Bräuchte mal Eure Hilfe - logische Konsequenzen...

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von ghost_mouse 18.05.10 - 17:07 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

mein Sohnemann (3,5 J.) treibt mich zur Zeit echt manchmal zur Weißglut. Es fing heute schon beim Abholen aus dem Kiga an, er ist wohl geschimpft worden und kam mir schon weinend entgegen.... Hab kurz mit der Erzieherin und ihm darüber geredet, war alles wieder ok...

Zuhause ging es weiter, dass er nicht aus dem Auto aussteigen wollte. Ich also erst mal alleine hoch, seinen Rucksack usw. hochgetragen. Nach einigen Minuten bin ich wieder hin, weil er nämlich mit Vorliebe zum Hupen im Auto anfängt und das wollte ich vermeiden. Er wollte immer noch nicht raus,alles Reden half nichts, also hab ich ihn rausgenommen. Großes Theater natürlich!!! Mit rauf kommen wollte er immer noch nicht, also ist er von mir davon gerannt, immer um das Auto rum. Ich hab gesagt, er soll bitte herkommen. Als das nichts halft, musste ich wohl oder übel hinterher (hat bestimmt für die Nachbarn sehr albern ausgesehen), hab ihn aber nicht gekriegt. Muss dazu sagen, ich bin in der 31. Woche schwanger, ich hab einfach nicht mehr die Kraft ihm hinterher zu jagen. Nach einigem Hin- und her hab ich ihn gekriegt und musste ihn unter großem Geschrei nach oben tragen (was hochschwanger ja auch ein Spaß ist). (Einfach stehen lassen kann ich ihn am Auto auch nicht, da ich Angst habe, er läuft mir auf die Straße.) Oben ist er völlig ausgetickt, ich habe ihn in sein Zimmer geschickt, dort hat er dann vor lauter Wut erst mal seine Werkbank auseinander genommen. Irgendwann hatte er sich beruhigt und wir haben gemeinsam seine Werkbank wieder eingeräumt.

Ich komme mir in solchen Situationen immer so hilflos vor, wie geht ihr denn mit sowas um?

Dann nochmal eine Situation, wo ich ratlos bin: Ich hab ihm ne Wassermelone klein geschnitten. Als er die aufgegessen hatte, ist ihm die Gabel ausversehen auf den Boden gefallen. Als ich ihn gebeten habe, die Gabel wieder aufzuheben, kam von ihm "Nein - ich möchte nicht". Es ist egal, was ich zu ihm sage, ob ich strenger mit ihm rede oder ihn bitte, da ist nichts zu machen - er hört einfach nicht. Letzendlich musste ich die Gabel wieder aufheben. Eine Konsequenz fällt mir aber in solchen Situationen auch immer nicht ein... Ich hab dann zu ihn gesagt, das nächste mal, wenn er was von mir will, sag ich auch einfach "nein ich möchte nicht". Albern ich weiß....

Bin für Eure Tipps dankbar....

LG
Katja

Beitrag von marion2 18.05.10 - 17:10 Uhr

Hallo,

wenn dir keine Konsequenz einfällt, liegt das manchmal einfach daran, dass es keine LOGISCHEN Konsequenzen für alle Situationen gibt.

Hab Geduld und sei selbst konsequent. Wenn du die Gabel aufhebst, ist das nicht konsequent. Du könntest seine Hand nehmen und zur Gabel bewegen -> notfalls samt Kind.

LG Marion

Beitrag von ghost_mouse 18.05.10 - 17:48 Uhr

Da liegt wohl auch etwas mein Problem, ich hab zur Zeit einfach recht wenig Geduld...

Bleibst Du in allen Situationen ruhig? Wie machst Du das?

LG

Beitrag von marion2 18.05.10 - 18:05 Uhr

Hallo,

selbstverständlich bleibe ich nicht in allen Situationen ruhig.

Ich bin ein menschliches Wesen mit Nerven wie Bindfäden - die reißen schon mal.

Gruß Marion

Beitrag von mareliru 18.05.10 - 19:22 Uhr

Hallo Katja,
die Gabel hätte zum Beispiel liegen bleiben können, bis er das nächste Mal etwas von Dir will. Dann kann er sie immernoch aufheben (und sich evt. entschuldigen).
In Bezug auf das Auto habe ich auch so einen zu Hause, nur meiner ist noch zu klein für "wenn dann" Sätze. Bei 3,5 Jahren könntest Du es mit "Wenn Du jetzt kommst, dann haben wir gleich noch Zeit xy zu tun." Xy muss dann etwas sein, was er gerne mit Dir macht.
Ich zerbreche mir auch oft den Kopf über ganz ähnliche Sachen ...
Alles Gute, Mare

Beitrag von ghost_mouse 18.05.10 - 20:00 Uhr

Hallo,

auch Dir danke für Deine Antwort. Der Tipp mit dem liegen lassen, bis er das nächste mal was von mir will, ist gut. Werd ich mir fürs nächste mal merken und das nächste mal kommt bestimmt - leider.

LG
Katja

Beitrag von alpenbaby711 18.05.10 - 19:43 Uhr

... ich zitiere: ... letztendlich musste ich die Gabel wieder aufheben...

Ne musste ganz sicher nicht nur du bist so helle und machst es. Dann weiß dein Sohn auch das ers nicht machen muss. Mama bückt sich ja eh. Ich hätte drauf bestanden das ers tut. In dem Fall biste inkonsequent und dann ist klar das der Schuss nach hinten los geht.
Ela

Beitrag von ghost_mouse 18.05.10 - 19:58 Uhr

Hallo,

danke für Deine Antwort! Du hast recht, jetzt im nachhinein seh ich das genauso. Nur in dem Moment war ich eh schon so genervt von der Auto-Geschichte, dass den einfachsten aber halt auch inkonsequentesten Weg gegangen bin :-(

LG

Beitrag von alpenbaby711 18.05.10 - 20:24 Uhr

Na ja das ist das schwierige man kann fast nur durchkommen in solch schweren Phasen wenn man sich selbst am Riemen reißt. Aber mach dir keinen Kopf ich bin auch nicht immer perfekt, grins.
Ela

Beitrag von lisasimpson 19.05.10 - 10:34 Uhr

"er ist wohl geschimpft worden und kam mir schon weinend entgegen.... Hab kurz mit der Erzieherin und ihm darüber geredet, war alles wieder ok... "

war es das auch für ihn?
ein kind erwartet in einer solchen sitaution, daß die eigne Mutter stellung FÜR es bezieht und genauso sauer auf die erzieherin ist wie er, als er geschimpft wurde.
macht die mutter aber den eindruck, daß sie eher der erzieherin zustimmt, dann fühlt das kind sich verraten.
kann da schon euer problem angefangen haben?

wenn ja- ist der rest relativ verständlich.
ich denke ich hätte versucht dem kleinen klar zu machen, daß ich verstehe, daß er sauer ist auf die Erzieherin und auch auf mich, weil ichs genau so sehe wie sie. ich hätte ihm die möglichkeit geboten (das hätte bei uns die erzieherin aber schon gemacht) es wieder IN ORDNUNG zu bringen. Kinder wollen das gefühl haben, etwas dazu beigetragen zu haben, daß nun die sache erledigt ist.
dann hätten wir beschlossen, daß ab nun der nachmittag super werden wird und wir hätten besprochen was ansteht.

nun ja. der zweite punkt ist einfach die Schwangerschaft.
dein sohn spürt, daß da eine veränderung ansteht- er ist verunsichert. auch das erleben, daß die "allmächtige" mama ihn nicht mal merh einfachgen, tragen,... kann macht Kinder unsicehr.- ihr weltbild gerät ins wanken. sie schwanken zwischen allmachtsphantsien (tun sie eh in dem alter), die dann massiv ausgelebt werden und der angst, die entsteht ,wenn sie merken, daß der Gegenpart ohnmächtig.
ich denke, da ist einfach viel verstänids gefragt und eine Vereinbarung zur koopertion. du tust alles, was du kannst um ihn zu unterstützen und er tut seines dazu um dich zu unterstützen.
daher- wenn ihm die gable aus versehen runter fällt- frag ihn, ob er es selbst aufheben kann oder ob du ihm helfen sollst. in aller regel wollen kinder das selbst machen- nur wenn du nen Machtkampf draus machst- eskaliert das.
fragst du ihn, ob er hilfe bracht, lernt er , daß du bereit bist ihn zu unterstützen und ist eher bereit auch dich zu unterstützen.
wenn er mekrt das du aus "pipifax" (gabel) einen reisen aufstand machst- dann wird er es auch weiterhin machen (auch bei sachen, die dann gefährlicher werden können- ums auto rum rennen!)

lisasimpson

Beitrag von hanni123 19.05.10 - 10:46 Uhr

Huhu,

bei so Dingen wie der Gabel ist meine Konsequenz immer, dass wir so lange nichts anderes machen (== spielen) können, bis er sie aufgehoben hat. Und dann warte ich ab. Das gilt auch für ein aufgebautes Brettspiel, Puzzle, herumliegende Spielsachen etc. Wir können erst etwas anderes spielen, wenn er die anderen Spielsachen aufgeräumt hat. Begründung: Wenn Dinge auf dem Boden liegenbleiben, ist bald der Boden voll, die Sachen gehen kaputt, man kann drauftreten, findet man bald nichts mehr, kann man das Spiel nicht mehr spielen, weil Teile fehlen... Also muss man immer aufräumen.
Ich lasse ihn aus der Situation auch nicht raus. Ich sage ihm, wenn er jetzt gleich anfängt, helfe ich ihm auch. Klappt fast immer.

Wenn mein Sohn (auch 3,5) nicht mitkommen/aussteigen möchte, drehe ich den Spiess um und sage zu ihm: Ha, dann bin ich eben Erster und schneller an der Haustür als Du! :-p Ich drehe mich um und laufe gespielt in Zeitlupe los... Da er immer gewinnen will, ist er zu 95% schneller aus dem Auto als ich gucken kann. ;-) Ausgetrickst!

LG

Hanna

Beitrag von wort75 19.05.10 - 11:47 Uhr

gabel: wenns ein versehen ist, hättest du dich simpel rasch bücken können. man hilft sich doch gern. bei einer absicht hätte ich ihn sonst halt das essen weggenommen.... weil man ohne gabel nicht isst.


auto:
hast du leider alles richtig gemacht, denke ich. solche situationen gibts einfach. und leider lässt sich nicht alles in harmonie auflösen.du hast versucht, den frust der kita abzuwenden und hast das gespräch gesucht. auf der fahrt ist ihm trotzdem (wieder) die laus über die leber geaufen. er war gefrustet, wollte was beweisen. die situation (garage / strasse / parkplatz) war zu gefährlich um ihn zu lassen. um zuzuhören war er noch zu gestresst - du musstest ihn aus dem gefahrenberich nehmen.
im zimmer hast du ihm zeit und raum gelassen sich auszutoben, ihr habt euch versöhnt (hoffentlich ohne vorhaltungen) und eine gemeinsame handlung vorgenommen.
wäre schön, es wäre nie zu der situation gekommen - aber so wie sie war hast du doch gut reagiert. es sei denn, du hast uns die ein- oder andere schimpfattake oder ohrfeige unterschlagen :-)

Beitrag von gismomo 19.05.10 - 16:17 Uhr

Die logische Konsequenz? Hier, bitteschön:

Verstehen, dass das Kind kein Roboter und auch kein dressierter Affe ist. Es darf durchaus Gefühle haben und die auch äußern. Es darf frustriert sein, müde sein, durcheinander sein, usw.

Wenn DU momentan nicht genug Kraft hast um das auszuhalten, würde ich dir als logische Konsequenz etwas verordnen, das dir gut tut und Kraft gibt. Z.B. heute abend, wenn dein Kind im Bett ist, ein wohltuendes Bad nehmen. Oder früh ins Bett gehen. Was immer dir gut tut.

Das mit der Werkbank-Zusammen-Aufräumen finde ich ganz gut. Danach sich einfach zusammen aufs Sofa kuscheln und ein bisschen Kraft und Ruhe tanken hätte euch beiden bestimmt auch ganz gut getan. Ich habe in solchen Situationen immer einen Schokopudding gekocht. Den wir auf dem Sofa gegessen und nebenher ein Buch angeschaut haben. Danach war die Welt für uns beide wieder in Ordnung.

Glaub mir, dein Sohn wird kein verzogenes Gör, nur weil du den Löffel selbst aufhebst. Die Grundlage für gutes Benehmen ist nicht Drill, sondern eine grundlegende Einstellung, bei der man Respekt voreinander hat. Das ist eine Haltung, die man vermittelt, und das muss nicht unbedingt in einer Situation sein, in der dein Sohn emotional aus dem Gleichgewicht ist.

Mein "schwieriger" Sohn ist jetzt sieben und ich hatte sehr viele Wutanfälle mit ihm durchzustehen... Heute hat er mir im Auto freudestrahlend erklärt, dass er mich vom Taschengeld zum Eis essen einlädt, sobald das Wetter besser ist. Seine Lehrerin ist von ihm begeistert, er sei "so ein goldiges Kind", das würde sie am liebsten mit heim nehmen. Und das bei einem Kind, das im Kindergartenalter jeden Tag Wutanfälle der heftigsten Sorte hingelegt hat - immer dann, wenn er emotional aus der Balance war oder meine Erschöpfung gespürt hat...

Nimms leicht und tu dir selbst was Gutes, das ist ein Befehl ;-)!

lg
K.