eine besch.. Kindheit gehabt. Und damit meine ich nicht einmal die Ohrfeigen oder das Haareziehen. Das war zu meiner Zeit in der Kindererziehung ja noch fast normal. Schließlich erkrankte ich mit 19 an Magersucht und wog noch 39 kg, auch hier wurde weggesehen und ich weiß nicht was passiert wäre, wenn mein damaliger Chef mich nicht zu Arzt geschleppt hätte. Ich bin mittlerweile 42 Jahre alt und kann mir bis heute dieses Verhalten nicht erklären. Ich habe zigmal versucht mit ihr darüber zu sprechen, aber es wird abgewiegelt und widersprochen. Die Einzige mit der ich darüber sprechen konnte, ist meine Schwester, die auch nicht weiß warum solche Unterschiede gemacht wurden. Vielleicht weil ich ein Junge hätte werden sollen, keine Ahnung. Tatsache ist, dass ich es bis heute nicht geschafft habe ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen. Mamas Verhalten mir gegenüber ist bis heute übrigens unverändert.

So, genug Seelenmüll hier, tut wie gesagt mit 2-fach-mama auch gar nichts zur Sache.

Warum ich das überhaupt geschrieben habe?

Mir ging es nur darum, dass hier fast immer die Meinung vertreten wird, dass es immer besser ist, wenn ein Kind auch ungewollt zur Welt kommt. Vielleicht geht es gut und die Mutterliebe erwacht, vielleicht auch nicht. Tatsache ist für mich jedenfalls, dass aus unglücklichen Müttern unglückliche Kinder und bestimmt keine glücklichen Erwachsenen werden.

Beitrag von carrie23 15.05.10 - 18:23 Uhr

Hast du super und völlig korrekt geschrieben.
Mal abgesehen davon sehe ich es so: Wer hier sowas nicht lesen kann/will muss nicht in dieses Forum.
Hier gibt es eben nicht nur ungeplante sondern auch ungewollte Schwangerschaften und ungewollte enden nun einmal meist mit einem Abbruch.

Beitrag von blaue-rose 15.05.10 - 18:24 Uhr

Hallo entscheidungen,


was du gerade geschrieben hast ist kein Seelenmüll. Ich finde es gut das du auch diese Seite hier ansprichst, finde es aber sehr traurig das du diese Erfahrung machen musstest.

Leider werden hier oft Frauen verurteilt wenn sie schreiben das sie zu einer Abtreibung tendieren. Ich finde derartige Verurteilungen sehr anmaßend da hier meist niemand weiß welche Probleme betroffene Frauen dazu bewegt.

Ich möchte hier aber nicht weiter in den Thema von 2-fach-mama darüber diskutieren, da es nicht den ursprünglichen Sinn betrifft.


Falls du mit jemand über deine Erlebnisse schreiben möchtest kannst du mich gern über VK anschreiben.


Kraft schickende Grüße

blaue-Rose

Beitrag von blaue-rose 15.05.10 - 14:05 Uhr

Hallo 2-fach-mama,



behaltet euer Sternchen in eurem Herzen. Lasst auch eine eventuelle aufkommende Trauer zu, ihr habt das Recht zu trauern. Vielleicht kann euch ein kleines Abschiedsritual helfen.

Lasst euch auch von niemanden Vorwürfe machen, es hat niemand ein Recht euch zu verurteilen.

Wenn ihr jemand zum austauschen braucht , dann findet ihr auf der folgenden Seite dazu die Möglichkeit. Dort braucht ihr auch keine Angst haben das ihr verurteilt werdet.


http://www.nachabtreibung.de



Freundliche Grüße


Beitrag von froehlich 15.05.10 - 20:37 Uhr

"Lasst euch auch von niemanden Vorwürfe machen, es hat niemand ein Recht euch zu verurteilen"

Ja, hier stimme ich Dir zu! Ich möchte mich an dieser Stelle auch keineswegs für oder gegen Abtreibung ausprechen..... . Ich bin überzeugt, daß sich NIEMAND eine solche Entscheidung leicht macht. Wo Du - finde ich, aber das ist meine persönliche Meinung - ein wenig über das Ziel hinausschießt ist der Absatz über das "Sternchen". Ich weiß nicht - ist das nicht etwas unpassend? Oder dann doch zu weit hergeholt? Ich meine...wenn man sich für einen Abbruch entscheidet und ein Kind quasi aus eigener Entscheidung "zu den Sternen" schickt, dann erscheint es mir irgendwie ein bisschen seltsam, als Sternchen darum zu trauern. Versteht Ihr, was ich meine? Aber natürlich wird es auch Trauer geben um das verlorene Leben. Und das ist es ja auch: ein verlorenes Leben. Oder besser: die Möglichkeit eines neuen Lebens.

2-fach-Mama, ich wünsche Dir wirklich aus ganzem Herzen alles Gute, und Deinen Kindern und Deinem Mann ebenfalls!

Beitrag von einfach traurig 16.05.10 - 14:42 Uhr

Was ich schlimm finde ist. Ihr habt schon gesagt das ihr kein kind wollt.
Dann schläft ihr mit einander, ohne verhütung? Warum keine pille? Und kein gummi? Bei mir und mein mann läuft da garnichts ohne zu verhüten. Mir tut das baby so leid musste im himmel gehen weil die eltern ohne hiern po.... sry aber auf sowas komme ich garnicht klar.

Beitrag von pustekuchen... 16.05.10 - 15:44 Uhr

Hallo,
ich hab deine Beiträge nur entfernt mitbekommen und ich finde es traurig, dass ihr euch gegen das Kind entschieden habt. Bin mir auch nicht sicher, ob es für euch wirklich die richtige Entscheidung war... bisher wirkt es eher so, als ob ihr euch bzw. du dich vor allem selber davon überzeugen müsstest.

Allerdings glaube ich nicht, dass ein Kind sich von alleine schuldig fühlt, eine finanzielle Belastung zu sein oder die "urspr. Familie" einzuengen. Solche Gefühle werden wenn überhaupt, dann von den Eltern oder anderen Familienmitgliedern auf das Kind übertragen und mehr und mehr zu eigenen gemacht. Ich glaube, dass auch das ein madiges Argument für dich ist, euch von Schuldgefühlen frei zu kaufen.

Diesen Satz hier von dir "Grundsätzlich bin ich total gegen Abtreibung.... bei uns war die Partnerschaft definitiv zum Scheitern verurteilt und daran hängt das Glück von 4 Kindern." aber finde ich ziemlich heftig.
Zum einen, weil es sich selbst widerspricht. Wie kann man behaupten, dass man total gegen Abtreibung ist, wenn man sich gerade selbst für eine entschieden hat und diese auch durchgezogen hat? Damit belügt man sich doch selbst. Oder ist es bei anderen immer etwas anderes als bei sich selbst?
Zum anderen... ich glaube nicht, dass die Beziehung durch ein 5. Kind mehr gefährdet worden wäre. Dann ist die Partnerschaft wahrsch. generell eher instabil und das "Glück von 4 Kindern" - wie du es so schön nennst, steht auch ohne weiteren Familienzuwachs auf eher wackligen Beinen. (Mal ganz davon abgesehen, dass das Glück von Kindern nicht mit einer Partnerschaft fällt oder steht.)


Trotz allem... ich finde deine Entscheidung weiß Gott nicht gut. Aber einen Weg zurück gibt es nicht mehr. Deshalb wünsch ich euhc, dass ihr mit der Situation umgehen könnt und eure Beziehung nicht letzten Endes sogar an der gemeinsam getroffenen Entscheidung zu Abtreibung scheitert.

LG