Trotzphase schon seit einem halben Jahr (fast 4) - Tips ?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von inessa73 18.05.10 - 09:49 Uhr

Unser KLeiner wird Ende Juni 4 Jahre alt und hat, seit er im Kindergarten ist, eine extreme (jedenfalls für uns) Trotzphase.

Dazu kommt wahrscheinlich noch, daß er mit seinen neuen Geschwistern (Zwillinge, 7 Monate alt) klarkommen muss.

Jedenfalls vergeht kein Tag, an dem wir nicht laut werden müssen. Er gibt ständig Widerworte, heult bei jedem bischen rum, provoziert uns und macht natürlich immer gerade das, was er nicht soll bzw. will immer das Gegenteil von dem, was wir wollen. Mal abgesehen davon, daß er IMMER das letzte Wort haben muss.

Ist echt total anstrengend und machmal wissen wir nicht weiter. Und immer nur drohen und schimpfen wollen wir ja auch nicht.

Meiner Meinung nach bekommt er auch genug Aufmerksamkeit, weil wir ja schon damit gerechnet haben, daß er bischen eifersüchtig sein wird, durch seine Geschwister.

Nun mache ich mir schon Gedanken, ob wir vielleicht bei unserer Erziehung was falsch gemacht haben. Immerhin war er ja 3 Jahre ein Einzelkind, hatte unsere volle Aufmerksamkeit.

Wie sind Eure Erfahrungen so ? Ist das normal in dem Alter ? Wie lange ging das bei Euch so in etwa ?

Ich muss sagen, es gibt zwischendurch auch mal 2-3 Tage, an denen er das liebste Kind der Welt ist (damit will ich aber nicht sagen, daß wir ins sonst nicht auch lieb hätten ;-)).

Auch sonst ist er sehr aufgeweckt, quasselt den ganzen Tag, stellt kluge Fragen und weiß auch schon ganz viel.

Aber diese extremen Tage, bei denen man immer auf einem Grat wandert, weil jederzeit wieder so ein "Ausbruch" kommen kann sind echt auf Dauer schlauchend. Man ist ständig am Überlegen, wie man solchen Streitsituationen schon von vornherein aus dem Weg gehen kann.

Also - her mit Euren Erfahrungen und ultimativen Erziehungstips.

Ich danke Euch.

Ines

Beitrag von cori0815 18.05.10 - 10:50 Uhr

Hi Ines!
Ich glaube, es ist nicht so ganz außergewöhnlich, was du hier schreibst.

Dein Sohn hat natürlich starke Konkurrenz bekommen und spielt zumindest in seinen Augen sicher nur noch die zweite Geige.

Seine "Aufmüpfigkeit" sehe ich als Buhlen um Aufmerksamkeit - ohne Frage. Er versucht es zwar auch hin und wieder mit positivem Verhalten (und wird sicher auch bestärkt von euch, dass er brav ist usw.), sieht aber, dass er letztlich mit seinem negativen Verhalten mehr Aufmerksamkeit bekommt, wenn auch eben in negativer Form von Meckern, Schimpfen, Maßregeln. Aber auch das ist eben Aufmerksamkeit für ihn.

Ich glaube nicht, dass es viel besser gewesen wäre, wenn er nicht 3 Jahre, sondern vielleicht nur 1,5 Jahre lang Einzelkind gewesen wäre. Den Fall haben wir nämlich hier zuhause: mein Sohn ist genau 18 Mon. älter als seine Schwester und trotzdem begann er mit 2 Jahren, richtig aufzudrehen und über negatives Verhalten negative Aufmerksamkeit haben zu wollen. Obwohl ich ihn immer in positivem Verhalten bestärkt und gelobt habe, wurde sein Verhalten immer schlimmer. Schließlich sah ich, dass seine kleine Schwester darüber immer stiller wurde und sich immer mehr zurück zog. Daraufhin habe ich mir Hilfe bei einer Erziehungsberatung gesucht - das hat mir sehr geholfen.

Obwohl ich nicht auf den Kopf gefallen bin, hat mir die Erziehungsberatung geholfen, Wege und Mittel zu finden, die ich vorher so nicht umsetzen konnte. So kamen unser Sohn und wir wieder besser miteinander klar und auch unsere Tochter entspannte sich sichtlich unter dem besser werdenden Familienklima.

Wir haben vor allem damit Erfolg gehabt, meinem (ja noch sehr kleinen) Sohn Verantwortung zu übertragen. Er bekam kleine feste Aufgaben, die er voller Begeisterung sehr gewissenhaft erfüllte. Z.B. morgens die schmutzige Wäsche mit in den HWR hinunter nehmen oder das Bewässern eines Blumentrogs vor der Haustür.

Dieses rüpelhafte Verhalten, was du von deinem Sohn beschreibst (immer das letzte Wort, frech werden, provozieren usw.) ist in diesem Alter denke ich aber auch normal, wenn man keine zwei Geschwister vor die Nase gesetzt bekommen hat. Unser Sohn ist momentan mit seinen 4J.3Mon. auch so und boxt und schubst und meckert und provoziert.
Ich wende immer noch die Tipps der Erziehungsberatung an, die mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen sind. Wir kriegen es gut in den Griff und ich bin auch wesentlich gelassener als früher, so dass ihm wenigstens der Erfolg verwehrt bleibt, mich auf die Palme gebracht zu haben.

Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir viel Geduld mit deinem kleinen Wüterich!
LG
cori

Beitrag von mama062006 18.05.10 - 10:54 Uhr

Hi,

lass uns doch bitte alle an den Tips der Erziehungsberatung teilhaben #schwitz.

Danke und lG

Beitrag von cori0815 18.05.10 - 11:21 Uhr

*lach* ich weiß nicht, ob man die so generalisieren kann. Und vor allem: ob ich die hier so kurz und knapp aufschreiben kann.

Eines ist klar: es ist kein Zauberwerk, was wir da besprochen haben.

Sondern letztlich geht es um konsequentes Handeln und zielgerichtete Ansagen, Handlungen und ihre natürliche Konsequenz und solche Sachen. Dinge, die eigentlich jeder verantwortungsbewussten Mutter klar sind, die aber trotzdem vielleicht trotz dem starken Willen nicht so umgesetzt werden können, wie sie sollten. Und eben da griff die Erziehungsberatung ein. Sie geben dort einfach nur Hilfestellungen, den Rest muss man selbst machen.

Ein Beispiel: Wenn ich meinen damals Zweijährigen sagte, er solle sich seine Schuhe holen, wir wollen rausgehen, dann schrie er, er ziehe seine Schuhe nicht an. Woraufhin ich sagte, er müsse seine Schuhe anziehen, da wir rausgehen wollen und er nicht ohne Schuhe gehen könne. Er: "Ziehe nicht an, nein", Ich: "Wenn du deine Schuhe nicht anziehst, können wir nicht raus" (Wie blöd von mir, wo wir doch raus MÜSSEN, weil ich was zu erledigen hatte). Er "Ziehe nicht an, nein". Also musste ich praktisch hingehen und ihm die Schuhe anziehen, obwohl ich doch vorher drauf bestanden hatte, dass er das selbst machte (was er auch schon konnte). Vollkommen blöde Situation: er wusste, ich muss etwas erledigen, kann es aber nicht, solange er nicht mitspielt.

Die Erziehungsberaterin dazu: "Dann ist doch alles gut: er hat doch seinen Willen bekommen *grins*"

Ja, genau, hat er bekommen und ich habe nachgegeben.

Ihr Tipp: "Wenn er seine Schuhe nicht anzieht, ist das seine Entscheidung. Dann muss er eben ohne Schuhe gehen." Und genau so habe ich ihm das auch beim nächsten Mal angekündigt. Und so kam es, dass mein Sohn bei ca. 10° auf Socken neben dem Kinderwagen und mir hertraben musste. Nach 5 Min. war er soweit und bettelte um seine Schuhe. Hatte ich natürlich mitsamt trockener Socken eingepackt. Dann zog ich ihm die Socken an und er zog sich schmollend seine Schuhe an - fertig. Das Problem hatten wir seitdem nicht wieder (nachdem er einmal im Schlafanzug in den KiGa gegangen ist, hatten wir übrigens auch nicht mehr das Problem mit dem Nichtanziehenwollen ;-)).

Oder das hier: mein Sohn schmiss sich unterwegs gern mal lang auf den Gehweg, wenn er kein Bock mehr hatte, dahin zu gehen, wo ich hin musste. Ich stand dann artig daneben und habe gewartet, bis es ihm zu blöd wurde (weil ich mir keine Schlacht mit ihm auf der Straße liefern wollte). Aber wenn ich dort so stand, kam ich mir genau so dusselig vor (und ich wette, die Leute lachten über mich und meine Unfähigkeit, meinen Sohn zu erziehen). Die Erziehungsberaterin dazu: "Wenn Sie unterwegs sind, um etwas zu erledigen, dann ist Ihnen doch nicht damit geholfen, wenn Sie neben Ihrem Sohn stehen bleiben und warten. Also tun Sie das, was Sie tun müssen: Gehen Sie dahin, wo Sie hinmüssen und nehmen Sie ihn mit, z.B. einfach unter den Arm klemmen". Das tut ihm nicht weh, ist aber äußerst unerquicklich für ihn.!" So hab ich es dann auch einfach gemacht, wenn er auf meine Äußerung nicht hörte. Das Problem hatten wir schnell im Griff, als er merkte, dass er mit seinem Hinschmeißen mich nicht mehr ärgern konnte.

Oder auch die Sache mit "ständig das letzte Wort": man lässt sich ja so leicht hinreißen, immer wieder auf die Kinder einzusteigen. Daraus entspinnen sich ja total irrationale Diskussionen mit Kleinkinder/KiGakindern. Ich habe gelernt, wie man solche Sinnlos-Diskussions-Kreisläufe unterbricht und beendet, so dass das Kind noch eine Chance hat, selbst nicht zu schlecht dazustehen - wirklich manchmal gut, um Eskalationen zu vermeiden.

Du siehst: eigentlich alles ganz normale Sachen, die eigentlich keiner Erziehungsberatung bedürfen. Wenn sie aber in der Realität nicht so funktionieren, wie man sich das vorstellte, können Erziehungsberater die richtigen Impulse geben. Mehr nicht.

Lg
cori

Beitrag von inessa73 18.05.10 - 12:29 Uhr

Erstmal vielen lieben Dank für die super Tips.

Das mit dem Schuhe anziehen und co. haben wir auch schon so gemacht und das finde, hilft wirklich super. Seit wir ihn einmal im Schlafanzug in den Kindergarten gebracht haben, weiß er, daß wir das auch durchziehen und spätestens nach der Drohung, wenn er dann und dann nicht fertig iost, muss er eben so gehen, zieht er sich an. Das funktioniert also.

Was mich noch ratlos macht, ist eben das endlose disuktieren. Da fällt mir keine Lösung ein und ist schon peinlich, wenn man sich mit seinem 4-jährigen ein ständiges mach dies-nein-doch-nein ... liefert. Zu ´nem Ergebnis kommt man da ja wirlich nicht, zumal am Ende keiner mehr weiß, worum es e genau geht ;-). Ich glaube, wir reden noch viel zu viel. Andererseits will man ja sien Kind so halbwegs gleichberechtigt leben lassen, d.h. er soll auch einfache Entshceidungen selber treffen können und so.

Mit kleinen Aufgaben wird bei ihm sicher nix, er ist von Natur aus sehr bequem und faul und hat gar nicht den Antrieb, sich durch so etwas hervorzuheben. Ich versuche ihn ja schon immer zu ermutigen, aber meistens hat er keine Lust. Wobei - gestern hat er mir super beim Pizza backen geholfen - das hat zwar ewig gedauert, aber er war beschäftigt, stolz und ihm hat´s geschmeckt.

Außerdem versuche ich auch immer mal wieder, seine Geschwister "schmackhaft" zu machen, z.B. ob er sie mal beruhigen kann (das kann er gut, die himmeln ihn nämlich an) oder ob er beim Windeln wechseln helfen will. Dazu hat er aber auch meistens keine Lust.

Na, ja - aber ich sehe schon, ich bin nicht alleine mit diesen Problemen und schiebe es mal auf´s Alter. Ich habe eben nur Angst, daß wird was Gundsätzliches in der Erziheung falsch gemacht haben bzw. noch falsch machen. Aber soviel kann man da ja eigentlich nicht falsch machen, oder ?

Die Werte vermitteln, die einem wichtig sind (bitte, danke, also Höflichkeit und Rücksichtnahme) und konsequent bleiben (na, ja - klappt leider nicht immer).

Was ich auch wichtig finde, ist zuhören. Ist schon sehr interessant, was sich so kleine Kinder ausdenken (er hat ´ne blühende Phantasie ;-))

Ach ja - wo kann man so ´ne Erziehungsberatung finden ?

Danke

Ines

Beitrag von gianna 18.05.10 - 11:07 Uhr

Hallo Cori, auch ich kenne das Thema auch sehr gut und bin immer wieder froh und dankbar über Tipps. Ich habe auch schon ein Elterntraining mitgemacht - aber manchmal steh ich da und denk - wie reagier ich jetzt. Hast Du da einen tipp - was z.B. das rüpelhafte verhalten angeht?

Beitrag von cori0815 18.05.10 - 11:28 Uhr

Leider bin ich ja auch nicht die Supernanny ;-) und glaub nicht, nur weil ich mal ein paar Wochen bei einer Erziehungsberatung war, passiert mir sowas nicht mehr.

Ich denke STÄNDIG "wie verhalte ich mich jetzt am besten?" und muss es genau wie alle anderen im Moment aus dem Bauch heraus zu entscheiden.
Klar gibt eine Erziehungsberatung Denkanstöße, aber leider keine Patentrezepte #schmoll

LG
cori