Magersucht

Archiv des urbia-Forums Körper & Fitness.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Körper & Fitness

Sich in seinem Körper wohl zu fühlen und ihn schön zu finden, ist für fast jeden Menschen ein wichtiges Thema. Ob es um die richtige Diät und gemeinsames Abnehmen, Tattoos,  oder auch um Sport und Fitness geht, hier ist der richtige Platz dafür.

Beitrag von claerchen81 20.05.10 - 15:03 Uhr

Hallo ihr lieben,

ich würde gerne heute hier von einer sehr traurigen Begebenheit berichten.

Ich komme gerade von der Beerdigung einer Schulfreundin von mir. Sie starb im Alter von 31 Jahren an den Folgen einer langjährigen Krankheit: Magersucht.

Ein paar ihrer Therapiefreunde waren auch dort, genau wie sie in körperlich sehr schlechtem Zustand, wie ich sagen möchte. Sie selbst hat in ihrem Alter den Körper einer abgemagerten 10jährigen gehabt. Sie hat lange gekämpft und nun schließlich - viel zu früh - verloren.
Wir, ihre Freunde, Mitschüler, auch Lehrer und Kollegen sind unendlich traurig nicht nur über ihren viel zu frühen Tod, sondern auch über die Tatsache, dass sie vom Alter her eigentlich mitten im Leben gestanden hat, und doch nie wirklich leben konnte.

Vielleicht ist heute mal ein Tag, an dem sich alle diätenden Frauen selbstkritisch anschauen und sich fragen: mache ich das richtige? Ich streite gar nicht ab - da ich selbst gern mal moppelig bin - dass es bei Übergewicht natürlich Sinn macht, sein Gewicht wieder einzupendeln. Aber mein dringender Appell an alle - besonders die jungen - Normalgewichtigen: denkt daran, was ihr eurem Körper antut und denkt an die Folgen, die Magersucht für ein Leben - und es ist nicht nur eures, sondern auch das eurer Familien/ Freunde - bedeutet.

Ich bin immernoch erschrocken, wie gesellschaftlich akzeptiert diese Krankheit ist, nein, sie wird sogar besonders von Frauen honoriert.
Ich appelliere daher an euch: lernt, euch selbst zu akzeptieren und schaut nicht weg, beneidet nicht heimlich, wenn ihr im Bekannten/Freundeskreis Magersucht beobachtet.

Ich denke, in diesem Forum ist meine Bitte und die traurige Geschichte am besten aufgehoben, denn immer wieder geht es hier doch "um die ach so wichtigen letzten 5 kg" bei Frauen, die ohnehin schon einen viel zu niedrigen BMI haben und viel zu häufig noch definieren gerade wir Frauen uns noch über unsere Körper.

Traurige Grüße,
Clara

Beitrag von sparrow1967 20.05.10 - 17:57 Uhr

Danke für den Beitrag.

Allerdings sehen die Frauen, die bei 175cm Körperlänge eh nur 60 Kilo wiegen, das nicht ein. Leider.


Dünner, dünner, dünner...nur dünn ist schön....


:-(

Beitrag von anonym5 20.05.10 - 18:47 Uhr

Hallo

Ich finde ja das die gesellschaft selber erst die Krankheit macht.Ständig diesen druck dahinter.Wenn man eh schon ein Mensch ist der die kraft fehlt der kann da auch nicht stand halten.

Möge es deine Freundin jetzt wo sie ist besser gehn.

Liebe grüsse
Bibi

Beitrag von haruka80 20.05.10 - 22:37 Uhr

Liebe Clara,

ich habe selbst an Anorexie gelitten und mußte in der stationären Therapie miterleben, wie eine die Behandlung verweigerte und kurz darauf starb. Sie hinterließ eine 8-jährige Tochter und ich mit meinen 21 Jahren dachte damals nur: ich will das nicht!

Ich habe viele Jahre gekämpft und den Kampf gewonnen und wurde nie wieder so dünn. So schlimm, wie es war, es ist etwas, was ich heute noch im Kopf habe und was mir damals zeigte, wie leicht man sein Leben doch wegwerfen kann.

L.G:

Haruka

Beitrag von hannah696 21.05.10 - 17:27 Uhr

Ich denke nicht, dass die Gesellschaft diese Krankheit honoriert und gut findet. Klar, es wird suggeriert, dass man dünn sein muss, um etwas wert zu sein, aber dennoch denke ich nicht, das die breite Masse der Menschen die Auswirkung dessen (nämlich die Essstörung) gut findet.

Außerdem finde ich den Ausspruch, dass die Betroffenen an ihre Freunde denken sollen etwas daneben. Betroffene haben sehr viel mit sich selbst zu tun, da kann es sehr belastend sein, sich auch noch um die Befindlichkeiten der Freunde in Bezug auf die Krankheit zu konzentrieren, gerade weil die Gründe der Krankheit oft daher rühren.

Des weiteren geht es bei Anorexia Nervosa um ein gestörtes Selbstbild und eine gestörte Selbstwahrnehmung, keine angemessene Körperwahrnehmung, die meist begründet liegt in tiefgründigen Problemen wie Traumata, Persönlichkeitsstörungen, ect. und hat nicht immer etwas damit zu tun, dass die Betroffenen "Diät" machen.

Soviel dazu. Yvonne (die als Teenager selbst an einer Essstörung litt und jetzt mit betroffenen Jugendlichen arbeitet)

Liebe Grüße, Yvonne (die mit betroffenen Jugendlichen arbeitet)


Beitrag von annamarie23 21.05.10 - 20:18 Uhr

Hallo,

erstmals möchte ich mein Beileid aussprechen, dass es mit Dener Freundin soweit kommen musste :-(.

Ich litt selbst Jahre lang an Anorexia nervosa und einige Zeit auch an Bulimie und muss sagen es ist einfach SCHRECKLICH. Als Betroffener lebt man sozusagen in seiner eigenen Welt und glaubt es leider Niemanden, dass man krank und gefährdet ist oder redet sich ein selbst wieder von dieser Krankheit weg zu kommen, wenn man es denn irgendwann möchte. Es ist aber nicht so - man kommt ohne Therapie in der Regel nicht dauerhaft von weg! Ich hatte damals das Glück, dass ich trotz dieser Krankheit lange nicht meine rechtliche Lebensfreude verlore habe und das ich meinen heutigen Mann mit 16 kennengelernt habe. Er stand von Anfang an hinter mir und als er letzendlich heulend vor mir stand, dass er Angst hätte mich zu verlieren war ich endlich bereit für eine stationäre Therapie. Leider haben aber nicht alle Essgestörten einen Menschen, der ihnen das so deutlich sagt bzw. sie zu einer Therapie bringt :( Zwar bin ich seit Jahren geheilt, aber es tut mir natürlich weiterhin unbeschreiblich weh, wenn ich lese oder höre, dass andere genau an der Krankheit, unter der ich selbst jahrelang litt, gestorben sind =(.

Ich bin wie gesagt heute geheilt bzw seit Jahren nicht rückfällig geworden, kann endlich normal essen, habe Mann und 4 glückliche Kinder und bin mittlerweile wirklich allen Menschen (Familie, Freunde usw) dankbar, dass sie mich damals nicht aufgegeben haben, auch wenn ich sie häufig dafür "gehasst" habe. Ich hoffe für niemanden, dass er/sie in diese Krankheit verfällt und bitte wirklich jeden achtet bei Freunden, Bekannten und Verwandten darauf und wenn es Anzeichen gibt, dann sprecht Denjenigen darauf an auch wenn er euch in dem Moment hassen könnte. Irgendwann wird er dankbar sein.

Schönes langes Wochenende :)

LG Anna