Sozialverhalten bei 4jährigen?!

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von jenx 19.05.10 - 22:11 Uhr

Hallo zusammen,

mein Sohn ist gerade 4 geworden und benimmt sich manchmal anderen Kindern gegenüber wirklich fies...ist das normal in dem Alter? Sind sie da alle so und probieren sich und ihre Wirkung in der Gruppe aus?

Beispiel:

Er spielt total gerne mit einem Jungen (M.). Aber sobald seine Freunde aus dem Kindergarten auf dem Spielplatz dabei sind, schließt er M. total aus. M. dürfe nicht mitspielen und er habe jetzt keine Zeit zum Quatsch machen, weil er ja mit den anderen Fußball spielen muss. M. hat mir total leid getan. Aber die Jungs waren nicht zu überreden, ihn mitspielen zu lassen.

Auch die Freundschaft zu seinem besten Freund gestaltet sich oftmals schwierig...sie streiten sich momentan oft, boxen sich dann hier und da mal und dann gehts los mit: Du bist nicht mehr mein Freund oder Ich lad dich nicht zum Geburtstag ein! Oder sein Freund hetzt die anderen gegen ihn auf (Der darf nicht mehr mitspielen, der ist doof). Dummerweise ist meiner sprachlich nicht sooo gewandt und fast ein Jahr jünger als die anderen aus der "Clique", so dass er da regelmäßig den Kürzeren zieht und heulend in der Ecke steht.

Fünf Minuten später spielen sie dann auch wieder zusammen. Bloß...mein Sohn mischt zwar kräftig mit, aber ihn trifft es sehr, wenn solche Sachen zu ihm gesagt werden. Kann ich ja auch verstehen, aber auf der anderen Seite: Er sagt das z. B. ständig zu seiner Schwester, wenn sie nicht nach seiner Pfeife tanzt! Wie geht ihr mit solchen Situationen um, wenn die Kids total traurig sind, weil der beste Freund (mal wieder) die Freundschaft gekündigt hat? Erklären und trösten? Oder mischt ihr euch in der Situation ein?

Und das dritte Problem: Wenn die Mittlere (2) gleichaltrigen Besuch hat (ist meist so, weil meine Freundinnen Kids in dem Alter haben...), dann nervt der Große ohne Ende. Sobald er dabei ist, gibts Streit und Geheule, er ist zu wild, nimmt überhaupt keine Rücksicht und stänkert ohne Ende. Oft schließt er auch das Besucherkind total aus und spielt nur mit seiner Schwester oder das Besucherkind muss dann der böse Pirat sein etc. Das nervt natürlich total. Sollte ich ihn dann lieber separat mit Puzzlen oder MiniLük etc. beschäftigen, oder lieber weiter versuchen, ihn zur Räson zu bringen? Wie macht ihr das? Trennt ihr die Kinder von vorneherein? Er verspricht jedesmal, dass er sich benimmt und es endet IMMER im Chaos. Ich kann verstehen, dass ihm das zu langweilig ist mit den Kleinen, aber kann ein vierjähriges Kind denn nicht schon Rücksicht nehmen? Jamie fällt das offensichtlich allgemein recht schwer... Zudem sind die Besucherkinder meist Einzelkinder, die das Toben mit 2 Jahre älteren nicht so gewöhnt sind und deshalb oft weinen, weil es ihnen zu viel wird oder sie gar nicht wissen, was er von ihnen will, wenn er um sie rumhüpft und mit Lego-Pistolen auf sie schießt #augen

Mir fällt auch nicht wirklich eine Konsequenz ein... Klar, er darf dann nicht mehr mitspielen, aber dann hängt er ja an mir und nervt, weil ihm noch langweiliger ist. Denn ganz alleine in seinem Zimmer mag er natürlich auch nicht spielen. Also hab ich ihn am Bein hängen und muss ihn beschäftigen. Wäre ja auch kein Problem...bloß...mir wäre es lieber, er sagt mir, dass ihm langweilig ist, als dass er erst mal die Kleinen vermöppt und dann als Strafe nicht mehr mitspielen darf :-p Beschäftigt ihr euch ausschließlich mit den Kindern, die keinen Besuch haben, oder lasst ihr alle zusammen spielen? Dazu muss man aber auch sagen, dass er die Kleine nie mitspielen lässt, wenn er Besuch hat. Dann wird sie gnadenlos aus seinem Zimmer verbannt. Sie wiederum würde auf so eine Idee nie kommen #schwitz

Fragen über Fragen...wäre schön, wenn ihr mal von euren 4jährigen berichtet.

LG
Jenny mit Jamie, Julie und Henri

Beitrag von bine3002 19.05.10 - 22:33 Uhr

Das klingt sehr normal.

Mit 4 Jahren hat er schon erste Erfahrungen in einer Gruppe gemacht und von den Größeren gelernt, wie man andere "mobben" kann. Sowas ist (leider) ziemlich menschlich und natürlich muss er auch mal testen, ob er das genauso kann. Dass so etwas "fies" ist, ahnt er schon, hat aber noch nicht genug Empathie entwickelt, dass er es auch umsetzen könnte.

Und dann ist er auch noch ein "Bengel". Die wollen toben, raufen, sich knuffen und das geht natürlich mit zwei kleinen Mädels nicht so gut. Könntest Du nicht vielleicht auch immer einen Kumpel einladen für ihn, wenn die Kleine Besuch hat? Das würde es sicher erleichtern.

Beitrag von jenx 19.05.10 - 22:42 Uhr

Hallo Bine3002,

das wäre natürlich optimal. Ich versuche auch, einmal die Woche jemanden für ihn mitzunehmen. Hier bei uns läuft das dann so ab, dass die Eltern das Kind direkt aus der Kita mit zu sich nach Hause nehmen und es nach dem Abendessen abgeholt wird, weil die Kids erst gegen 16:00 Uhr abgeholt werden. Wenn ich alleine mit meinen dreien unterwegs bin, dann ist das schon recht schwierig noch eins "mitzuschleifen" ;-)

Aber du hast recht, so wäre es sicher trotzdem am streßfreiesten für alle.

VG
Jenny

Beitrag von bine3002 19.05.10 - 22:51 Uhr

Und wenn es nicht geht, dann muss dein Sohn eben lernen, dass er nicht immer erste Geige sein kann. Wobei ihm das sicher schwerer fällt, weil er ja mal Einzelkind war. Es heißt immer, dass die ältesten Geschwister mehr Aufmerksamkeit brauchen und diese auch bekommen sollten. In der Praxis ist das aber sicher schwer. So erlebe ich das auch im Bekanntenkreis.

Eine weitere Idee wäre ein tolles Spielzeug oder Bastelmaterial, was er nur bekommt, wenn die Kleine Besuch hat.

Beitrag von jazzbassist 20.05.10 - 11:15 Uhr

Mein Sohn ist in einer kleinen Seelengemeine/Neubausiedlung aufgewachsen, wo es sehr viele Kinder unterschiedlichen Alters gab. Ich glaube, da hat immer ein Kind geheult. Laienhaft beobachtet ist mir aber auch aufgefallen, dass Geschwisterkinder hier „wilder“ zu sein scheinen und Einzelkinder eher „empfindlicher“. Also mein Spatz hatte in dem Alter auch bei jeder Kleinigkeit Tränen in den Augen.

Von der Entwicklung her lässt sich grob sagen, dass erste Freundschaften zwar etwa im Alter Ihres Sohnes entstehen. Aber ein „Ich lasse mich auf diesen Freund auch ein, weil er ja mein Freund ist“ kommt etwa erst gegen Ende des Kindergartens. Vorher ist es eher ein: "Mit dem lässt sich besser spielen als mit dem anderen". Auch eine erste Vorstellung von Recht und Unrecht entwickelt sich in diesem Alter erst, weil es dazu der Fähigkeit bedarf, die Dinge z.B. mit den Augen des anderen Kindes zu sehen. Also zu erkennen, dass es für das andere Kind doof ist, jetzt nicht mehr mitspielen zu dürfen. Kinder können vorher zwar auch teilen/zusammenspielen - aber - das dann nur unter rein egoistischen Motiven (Weil es dem Kind selbst Vorteile bringt). So wirklich feste Freundschaften bilden sich erst in der Schule.

Soviel zu Theorie - mein Sohn hatte seinen besten Freund etwa mit 5 gefunden. Vorher gab es eigentlich eher ein „Spielen mit anderen Kindern“, wo das Spielen und nicht die „anderen Kindern“ im Vordergrund standen. Wer das andere Kind war, war ihm m.E. eher egal; Hauptsache, er konnte in irgendeine Rolle schlüpfen. Wobei dort Sachen wie „Du bist nicht mehr mein Freund“ da auch ziemlich häufig vorkamen. Bei seinem besten Freund gab es solche Geschichten aber m.W. nach nie; wobei meine Frau hier sicherlich einen „besseren“ Überblick darüber hätte. Kann aber auch daran liegen, dass die beiden irgendwie Charakter- und Interessenmäßig eins waren. Die haben am liebsten körperlich (raufen, fechten, Wasserschlachten, Mutproben, Wettkämpfe, Kräftemessen, Abenteuer, Belastungsgrenzen kennenlernen) gespielt, was dann für meinen Sohn plötzlich doch kein Weltuntergang mehr war.

Ich würde mich hier in dem Spielverhalten von Kindern nicht einmischen, solange es nicht unbedingt nötig ist, sondern eher die Schulter zum Ausweinen spielen. Vielleicht Abends, wenn man die Kleinen ins Bett bringt, noch mal drüber reden und ein paar Tipps geben, wie man so etwas beim nächsten Mal vielleicht vermeiden oder besser lösen könnte. Ansonsten brauchen Kinder hier eigentlich nur sehr sehr viele Erfahrung. Soziale Interaktion ist eines der schwierigsten Punkte, die zum „Erwachsenwerden“ dazugehören. Das geht eher durch ausprobieren und scheitern und hat weniger mit Erziehung zu tun, weil es stark vom Charakter und der Persönlichkeit eines Kindes abhängt, welche aber viel viel früher bereits geprägt wurde.

Bei ihrem dritten Problem denke ich, dass Ihr Großer hier einfach verdammt Eifersüchtig ist. Das würde ich ihm nicht übel nehmen. Ich habe nur ein Einzelkind, daher kann ich hier nicht aus Erfahrung sprechen, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich gucken würde, dass der Große in dieser Zeit eine „eigene Aufgabe“ habe. Ich denke, meinen hätte ich damit gekriegt, dass es eine „große Jungen“-Aufgabe ist, dann kann er die „Babys“ nämlich alleine spielen lassen. Ansonsten denke ich nicht, dass ein 4-Jähriger hier aus eigener Einsicht wird Rücksicht nehmen müssen. Es hätte ja für ihn kein Vorteil. Er will eigentlich nur spielen was ihm Spass macht und als großer Junge darf er das in seiner Weltanschauung auch bestimmen. Das bringen wir Kindern ja durch Erziehung bei: Die „Großen“ geben den Ton an.

Solche: Das Kind hängt an Elterns Beinen und (in einer Analogie) bettelt: „Bitte bestraf mich, bitte bestraf mich“ Situationen kenne ich von meinem Spatz aber auch. Ist ja auch viel schöner, mit der Mama zu spielen als mit den 2-Jährigen. Haben Sie schon mal versucht, hier zeitgleich einen seiner Freunde einzuladen. Klar bedeuten noch mehr Kinder in der Regel auch noch mehr Chaos (gerade in dem Alter), aber, vielleicht können die sich dann ja doch irgendwie selbst beschäftigen (oder Mami gibt den beiden ein Spiel) und lassen die Kleinen in Ruhe spielen.

Beitrag von marion2 20.05.10 - 13:19 Uhr

Hallo,

ich finde dieses Verhalten nicht normal.

Ein 4jähriger kann sich sozialer verhalten und Rücksicht nehmen - wenigstens meistens.

Einen Lösungsvorschlag hab ich aber leider nicht.

LG Marion