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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von samantha-g 17.05.10 - 23:08 Uhr

Natürlich möchte ich auch von die geburt unseres Sohnes berichten, was wahrscheinlich recht spät kommt. Hatte im SS-Forum ne Kurzfassung geschrieben, nun möchte ich euch gerne ausführlich davon berichten da es für mich sehr aufregend war....

Ausgezählt wäre ich am 24.4.2010 gewesen. Jedoch hatte ich kaum Wehentätigkeiten, wenn dann nur kleine Kleckse auf den Kuchen. Ich hatte nur einmal über 30 min. lang leichte schmerzen gehabt.

Am 26.4. (Montag) hatte ich dann eine Vorsorgeuntersuchung bei meiner FÄ. CTG, abtasten und das übliche, spätestens nach 10 Tagen Einleitung ich soll nochmal in 2 tagen wiederkommen (Schleimkropf fast weg, aber Kopf immernoch nicht tief genug, keine Öffnung beim Muttermund).
Superenttäuscht rief ich meine Beleghebamme an um Bericht zu erstatten, die mir dann riet schonmal ein Termin in der Klinik zu Vorsorgeuntersuchung zu machen. Da ich ja eh schonmal unterwegs war, fuhr ich direckt dahin um einen zu mache.

So stehe ich vor der Praxis, wo mich die Sprechstundenhilfe freundlich empfing. Ich bat um einen Termin für den nächsten Tag, konnte aber glücklicherweise direkt bleiben. So ließ ich mir noch eine Untersuchung gefallen. Der Doc meinte, dass für dieser Zeit wirklich wenig passiert ist und das mein Kind definitiv mind. 4000g wiegen würde #schock.
Hui dachte ich, dachte mir aber schon das er groß werden würde, die leute glaubten schon ich würde Zwillinge kriegen. Der FA schlug dann einen Wehenbelastungstest vor, um den "kleinen großen" Mann den richtigen Weg zu zeigen. So machten wir mit meine Hebamme am nächsten Morgen einen Termin um 9 Uhr aus.

Um viertel vor 9 stand ich vorm Kreissaal, fünf Minuten später war ich schon am Wehenschreiber und am Tropf mit wehenauslösenden Mittel. Regelmäßig kam die Hebamme rein , mal mit Begleitung mal ohne. ich war erstaunt, dass sich nix tat. Keine schmerzen, kein druck rein gar nix. Das machte die Hebammen stutzig und liesen sicht nicht anmerken, dass es wohl ein kleines problem gab.

Pünktlich zur Mittagszeit kam ich vom Tropf ab und bekam auch mein Mittagessen. Das sich meine Hebamme zum Chefarzt ins Büro begeben hat, bekam ich natürlich nicht mit#mampf.
nach dem Mittagessen, kam sie wieder und übergab mir keine besonders gute nachricht für mich:
Höchstwahrscheinlich würde die Messungen vom Ultraschall falsch sein, so dass sein Kopf für den Geburtskanal zu groß sein würde. Die Wehen stressen ihn zu sehr, was dann auch aussetzer bei der Herzfrequenz zu sehen war.
Eine natürliche Geburt war einfach nicht möglich. Es stand ein Kaiserschnitt für den nächsten Morgen um 8.05 an die Klinik brauchte ich nicht verlassen. Ich war richtig entsetzt. Anderseits freute ich mich. Jedoch ließ sich bei mir die Panik nicht ausblenden. ich hatte tierische Angst. Mein Mann blieb dann den rest des Nachmittags bei mir um mich zu beruhigen.Ich versuchte mich einfach auf unser Kind zu freuen. Ich konnte auch die folgende Nacht kaum schlafen.

Frisch geduscht und schon in OP - Kleidung holte mich die Hebamme pünktlich um halb sieben ab. Viertel vor sieben traf auch mein Mann im Kreissaal an. Ich versuchte meine Angst unter kontrolle zu halten, was mir auch am Anfang ganz gut geling. Bis ich einen Kateter bekam. Den hatte komplett vergessen. So schlagartig mir es auch wieder einfiel, so kam auch meine Panik wieder.
Ich gebe zu, es tat weh. Wahrscheinlich hätte es weniger geschmerzt, wenn ich weniger verkramft gewesen wäre. Der Schmerz hielt nicht lange an, jedoch quälte es mich ihrgendwie. So hielt auch die Panikattacke an und wurde sogar noch schlimmer. Durch den ganzen Stress litt auch mein Kleiner im Bauch. Als ich endlich dran war, hatte ich es geschafft mich zu beruhigen. Die Hebamme hat mich die ganze Zeit begleitet und nun kam die PDA, was mir auch bei der Vorstellung angst einjagte. Ich beugte mich vor und hielt gespannt den Atem an. Meine Spannung dauerte ca. 5 min, dasgt dann der Narkose-Arzt "So das warst, jetzt zurücklegen bitte!" #kratz.
Wie das wars? Wo war der große Schmerz wovon ich so oft gelesen habe? Hatte ich mir umsonst so ne Panik gemacht?
Bevor ich mir dann über den nächsten Schritt gedanken machen konnte, lag ich schon fixiert mit Vorhang und Narkosemaske (bekom ne Teilnarkose wegen der Panikattacke) auf den OP-Tisch. Sekunden später spürte ich die zittrigen Hände meines Mannes an meinem Kopf. Ich meinte zu ihm, dass er keine Angst haben muß. Alles ist Easy!!
Man hörte dann ein leichtes gelächter im OP, wer hatte gerade noch Angst:-p!!

So jetzt kommt der eigentlich interessante Teil:
mein behandelnder Doc und Chefarzt, kamen in die OP. ich spürte kein schmerz, nur ein Druck im Unterleib. Zwischendurch merkte ich wie die den Kateter bewegten, sonst nix.
Plötzlich rüttelten die an mir rum, es wurd ein wenig hektik. Der Chefarzt fluchte ein wenig, dann hörte man: "mensch den kann man ja gleich einschulen!"
Gleichdarauf sahen wir wie ein kleines "großes" Bündel über den Vorhang gehalten wurde und auch ganz schnell wieder weg war. mein Mann gleich hinterher, es musste schnell gehen, da er nicht direckt schrie. Dann plötzlich hörte ich ihm. Ein lautes, raues Babygeschrei ließ mich erleichtert aufatmen. Da viel mir auch, das die Maske auch schon weg war. ich hatte jedes Zeitgefühl verloren. Als die Ärzte fertig waren gratulierten sie mir noch und sagten mir das der Kaiserschnitt eine sehr gute Idee gewesen wären, denn keiner von uns hätte es ohne großen Schaden geschafft.

Später im Aufwachraum verarbeitet ich das ganze geschehen, stellte mir vor, wie sie ihn jetzt waschen und die U1 machten. Wie gerufen stand dann die Hebamme hinter meinem Bett und legte ihm in meine Arme.
In diesem moment verschwanden all meine Sorgen, Gedanken und Ängste und der ganz große Glück überkam mich.
Die Hebamme erzählte mir, dass der Kopfumfang 39,5 cm, 61 cm groß und 4620 gr. schwer #schock. Du meine Güte!! Da wäre ja nix heile geblieben.
Durch den ganzen Stress hatte ich grünes Fruchtwasser, ein bissl hatte er verschluckt, was aber schon behoben war ;-). Mein gewissen plagte mich in dem Moment, da ich es Verursacht habe.

Nach ein paar Minuten kuscheln über gab ich ihn meinem Mann wieder. Ca. später wurde ich wieder in den Kreissaal, wo mich dann mein Mann ganz sehnsüchtig erwartete. Er hielt ganz stolz unseren Sohn in den Armen. In diesem Moment wurde mir auch klar, dass die 9 lange, schöne manchmal auch schwere Monate vorbei waren. Ich war nicht mehr schwanger. Die Schwangerschaft war endlich vorbei. Aber auch ein wenig zu plötzlich....




Mein kleiner Schatz wird die Woche am 28. eine Woche alt. Wir sind überglücklich (wie die meisten natürlich ;-))und wir müssen wirklich sagen, dass wir es uns schlimmer vorgestellt haben *klopf auf holz*.

Einige werden jetzt bestimmt auch fragen, warum ich so einen a****langen Roman geschrieben habe. Ich bin ein Mensch der eine riesen Panik hat vor Ärzte, Krankehäuser und alles was damit zu tun hat. Ich werde deshalb bald in Therapie gehen, für mich und für meinem Kind. Für mich ist es wichtig, eine starke Bezugsperson zu sein. Schließlich muß er auch mal geimpft werden, was hilft da eine Mama die selbst davor Angst hat.
Ich denke ich schreibe euch so intensiv über meine Gefühle, weil ich hiermit meinen "inoffiezielen" Schritt mache. Und ich möchte andere damit mut machen zu ihre schwächen zu stehen, denn es ist keine Schande sondern menschlich.

Wünsche euch noch einen schönen Abend und euch allen wirklich alles Gute und Gesundheit im Leben.

LG Sam + Joshi#schrei

Beitrag von madmat 18.05.10 - 07:52 Uhr

Ein wirklich schöner, und vor allem ehrlicher Bericht!

Wünsche Dir und Deinem Sohnemann alles Gute

madmat,... die zum Glück nur ein Riesenbaby bekommen hat...

Beitrag von bambusbaer2 18.05.10 - 10:48 Uhr

wow was für maße!
ich denke der ks war allemal die richtige entscheidung.
wünsche euch alles gute

Beitrag von samantha-g 18.05.10 - 10:54 Uhr

Vielen dank an euch. ich sehe gerade nur ein fehler. Er wird am 28. ein MONAT alt, nicht ne woche. sorry, wurde noch spät gerstern ;P

LG Sam

Beitrag von mausohreule 18.05.10 - 12:06 Uhr

Huhu!
Ich hätte da mal eine Frage: Wie funktioniert das mit dem Kathter, wozu ist der und wie lange hat man den??
Danke für eine ehrliche Antwort und für so einen schönen Bericht. Hatte beim Lesen tränen in den Augen vor freude für Euch!

Ich wünsche Euch alles gute.
LG
Eulchen

Beitrag von samantha-g 18.05.10 - 13:00 Uhr

Hallo mausohreule,

also wenn man eine PDA bekommt, ist der Körper von den Schultern ab gelähmt (so war es bei mir). Du kannst nix mehr bewegen, so hast du auch deine Blase nicht unter kontrolle. Dir läuft dann der Urin so raus, ohne dass du es merkst. Ich habs sie noch bis zum nächsten Tag drin behalten, weil ich nicht aufstehen durfte.

LG Sam