Oh man, welche Phase ist das jetzt?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von salome25 16.05.10 - 20:43 Uhr

Guten Abend zusammen

meine Tochter ist vier und ich bin etwas verzweifelt über ihr Verhalten.

Sie möchte immer schon total groß sein. Problem dabei ist, dass sie Dinge nicht tut, die sie aber sehr wohl kann. Schuhe ausziehen oder Jacken aus- bzw. anziehen. Einfach viele Kleinigkeiten, die sie verweigert und was mich dann auf die Palme bringt. Oder etwas holen, nach etwas suchen. Sie sagt immer nur, dass sie es nicht kann, aber sie kann sehr wohl. Aufräumen geht auch so gar nicht, auch wenn ich anbiete zu helfen. Sie hat keine Ausdauer. Wollte sie in meine Tätigkeiten heute mit einbinden, da half sie 1 Minute und da sagt sie, sie könne nicht mehr. Wenn ich was verbiete, fängt sie an Aufstand zu machen, obwohl ich mehrfach erkläre, warum ich es verbiete. Finde meine Verbote durchaus sinnvoll. Beispiel nach dem Zähneputzen nichts mehr zu essen. Wie oft habe ich nun schon mitgeteilt, dass das Abendbrot um 19 Uhr gegessen wird. Meist isst sie ein wenig, sagt, sie sei satt und wenn sie dann im Bett liegt, schreit sie nach Essen. Dann gebe ich leider meist nach und weiß nicht, wie ich es besser machen kann.

Wer weiß Rat von euch, wie ich diese Dinge besser handhaben kann?

lg
salome

Beitrag von jazzbassist 16.05.10 - 21:15 Uhr

Warum machen Sie diese Kleinigkeiten nicht einfach mit Ihrer Tochter gemeinsam? Sie wird sicherlich nicht weniger selbstständig, wenn die Mama die Jacke mal wieder ein paar Tage an- und auszieht. Die wollen ohnehin viel zu schnell Erwachsen werden - genießen Sie diese Zeit einfach und lassen sich davon nicht auf die Palme bringen.

Haben Sie schon mal versucht, aus dieser Aufräum-Situation einfach ein spannendes/lustiges Spiel zu machen? So eine Art Memory: Ihre Tochter hält sich die Augen zu, die Mama räumt ein Spielzeug weg und ihre Tochter muss dann erraten, welches Spielzeug nun „aufgeräumt“ ist; und dann hält sich die Mama die Augen zu. Man kann da auch Gedächtnisspiele raus machen - so eine Art „Ich packe meinen Koffer/Schrank“. Oder eine Art Wettrennen daraus zu machen, wer kann schneller seine Ecke aufräumen - die Mama oder Ihre Tochter? Ansonsten hilft es hier auch - ähnlich wie im Kindergarten - einem Kind beizubringen, dass, wenn man sich ein neues Spielzeug nimmt, man das alte erst wegräumt. So entsteht Chaos gar nicht all zu schnell. Auch würde ich versuchen, dass Aufräumen in irgendein Ritual einzubauen. Dann ist es eben nicht mehr die „gemeine Mama“, die Langeweile hat und Aufräumen befielt - sondern - einfach der nächste Schritt im Abendritual zwischen Essen und Baden; also etwas, was ein Kind erwartet (also Sicherheit gibt) und somit völlig selbstverständlich wird.

Ansonsten finde ich Essensverbot nach dem Zähneputzen durchaus sinnfrei. Zumindest dann, wenn ein Kind das einfach maßlos ausnutzt wie ihre Tochter. Lassen Sie das Verbot doch einfach weg und führen stattdessen die Regel ein: „Nach dem Essen müssen die Zähne geputzt werden“. Dann brauchen Sie sich nicht mehr jedesmal weichkochen lassen und für Ihre Tochter wird dieses Spiel spätestens nachdem zweiten Mal langweilig. Vielleicht wird sie dann ja wieder zur normalen Abendbrotzeit essen.

Beitrag von schnaki1 16.05.10 - 21:19 Uhr

Hallo,

es hört sich so an, als seist du nicht konsequent in deinem Handeln.
Wenn es Abendessen gibt, sagst du ihr klar, dass jetzt gegessen wird und später eben nicht mehr. Das musst du letztendlich dann auch durchziehen, ohne viel erklären.
Wenn sie nicht mit aufräumt, dann müssen die Sachen eben weg.
Oder es bleibt dann keine Zeit mehr für schöne Dinge, die man nach dem Aufräumen machen kann.
Wahrscheinlich solltest du einfach nicht nachgeben. Wenn sie es merkt, dass sie dir nicht auf der Nase rumtanzen kann und das einmal gesagte Dinge auch so durchgezogen werden, dann wird es sicher besser und nachhaltig einfacher für dich.

LG,
Andrea

Beitrag von lisasimpson 17.05.10 - 09:13 Uhr

hallo samole,

Ich denke, daß Kinder grundsätzlich das bedürfnis haben "groß" zu sein und selbständig zu werden. sie haben aber auch gleichzeitig das bedürfnis "bemuttert" zu werden.
offenbar überwiegt bei deiner tochter im Moment das Bedürfnis des bemuttert- werdens.
viele eltern denke, wenn sie diesem nachgeben, würden ihre kinder den wunsch nach Selbständigkeit verlieren- aber genau das gegenteil ist der fall!
wenn du ihr deine hilfe also nicht aufdrängst, sondern einfach nur hilfst, wo sie dich bittet, dann wird sie nach einiger zeit ihre jacke wieder alleien anziehen, wird dir zeigen wollen, wie groß sie schon ist und die hilfe von mama nicht mehr brauchen (oder für andere sachen).

andereseits ist die bitte, daß mama mithilft manchmal auch die frage nach einer gemeinsamen aktivität.
vielleicht könnt ihr euch was schönes ausdenken, was ihr zusammen macht -etwas was beiden spaß macht und was kooperation erfordert (vielleicht zusammen was basteln, kuchen backen, ...) dann trainiert ihr ganz selbstverständlich eine gegenseitige hilfe (gisbt du mir mal bitte den klber, kannst du das hier mal halten- rühr doch schon mal, während ich die form einfette....)- vielleicht bringt euch das ein bißchen raus aus dem gerade etwas eingefahrenem "hilf mir- nein, du kannst das alleine"...


lisasimpson (die sich gerne beim kuchen backen helfen läßt, OBWOHL ich das alleine kann)

Beitrag von janaleinchen 21.05.10 - 11:33 Uhr

Ich glaube das Problem Deiner Tochter ist, dass Du nicht konseqent bist. Das haben die super schnell raus.
Mein Kleiner ist fast drei, und er versucht auch oft, dass ich ihm Schuhe ausziehe oder die Jacke, weil er das "angeblich nicht kann". Allerdigs merkt er schnell, dass es nichts nutzt und macht es dann selber.
Anders ist es wenn ich es wirklich eilig habe...dann schlage ich ihm schon vorher vor: soll ich es machen ? dann gibt es keinen Stress.

Mit dem Aufräumen denke ich, das ist noch zu früh als dass sie das ganze Zimmer schaffen kann. Wenn sie eine Minute fleißig aufräumt, kannst Du doch danach helfen und sie loben dass sie so einen tollen Anfang gemacht hat. Was ich bei meinem Kleinen mache, der ja auch noch nicht das ganze Zimmer alleine schafft: ich sage ihm was er aufräumen kann, z.b. alle Autos in die Kiste und den Rest mache ich dann. So ist er nicht überfordert und hat ein Erfolgserlebnis.

Ganz anders verhält es sich bei Sachen, mit denen sie sich wirklich schwer tun, wie z.b. bei neuen Schuhen o.ä. Dann können sie es aber erstmal versuchen und wenn es dann nicht klappt kann man helfen.

Und das Spielchen mit dem Essen würde ich gar nicht mitspielen, da reicht sicher schon ein Abend und am nächsten Tag weiß sie dass Du das nicht mehr mitmachst.