Ansehen? Klinik ratet ab

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von mein_prinzchen 21.05.10 - 23:04 Uhr

Wieso denn?

Ich habe meinen Kleinen in der 15.SSW normal entbunden, er lag kurz auf meinem Bauch und ich konnte ihn in Ruhe verabschieden.

Eine gute Freundin von mir hatte ihren Kleinen in der 18.SSW auch normal entbunden, aber die Klinik hat abgeraten ihn anzusehen sondern gleich abgeben.

Ich konnte mir nicht vorstellen ohne Ansehen und Abschied. Einfach einwickeln, wegbringen, fertig.

Wie denn bei euch? Wie wird Trauer ohne Ansehen und Abschied verarbeitet?

Beitrag von frechesdingnrw 22.05.10 - 00:03 Uhr

Ganz ehrlich ich finde es unverantwortlich von der Klinik so etwas zu raten
Viele Eltern entscheiden im ersten Moment es nicht sehen zu wollen aber nach ein paar Stunden(die man meist eh noch zur Überwachung im KH ist) denken Sie doch anders
Wenn eine Hebamme ein Elternpaar liebevoll dabei begleitet finde ich es eigentlich unumgänglich das man das Kind sieht und es begrüßt und leider auch verabschiedet
Ich denke auch für die Trauer ist es sehr wichtig zu wissen wie dieses kleine Wesen ausgesehen hat denn egal ob 15 te Woche oder 18te Woche es ist doch ein kleiner Mensch und es ist nichts abstoßende soder abschreckendes daran denn es ist das eigene Fleisch und Blut
Leider gibt es noch viel zu viel Kliniken wo es so gehandhabt wird.
Ich wünsche Euch beiden viel Kraft für die nächste Zeit und deiner Freundin würde ich raten mal nachzufragen ob evtl. ein Bild gemacht wurde vielleicht hat Sie Glück auch wenn Sie es vielleicht erst nicht ansehen mag ...wer weiß was in ein paar Wochen/Monaten/Jahren ist
Trauer ist da geduldig
Lg Eve

Beitrag von nanel 22.05.10 - 00:50 Uhr

Hallo!

Schließe mich meiner Vorrednerin an.

Könnte gerade wieder einmal total die Krise kriegen.

Finde ich unmöglich das Verhalten des Klinikpersonals.
Als betroffene Eltern muss man aufgeklärt werden, wie weiter, wie damit umgehen. Man weiß doch überhaupt nichts. Die ganze Situation ist einen doch erst einmal schon befremdlich.
Es wird immer noch zu wenig auf das Geschehene eingegangen.
Man darf so etwas doch nicht einfach totschweigen.

Man muss doch erst einmal begreifen, dass man gerade Eltern geworden ist und dann zusätzlich, dass man sich in solch einem Fall auch wieder trennen muss.

Wir hätten uns länger Zeit lassen können, unseren Sohn anzusehen und zu fühlen, haben wir leider nicht genutzt. Wir wußten in diesen Momenten auch nicht, was wir tun sollten. Uns fiel das Ganze eben auch sehr schwer.
Im Nachhinein würde ich noch heute die Zeit zurückdrehen, wenn ich könnte.
Klingt komisch, aber wahrscheinlich könnte ich ihn dann gar nicht mehr hergeben.

Ich würde an Stelle der Eltern noch einmal in die Klinik fahren, um das Baby anzusehen, um Fotos zu machen oder machen zu lassen, um über Bestattungsmöglichkeiten zu sprechen. - Um zu begreifen, was passiert ist.

Ich wünsche Dir die richtigen Worte und den Eltern den Mut noch einmal zu ihrem Kind zu gehen, um sich verschieden zu können.

Man kann so ein Erlebnis vielleicht eine Weile verdrängen aber irgendwann holt einen so etwas ein und dann kann man nichts mehr tun.

Traurige Grüße

Beitrag von boujis 22.05.10 - 10:24 Uhr

Hallo,

ich musste meine Tochter in der 17.SSW gehen lassen und zu mir hat man gesagt, ich solle sie mir nicht ansehen, mir das nicht antun.
Da ich so unter Schock stand, hab ich gemacht was mir gesagt wurde.
Jetzt bin ich so traurig, ich konnte sie nicht einmal in den Arm nehmen, ihr sagen wie sehr wir uns auf sie gefreut haben. Naechsten Freitag ist die Beerdigung und gestern hat die Pfarrerin sie aus dem KH geholt und zum Bestatter gebracht. Am liebsten waere ich hingefahren.
Ich habe ein kleines Einschlagtuch genaeht, in das wurde sie gewickelt und wird auch damit beerdigt.
Das ich mich nicht verabschieden konnte, wird mich immer belasten, nur leider ist man im esten Moment total überfordert, kann keine klare Entscheidung treffen.
Sie wollten mir nicht mal sagen, was es geworden waere, das hat mein FA mir gesagt.
Ich weis das KH will der Mutter die seelische Belastung so gering wie möglich halten, nur nicht jede Frau ist gleich.
LG

Beitrag von celebrian 22.05.10 - 10:53 Uhr

Hallo,
ich habe meinen Sohn in der 16. ssw still geboren und hab ihn mir danach auch angeschaut, leider habe ich dann im Schock gleich nach der Schwester geklingelt und sie hat ihn mir sofort weggenommen. Für mich war das sehr schlimm ich hätte gern noch ein paar minuten mit ihm gehabt und bereue es sehr das ich geklingelt habe, aber ich war ganz allein.
Der Arzt war dafür sehr nett und hat mir ein Foto gemacht, das dann von der Schwester gebracht wurde sie sagte ich solle es mir lieber nicht gleich ansehen weil es ja noch aussehen würde wie ein Alien. Ich war total geschockt und konnte gar nichts drauf erwiedern.
Das Foto hilft mir sehr und für mich sieht mein kleiner Engel perfect aus.

LG Celebrian

Beitrag von lieke 22.05.10 - 12:17 Uhr

Hallo Celebrian,

die Schwester hat dein Kind wirklich "alien" genannt?????

Nicht dein Ernst, oder? Ich bin sprachlos.

Lieke

Beitrag von celebrian 22.05.10 - 12:38 Uhr

Hallo lieke,
sie sagte es wäre ja noch nicht richtig fertig und würde deshalb aussehen wie ein Alien, sie wusste nicht das ich es schon gesehen hatte.
Ich glaub das verletzt jede Mutter denn das eigene Kind sieht egal wie immer perfect aus, und mit einem Alien lässt sich das schon gar nicht vergleichen. Erst wollte ich das Bild niemanmden zeigen weil ich es nicht ertragen hätte wenn noch jemand sowas gesagt hätte.
Meine Mutter wollte es aber gleich sehen und sagte das es ja schon wie ein richtiges kleines Baby aussehe, es war ja alles dran.

LG Celebrian

Beitrag von lieke 22.05.10 - 14:13 Uhr

Hallo,

ich hoffe, dass dich die Reaktion deiner Mutter dann ein bisschen versöhnt hat. Ich finde es äußerst unprofessionel und unsensibel von der Schwester.

Bei mir war es umgekehrt. Ich habe in der 30.SSW einen Jungen still geboren, der von der Krankheit schwer gezeichnet und bereits 5 Tage tot war. Alle Krankenhausmitarbeiter, egal ob Arzt, Schwester, psychologischer Dienst, Genetiker und wer da so alles vorbei kommt gingen erst Mal zum Bettchen, schauten ihn an und sagten etwas Nettes. Wem er ähnlich sieht, etc. Beinahe so, als ob man nicht sähe, dass er tot ist, aber nichts war weniger wahr! Unglaublich! Das hat mir so gut getan. Er war genauso anwesend, wie es ein lebendiges Baby gewesen wäre.

Später, als wir zu Hause waren (hier in NL werden Verstorbene ob zu Hause verabschiedet, egal ob Kind oder Erwachsene) hat meine Mutter sich "gegruselt" und gesagt, "früher konnte ich mir sowas besser anschauen". Hallo? Sowas? Sie ist Krankenschwester!
Das hat mich so unglaublich verletzt, dass ich ihr am liebsten verboten hätte, ihren Enkel zu sehen. Er war mir einfach zu schade. Sie sagte dann, "jetzt bin ich mal mutig". Somit degradierte sie ihn zu einer Gruselnummer. Das werde ich nie vergessen.

Schön, dass deine Mutter so reagiert hat. Jedes Kind ist perfekt für seine Mutter.

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute, vor allem auch viel Verständnis im Umfeld für deine Trauer.

LG,
Lieke

Beitrag von sofilu 22.05.10 - 21:09 Uhr

Oh mein Gott ich sitze hier und muss weinen bei deinem Text!
Das deine Mutter so reagiert hat tut mir so unendlich leid!
Ich kann sehr gut verstehen das es für immer in deinem Kpf sein wird!7
Was du durch machen musstest ist einfach grausam!
Ich wünschte mir wirklich von herzen das sowas nieeee mals jemanden passieren würde!
Leider kommt es trotzdem viel zu oft vor das diese kleinen Engel gehen müssen!
Natürlich sind die engelchen Perfekt! Gerade für die angehörigen!
Und ich finde es super wenn man sich verabschieden kann!
Ich hatte meinen krümel in der 9.ssw in der Hand. Es war ein plötzlicher abgang. Man konnte eigentlich nichts sehen und trotzdem hat mich das wahnsinnig verletzt, der verlust!
Das ist jedoch nicht damit zu vergleichen sein kind so weit entwickelt zu sehen, und verabschieden zu müssen!
Jeder dem sowas passiert sollte sich zu überlegen ob man sich wirklich nicht verabschieden möchte.

#herzlich

Beitrag von lieke 22.05.10 - 21:46 Uhr

Danke, das tut mir gut, dass du das schreibst.
Irgendwie habe ich es noch nie jemandem erzählt. Wahrscheinlich, weil ich doch jemand bin, der schnell die Schuld bei sich selber sucht und dachte, dass ich vielleicht zuviel erwarte oder überreagiere.

Die Beziehung mit meiner Mutter ist ziemlich kaputt gegangen. Es gab noch mehr solche "Schoten" und auch noch heftigere Dinge.
An allem gibt sie ihm natürlich die Schuld und das ist etwas, was ich gar nicht haben kann. Er kann sich ja nicht mehr verteidigen, also tu ich das umso heftiger.

So traurig das ist, aber er hat mir zumindest die Erkenntnis hinterlassen, das meine Mutter mich nie verstanden hat.

Ich wünsch dir alles Gute,

Lieke

Beitrag von sofilu 22.05.10 - 23:07 Uhr

Hallo,

bei der einen Geschichte kann ich schon völlig verstehen das es mit deiner Mutter nicht mehr klappt!
Aber wenn es noch andere sachen gibt wo sie deinem Engel die schuld gibt , ist natürlich noch heftiger!
Such die schuld nicht bei dir!
Erstens ist es nicht deine schuld das dein kleiner Mann gehen musste und zweitens ist es auch nicht deine schuld das es mit deiner Mutter und dir nicht mehr klappt.
Dir ist was sehr sher schlimmes passiert und du musst mit dem verlust klar kommen. Da solltest DU auf niemanden rücksicht nehmen müssen.
Alle in deiner umgebung sollten dir beistehen egal wie lange es dauern mag bis der schmerz weniger wird.
Er wird nie weg gehen aber es wird besser.
Du kannst sehr stolz auf dich sein!

Liebe Grüße und alles alles gute#herzlich

Beitrag von krikri75 22.05.10 - 11:27 Uhr

Wahnsinn, was ich hier so alles von Euch lese!

Manche Ärzte und Schwestern spinnen doch! "Sieht wie ein Alien aus", man solle sich das ersparen etc. Da steigt mir so die Galle!!!

Sicher tickt jede von uns anders und entscheidet über diese Frage auch individuell.

Doch genauso sicher ist: Jede von uns steht in dieser Situation mehr oder minder unter Schock. Und kann vielleicht gar nicht so schnell und sicher entscheiden bzw. FÜHLEN, ob sie ihr Kind sehen möchte, mit ihm ein bisschen Zeit verbringen, Fotos machen usw.

Ich kann gut nachvollziehen, dass manche von Euch, die sich zunächst dagegen entschieden haben, ihr Kind zu sehen oder Andenken aufzubewahren, dies später bereuen.

Deshalb ist es so enorm wichtig, dass die Ärzte uns dafür ZEIT lassen!! Ich kann nur an Euch appellieren: Fordert das ein! Es muss nicht alles schnell wie am Fließband gehen: Diagnose - Operation/Geburt - Bestattung. Wir sind Frauen, die gerade ihr Kind verloren haben!
Trefft Eure Entscheidung auf Grundlage dessen, was Ihr fühlt!!! Und dafür braucht Ihr Zeit!

Ich habe mein Kind in der 8. SSW verloren, MA mit AS. Ich hatte Glück: Der Arzt war sehr nett und hat mir auf meinen Wunsch, obwohl er sagte, dass er das nicht dürfe, "etwas" von meinem Kind mitgegeben, was ich beerdigen konnte. Das war für mich sehr wichtig und ich bin ihm dafür dankbar.

Liebe Mädels und Frauen: Achtet auf Euch! Und lasst Euch nichts vorschreiben!
Krikri

Beitrag von hardcorezicke 22.05.10 - 21:58 Uhr

meine schwägerin hat ihre 6 mon alte tochter tot zur welt gebracht.. sie hatte starke trisomie.. nicht lebensfähig... sie hat sich auch von ihr verabschieden können.. haben sogar noch tolle fotos als verarbeitung gemacht.. sie haben es nicht bereut und konnten es gut verarbeiten.

ich gönne es keinem..aber verabschieden sollte man sich schon sollen

LG Diana

Beitrag von supermarion 23.05.10 - 05:56 Uhr

UNBEDINGT ANSEHEN!!!!!!!
Die einzige Chance, noch Zeit mit seinem Kind zu bekommen!!!! Also - wenn ich unser Baby (23. ssw still geboren) nicht gesehen hätte - ich würde mich 100x am Tag fragen, wie es wohl ausgesehen hat.
Unsere Hebamme hat uns gefragt, ob wir nach der Geburt unseren Valentin sehen wollen, da hatte wir noch gesagt "nein". Dann hat sie gemeint, dass es gut für uns wäre, wir haben es uns dann überlegt und ihr vertraut. UND DAS WAR GUT SO! Wir haben dann auch noch Fotos gemacht, die wir auch aufgestellt haben im Wohnzimmer. Was uns leider niemand gesagt hat, und woran wir auch nicht dachten: MACHT HAND- und FUSSABDRÜCKE!!! Unbedingt! Die fehlen uns so sehr! Wir wissen zwar noch, dass Valentin sehr klein war - wir schätzen, 25 - 30 cm gross - aber die Erinnerung verblasst leider. Und wenn wir Abdrücke hätten, so könnten wir noch seine zarten Hände vor Augen haben. Er war einfach wunderschön anzuschauen!
Und - man klammert sich danach an JEDE Erinnerung!! Haltet das Baby, streichelt es, liebkost es!!! Vor allem der Papa, denn der durfte das Baby vorher nie spüren, und ich als Mama durfte davor wenigstens die Tritte und Boxer im Bauch spüren...

Beitrag von haseundmaus 24.05.10 - 14:42 Uhr

Hallo!

Ich habe meine Zwillinge in der 25. Woche still geboren, nachdem sie schon 2-3 Wochen nicht mehr lebten. Ich habe sie per KS bekommen und als ich aus dem Schlaf aufwachte, sagte man mir knallhart ins Gesicht, dass es besser wäre wenn ich sie mir nicht ansehe. Das hat mich so schockiert, danach bin ich total zusammengebrochen.
Nachdem man mich mehrmals fragte an diesem Tag, ob ich es möchte oder nicht, habe ich eingewilligt. Die Ärztin die mich operiert hat sagte, sie käme erstmal mal einem Foto und dann kann ich entscheiden. Und ich bin so froh dass ich es gemacht habe. Ich hab das Foto gesehen und konnte nichts schlimmes darauf sehen. Meine Kinder waren das und es war völlig klar, dass ich sie wenigstens einmal noch bei mir haben wollte, wollte mich verabschieden, sie anfassen und ihnen ihre Namen geben. Entgegen des ärztlichen Rats habe ich es gemacht und ich kann mir kaum ausmalen was wäre, wenn ich es nicht gemacht hätte. Ich denk ich wäre daran kaputtgegangen.

Ich kann immer nur raten, sich seine Kinder anzusehen und sich zu verabschieden. Es ist so ein wichtiger Schritt um dies alles zu realisieren und zu trauern und später zu verarbeiten. Schade, dass deine Freundin sich in dem Moment nicht durchsetzen konnte. Sie war wahrscheinlich einfach so fertig. Aber es ist doch so, andere sehen nur das äußere des Kindes, das nun mal nicht so rosig ist wie ein putzmunteres Neugeborenes. Natürlich nicht. Aber eine Mutter sieht doch viel mehr! Man muss einer Mutter die Gelegenheit geben, es sich zumindest zu überlegen. Und nicht gleich das Kind wegnehmen. In dem Moment wenn das Baby da ist, kann man sowas doch kaum entscheiden, das braucht mitunter Zeit. Nein, find ich absolut schlimm, dass man deiner Freundin diese Gelegenheit genommen hat. Eigentlich müsste man das heutzutage besser wissen, wie wichtig es ist sein Baby sehen zu können.

Manja mit Lisa Marie #verliebt 8 Monate