Meine arme Freundin

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von tinkerbell007 17.05.10 - 11:55 Uhr

Hallo Ihr Lieben,
ich war bis gestern mit meiner Freundin deren Tochter (8) und meiner Tochter (8) für 4 Tage verreist. War herrlich erholsam und auch sonst sehr schön.

Meine Freundin ist alleinerziehend, ich nicht.

Mir ist diesmal extrem aufgefallen, wie L. (Tochter von Freundin) mit ihrer Mutter umgeht. :-[ Sie maßregelt die Mutter vor allen. Manchmal benimmt sich L. wie die Erwachsene und meine Freundin wie das gescholtene Kind.#zitter

Manchmal konnte ich meinen Mund nicht halten und sagte L., dass man so mit seiner Mutter nicht spricht und wenn die Mama das anders macht, als ich oder eine andere Mama, dann hat sie ihren Grund. Sie ist erwachsen und weiß es besser.#schein

Beispiel: Mama ist anders gefahren, als der Navi es wollte. Von L. kam die Rüge von hinten: Na Mama, hast Du Dich mal wieder verfahren? Aber in einem Ton, als wenn sie die Mutter wäre. Meine Freundin hat es ihr erklärt, was aber für mich wie eine Entschuldigung rüber kam.#schwitz

Meine Freundin hat nicht viel Selbstbewußtsein. Das nutzt ihre Tochter total aus. Leider weist sie L. nicht in ihre Schranken. Ich mache das manchmal und L. hört auf mich besser, als auf ihre Mutter.:-(

Meine Freundin ist L. gegenüber auch ziemlich gefühlskalt nach meiner Meinung. Kein Gekuschel oder mal ein liebevollses Streicheln. Ins Bett geht L. abends alleine. Ich bringe meine Tochter noch ins Bett, wir kuscheln und ich lese ihr etwas vor. Merke, das L. das auch gerne hätte. Dann kommt meine Freundin und macht es nach. Aber es sieht für mich so aus, als wenn sie das wegen mir macht und nicht wegen L.:-(

Ich überlege die ganze Zeit, ob ich mit ihr über meine Empfindungen spreche. Habe aber auch Angst, sie noch mehr zu verunsichern, wenn ich sie kritisiere. und habe ich überhaupt ein Recht dazu?
Meine Erziehung und meine Tochter sind auch nicht perfekt. Da hätte sie mit Sicherheit auch etwas zu bemängeln. Möchte mit ihr nicht in Streit geraten. Jeder geht anders miteinander um.
Sonst ist sie ja eine ganz Liebe. Aber eben wie Mutter und Tochter miteinander umgehen ist in meinen Augen nicht Richtig. L. sieht ihre Mama nicht als Autorität an, sondern als gleichberechtigter Partner. Und ich finde, ein Kind ist ein Kind, ein Erwachsener ist ein Erwachsener. Natürlich sollen Kinder auch Kritik äußern können, aber nicht abwertend und verletzend.

L. ist seit Neustem Brillenträgerin. Wenn sie die Brille mal nicht auf der Nase hat, dann wird sie sofort angebrüllt. Mama sagt nichts, sie brüllt. Kommt mir manchmal wie ein Hilfeschrei vor. Das habe ich ihr gesagt, dass sie es dem Kind ruhig sagen soll nicht brüllen und schreien. "Ja, Du hast recht". 5 Minuten später ist das vergessen und es wird gebrüllt.

Ist etwas lang geworden.

Was meint Ihr? Soll ich mit ihr reden oder mich nicht einmischen? Einfach nur da sein, wenn die Beiden mich brauchen? Habe ein schlechtes Gewissen, dass ich eine schlechte Freundin sein könnte.
LG
tinkerbell007

Beitrag von manavgat 17.05.10 - 12:16 Uhr

Du kannst Deiner Freundin mal das bekannte Buch von Winterhoff: http://www.amazon.de/Warum-unsere-Kinder-Tyrannen-werden/dp/3442171288/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1274091215&sr=8-2

ohne Kommentar in die Hand drücken. Vielleicht wird ihr dann klar, was da schief läuft.

Das arme Kind, es hat keinen Vater und auch keine Mutter - zumindest nicht was die Rolle von Eltern verlangen würde. Keine/zu wenig Liebe und viel zu viel Verantwortung. Keine Grenzen und keine Sicherheit.

Eine schlechte Freundin ist die, die nicht offen sagt, was sie sieht. Biete ihr Hilfe und Unterstützung an und versuche sie zu motivieren eine Mutter-Kind-Kur zu machen. Das würde beiden richtig gut tun.

Gruß

Manavgat

Beitrag von lisasimpson 17.05.10 - 13:11 Uhr

du beschreibst, daß die tochter ihre mutter maßregelt und daß sie die rollen vertauscht sind (zumindest in einigen Bereichen).
du selsbt respektierst aber auch nicht die freundin als Erwachsene, die selbst entscheiden darf, wie ihre tochter mit ihr spricht, oder?!
"und sagte L., dass man so mit seiner Mutter nicht spricht"

das ist das gleiche muster!!

dieses muster tritt wohl häufiger auf in der interaktion mit deiner freundin, so daß ihre tochter den part übernimmt (oder eben du)..

wenn du mit ihr also sprechen möchtest, würde ich DAS zum anlass nehmen und ihr erzählen, daß du manchmal das gefühl hattest, für sie sprechen zu müssen, - daß du aber gemerkt hast, daß das fatal ist, sie noch weiter untergräbt und keinesfalls dazu führen kann, daß sie selbt merh Selbstvertrauen hat.
dir sei auch aufgefallen, daß ihre tochter auch manchmal in diese verhaltensweisen falle (wie sie dir passierten) und ob ihr das auch schon aufgefallen sei.
kommt aber natürlich sehr darauf an, wie euer verhältnis ist und in wie weit ihr euch solche rückmeldungen geben könne,


Alles Liebe
lisasimpson

Beitrag von engelchen28 17.05.10 - 15:12 Uhr

wenn ihr wirklich FREUNDINNEN seid, kannst du offen mit ihr darüber sprechen. wichtig: beschreibe es, wie DU es siehst (z.b. "mir ist aufgefallen / mir scheint" etc. - und nicht "du bist ....").

Beitrag von marion2 17.05.10 - 19:40 Uhr

Hallo,

deine Freundin scheint überfordert. Das ist normal, wenn man alleinerziehend ist.

Der Buchtipp von Manavgat ist gut.#pro

Hilf ihr, so gut du kannst. Dazu gehört auch, dass du einen Babysitter organisierst ;-) und ihr beiden mal was ohne Kinder macht.

LG Marion

Beitrag von tinkerbell007 18.05.10 - 03:32 Uhr

Guten Morgen,
vielen Dank für Eure Ratschläge.

Das Buch habe ich zufällig zu Hause. Das werde ich ihr geben.

Eine Mutter-Kind-Kur macht die im Sommer. Wäre dann die 3. Habe also meine Zweifel, ob die wirklich etwas bringt.

Einen Babysitter brauche ich für sie nicht zu organisieren, da L. jedes Wochenende beim Papa ist. Auch dazu habe ich so meine Meinung. Aber alle fühlen sich wohl und dann soll es auch gut sein.

Ich werde mich aber auf alle Fälle mit ihr aussprechen.

Vielen Dank nochmals.
Gruß
tinkerbell007

Beitrag von janaleinchen 21.05.10 - 11:28 Uhr

Ich finde Du machst Dir zuviele Gedanken um Deine Freundin und deren Tochter.
Wenn das Gespräch mal zufällig auf das Thema kommt und sie Dich fragt, kannst Du ja Deine Meinung äußern, aber ich denke solange das Kind nicht zu Schaden kommt geht es Dich nichts an.