Mal wieder eine ratlose Mama

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von braunerbaer 17.05.10 - 08:01 Uhr

Hallo,
ich weiß es ist die Trotzphase oder ausprobier ich teste mich Phase aber ich brauche HILFE!
Also egal was ich mache er möchte es nicht und fängt an zu diskutieren.
Das fängt morgens an mit zieh dich bitte an.... NEIN ich will nicht, ich will jetzt Auto spielen. (ich konsequent, zieht sich an)
Setz dich bitte mit den Füßen unter den Tisch, NEIN ich will nicht, ich will so sitzen (Kniee auf der Bank, so kleckert also bin ich konsequen Füße unter den Tisch)
Wir wollen nun los in den Kindergarten, NEIN ich will nicht, ich will Auto spielen,....
Jacke anziehen, Nein....
Mittags essen das Gleiche
Mittagsschlaf, Nein...
Anziehen danach,Nein....
Nach draußen, Nein....
Wenn er es dann gemacht hat ist er glücklich darüber aber es ist ein harter Kampf den ganzen Tag und leider schaffe ich es nicht vorher in meinen Verhalten den Notausgang zu finden und nicht auf 180 hoch zu kochen...
Ich schreie die Hälfte des Tages ihn an, was ich gar nicht möchte, wo ich aber das Gefül habe es Hilft,.....
Habt ihr was was helfen könnte? Danke

Beitrag von lisasimpson 17.05.10 - 09:41 Uhr

hm- leider weiß ich nicht ,was dein ziel ist?
daher fallen die folgende möglichkeiten ein

1. er soll "aufs wort gehorchen": kauf ihm ein stromschalghalsband und immer wenn er "nein" sagt, aktivierst du einen kleine schalg (hier bei urbia muß ich jetzt wohl dazuschreiben, daß das ein scherz ist, keinesfalls ernst gemeint, daß ich bisher niemals und auch in Zukunft niemals jemandem ernsthaft zu so etwas raten würde:)

2. er soll ein kritischer, selbstbewusster mensch werden, der in der lage ist eine DISKUSSION zu führen, seine eigene Bedürfnisse zu erkennen und Kompromisse einzugehen: dann würde ich dir raten, mit ihm in eine DISKUSSION zu gehen- das was du beschreist ist ein hin und her von Forderungen :Zieh dich an!- "NEIN".
also wenn er gerne auto spielen möchte, klärt doch ab, warum es JETZT nicht geht- aber WANN denn der Zeitpunkt ist, daß er auto spielen kann. klärt, ob er morgens lieber früher aufstehen will, damit zeit ist zum auto spielen- wie kan nein Kompromiss gefunden werden, der zu einer "win-win" Situation führt, also daß beide rausgehen und zufrieden damit sind?
essen am tisch: welche regeln gelten und warum?
Probiert es doch mal aus, was passiert, wenn man so oder so sitzt- was besser und was schlechter geeignet ist- laß ihn aufputzen, wenn er kleckert- das alles natürlich in ner ruhigen Situation, nicht wenns morgens eh schon hektisch ist- quasi als Experiment, daß dann eine neue gemeinsam gefundene regel bildet: wir sitzen so und so am tisch WEIL (Ergebnis des Experiments)
Mittagsschlaf? wenn er nicht müde ist- warum sollte er schlafen? gibt ihm ne alternative? vielleicht mit dem auto spielen?
was will er machen, nach dem Mittagsschlaf? vielleicht gibts nen Kompromiss (auto mitnehmen?)

ich lese wirklich sehr wenig an AUSEINANDERSETZUNG- dein sohn fordert diese permanent ein, weil das seiner Entwicklungsstufe einspricht. er möchte lernen, wie man sich miteinander auseinandersetzt- wie Konflikte gelöst werden können, wie man Kompromisse finden kann, wie man gegensätzliche Bedürfnisse aufwiegt usw..
er wird das einfach einüben, so wie er krabbeln geübt hat und laufen lernen - du bist sein sozialer Gegenpart- an dir wird er sich orientieren in seiner grundsätzlichen Einstellung, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse andere menschen wahrzunehmen, wie man darauf eingeht, was wichtig ist im Leben und wie man Konflikte löst.
meiner Meinung nach bereiten wir unsere kinder darauf am besten vor, wenn wir ihnen eine große Bandbreite an konfliktlösemöglichkeiten anbieten, sie ausprobieren lassen und selbst Schlussfolgerungen finden lassen, sie mit einzubeziehen in Entscheidungen und ihnen das Gefühl geben, daß ihre Bedürfnisse wichtig sind.
ein kind, daß nur gelernt hat "alles was mama sagt ist richig und muß sofort ohne Widerworte gemacht werden" ist vielleicht nicht sehr anstrengend als kind- ich denke aber nicht ,daß es sehr konfliktfähig ist..

deine Methode "konsequent" sein und durchziehen erinnert mich an den Spruch: "Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus."

3. du willst ruhiger werden: bedenke, daß dein sohn gerade eine Entwicklungsstufe hin zu einem sozialen Lebewesen nimmt, das nicht durch instikte geleitet wird. er will dich keinesfalls damit ärgern, sondern reagiert seiner Spezies entsprechend richtig: rer sucht dich als wichtigsten Interaktionspartner um das einzuüben, was später eines der entscheidendsten sozialen Werkzeuge sein wird: Konfliktlösemanagement.
Wie begegne ich einem Problem- wie kann ich es anschauen, welche Lösungsideen habe ich dazu?
mach ein spannendes Experiment für dich draus- und schreib dir auf, welche Lösungen du im allgemeinen hast, welche du dir manchmal wünschen würdest, welche du für sinnvoll im Partnerschaft, Beruf, freundschaftsbeziehungen wünschen würdest und versuche diese mit deinem sohn einzuüben. du gibts ihm (und dir) so die chance, spaß an der Auseinandersetzung mit problemen zu bekommen- wahrscheinlich das wichtigste Instrument, um LERNEN zu können!

Alles Liebe
lisasimpson

Beitrag von janalein 17.05.10 - 10:04 Uhr

Hallo,
mach doch mal mit deinem kind einen Deal, er darf nach dem aufstehen 10 minuten spielen dann wird gegessen und angezogen, klappt das nicht wird nicht gespielt in der früh!
Du musst ihm bisschen mitreden lassen dann geht alles leichter und mit weniger geschrei... ;-)
Mein kleiner (4) will auch viel bestimmen, er sagt dann immer "wenn ich das sage ist das so" weil ich auch immer gesagt habe wo es lang geht und er will jetzt nur die mama nachmachen.... Die großen sind ja auch die Vorbilder....
Es klappt aber bei uns auch nicht immer.... aber immer öfters.... *g*
Versuch es einfach mal. Es muss nicht immer Mama`s Dickkopf durchgehen, hat man mal zu mir gesagt..... ;-)

Beitrag von jazzbassist 17.05.10 - 10:08 Uhr

Haben Sie schon einmal versucht, den Zeitplan morgens um ein paar Minuten auszuweiten? Dann könnten Sie Ihn morgens nämlich einfach fragen, ob er Auto spielen möchte. Entweder sagt er dann auf Grund einer umgekehrten Psychologie, die ein 3-Jähriger noch nicht sicher nachvollziehen kann, jetzt plötzlich zum Auto-spielen „Nein“; oder er sagt „Ja“, dann können Sie ihm einfach sagen, dass wir (sie und er) ihn jetzt ganz schnell anziehen, damit noch genug Zeit zum Auto-spielen übrig bleibt. Da sie morgens dann ohnehin etwas mehr Zeit haben, kommen Sie auch nicht so schnell auf die Palme und das hilft immens, dass der Morgen viel schneller und angenehmer verläuft.

Der Punkt mit auf den Knien sitzen machen Kinder in dem Alter ziemlich häufig. Das warum ist ziemlich leicht: Die sind dadurch einfach größer, wenn die auf den Knien sitzen. Das Problem mit so einer normalen Kücheneinrichtung ist, dass die auf Erwachsenen-Größe getrimmt sind und ein 3-Jähriger einfach nur feststellt, dass das Essen, wenn er „wie von Mama gewollt“ sitzt, irgendwie viel komplizierter ist, weil er schlechtweg zu klein ist, um alles ordentlich überschauen und erreichen zu können. Vielleicht fahren Sie mit ihm einfach mal gemeinsam in ein Möbelgeschäft und suchen sich zusammen einen passenden Kinderstuhl (am besten mitwachsend) für ihn aus.

Das „Jacke anziehen“ ist auch nichts, worüber Sie sich aufregen müssen. Wir haben draußen mittlerweile wieder Temperaturen, wo so ein 3-Jähriger ruhig mal wieder ein paar Minuten ohne Jacke draußen rumrennen darf. Er wird sich sicherlich schon melden, wenn ihm kalt wird. Fragen Sie ihn einfach, ob er die Jacke anziehen möchte, wenn nicht, nimmt die Mama die Jacke erst einmal und sie verlassen das Haus. Zum einen ist es die logische Konsequenz, dass er feststellt, dass die Jacke bei milden Temperaturen schon einen Sinn hat und zum anderen haben Sie gar nicht mehr die Gelegenheit, auf 180 zu kommen. Es geht hier schließlich um eine dämliche Jacke - und - ein 3-Jähriger ist alt genug, diese „Jacke anziehen“ Entscheidung ruhig einmal selbst zu treffen, wenn die Mama die Jacke dann einfach mitnimmt und immer griffbereit hat. Sie merken ja doch recht schnell, wenn er friert, und, dann können Sie ihm die ja noch ein zweites Mal anbieten.

Das ein Kind in diesem Alter beim Mittagsschlaf protestiert, finde ich hingegen sehr altersgerecht bis schon lange überfällig. Lassen Sie den Mittagsschlaf einfach weg; er will schließlich ein „großer Junge“ sein. Sie merken als Mutter ja sofort, wie er drauf ist, wenn er Mittags nicht mehr geschlafen hat. Bei einigen Kindern werden Sie den fehlenden Mittagsschlaf gar nicht bemerken, einige Kinder schlafen dann Abends einfach länger (also etwas eher ins Bett stecken), andere Kinder können wiederum dann etwas „aufgedrehter“ werden. Dann würde ich es mal Mittags mit einer kleinen Ruhepause versuchen. Setzen Sie ihm Wohnzimmer einfach bequem auf die Couch oder mit einer flauschigen Decke auf dem Boden und legen Sie eine Hörspielkasette ein. Oftmals nicken Kinder dann ohnehin wieder ein, und selbst, wenn nicht, hat das ganze Prozedere bei Kindern eine sehr entspannende Wirkung, so dass die eigentlich dann den Rest des Tages nicht mehr so aufgedreht sein sollten.

Beim „nach draußen gehen“ ist eigentlich das Ziel der Anreiz. Wenn Kinder in so einer „Ich sage zu allem Nein Phase sind“, würde ich ihm einfach mal die Wahl lassen, welches Ziel er haben möchte. „Möchtest du lieber im Wald spazieren gehen oder auf den Spielplatz?“ Lassen Sie sich dabei nur nicht auf einen Machtkampf ein. Fragen Sie ihn ein einziges Mal, wenn er nicht entscheiden möchte, entscheidet die Mama einfach. Wenn er sich entscheidet und dann spontan um-entscheidet (das könnte mein Bengel in dem Alter ganz vortrefflich) würde ich einfach bei seiner ersten Entscheidung bleiben. Schließlich freut sich sein kleiner Bruder jetzt schon auf den Spielplatz.

Beitrag von cajamarca 17.05.10 - 10:46 Uhr

Willst du die rote oder die blaue Hose anziehen?
Willst du das Auto oder den Teddy in den Kindergarten mitnehmen?
Willst du im Kinderzimmer oder im Besuchsbett Mittagsschlaf machen?
Wollen wir in den Park oder auf den Spielplatz?

Auf diese Fragen gibt es bei uns fast nie ein "nein", das Kind fühlt sich in die Entscheidung miteinbezogen und muss sein - legitimes - Bedürfnis nach Autonomie nicht durch Bocken ausdrücken.

Wegen Tischmanieren würde ich mir mit einem Dreijährigen noch nicht streiten. Wenn er wirklich zu viel kleckert, dann muss er einen Latz tragen. Du kannst ihm auch ab und zu zeigen, wie die Großen am Tisch sitzen, wie Papa und Mama es machen. Wenn er keine Jacke anziehen will, bitteschön.

Wenn du erst einmal etwas gefordert hast, dann musst du konsequent sein und es durchsetzen. Deswegen hilft es mir oft, wenn ich mir vorher überlege, was jetzt wirklich wichtig ist, wie ich es notfalls durchsetzen kann, und ob es sich wirklich lohnt. Wenn man nicht ständig mit seinen Kindern in Konflikt liegt, dann sind sie nämlich meistens erstaunlich kooperativ und harmoniefreudig :-)

LG Anke