Vater krank, wird Pflegefall - was tun?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von teufelchen05 18.05.10 - 14:17 Uhr

Hallo zusammen!
Ich bräuchte mal ein paar Tipps im Umgang mit folgendem Problem:
mein Vater leidet an ALS. Diese neurologische Erkrankung führt im Laufe der Zeit zur Lähmung des gesamten Muskelapparates. Mein Vater kann miilerweile kaum mehr laufen und auch die Bewegungsfähigkeit der Hände und Arme lässt schon stark nach. Er wird wohl im Laufe der nächsten zwei Jahre Sterben.
Er ist alleinstehen (meine Mutter strab vor 5 Jahren an Krebs), ein wenig "schwierig" und wohnt alleine in einem großen Haus mit mehreren Etagen. Er weigert sich, der Tatsache ins Auge zu sehen, daß er bald ein Pflegefall ist. Eigentlich müsste er sich darum kümmern, wie die Pflege (Heim) organisiert werden soll, ob er das Haus verkauft etc. Er lässt es aber alles auf sich zu kommen. Ich befürchte, dass ich irgendwann den Anruf bekomme, er seiim KH und dann muss alles ganz schnell durch mich organisiert werden.
Ich habe auch den Verdacht, dass er hofft, ich würde ihn dann pflegen. Das möchte ich aber nicht. Ich bin verheiratet, habe einen 2jährigen Sohn und gehe - wie mein Mann auch - vollzeit arbeiten in verantwortungsvoller Position. Diesen Job möchte ich nicht aufgeben.

Wie würdet Ihr die "Sache" angehen?

Beitrag von muckel1204 18.05.10 - 14:24 Uhr

Oh das ist wirklich eine sehr schwierige Situation. Ich habe schon mit Patienten mit diesem Krankheitsbild zusammen gearbeitet und kann nur sagen, das es nicht einfach ist.
So leid es mir tut, aber vielleicht solltest du mal Klartext mit ihm reden. Ja es ist ein sehr schwerer Schritt, sich in eine Pflegeeinrichtung zu begeben, aber wie stellt er sich das vor? Ihr solltet das wirklich mal klären, mit allen Pro´s und Contra´s die es gibt. Er wird sich über kurz oder lang nicht mehr alleine versorgen können, das kann morgen sein, kann aber auch langsam und schleichend erst im nächsten halben Jahr sein. Er benötigt einen Lifter zum aufstehen, einen Rollstuhl, jemanden der irgendwann Tag und Nacht bei ihm ist, der die WC-Gänge mit ihm erledigt, ja auch irgendwann für so banale Dinge wie Haare kämmen, oder die Zeitung umblättern...........Zumal die psychische Komponente nicht vergessen werden darf, er ist gefangen in seinem Körper, kann ihn nicht mehr kontrollieren das ist ein sehr schwerer Zustand, der zu starken Depressionen führen kann.
Sprich mit ihm, nimm dir Hilfe, ggf einen Sozialdienst. Jedes Pflegeheim hat auch Sozialarbeiter, die da doch besser helfen können gerade was auch die finanziellen Dinge angeht. Vielleicht reicht ja für den Übergang ein betreutes Wohnen, welches in einen Pflegeplatz übergeht wenn es notwendig ist......

LG und viel Kraft
Carina

Beitrag von rs1977 18.05.10 - 14:38 Uhr

Hallo,

das ist natürlich ein sehr komplexes Thema, was man mit Sicherheit nicht in drei Sätzen beantworten kann. Aus deinem Thread geht leider nicht hervor, ob Du guten Kontakt zu deinem Vater hast oder eher einen lockeren, unverbindlichen. Ich interpretiere aus deinem Post jetzt mal, dass Du noch nicht wirklich intensiv mit deinem Vater über seine nahestehende Zukunft gesprochen hast (das entnehme ich jetzt aus dem Satz "ich habe auch den Verdacht, dass er hofft, ich würde ihn dann pflegen".

So schwer es auch ist, aber du musst mit ihm erstmal tacheles reden! Was erwartet er? Was möchtest du, bzw. was möchtest du nicht? Notfalls zieh dir Leute hinzu, die einen besseren Draht zu ihm haben und auf die er hört. Jedenfalls scheint mir, dass du dir Sorgen machst um ihn, denn irgendwann wird man ihn vielleicht am Fuß der Treppe wiederfinden, wo er sich die Knochen gebrochen hat oder Schlimmeres, wenn er sich nicht bald kümmert. Da zu diesem Krankheitsbild mitunter auch Depressionen gehören, kann ich mir vorstellen, dass er einfach sehr antriebsarm ist und seine Situation verdrängt.

Es muss ja nicht heißen, dass er sofort in ein Pflegeheim muss. Aber ein Umzug in eine behindertengerechte Wohnung und der Besuch eines Pflegedienstes ein bis zweimal am Tag hat meiner Ansicht nach schon Priorität, und zwar bald.

Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung!

LG, Rebekka

Beitrag von mineos 18.05.10 - 16:07 Uhr

Hallo,

du könntest mal in die Betreuungsstelle (Landratsamt bzw. Amtsgericht) gehen und eine Betreuung anregen. Evtl. wird dann auch eine Unterbringung im Heim angeordnet, wenn er sich selbst nicht mehr kümmern kann. Die Betreuungsstelle prüft zuerst, ob jemand im Verwandtenkreis da ist, der Aufgaben übernehmen kann, ansonsten wird ein ehrenamtlicher Betreuer oder Berufsbetreuer eingesetzt, der sich um die Aufgaben kümmert, die dein Vater nicht mehr regeln kann, eben gesetzliche Vertretung oder auch Regelungen von Heimunterbringung usw. Da würdest du Infos bekommen.

Auch wenn es mal so weit ist und er sich nicht mehr selbst kümmern kann, kannst du da Unterstützung bekommen, das wird normalerweise dann aber auch vom KH geregelt.

LG

Beitrag von pizza-hawaii 18.05.10 - 20:12 Uhr

Du könntest jetzt schon nach Einrichtungen suchen und Dich bzw. Deinen Vater auf die Liste setzen lassen.

Bei einem freien Platz melden die sich, wenn Du ihn nicht nimmst kommt der nächste dran, beim nächsten freien Platz wirst Du wieder gefragt usw. (zumindest ist das hier so)

So kannst Du ihn recht kurzfristig unterbringen.

pizza

Beitrag von schnaki1 18.05.10 - 21:12 Uhr

Hallo,

das ist ja meiner Meinung nach die schlimmste Erkrankung, die es gibt.
Inwieweit habt ihr euch denn schon auseinandergesetzt?
Weiß er, dass du nicht bereit bist, ihn zu pflegen? (Kann ich übrigens gut verstehen, würde ich auch nicht wollen.)
Hat er schon Hilfe?
Was sagt sein Arzt? Kann er mal mit ihm über die weiteren Schritte sprechen, was ist, wenn es weiter bergab geht?
Hier gibt es eine Stelle, die kümmern sich um behinderte und kranke Menschen, bieten Hilfe an bei Pflegestufenbeantragung, stehen in engen Kontakt zum Patienten und Arzt, reden viel mit dem Patienten.
Ich musste meinen Vater auch vor 2 Jahren aus seiner Wohnung holen, weil es nicht mehr tragbar war, habe Promobil (so hieß das hier) eingeschaltet und die haben sich mit ihm sehr intensiv auseinandergesetzt.
Ohne die wäre er wohl weiter in seiner Wohnung verdammelt, ich glaube nicht, dass wir Kinder so auf ihn hätten einwirken können.
Jetzt hat er eine Pflegestufe und ist im Pflegeheim, mittlerweile auch mit gesetzlicher Betreuung.
Und bei deinem Vater ist es ja nun unabänderlich, dass er innerhalb kurzer Zeit so sehr abbaut und sich nicht mehr selbst oder auch nur zu Hause versorgen kann.
Vielleicht habt ihr bei euch ja auch Beratungsstellen.
Und wichtig ist, mit ihm klar zu reden. Hört sich an, als verdränge er seine Krankheit etwas.
Ich wünsche euch viel Kraft,
LG,
Andrea

Beitrag von kuckuk 19.05.10 - 11:28 Uhr

hallo,

egal wie dien Vater die Sache sieht. Du musst ihn direkt auf die Liste mehrerer Heime setzen lassen.
Die Wartezeiten sind extrem lang. Und wenns brennt bekommt ihr weder einen Heimplatz noch über Nacht eine Vollzeitpflegekraft.
Wie eine Vorschreiberin schon sagte kannst du einen Platz auch ablehnen und auf den nächsten Warten.
Selbst wenn du ihn pflegen würdest kann man das nicht über Nacht organisieren.
Da müsen Anträge her, der Pflegedienst müste trotzdem regelmäßig vorbeikommen etc.
da muss er leider durch.

Gruß
Kuckuk