Was ich nur los mit mir? Ich versteh' mich selbst nicht.

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Forum: Gesundheit & Medizin

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Beitrag von sternchen7778 23.05.10 - 22:56 Uhr

Hallo,

ich versuche mal meine derzeitigen Gefühle zu beschreiben:

Mein Kopf fühlt sich einfach leer an. Ich kann nicht sagen, dass ich müde, genervt, gelangweilt oder was auch immer bin. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich auf irgendwas freue - obwohl wir demnächst in Urlaub fahren, obwohl bald ein Mädelsabend mit meiner Freundin ansteht. Sogar mein Sohn sagt immer öfter zu mir "Mama, lach' doch mal!"

Ich kann mich nur schwer aufraffen, irgendwas zu erledigen. Wenn, dann muss ich sofort damit anfangen. Denn wenn ich auch nur ganz kurz warte, ist die anfängliche Motivation schon wieder weg.

Wir haben fast keinen Sex mehr. Mir fehlt dabei nichts. Wenn mein Mann Annäherungsversuche startet, würde ich am liebsten heulen. Alles verkrampft sich. Dabei weiß ich doch ganz genau, dass ich was Wunderschönes verpasse.

Mein Alltag kommt mir vor wie "Und täglich grüßt das Murmeltier". So vieles wiederholt sich Tag für Tag für Tag für Tag... Mach' ich aber mal was außer der Reihe, kommt gleich wieder das schlechte Gewissen durch, weil ich in der Zeit ja auch was Produktives zuhause hätte machen können, was ich ja aber sonst auch nicht tue, weil ich mich nicht aufraffen kann.
Was z.B. die Nachmittagsgestaltung mit den Kindern angeht, würde ich am liebsten oft daheim bleiben. Obwohl ich weiß, dass ein solcher Mittag mit den Jungs nur nervenaufreibend wäre. Meine Freundinnen setzen mir dann Gott sei Dank meistens ein "Programm" vor die Nase, wo ich einfach mitziehen muss, sonst hagelt's von den beiden nur dumme Sprüche.

Eigentlich darf ich aber gar nicht "jammern". Meine Mama hat viel mehr um die Ohren, ist mit meiner Oma, Haushalt, Buchhaltung etc. etc. extrem eingespannt. Eigentlich müsste ich ihr mal einiges abnehmen, mich auch mal um manches kümmern. Aber ich komm' ja so schon nicht mit meinem Alltag rum...

Was ist nur los mit mir? Bin ich für "Nur-Hausfrau-und-Mutter" doch nicht geeignet? Dabei bin ich doch so heilfroh, endlich aus meinem Job raus zu sein (Kündigung und Schwangerschaft sind die einzigen Chancen). Und wenn ich noch zusätzlich arbeiten würde, würde ich alles zeitmäßig doch noch weniger auf die Reihe kriegen?!

Ich weiß einfach nicht, was ich von allem denken soll. Stell' ich mich nur an? Gehört mir einfach nur mal wieder ein gehöriger Arschtritt? Oder bin ich ein Fall für einen Psychiater? Eine Freundin hat mich schonmal gefragt, ob es sein könnte, dass ich Depressionen habe?! Aber hat man da nicht ganz finstere Todesgedanken?

Ich warte einfach immer wieder darauf, dass ich morgens aufwache und alles anders ist. Dass mein Kopf wieder anders tickt, sich alles einfach wieder normal anfühlt...

Ich weiß, Ihr seid alle Laien. Aber ich weiß ja nichtmal, ob ein Arzt überhaupt für mich zuständig ist?! Und wenn ja, welcher???

Es hat jedenfalls gut getan, alles mal zu formulieren. Und je öfter ich mir diesen Text durchlese, desto mehr denke ich, dass ich wirklich was unternehmen muss... Entschuldigung, dass er so lang geworden ist...

Gruß, Sandra.

Beitrag von myimmortal1977 23.05.10 - 23:35 Uhr

"Eine Freundin hat mich schonmal gefragt, ob es sein könnte, dass ich Depressionen habe?! Aber hat man da nicht ganz finstere Todesgedanken?"

Ne, nicht zwangsläufig. Depressionen gibt es in verschiedenen Stufen.

Entweder fehlt der der Reiz im privaten oder im beruflichen Umfeld (sprich auch Unterforderung) oder Du hast nen Touch einer Depression.

Depressionen haben allerdings oft Menschen, die gänzlich mit ihrem Leben unzufrieden sind.

Ggf. hilft eine neue Herausforderung, eine neue Aufgabe. Z. B. im beruflichen Bereich.

Horch mal ganz tief in Dich hinein!!!!!

Viel Glück!!!!

Janette

Beitrag von moonlight83 24.05.10 - 07:20 Uhr

Hört sich schon nach einer leichten Depression an.
Es ist auch nichts schlimmes. Du wirst Dir gar nicht vorstellen können, wie viele Menschen mind. 1x in ihrem Leben sowas haben.
Ich würde zu erst zum Hausarzt gehen, ggf. kann der Dich dann weiter überweisen. Ich vermute, dirs es Dir mit hochdosiertemJohanniskraut schon sehr viel besser gehen wird.

Beitrag von countrylady1221 24.05.10 - 08:57 Uhr

Guten Morgen Sandra

Depressionen zeigen sich nicht nur in Verbindung mit Todesgedanken. Es gibt hier alle möglichen Abstufungen. Suizidgedanken sind sozusagen die vorletzte Stufe. Grundsätzlich aber ist man erschöpft, jede Tätigkeit fühlt sich wie ein Marathon an. Man kann schwer Entscheidungen treffen - auch eigentlich ganz simple, wie: was für Unterwäsche ziehe ich heute an? Deine sexuelle Unlust ist ein absolut typisches Zeichen. Frauen sind ja im allgemeinen Kopfmenschen - wenn du also den Kopf voll mit anderen Sachen hast und dich nicht entspannen kannst, ist der Sex das allerletzte, was Du brauchen kannst. Ich weiss, wovon ich rede. Ich habe seit ca. 3 Jahren manische Depressionen. Dies bedeutet, dass Du Phasen der Zufriedenheit und Hochgefühls hast, in der Du Bäume ausreissen könntest. Diese Phase wechselt sich (meist schlagartig von einem Tag auf den anderen) in eine depressive Phase, in der man absolut gar nichts auf die Reihe bringt, am liebsten den ganzen Tag schläft, weil man nur noch totmüde ist, obwohl man kaum was gemacht hat. Man sieht das Chaos um sich rum, weiss eigentlich, dass man was machen sollte - kann es aber nicht, was einen wiederum noch tiefer ins Loch fallen lässt. Was aber fast noch schlimmer wiegt: Man verliert den Bezug zu Gefühlen. D. h. die Liebe (z. B. zu Mann und Kindern) wird nicht mehr empfunden. Man wird sozusagen "gefühlskalt". Das heisst nicht, dass man sie nicht mehr liebt, sondern, dass man nichts mehr empfindet.

Ich habe lange gebraucht, um festzustellen, dass was nicht stimmt. Meine Ehe war deswegen in einer tiefen Krise, ich habe den Kontakt zu meinen Kindern verloren. Erst da habe ich gemerkt, dass ich was unternehmen muss und habe mir einen Psychotherapeuten gesucht. Ich habe eine Weile Medikamente genommen, aber wieder sein lassen, weil ich die Nebenwirkungen nicht wegstecken konnte. Dabei lassen die nach einer gewissen Zeit nach. Ich habe mich um eine Familienhilfe bemüht, die mich sehr unterstützt. Eine besonders liebe Frau, bei der ich mich auch mal auskotzen kann. Ab und zu nimmt sie mir (wie jetzt in den Ferien) auch mal einen Tag die Kinder ab und macht mit ihnen einen Ausflug, so dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, weil sie zu kurz kommen. Ich habe mir bewusst Freiräume geschaffen. Mein Kleiner geht nun zweimal die Woche in die Ganztagesbetreuung der Schule und ich habe mehr oder weniger bis 16.30 Uhr "frei". An diesen Tagen widme ich mich ganz mir selbst, höre schöne Musik, lese, pflege mich - und mache dies ganz BEWUSST und nicht als Pflicht, weil ich es muss. An solchen Tagen lasse ich fünfe grade sein. Es war ein langer und schwerer Prozess, dies zu lernen und manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich in alte Muster verfalle. Bei diesem Lernprozess brauchst du aber Hilfe.

Geh zu Deinem Hausarzt und beschreibe Deine Symptome. Lass dir eine Überweisung zu einem Psychotherapeuten geben. Ob Du es dann in Anspruch nimmst, ist Deine Sache. Mach aber auf jeden Fall einen Termin aus - die Wartezeiten sind teilweise extrem. Wenn Du Dich auch bis zum Termin besser fühlen solltest (ist normal), trotzdem wahrnehmen. Das erste Gespräch ist sowieso erst mal zum "reinschnuppern", kostet Dich nichts ausser vielleicht ein wenig Überwindung und wer weiss? Vielleicht tut es Dir ja auch gut, mal mit jemandem zu reden, der unparteiisch ist?

Was mir auch unwahrscheinlich gut getan hat: Ich bin seit 2 Jahren in einer Selbsthilfegruppe. Lauter nette Leute, die alle so ziemlich die gleichen Probleme haben, wie ich. Eine SHG ist kein Verein - also keine Verpflichtung hinzugehen. Wenn mir nicht danach ist, melde ich mich kurz ab und gut ist.

Ich hoffe, ich konnte Dir wenigstens ein bißchen helfen. Wenn Du Dich mit mir austauschen möchtest, dann melde Dich einfach. Würde mich freuen, von Dir zu hören.

Gruß
C.

Beitrag von unipsycho 24.05.10 - 20:16 Uhr

#pro besser kann mans gar nicht ausdrücken :-)
Ich hoffe, die TE meldet sich nochmal dazu... soll ja eine Diskussion sein ;-)

Beitrag von unipsycho 24.05.10 - 20:20 Uhr

zum Thema Selbsthilfegruppe :-) http://www.urbia.de/club/Leben+mit+Depressionen

Ich hab übrigens nix mit dem Club zu tun - find nur sehr toll, dass es sowas bei Urbia gibt und manchmal kommt man halt nicht auf die Idee, mal da zu suchen. ;-)
Musst du dann auch nicht hier im offenen Forum Seelenstriptease betreiben ;-)

Beitrag von sternchen7778 25.05.10 - 13:01 Uhr

Vielen, vielen Dank für Eure Antworten.

Mein Hausarzt (zu dem ich Gott sei Dank großes Vertrauen habe) ist leider z.Zt. in Urlaub. Danach sind wir erstmal ein paar Tage weg. Ich hab' also nochmal ein bissel Zeit, in mich reinzuhören, mir noch ein paar Infos einzuholen etc.

Dann geh' ich das ganze Thema an, werd' mich mit meinem Hausarzt zusammensetzen.

Vielen, vielen Dank jedenfalls!!!

LG, Sandra.